Fleisch-, Arbeitsbedingungen- und Bürgerkriegs-Diskussion (aus: Schulöffnungen)

  • Vielleicht gibt es ja in der Nähe einen Hofladen, den du nutzen kannst? Ansonsten wirklich blöde Zeiten und eigenartig, dass man den Samstag nicht einbezieht, wo mehr Menschen den Markt nutzen könnten. Bei uns hat der kleine Stadtteilmarkt Mi und Sa offen (von denen gibt es in vielen Stadtteilen einen, so dass ich theoretisch jeden Vormittag außer Sonntags zum Markt gehen könnte) und zusätzlich noch ein großer Wochenmarkt in der Innenstadt, der an 6 Tagen die Woche stattfindet. Das ist natürlich Luxus, so dass ich auch wirklich schauen kann, bei welchem Stand ich einkaufen möchte, wer wirklich selbst produziert und den Markt als Direktvertrieb nutzt und wer nur vom Großmarkt besorgte Produkte vertreibt (wofür ich nicht unbedingt auf den Markt gehen muss, das führt auch jeder Supermarkt).

    Ja, den gibts. Da kehre ich auch öfter ein. Aber ich muss extra hinfahren, so dass ich das nicht ausschließlich mache.


    Bin auch grad beeindruckt, wie konsequent hier einige sind. Ich muss sagen, dass ich das nicht vollumfänglich durchziehe. Ich achte auf gutes Fleisch, gebe dafür auch gern mehr aus (kaufe i.d.R. beim örtlichen Metzger, aber im Berufs- und Familienalltag wird auch mal der Gang zum Lidl auf dem Heimweg eingeschlagen. Da hab ich ja ein schlechtes Gewissen, wenn ich das alles hier so lese.

    Biokiste gibts hier leider nicht in der Nähe, dafür müsste ich wieder weit fahren und dann finde ich es auch keine saubere Sache, wenn ich mit dem Auto 60km abreiße, um mir meine Biokiste zu holen. Zumal ich das auch zeitlich nicht jede Woche schaffen würde...


    Immerhin: In fußweite macht ein Biobäcker auf. Aber Brot backe ich hier und da auch selbst, das war deshalb nicht mein vorrangigster Wunsch.

  • Ach ja: Samstags Markt gibts in der Nachbarstadt. 20km einfache Strecke. Ist daher auch nicht meine vorrangige Wochenendbeschäftigung. Ich finde es mega-Schade, da ich dort aufgewachsen bin und der Markt am Samstag auch mein Ritual war, wie Kiggie beschreibt. Nach dem Besuch gab frische Brötchen und Bündner-Fleich, das dort bei einem Stand verkauft wurde. Hach!

  • Du machst ja auch schon viel, Sissymaus ;) . Finde es aber cool, dass es bei dir demnächst einen Biobäcker geben wird. Die Bäcker hier in der Nähe sind leider alles konventionelle Bäcker. Ich habe gerade herausgefunden, dass es in 20 Minuten Entfernung eine Landbäckerei gibt, die viele Vollkornbrote usw. herstellt - ist aber für die Frühstücksbrötchen doch ein bisschen weit weg.

    • Offizieller Beitrag

    Ich merke (schon wieder), was ich für ein Glück in meiner ‚kleinen‘ (60000 EinWohner*innen) Stadt habe.

    Zwei mal Markt, Bioladen mit Biokiste (haben wir aber abbestellt, das war uns zu stressig, weil wir unter der Woche nicht genug dafür kochen und zu oft Sachen drin waren, die gerade nicht passten), aber auch ein paar Hofläden, wenn wir möchten (sie kommen aber zum Markt...)

    Mir ist Bio nicht sooo wichtig, ich mag es aber ‚regional‘, wo es geht, und das weiss ich auf dem Markt und größtenteils im Bioladen.

    Wir kaufen aber viel auch beim Discounter, es muss nicht immer alles vom Markt und Bioladen sein ;-)Shampoo und so zb..

  • Wie süß, dass eine Stadt mit 60k Einwohnern als "klein" beschrieben wird ^^. Aber gut, NRW halt ;) .

    Ich finde es cool, wenn diverse Bio- und Regionalläden vorhanden sind, aber das setzt natürlich voraus, dass es Kunden gibt, denen das 1. wichtig ist und die es 2. auch bezahlen können. In München findest du da reichlich Abnehmer, in Offenbach/Main oder Köthen/Anhalt hätte ich da eher meine Zweifel. Kinder spielen ja gerne "Wenn ich einmal reich wäre...". Wenn ich einmal reich wäre, würde ich bestimmt nur im Biosupermarkt einkaufen ;) .

  • Also saisonal/regional ist mit das Günstigste was man essen kann.

    Fleisch dann eben nur ab und an.


    Wenn man viel selber kocht/selber macht, dann ist auch Bio nicht teuer.

    Wobei für mich persönlich Bio nicht so wichtig ist. Also das Siegel. Bio aus China oder Peru ist für mich ein Hohn.

    Gut bei Bananen (nein beim Radfahren will ich nicht drauf verzichten), da achte ich auf Bio, kommen immer weit weg.


    Aber ansonsten geht für mich regional noch vor Bio von irgendwoher.

    Außer eben Fleisch. Ist eh schon ne schlechte Bilanz, da Bio und regional wichtigstes Kriterium!


    Aber wichtiger, als dass jeder alles perfekt macht, ist, dass alle ein bisschen was machen.


    Wenn jeder den Fleischkonsum senkt wäre in der Menge der Einwohner, bezogen auf Deutschland, schon viel gewonnen.


    Außer ab und an Räuchertofu esse ich auch keine Ersatzprodukte. Ist für mich aber auch kein Ersatzprodukt, ich esse ihn einfach gerne.

  • Bei Ersatzprodukten muss man viel herumexperimentieren bis man das Optimale für sich findet. Ich kaufte schon einiges, was mir am Ende nicht schmeckte, aber was ich persönlich gut finde, sind die Produkte von der Rügenwalder Mühle (z.B. das Geschnetzelte oder der Schinkenspicker mit Schnittlauch) oder Like Meat (z.B. das Grilled Chicken Geschnetzelte). Wer Soja nicht mag, kommt vlt. mit Valess gut zurecht. Ich esse Fleisch und Fisch, nutze aber auch Ersatzprodukte, um den Fleischkonsum etwas zu reduzieren, daher habe ich auch kein Problem damit, dass die Form an Fleischprodukte erinnert.

  • Ich kaufte schon einiges, was mir am Ende nicht schmeckte, aber was ich persönlich gut finde, sind die Produkte von der Rügenwalder Mühle (z.B. das Geschnetzelte oder der Schinkenspicker mit Schnittlauch) oder Like Meat (z.B. das Grilled Chicken Geschnetzelte).

    Bin halt allgemein kein Fan von solchen Produkten, sind halt oft hochgradig verarbeitet.

    Soja esse ich aber sehr gerne, gibt es, zum Glück, auch aus deutschem Anbau, auch mein Tofu ist aus deutschem Anbau.

    (Ich kaufe aber auch soweit es geht unverpackt ein und mache viel selbst, das ist sicherlich nicht der allgemeine Maßstab, bzw. hat sich natürlich auch mit der Zeit entwickelt.)


    Aber (!), wer dadurch weniger Fleisch isst, der soll so etwas nutzen!

    Glaube Rügenwalder sagte irgendwann mal, dass sie anpeilen, diese Sparte größer als die Fleischsparte zu bekommen. Den Ansatz finde ich erst einmal gut.

  • Oder man macht einfach einen Jagdschein. Besser gehts nicht.

    OT, aber gibt es hier jemanden aus dem Berufsschulbereich, der schon einmal Jäger unterrichten durfte? Von dem Berufsbild bekommt man als Max Mustermann doch recht wenig mit, daher würde mich interessieren, wie das so abläuft.

  • OT, aber gibt es hier jemanden aus dem Berufsschulbereich, der schon einmal Jäger unterrichten durfte? Von dem Berufsbild bekommt man als Max Mustermann doch recht wenig mit, daher würde mich interessieren, wie das so abläuft.

    Fände ich auch interessant, gerade weil relativ viele meiner KuK einen Jagdschein haben. Soweit ich weiß, ist der Berufsschulstandort für den Ausbildungsberuf Revierjäger*in für mehrere Bundesländer (Niedersachsen, NRW, Schleswig-Holstein,...) hier in Niedersachsen, im südniedersächsichen Northeim.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Es gibt berufsjäger?


    Hab mal mit einem Kollegen eine Lernsituation für seine Brauer erarbeitet. Das war auch mal richtig schön ungewöhnlich :lach:

  • Naja, man kann auch sein Gemüse selbst anbauen. Dafür braucht man keinen Jagdschein und keine Einschränkungen (wie soll das gehen, wenn jetzt jeder jagen geht?). Ist ja auch im Moment voll im Trend. Ich kann meinen Bedarf aber leider auf dem Weg auch nicht decken.


    Ich finde ja die Entwicklung mit dem Laborfleisch recht vielversprechend. Wobei ich die ganze Grillerei sowieso furchtbar finde.


    Lustig finde ich immer, wenn man die Künstlichkeit von Fleischalternativen beklagt. Was bitte an Schweinefleisch von "echtem" Schwein ist denn noch natürlich? Die werden mit Soja gefüttert und kriegen Antibiotika. Dasselbe mit Milch.

  • ... In München findest du da reichlich Abnehmer, in Offenbach/Main oder Köthen/Anhalt hätte ich da eher meine Zweifel.

    Rund um Köthen hält und schlachtet man sich seine Karnickel selbst, mehr Bio geht nicht. Nachhaltigkeit ist keine Erfindung der Münchner Schickeria.

  • "Regional" ist 'ne Marketingfloskel. Während es bei Bio auch Aufweichungen und unterscheidliche Standards gibt, so haben diese dovh wenigstens eine Schnittmenge von Anforderungen. "Regional" kann man so zeimlich alles nennen. Eine Einzelhandelskette nimmt alles, das im Umkreis von 300 km produziert wurde. Das trifft den Wortsinn "regional" nicht mehr, eher "national" oder "europäisch".

    Naja, ist doch auch nie gelogen. Aus irgendeiner Region dieser Erde muss es schließlich kommen.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Es gibt berufsjäger?

    Musste ich auch erst mal googlen. Das ist wohl eine 3-jährige Ausbildung. Einen Jagdschein muss man bereits als Voraussetzung mitbringen. Faszinierend.


    Zitat von Lehramtsstudent

    Kinder spielen ja gerne "Wenn ich einmal reich wäre...". Wenn ich einmal reich wäre, würde ich bestimmt nur im Biosupermarkt einkaufen

    Auch im Bio Supermarkt gibt es viele Produkte, die nur ein EU-Bio Siegel haben. Das ist besser als konventionelle Haltung, aber da geht noch einiges.

    Rewe hat mittlerweile auch einige Bio-Produkte (Aldi auch, aber wenige), die immerhin das Naturland Bio-Siegel haben. Wenn man nicht selbst zu Höfen fahren und sich die Sache selbst angucken will, ist es schon mal besser, wenigstens diese Produkte zu kaufen.

    Die Bedingungen der Schlachter sind da sicher auch nicht besser, aber wenigstens geht es den Tieren etwas besser.


    Beim Metzger Fleisch zu kaufen ist übrigens nicht besser, als bei Aldi und co. Das meiste, das dort angeboten wird kommt aus konventioneller Tierhaltung.


    Edit: habe kurz überlegt, die Häufung des Wortes "besser" zu verbessern, mich dann aber aus Faulheit dagegen entschieden.

  • Bezüglich "bio" fällt mir immer mal wieder eine lustige Anekdote ein, die sich in meiner ehemaligen Wahlheimat Heidelberg zugetragen hat: Es gab da bei mir in der Nähe so einen Hofladen, in dem Gemüse aus eigenem Anbau verkauft wurde und hinter dem Laden gab es ein paar Hühner, die Eier legen. Kommt ein Typ in den Laden und fragt, ob die Eier denn bio sind. Nein, die haben kein Bio-Siegel, die kommen von den Hühner da hinten auf der Wiese. Na wenn die nicht bio sind, dann kauft er die nicht. :autsch:


    Ich habe ja schon öfter mal geschrieben, dass ich einfach nicht gerne koche und grundsätzlich herzlich wenig Lust habe, mich mit Lebensmitteln zu beschäftigen sofern es sich nicht um die pädagogisch wertvolle Vergärung von Früchten handelt. Ich gehe einfach zum Coop und schaue, wo das Gemüse z. B. gerade herkommt. Wenn der Blumenkohl aus dem Aargau kommt, dann wird das wohl so sein, es gibt keinen Grund, warum da ein falsches Etikett drauf sein sollte. Ob der dann Bio ist oder nicht, das ist mir eigentlich wurscht, denn wenn ich mir die Felder mit dem Blumenkohl im Aargau so anschaue, dann sehen die alle ganz OK aus. In so einem kleinen Land fällt ja eh fast alles irgendwie unter "regional" sofern es nicht wirklich aus dem Ausland kommt bzw. wenn es aus dem Elsass oder dem Markgräfler Land kommt, ist es in der Region Basel halt immer noch "regional". Spargel ist etwas, was ich normalerweise "drüben" kaufe, denn auch der Spargel beim Coop kommt aus Baden und wurde dort von Rumänen für kein Geld gestochen. Coop verkauft das Pfund dann für groteske 10 CHF von denen natürlich nichts bei den Rumänen ankommt, die dafür gearbeitet haben. Dieses Jahr ging's halt nicht den "drüben" zu kaufen, also hab ich zwei mal Spargel beim Coop gekauft und mich damit der Sauerei schuldig gemacht. Coop verkauft z. B. auch Joghurt, der mit Milch von Bauern aus der Region hergestellt wird. Den kann man nehmen, wenn man z. B. Nestlé nicht unterstützen will wobei das in der Schweiz sowieso fast nicht möglich ist, denen nicht an irgendeiner Stelle doch mal Geld in den Rachen zu werfen. Ist halt ein schweizer Unternehmen ... also eigentlich unterstützt man damit ja sogar wieder die heimische Wirtschaft ;)


    Fleisch und Wurst kaufe ich schon lange fast ausschliesslich in der Schweiz. Fast. Da war halt die Sache mit den Nürnbergern. Aber die sind jetzt gegessen und ich werde keine mehr kaufen, da habe ich mich ein letztes mal schuldig gemacht. Der Tierschutz in der Schweiz ist sehr viel strenger geregelt als in Deutschland, Massentierhaltung und Betriebe wie Tönnies gibt's hier einfach nicht. Natürlich gibt es gute und schlechte Bauern, aber selbst die schlechten Bauern sind sicher noch besser als jeder konventionelle Schweinemastbetrieb in Niedersachsen. Coop und Migros verkaufen an unverarbeitetem Fleisch fast nur Ware aus der Schweiz, bei verarbeiteten Produkten muss man halt schauen, was draufsteht. Da macht es faktisch keinen Unterschied, ob ich das Hack jetzt beim Coop hole oder zu irgendeinem Metzger gehe. Ist eh das gleiche Hack.


    Wenn's um Bio vs. konventionell geht, muss man sich beim Fleisch einfach bewusst sein, dass die biologische Viehwirtschaft alles andere als ökologisch ist. Ein Rind in Auslaufhaltung "verschwendet" erheblich mehr Ressourcen, als ein Rind in einem Anbindstall. Das kann nur aufgehen, wenn man insgesamt einfach sehr viel weniger Fleisch konsumiert, nur dann ist sowohl dem Rind als auch der Umwelt geholfen. Sich jeden Tag ein Bio-Steak auf den Teller hauen ist vielleicht nett fürs Rind aber scheisse für die Umwelt. Das ist ein Faktum.

  • Wie gesagt: Ich bewundere Euch echt hier, dass ich alle immer auf das Etikett schaut, ob das auch wirklich regional ist. Wenn ich im normalen Supermarkt bin, gibts da herzlich wenig aus der Region. Da muss ich zum Hofmarkt. Und dafür habe ich nicht immer Zeit.
    Ich sehe schon, muss wohl doch öfter hinfahren und mir einfach die Zeit nehmen...

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