Wie geht ihr dem Corona-Virus entgegen?

  • Miriam Wegert , das war Ironie. Was sagst du eigentlich zu den Rückfragen, die an dich gestellt wurden? Die Logik deines vorletzten Beitrags hat sich mir auch noch nicht erschlossen...

    Ok, dazu muss ich aber etwas ausholen.

    Ich bin Lehrerin in einer anderen Gesellschaft geworden. Meine Vorstellung war tatsächlich (bitte nicht lachen), dass ich den mir anvertrauten Kindern etwas beibringen möchte, ihnen helfen möchte, später ein glückliches und erfülltes Leben zu haben.

    Nach 1990 habe ich schnell gemerkt, dass in der Bundesrepublik der Lehrer in etwa den Unberührbaren im indischen Kastensystem gleich ist. Wir werden gebraucht, deshalb toleriert, aber ansonsten weitgehend verachtet.

    Die Kultusministerien sind nicht für die Lehrer da, sondern um diese zu disziplinieren und ihnen das Leben möglichst schwer zu machen. Selbst die Lehrerverbände verarschen uns regelmäßig.


    Deshalb fühle ich mich nicht dem Staat (was das auch sein mag) verpflichtet, sondern ausschließlich meinen Schülern. Ich bin nicht verbeamtet.

    Und deshalb will ich wieder in der Schule zurück. Ich habe z.B. Abiturienten und für die bin ich da.


    Die dabei auftretenden Probleme und Gefahren, auch für meine Gesundheit, sind mir bewusst. Und ich weiß auch, dass keiner der eigentlich Verantwortlichen helfen wird. Das ist mir egal. Ihr könnt das als Fatalismus bezeichnen, wahrscheinlich ist es das auch.


    Es ist wohl ziemlich arrogant, ein bekanntes Zitat zu verändern und zu "missbrauchen". Ich mache es trotzdem:

    "So sehe ich das, ich kann nicht anders."

    Für Conni: שמי מרים

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    Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord. (Einstein)

  • Firelilly : Hier muss man aber auch deutlich sagen, dass das von dir Beschriebene tendenziell eher ein Stadtproblem ist. Natürlich gibt es auch in meinem Landkreis Schulen mit über 1.000 Schülern und wenn man wollte, könnte man wohl auch hier mehr Standpunkte eröffnen, um kleinere Klassen und damit bessere räumliche und personelle Kapazitäten zu schaffen. Gerade im Grundschulbereich sieht es aber gut aus und es gibt sogar mehrere Standorte mit Schülerzahlen im zweistelligen Bereich. Wenn du mich fragst, sollte man bei derart kleinen Standorten als erstes mit den Lockerungen ansetzen.

    Sicherlich ist es besser, wenn eine Schule kleiner ist. Bei uns wäre eine Eröffnung eben ein Viren-Eldorado. Aber auch an kleineren Schulen sehe ich das Problem, denn es geht darum, dass man bei Schulen eben immer viele SuS in einem einzelnen Klassenraum hat, der auch einfach ein extrem kleines Luftvolumen hat verglichen mit einem Supermarkt mit entsprechender Deckenhöhe. Die Mindestabstandsache ist auch schlimmer als bei einem Supermarkt, wie hier zumindest von Politikern erkannt (aber woraufhin nicht gehandelt wird):

    In einem Interview (ich finde es leider nicht mehr und weiß den Politiker nicht) wurde in Bezug auf die Schulöffnung kritisiert, dass man in einem Klassenraum den Mindestabstand nicht einhalten könnte.

    Folgende Computersimulation zeigt die Verbreitung. Ich finde das macht die Problematik im Supermarkt ganz deutlich. Wenn man sich jetzt ein Klassenraum vorstellt, wo man eben anders als im Supermarkt mehrere Stunden zubringt und nicht mal eben durch ein entsprechendes Aerosol durchgeht, sondern es beständig einatmet, dann weiß man, was Sache ist:

    https://www.gmx.net/magazine/n…ronavirus-husten-34615726

    Und unsere Schulleitung hat auch noch keine Abfrage genaht wer denn zur Risikogruppe gehören würde und daher überhaupt einsetzbar wäre.

    Im Zweifel werden halt alle eingesetzt. Bei uns ists schon so, dass auch die Risikogruppe beim Abitur eingesetzt wird.

    Der Schutz: Die Risikogruppe soll draußen die Schülergruppen auseinandertreiben, die "ungefährdeten" KuK machen drinnen die Aufsicht.

  • Nach 1990 habe ich schnell gemerkt, dass in der Bundesrepublik der Lehrer in etwa den Unberührbaren im indischen Kastensystem gleich ist. Wir werden gebraucht, deshalb toleriert, aber ansonsten weitgehend verachtet.

    Die Kultusministerien sind nicht für die Lehrer da, sondern um diese zu disziplinieren und ihnen das Leben möglichst schwer zu machen. Selbst die Lehrerverbände verarschen uns regelmäßig.

    Ja, da hast du natürlich recht, das "gebraucht, toleriert, aber ansonstens verachtet" ist finde ich eine sehr gute Beschreibung unseres Berufsstands.

    Deshalb fühle ich mich nicht dem Staat (was das auch sein mag) verpflichtet, sondern ausschließlich meinen Schülern. Ich bin nicht verbeamtet.

    Und deshalb will ich wieder in der Schule zurück. Ich habe z.B. Abiturienten und für die bin ich da.

    Ja, bei der fehlenden Beachtung der Fürsorgepflicht (nicht nur in Corona-Zeiten) und Wertschätzung (uns strich man das Weihnachtsgeld usw.) seitens des Dienstherren ist meine Loyalität auch auf dem absoluten Tiefstpunkt. Die bekommt man durch so ein geringschätziges Verhalten gegenüber seinen Untergebenen einfach nicht.

    Ich sehe es auch so, dass SuS da nichts dafür können. Deshalb achte ich auch immer darauf das Kerngeschäft (meinen Unterricht) gewissenhaft vorzubereiten und strukturiert zu halten. Eine Grenze ist bei mir allerdings dann erreicht, wenn die Ausübung des Berufs zur Gesundheitsgefahr ist.

    Auch hier gibt es keine Gefahrenzulage, nichts. Nicht einmal ein Mindeststandard an Infektionsschutz.

    Und dann ist für mich ganz klar, dass ich den Realkontakt zu SuS mit allen erdenklichen Mitteln möglichst klein halten werde.

  • (uns strich man das Weihnachtsgeld usw.)

    Soweit ich weiß, ist in NRW (und ein paar anderen Bundesländern) diese jährliche Sonderzahlung seit 2017 in die monatlichen Bezüge integriert worden.

    Ich will den Frosch als Schulleiter und wenn ich keine 🍕 mehr kriege, dann darf ich schöne Legosachen angucken.

  • Ja, da hast du natürlich recht, das "gebraucht, toleriert, aber ansonstens verachtet" ist finde ich eine sehr gute Beschreibung unseres Berufsstands

    Finde und erlebe ich so nicht. Wenn man sich verachtet fühlt, sollte man wirklich einen anderen Beruf wählen.
    Bei aller Kritik, die man am Umgang mit unserem Berufstand und den vielen neu aufgebürdeten Tätigkeiten haben kann, geht mir eine solche Beschreibung eindeutig zu weit. Zumal du sie wieder einmal so als gegeben und allgemein gültig hinstellst. Eine differenziertere, weniger polemisch formulierte Betrachtung wäre angebracht.

    Ich will den Frosch als Schulleiter und wenn ich keine 🍕 mehr kriege, dann darf ich schöne Legosachen angucken.

  • Nun, die Schulen wurden entgegen aller wilden Prophezeiungen nicht hopplahopp unüberlegt für alle geöffnet, da muss man sich halt jetzt was anderes suchen, über das man sich aufregt. ;-)

    Ich mache eine Forumspause und habe um eine temporäre Sperrung gebeten. :gruss:

    Einmal editiert, zuletzt von Kathie () aus folgendem Grund: Tippfehler beseitigt

  • Finde und erlebe ich so nicht. Wenn man sich verachtet fühlt, sollte man wirklich einen anderen Beruf wählen.
    Bei aller Kritik, die man am Umgang mit unserem Berufstand und den vielen neu aufgebürdeten Tätigkeiten haben kann, geht mir eine solche Beschreibung eindeutig zu weit. Zumal du sie wieder einmal so als gegeben und allgemein gültig hinstellst. Eine differenziertere, weniger polemisch formulierte Betrachtung wäre angebracht.

    Es ist dein gutes Recht, dies so zu sehen.

    Allerdings weiß ich nicht, warum man seinen Beruf wechseln soll, wenn man dies anders sieht. Ich habe diesen Beruf nicht gewählt, um von allen besonders geachtet zu werden, sondern aus den weiter oben genannten Gründen.

    Gehst du soweit mit, dass man dennoch eine einigermaßen "gute" Lehrerin sein kann, wenn man sich von der Gesellschaft nicht geachtet fühlt? Kannst du dir vorstellen, dass man trotzdem den Beruf mag?


    Und bitte nicht gleich wieder das Holzhammerargument "Polemik".

    Polemik ist ein "scharfer, oft persönlicher Angriff ohne sachliche Argumente [im Rahmen einer Auseinandersetzung]" (Zitat Wörterbuch)

    Es gab keinen scharfen, persönlichen Angriff. Ich hatte nur meine persönliche Empfindung (das ist natürlich kein Argument) geäußert. Darf ich das nicht?

    Niemand muss meine Meinung teilen.

    Für Conni: שמי מרים

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    Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord. (Einstein)

  • Nun, die Schulen wurden Entgegen aller wilden Prophezeiungen nicht hopplahopp unüberlegt für alle geöffnet, da muss man sich halt jetzt was anderes suchen, über das man sich aufregt. ;-)

    Oh Schreck oh Schreck! Freiwilligkeit der Angebote Abi und vor ZP 10


    Schauen wir halt, wer demnächst so da ist!

  • Arbeitsschutz, Arbeitsrecht, Gesundheitsschutz hat doch in den letzten Jahren kaum geklappt.

    Glaubt irgendjemand, dass der Infektionsschutz jetzt vernünftig umgesetzt wird? Was ist wenn nicht?

    Hier haben die Schulen kaum Waschmöglichkeiten, sanierungsbedürftige Sanitäranlagen u.s.w.


    Frage mich, warum das ab dem 04.05.2020 anders sein sollte?

    Was macht ihr, wenn der Infektionsschutz nicht wie vorgeschrieben umgesetzt wird?

  • Eine Grenze ist bei mir allerdings dann erreicht, wenn die Ausübung des Berufs zur Gesundheitsgefahr ist.

    Auch hier gibt es keine Gefahrenzulage, nichts.

    Das ist der Punkt, an dem ich immer nicht mehr mitkomme. Infektionsgefahr hast du in einem Job mit Kindern immer. Wer übermäßige Angst vor Ansteckung hat, sollte diesen Beruf gar nicht erst ergreifen.

    Und du wirst nicht in ein Fußballstadion voller Pestkranker geschickt, sondern sollst Abschlussklassen beschulen, die in kleinen Gruppen auftauchen und nach 4 Wochen Quarantäne auch infektfrei sein sollten.

  • Was macht ihr, wenn der Infektionsschutz nicht wie vorgeschrieben umgesetzt wird?

    Gute Frage

    Man muss halt schauen, wie genau die Schulöffnung gedacht wird.

    Wenn wirklich nur die Prüfklassen kommen, dann kann man diese auf sehr viele Räume verteilen, die Prüfung schreiben lassen und wieder nach Hause schicken. Alles unter dem Abstandsgebot. Könnte meiner Meinung nach gut klappen wenn man die SuS einzelne ins Gebäude und dann in die Klassen a 6-7 Sus lässt.


    Ganz anders sieht das ab dem 03.05 mit der Beschulung der Abschlussklassen aus. Je nachdem wie stark das eingegrenzte wird.


    Am Gymnasium wäre das ja dann die jetzige komplette Q1. Am Berufskolleg fast alle Unterstufenklassen, da diese nächstes Jahr in der Oberstufe wären und ihren Abschluss machen. Hier wäre es eine schiere Masse, die sicher nicht so einfach zu bewältigen wäre.


    Ich weiß nicht ob man soweit gehen kann und auf Gefahr am Arbeitsplatz für Leib und leben plädieren kann, sofern die Hygieneregeln nach Infektionsgesetz nicht eingehalten werden (können). Es ist immer noch ein tötliches Virus.

  • Hier sieht man ganz klar, warum die Zustände an den Schulen so sind.

    Gibt anscheinend zu viele Lehrkräfte, die dies ohne Murren hinnehmen.


    Zum Infektionsschutz:


    Klar, dass es keine Maskenpflicht gibt.

    Diese ist ohne ausreichende Masken auch gar nicht umsetzbar.

  • Am Gymnasium wäre das ja dann die jetzige komplette Q1. Am Berufskolleg fast alle Unterstufenklassen, da diese nächstes Jahr in der Oberstufe wären und ihren Abschluss machen. Hier wäre es eine schiere Masse, die sicher nicht so einfach zu bewältigen wäre.

    Wir haben nur 1 und 3-jährige Bildungsgänge.

    Daher etwas Entlastung. Duales System wurde ja bisher noch gar nicht angesprochen.


    Aber da muss der Schulleiter auch mitentscheiden. Aber alle Klassen beschulen heißt ja nicht alle gleichzeitig. Dann macht man eben tageweise verschiedene Klassen. Oder entscheidet, wo es wichtiger ist.

  • Hier sieht man ganz klar, warum die Zustände an den Schulen so sind.

    Gibt anscheinend zu viele Lehrkräfte, die dies ohne Murren hinnehmen.

    Oder man lässt die Kirche im Dorf. Alles Auslegungssache. Und ich kann gar nicht leiden, wenn man unterschwellig unterstellt, ich würde fremdbestimmt handeln.

  • Es ist gar kein Argument, es ist Ansichtssache.

    Warum stellen sich die Lehrer immer als diejenigen hin, die es am schwersten haben? Das werde ich wohl nie verstehen. Wir konnten uns nun für fünf Wochen in Quarantäne begeben und müssen (spreche für NRW) etwa in zwei Wochen wieder los, aber selbst da noch nicht mal wieder voll unterrichten. Andere Berufsgruppen machen das auch!


    Ach nee, stop. Die haben ja alle bessere Bedingungen, ich vergaß.

  • Es ist gar kein Argument, es ist Ansichtssache.

    Warum stellen sich die Lehrer immer als diejenigen hin, die es am schwersten haben? Das werde ich wohl nie verstehen. Wir konnten uns nun für fünf Wochen in Quarantäne begeben und müssen (spreche für NRW) etwa in zwei Wochen wieder los, aber selbst da noch nicht mal wieder voll unterrichten. Andere Berufsgruppen machen das auch!


    Ach nee, stop. Die haben ja alle bessere Bedingungen, ich vergaß.

    Und die 10er KollegInnen und Q2-Kolleginnen "müssen" auch ab dem 23.4. wieder hin ... für eine begrenzte Anzahl von SchülerInnen, die noch dazu freiwillig kommen. Im Sinne meiner AbiturientInnen gehe ich diesen Schritt gerne. Ich möchte sie gerne gezielt auf die Prüfungen vorbereiten. Wenn dann nach 1 Woche z.B. keine Fragen mehr offen sind und sie mir signalisieren, dass sie sich jetzt lieber in ihren anderen Fächern vorbereiten möchten mit den FachkollegInnen oder lieber zu Hause weiter lernen möchten, dann ist es so. Wenn sie mir dann in ihrer letzten Schulwoche schreiben, dass sie sich noch mal mit mir treffen möchten, dann mache ich das Angebot allen und wer dann kommen mag, kommt, wer nicht der nicht.

  • Also in Hessen waren wir nicht 5 Wochen in Quarantäne, hier war u.a. Abitur. Dazwischen Notbetreuung. Ja, es gibt Berufsgruppen, denen es schlechter geht, aber es gibt auch Berufsgruppen, denen es besser geht. Meine Schwester macht seit 5 Wochen Homeoffice und wird das auch nach dem 5. Mai weitermachen. Aber bevor hier wieder die alte Leier losgeht: "Stellt euch doch nicht so an, anderen geht es schlechter. Müsst ihr halt einen anderen Beruf suchen." Es geht nicht um Aufwägen von Berufen gegeneinander. Es geht um Hygienestandards, die in vielen Schulen so nicht umsetzbar sind, und akuten gesundheitlichen Gefährdungssituationen die daraus erwachsen. Und ich sehe leider die Grundmentalität, alles als unveränderbar gegeben hinzunehmen und im Zweifelsfall jede Kröte zu schlucken, während man hinter vorgehaltener Hand oder anonym online schimpft, auch bei vielen meiner Kollegen. Ganz zu schweigen von "Es ist zwar indiskutabel, aber für meine Schüler ist mir keine Anstrengung zu groß." Kenne ich übrigens aus wenigen anderen Berufsgruppen.

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