Schutz vor aggressivem Schüler?

  • Hallo zusammen,


    kürzlich wurde ich von einem Schüler mit einem Gegenstand in der Größe eines Klassenbuchs mit voll Karacho beworfen.

    Er verfehlte mich nur knapp. Schon früher verhielt sich der Schüler mir gegenüber regelmäßig provokant und respektlos.

    Welche Möglichkeiten habe ich in so einem Fall, wenn ich mich von Vorgesetzten nicht genug unterstützt/ geschützt fühle?

    Zu verweigern, den betreffenden Schüler zu unterrichten, geht vermutlich nicht?


    Danke,


    VG

  • Strafanzeige: Versuchte Körperverletzung.


    Falls er dich trifft, natürlich ohne "versuchte", dann sofort zum Arzt (auch während der Unterrichtszeit), und zusätzlich Zivilklage wg. Schmerzensgeld (geht auch, wenn er dicht nicht trifft wg. psychischer Schäden).


    Gruß !

  • Zu verweigern, den betreffenden Schüler zu unterrichten, geht vermutlich nicht?

    Zunächst solltest Du alle Vorfälle penibel dokumentieren. Hole Dir außerdem Verstärkung ins Boot. Es gibt doch sicher Kollegen, denen es genauso geht. Dann immer wieder die Schulleitung nerven. Notfalls Dienstvorgesetzte der Schulleitung einbinden.

    Viel Erfolg!

    Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein!

  • Hallo,


    - schau ins Schulgesetz deines Bundeslandes. Es gibt Erziehungsmaßnahmen und Ordnungsmaßnahmen. Manches darf nur der Schulleiter anordnen, manches, weniges du selbst, die Klassenkonferenz spielt manchmal eine Rolle (ggf. kann das Kind ohne Schulleiteranordnung zeitweise in einer anderen Klasse sitzen?)

    - Tu dich unbedingt mit Kollegen zusammen

    - Tu dich möglichst mit der Klassenleitung zusammen

    - "weigern" kannst du dich theoretisch nicht, praktisch könntest du dich bei genug Entschlossenheit ins Schulleiterbüro setzen und Tacheles reden

    - Anzeige geht auch, hab ich aber noch nie gemacht. Bedaure es im Nachhinein.

  • Danke für die Tipps.

    Bei diesem Schüler ist mir nicht bekannt, dass er auch gegen andere Lehrpersonen aggressiv ist. In einem anderen Fall war ein Schüler gegen weibliche Lehrer aggressiv und zusätzlich gegen MitschülerInnen. Von Seiten der SL passierte nichts zu unserem Schutz. Anzeige würde bei einem Kind unter 14 wohl nichts bringen, nehme ich an. Zudem bekäme ich richtig Probleme, wenn ich "einfach" die Polizei anriefe, denn das würde schließlich dem Image der Schule schaden. Der SL sind positive Zeitungsberichte sehr wichtig.

    Ein MItglied der SL sagte in Bezug auf den Werfer, ich solle doch erst einmal abwarten. Wenn wieder etwas passiert, könnte man immer noch...

    Oh Freude.

    VG

  • Was ich auch noch nie gemacht habe, aber vielleicht eine Überlegung wert wäre: man könnte im Akutfall die Polizei rufen und gucken was passiert. Du darfst ja die Klasse nicht unbeaufsichtigt lassen, musst aber dich und die Gruppe schützen.


    Kennst du die Eltern?


    Edit, Beiträge haben sich überschnitten.

    Anzeige ist dein Recht, die machst du als Privatperson. Sie bringt insofern was, als das Jugendamt zu Hause vorbeischauen wird.


    Wenn der SL Angst hat, was wahrscheinlich ist, kommt es darauf an, wer den größeren Druck aufbauen kann: du oder die Eltern? Sei kreativ innerhalb des Erlaubten.

  • - Tu dich möglichst mit der Klassenleitung zusammen

    Diese war länger erkrankt, kommt demnächst zurück.

    Ordnungsmaßnahme ist erfolgt, wobei ich 2 Tage Ausschluss von der Schule als sehr lasch empfinde. Das kenne ich von früheren Schulen auch anders, und das sagte ich der SL auch bereits. Die Atmosphäre an dieser Schule ist von Seiten der SL meinem Empfinden nach echt übel.

    Danke für euren Zuspruch!

  • Was ich auch noch nie gemacht habe, aber vielleicht eine Überlegung wert wäre: man könnte im Akutfall die Polizei rufen und gucken was passiert. Du darfst ja die Klasse nicht unbeaufsichtigt lassen, musst aber dich und die Gruppe schützen.


    Kennst du die Eltern?

    Um bei der Gruppe zu bleiben, hatte ich ein Kind zur SL laufen lassen. In dem Raum habe ich keinen Telefonempfang, um die SL anzurufen. Notruf weiß ich nicht, ob der gehen würde.

    Die Eltern kenne ich nicht.

  • Ordnungsmaßnahme ist erfolgt, wobei ich 2 Tage Ausschluss von der Schule als sehr lasch empfinde.

    ist sie aufgrund des Vorfalls erfolgt? Das wäre immerhin schonmal was. Ich würde mit den Eltern Kontakt aufnehmen. Hast du eine*n Kolleg*in der gut mit (diesen) Eltern klarkommt?


    Und wie kommt es, dass du nicht weißt, wie das Kind sich bei Kollegen verhält, redet ihr nicht?

  • Zudem bekäme ich richtig Probleme, wenn ich "einfach" die Polizei anriefe, denn das würde schließlich dem Image der Schule schaden. Der SL sind positive Zeitungsberichte sehr wichtig.

    Na, wenn sich herumspricht, dass bei euch Schüler tätlich gegen Lehrer vorgehen, ist das ganz sicher auch keine gute Propaganda.

  • Von Seiten der SL passierte nichts zu unserem Schutz. [...] Zudem bekäme ich richtig Probleme, wenn ich "einfach" die Polizei anriefe, denn das würde schließlich dem Image der Schule schaden. Der SL sind positive Zeitungsberichte sehr wichtig.

    "Lieber Herr/Frau SL, falls keine Maßnahme zu unserem Schutz erfolgt, bleibt uns keine andere Möglichkeit als uns an die Polizei zu wenden."

  • "Lieber Herr/Frau SL, falls keine Maßnahme zu unserem Schutz erfolgt, bleibt uns keine andere Möglichkeit als uns an die Polizei zu wenden."

    Wenn ich so richtig Probleme haben möchte, werde ich das so machen. Ein Kollege bekam schon RICHTIG einen auf den Deckel, weil er sich mit einem Problem an den Lehrerrat gewendet hatte. Als mal das Wort Personalrat fiel, bekam die SL fast Schnappatmung. Tolle Stimmung bei uns.

    Na, aber der Tipp, bei einem Angriff tatsächlich die Polizei anzurufen hilft mir schon, da ich es für übertrieben hielt. Immerhin ging es nicht um eine Bedrohung mit einer Waffe.

    samu Zu Kollegen und besagtem Schüler: doch, wir reden, nur bisher nicht über diesen Schüler, bzw. nur im Zusammenhang mit Unterrichtsstörungen. Und ja, der Ausschluss erfolgte aufgrund des Vorfalls. An meiner ehemaligen Schule wäre der Schüler 14 Tage mit Androhung der Entlassung von der Schule suspendiert worden. Seufz.

  • Ich würde auch sagen, dass ein sofortiger Blick in die Schülerakte, ein Austausch mit Kollegen, zumindest aber eine Information der Eltern über dieses Verhalten erfolgen muss, schon allein aus dem Grund der eigenen Absicherung, wenn schwer wiegendere Schritte eingeleitet werden müssen, als nur den Schüler für zwei Tage vom Unterricht zu suspendieren.


    Auch an unserer Schule kommt es vor, dass SuS gegenüber den Lehrern tätlich werden und da ist meines Erachtens sofort Handlungsbedarf nötig. Ich habe es zeitweilig mit der Strategie aussitzen versucht und das wurde in meinem Fall eigentlich immer bestraft.


    Die Schülerschaft braucht auch die Erfahrung, dass sich ein Lehrerkollegium sehr wohl über Schülerverhalten austauscht und im Akutfall immer füreinander einsteht.

  • Wenn ich so richtig Probleme haben möchte, werde ich das so machen. Ein Kollege bekam schon RICHTIG einen auf den Deckel, weil er sich mit einem Problem an den Lehrerrat gewendet hatte. Als mal das Wort Personalrat fiel, bekam die SL fast Schnappatmung.

    Doof, aber wird nicht besser, wenn man selbst Angst hat. Was ist denn "RICHTIG eins auf den Deckel kriegen"? *Schulterzuck* und wieso interessiert dich die Schnappatmung des Chefs mehr als deine Rechte und Unversehrtheit?


    Zudem: schön, wenn es an der anderen Schule anders war, es war natürlich auch bequemer für dich. Ich hab jedes Mitgefühl mit Kollegen mit schwierigen Schülern und laschen Chefs. Aber von den Kollegen selbst muss m.M.n. auch was kommen. Eltern einladen oder mindestens anrufen, Schulsozialarbeit, nachsitzen oder sonst was, das dir entspricht. Also vielleicht ist da ja auch schon viel gelaufen, aber bisher hast du darüber nicht berichtet. Wie alt ist denn der Schüler?

  • Wenn ich das so lese wird dein SL einfach bei derartigen Vorkommnissen schon wiederholt nicht bzw nicht ausreichend tätig.

    Ergo - "Etage rauf" und remonstrieren.

    Die "Schnappatmung" deines SL kann dir herzlich egal sein, er hat schließlich dafür zu sorgen, dass so etwas nicht passiert. Seine "PR" ist nicht dein Problem. Wenn er das nicht hinbekommt, ist er auf dem Posten wohl falsch.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

    Einmal editiert, zuletzt von Miss Jones ()

  • Wenn ich so richtig Probleme haben möchte, werde ich das so machen. Ein Kollege bekam schon RICHTIG einen auf den Deckel, weil er sich mit einem Problem an den Lehrerrat gewendet hatte. Als mal das Wort Personalrat fiel, bekam die SL fast Schnappatmung. Tolle Stimmung bei uns.

    Was soll das sein? "Einen auf den Deckel"? 'Rumgepampe vom SL? Wie alt seid ihr, dass euch das beeindruckt. Und wenn man weiß, wie der SL drauf ist, sorgt man dafür, dass man bei Gesprächen mit ihm nicht allein ist, Lehrerrat mitnehmen, einen sonstigen Vertrauten, zur Not einen Anwalt.


    Schön mitschreiben, was er sagt. Das ist der SL. Das ist wichtg, was er sagt. Schön mitschrieben.


    Und wie gesagt, so ein Schulleiter hat auch eine Vorgesetzten.


    Ansonsten würde ich noch prüfen, ob man wegen des auffälligen Verhaltens das Jugendamt einschalten sollte. auffälligen Verhaltens des Schülers. Ob das Jugendamt auch für das auffällige Verhalten des Schulleiters zuständig ist, weiß ich nicht.

  • Mal ganz ehrlich: sieh zu, dass du da weg kommst.

    Genau. Und zwar so schnell wie möglich!

    Meine Erfahrung zum Thema "problematische SL" ist nämlich, dass man als Kollegium wenig erreichen kann, egal wie einig man sich ist. Wenn man einem SL kein größeres rechtliches Vergehen nachweisen kann, bleibt trotz aller Hilferufe an Personalrat oder übergeordnete Stellen alles beim Alten, nur das Arbeitsklima wird immer noch belastender.

  • Wenn ich so richtig Probleme haben möchte, werde ich das so machen.

    Du hast bereits ein richtiges Problem, wenn Schüler Straftaten gegen dich begehen können, ohne nennenswerte Konsequenzen zu spüren. Ein Angriff gegen eine Lehrkraft ist m.E. bereits ein hinreichender Grund für einen dauerhaften Schulausschluss von der betreffenden Schule. Ein Unterrichtsausschluss von 2 Tagen greift da deutlich zu kurz. Im Übrigen sind (zumindest in Niedersachsen) Gewaltdelikte an Schule anzeigepflichtig!


    Ergänzung: Diese Pflicht betrifft die Schulleitung, die andernfalls mindestens eine Dienstpflichtverletzung begeht. Mir ist ein Fall bekannt, indem gegen eine Schulleitung auch wegen Strafvereitelung nach §258 StGB ermittelt wurde.

Werbung