Liebes Ministerium

  • Eben -> alles Sollvorgaben und " ist anzustreben" und die Abweichungsmöglichkeit ist direkt schon mit berücksichtigt.

  • Zitat von Kathie

    "Für die, die sich dann evtl anstecken oder die Krankheit in ihre Familien tragen, wohl eher nicht."

    Doch, auch dann ist es für die genannten Kinder ein Gewinn.

    Vielleicht sollte man hier nicht das Wort "Gewinn" verwenden. Natürlich hätten die Kinder Vorteile, wenn sie z.B. mit Arbeitsmaterial versorgt würden. Aber mir fehlt da die "Kosten-Nutzen-Relation". Ich als Mutter würde nicht sagen "OK, jetzt hat sich die Lehrkraft mit Corona infiziert und ihre Familie und andere mit - aber für die Übergabe der Arbeitsblätter hat sich das echt gelohnt. Das war ein Gewinn." Das wäre extrem zynisch. Klar ist Unterricht wichtig und im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Kinder. Aber ich bin Lehrer, kein Märtyrer. Das ist im Moment eine beispiellose Situation, viele sagen: die größte Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg. Da ist die Übergabe von Arbeitsmaterial vll. auch einmal zweitrangig.

  • Ich weiß was für Kinder Susannea meint...

    für die ist jeder Tag aus der "Familie" ein Gewinn, weil diese "Familie" die Bezeichnung nicht verdient.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Vielleicht sollte man hier nicht das Wort "Gewinn" verwenden.

    Doch genau das Wort ist da richtig an der Stelle!

    Klar ist Unterricht wichtig und im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Kinder.

    Der Unterricht ist für die Kinder das Unwichtigste an der Schule, aber der Schutz vor Gewalt, das regelmäßige Essen usw. ist viel viel wichtiger und nicht umsonst war der erste Hinweis, rufen sie in Familien, wo sie Kindeswohlgefährdung vermuten regelmäßig in der Zeit an und melden sie das an den Kinder- und Jugendnotdienst.


    Da ist eine Ansteckung vermutlich viel weniger gefährlich für die als die Zeit zuhause.

  • Wir müssen unsere Schüler aber nicht wickeln und die springen uns auch nicht auf den Schoß und dergleichen. Kleinkinder auf Abstand zu halten, ist eine ganz andere Nummer, als Kindern im Schulalter das Abstandhalten begreiflich zu machen. Und unsere Schüler nutzen überwiegend ihre eigenen Utensilien, kein Gemeinschaftsspielzeug.

    Ich unterrichte an einer Förderschule, überwiegend mit Kindern mit körperlicher und geistiger Behinderung. Da gehören Wickeln und Naseputzen zum Geschäft. Und dem Großteil meiner Schüler kann man weder die Bedeutung von Hygienemaßnahmen noch von Besitzrechten vermitteln. Da wandert der Stift schon mal in den Mund des Klassenkameraden oder die speichelbenetzten Finger in mein Gesicht.


    Die Förderschulen finden in der Diskussion aktuell kaum Erwähnung. Da sind Abstandsregeln vollkommen illusorisch und bei uns sind täglich genausoviele Erwachsene wie Schüler (Lehrer, Erzieher, Pflegekräfte...). Gleichzeitig haben sehr viele Kinder schwerste Vorerkrankungen.

    Andererseits ist die häusliche Betreuung dieser Kinder für die Eltern eine Mammutaufgabe. Ich weiß nicht, wie lange die Familien das noch durchhalten.

  • Der Unterricht ist für die Kinder das Unwichtigste an der Schule, aber der Schutz vor Gewalt, das regelmäßige Essen usw. ist viel viel wichtiger und nicht umsonst war der erste Hinweis, rufen sie in Familien, wo sie Kindeswohlgefährdung vermuten regelmäßig in der Zeit an und melden sie das an den Kinder- und Jugendnotdienst.

    Genau der Kinder- und Jugendnotdienst bzw. das Jugendamt ist auch dafür zuständig.

    Genauso wie Laien nichts als Lehrer vor Klassen zu suchen haben, ist die Schule kein Ersatz für eine Inobhutnahme durch das Jugendamt.


    Natürlich achtet auch die Schule auf Anzeichen, die eine Einschaltung des Jugendamts erfordern und handelt gegebenenfalls.

    Kinder müssen aber zur Schule um etwas zu lernen und nicht um von Lehrern auf häusliche Gewalt begutachtet zu werden oder um als Inobhutsnahme light zeitweise aus problematischen häuslichen Verhältnissen genommen zu werden. Insofern ist die Argumentation die Schule wieder zu beginnen, um das Kindswohl wegen häuslicher Gewalt zu sichern, kein wirklich gut geeignetes Argument.

  • Die Förderschulen finden in der Diskussion aktuell kaum Erwähnung....

    Machen wir uns nichts vor, es geht in der öffentlichen Diskussion um keine Schulform und keinen Schulbeteiligten.

    Es geht um:

    • Journalisten, die im Homeoffice sitzen und von ihren Kindern genervt werden.
    • Mittelschichtseltern, die Angst haben, dass der Sprößling sein Abitur nicht rechtzeitig vor dem Wintersemesterstart abgelegt hat und dass der Abischnitt leidet.
    • Unternehmen, die sich sorgen, dass ihre Mitarbeiter keine Kinderbetreuung haben.
    • Parteien, die darüber "kostenlos" ihr Wirtschaftsprofil schärfen wollen
    • Armin Laschets vs. Söders Machtkampf um die nächste Kanzlerschaft.

    Das sind auch alles irgendwo berechtigte Positionen.

    Ob das allerdings die Positionen sind, die über eine Wiedereröffnung der Schulen entscheiden sollten, halte ich persönlich für sehr fragwürdig.

  • Genau der Kinder- und Jugendnotdienst bzw. das Jugendamt ist auch dafür zuständig.

    Genauso wie Laien nichts als Lehrer vor Klassen zu suchen haben, ist die Schule kein Ersatz für eine Inobhutnahme durch das Jugendamt.


    Natürlich achtet auch die Schule auf Anzeichen, die eine Einschaltung des Jugendamts erfordern und handelt gegebenenfalls.

    Kinder müssen aber zur Schule um etwas zu lernen und nicht um von Lehrern auf häusliche Gewalt begutachtet zu werden oder um als Inobhutsnahme light zeitweise aus problematischen häuslichen Verhältnissen genommen zu werden. Insofern ist die Argumentation die Schule wieder zu beginnen, um das Kindswohl wegen häuslicher Gewalt zu sichern, kein wirklich gut geeignetes Argument.

    Das sehe ich absolut genauso. Die Frage ist nur, in welcher Funktion und Verantwortung die Gesellschaft uns hier sieht und ob unsere Sichtweise im Zweifel irgendwen interessiert. Vermutlich nicht. Meine Schwester, die beim Jugendamt arbeitet, hat z.B. einen völlig anderen Standpunkt als ich und befürwortet, dass viele Träger aus Kinderschutzgründen den Zugang zu den Notbetreuungen bereits jetzt großzügiger gestalten. Man darf bei der Thematik auch nicht vergessen, dass auch das Jugendamt oft nur begrenzten Handlungsspielraum hat und z.B. viele Inobhutnahmen von Familiengerichten wieder aufgehoben werden, obwohl die Jugendämter die Kinder in den Familien als gefährdet einstufen.




    Roswitha111

    Dass die Verhältnisse in Förderschulen völlig anders sind, glaube ich sofort! Und ja, daran denkt niemand. Noch ein Grund, wieso ich denke, dass wir an den weiterführenden Regelschulen noch vergleichsweise gut wegkommen.




  • Natürlich achtet auch die Schule auf Anzeichen, die eine Einschaltung des Jugendamts erfordern und handelt gegebenenfalls.

    Kinder müssen aber zur Schule um etwas zu lernen und nicht um von Lehrern auf häusliche Gewalt begutachtet zu werden oder um als Inobhutsnahme light zeitweise aus problematischen häuslichen Verhältnissen genommen zu werden.

    Das stimmt absolut! Nur muss eben sehr viel passieren, bevor Kinder aus der Familie genommen werden. Da ist es schneller und vor allem billiger, sie z.B. aktuell in die Notbetreuung zu schicken. Und man kann sich vorstellen, welche Handhabe wir besonders aktuell haben, um sowas auszudiskutieren. Trotzdem hast du Recht.

  • Machen wir uns nichts vor, es geht in der öffentlichen Diskussion um keine Schulform und keinen Schulbeteiligten.

    Es geht um:

    • Journalisten, die im Homeoffice sitzen und von ihren Kindern genervt werden.
    • Mittelschichtseltern, die Angst haben, dass der Sprößling sein Abitur nicht rechtzeitig vor dem Wintersemesterstart abgelegt hat und dass der Abischnitt leidet.
    • Unternehmen, die sich sorgen, dass ihre Mitarbeiter keine Kinderbetreuung haben.
    • Parteien, die darüber "kostenlos" ihr Wirtschaftsprofil schärfen wollen
    • Armin Laschets vs. Söders Machtkampf um die nächste Kanzlerschaft.

    Das sind auch alles irgendwo berechtigte Positionen.

    Ob das allerdings die Positionen sind, die über eine Wiedereröffnung der Schulen entscheiden sollten, halte ich persönlich für sehr fragwürdig.

    Genauso ist es! Ich stimme dir zu 100% zu.
    Da die Mittelschichtseltern aus Punkt 2 diejenigen sind, die die von den Journalisten aus Punkt 1 verfassten Artikel lesen, entsteht alleine schon hier ein kleiner Teufelskreis. Bis zum WIntersemester ist noch ewig Zeit, das würden die Kinder auch mit Abiprüfungen im August noch schaffen. Dann müssen bei NC Studiengängen halt die Fristen angepasst werden, aber daran wird es im Zweifel nicht scheitern.

  • Kann und darf dem Dienstherrn nicht egal sein Firelilly. Würden diese Kolleginnen und Kollegen dauerhaft im restlichen, vor allem aber im kommenden Schuljahr ausfallen, wäre insbesondere an den Grundschulen aufgrund der jetzt schon angespannten Personalsituation wahrscheinlich kaum noch ein regulärer Schulbetrieb möglich.

    Nanana. Glaubst du schon wieder, dass es hier um Sachfragen ginge?

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