Fleisch(skandal) im Politikunterricht SI?

  • Hallo,

    hat jemand schon mal dieses Thema behandelt? Denkt ihr, man kann das in einer 7. Klasse machen, oder muss man da mit traumatisierten Kindern und wütenden Eltern rechnen?

  • Hab nicht direkt das Fleischskandal als Thema genommen. Aber ich habe eine Doku mit den SuS der 7. Klasse gesehen in dem es um schlachtung und Fleischkonsum ging. Hab den SuS gesagt, sie können vor diversen Filmausschnitten (die ich vorher angekündigt habe) den Raum verlassen. Hat keiner gemacht und beschwerden gab es auch nicht.

  • Komische Frage. Du hast einen Lehrplan, Lernziele, Methoden, mit denen du angemessen an dieses Zahl heranführst. Was sollen wir dir jetzt konkret sagen? Ob du generell Skandale im Unterricht behandeln darfst? Oder übers Hähnchenschreddern reden sollst? oder ob Filme angemessen sind, in denen Massentierhaltung gezeigt wird, oder ob du mit deinen Schülern in der Projektwoche losziehen und unkastrierte Ferkel freilassen sollst?

  • Danke euch, das Problem ist, dass da ein paar zarte Pflänzchen drinsitzen, die schon grün im Gesicht werden, wenn die ein paar Minuten Bus fahren. Wenn ich da das Wort Schlachthof nur erwähne ...

    Der Fleischskandal ist der bei Tönnies, es geht ja dort hauptsächlich um die Arbeitsbedingungen, aber das wäre ein guter Aufhänger für eine aktuelle Stunde (in Politik muss man auch mal für Aktuelles den Lehrplan vernachlässigen).

  • Ich bin zwar noch keine Lehrerin, würde das aber auch im Politikunterricht behandeln. Gerade zum Inhaltsfeld Nachhaltigkeit (NRW) oder Ähnlichem in anderen BL passt das Thema doch gut. Es eignet sich auch gut, um die Komplexität des Themas Fleischkonsum darzustellen (Arbeitsbedingungen, Massentierhaltung, Umweltschutz, Gesundheit) und kann aus mehreren Perspektiven betrachtet werden. Wichtig wäre noch, was bei dem Thema wohl schwierig sein könnte, auch "Pro Tönnies"-Stimmen zu berücksichtigen. Er selbst behauptet ja beispielsweise, dass er nicht gegen Gesetze verstoßen hat.

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • (...)

    (in Politik muss man auch mal für Aktuelles den Lehrplan vernachlässigen).

    Wobei es problemlos möglich ist aktuelle Themen so aufzubereiten, dass der Bildungsplanbezug hergestellt ist. Wir haben nur begrenzte Stunden zur Verfügung, um ein sehr großes Ziel- Mündigkeit- zu erreichen, insofern sollten wir solche aktuellen Themen möglichst verknüpfen mit weiterreichenden Zielen, was ja bei so einem Thema sehr gut geht, wenn ich an den Bildungsplan von BW denke.

    7.Klasse bedeutet, dass du sehr genau auf altersgerechte Materialien achten musst. Videos von geschredderten Küken oder über den Ablauf einer Schweineschlachtung sind voraussichtlich weder altersgemäß, noch für deine spezielle, wie du schreibst teilweise sehr sensible Klasse angemessen (ich bin nach einem Video in Klasse 11 über Massentierhaltung noch am selben Tag für viele Jahre Vegetarierin geworden, weil mich das sehr tiefgreifend belastet hat. Hatte wochenlang Albträume, obwohl ich die meiste Zeit den Kopf auf dem Tisch und die Hände auf den Ohren hatte, weil wir nicht rausgehen durften.). Überleg dir da sehr gut, welche Materialien du verwendest mit welcher bildungsplanbezogenen Zielsetzung (das ist nämlich der Witz an unseren aktuellen Themen in Politik, dass die einfach nur unser konstanter, aktueller Aufhänger sind für unsere ebenso konstanten Bildungsplanziele) und auch, wie du dem Kontroversitätsgebot gerecht werden kannst (wie von Fallen Angel angesprochen). Da könntest du z.B. Stimmen konventionell arbeitender Landwirte verwenden (denn Tönnies selbst dürfte eher "verbrannt" sein, kann also nur ergänzend zu Wort kommen) oder dem Kilopreis von Biofleisch das Tagesbudget für Lebensmittel mit ALG II gegenüberstellen, um eben auch darzustellen, dass es bestimmte gesellschaftliche Gruppen gibt, die sich nicht einfach auch nur einmal wöchentlich Biofleisch leisten können als Familie. Kommt natürlich auf deine konkrete Zielsetzung an in der Stunde, was da an ergänzenden Quellen sinnvoll und erforderlich ist. Wenn am Ende der Aspekt der Werkverträge im Mittelpunkt stehen soll, dann wäre es zum Beispiel wichtig, diese nicht nur im Kontext mit der Fleischverarbeitung darzustellen, sondern auch den ganzen völlig unkritischen Einsatzbereich von Werkverträgen, wie beispielsweise die Serverwartung, die ein Unternehmen per Werkvertrag outsourct (hmmm, wie schreibt man eigentlich "Outsourcing"/"outsourcen" als deutsches Verb in der 3. Person Singular, Präsens?).


    P.S.: Je nachdem, was dein Ziel ist und was in eurem Bildungsplan steht, kann es auch schlichtweg sein, dass sich "Tönnies" egal mit welcher Zielsetzung und im Rahmen welcher größeren Problemstellung einfach nicht für den Politikunterricht Klasse 7 eignet, sondern am Ende eher etwas für Klassenstufe 9 oder 10 wäre. Auch das solltest du kritisch prüfen und nicht an deinem Themenwunsch festhängen ggf.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL ()

  • "Tönnies" ist kein "Fleischskandal", sondern ein "Arbeitsbedingungenskandal".

    Noch mal: worum genau geht es dir eigentlich?


    Sagen wir mal, ein Fleischindustriearbeitsbedingungenskandal. Es geht mir auch nicht so sehr um den Betrieb bzw. Konzern, das ist eigentlich nur ein Aufhänger, es geht um verschiedene Aspekte pro und contra Fleischkonsum


    CDL: danke für deine ausführlichen Statements, das werde ich beherzigen

  • Der Fleischkonsum ist da aber nicht der springende Punkt.

    Es geht um die Arbeits- und Unterkunftsbedingungen. Die sind auch in anderen Sektoren ähnlich katastrophal, von daher ist es wirklich kein "Fleischskandal". Genauso kannst du osteuropäische Saisonspargelstecher oder die Stadionbausklaven in Qatar thematisieren.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Da die Arbeiter aus Südosteuropa ihr Geld nach hause schicken, sind sie oft sehr daran interessiert, möglichst wenig Geld für ihre Unterbringung zu zahlen.
    Natürlich haben sie kein Interesse daran, sich mit Covid 19 oder was auch immer anzustecken, aber man müsste Wege finden, sie günstig UND ordentlich unterzubringen.


    Mit Fleisch hat das nicht in erster Linie etwas zu tun und gilt nicht nur bei Tönnies, wie Miss Jones gerade schrieb.

  • "Tönnies" ist kein "Fleischskandal", sondern ein "Arbeitsbedingungenskandal".

    Noch mal: worum genau geht es dir eigentlich?


    Sagen wir mal, ein Fleischindustriearbeitsbedingungenskandal. Es geht mir auch nicht so sehr um den Betrieb bzw. Konzern, das ist eigentlich nur ein Aufhänger, es geht um verschiedene Aspekte pro und contra Fleischkonsum


    CDL: danke für deine ausführlichen Statements, das werde ich beherzigen

    Bist du Referendarin? Quereinsteiger? Vertretungskraft? Du musst doch irgendwas übers Unterrichten gelernt haben.

  • samu : Warum sollte die TE denn nichts über's Unterrichten gelernt haben? Sie hat doch nur angefragt, ob wir meinen, dass das angesprochene Thema ("Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie" oder wue auch immer man es nun nennen mag) ein angemessenes Unterrichtsthema für eine 7. Klasse ist. Nicht mehr und nicht weniger.

    Ich kann FriederikeNie da leider nicht weiterhelfen, weil ichja ältere SuS unterrichte und nicht abschätzen kann, ob Siebtklässler*innen mit diesem Thema "zurechtkommen".

  • ("Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie" oder wue auch immer man es nun nennen mag) ein angemessenes Unterrichtsthema für eine 7. Klasse ist.

    Ich meine, als Politiklehrer kann ich das Thema Arbeitsbedingungen vom Thema Fleischproduktion unterscheiden. Ich weiß auch, wie ich ein Thema angemessen für eine Jahrgangsstufe aufbereite, wenn nicht, frage ich danach und nicht, ob das Thema zu krass ist, weil den Kindern schon beim Busfahren schlecht wird (?!). Die grundlegenden fachdidaktischen Anmerkungen von CDL sollten zudem soweit klar und auch als grundlegend wichtig erkannt worden sein, so dass mehr als ein "ah, danke, behalte ich dann mal im Hinterkopf" rumkommt.


    Auf eine Frage: "mir ist ein Thema sehr wichtig, das eigentlich erst in Klasse xy dran ist, hat das jemand schon mal im siebten Schuljahr unterrichtet und hätte Ideen zur Umsetzung" im Idealfall ergänzt durch "ich habe mir bereits Folgendes überlegt..." wäre etwas ganz anderes als die eben hier gestellten Fragen.

  • Ok, dann verstehe ich deine Anmerkungen. Du meinst, die Fragen und Aussagen der TE seien nicht konkret genug; da hast du sicherlich recht, dass sie ein wenig ausführlicher hätte schreiben können.

  • Schaul mal hier

    https://www.westermann.de/anla…uebergreifend-ab-Klasse-8


    https://www.westermann.de/anla…ik-Wirtschaft-ab-Klasse-8


    Ist aber eher für 8er und Ältere gedacht.


    Die Wochenrückblicke sind auch manchmal ganz gut, v.a. nach den Jahrgangsstufen teils getrennt (z.B. 5 - 7; 8 - 10, 11 - 13)


    Ob man es machen kann, hängt aber sehr vom Schüler-/Elternklientel ab. Ist man eher auf dem Land, wo auch Kinder von Landwirten, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen in der Klasse / eher in einer Gegend, wo es mehrere Vegetarier/Veganer in der Klasse sitzen oder eher in einer Gegend, wo SuS das Thema echt spannend finden und vorurteilsfrei urteilen.

    Je nachdem, in welcher Lerngruppe man es macht, könnte es auch ausufern. (Gerade im Kreis Gütersloh kommt das Thema vll. nicht gaaaaaaaaaaaanz so gut an, wo Hr. Tönnies dort zu ner Reizfigur geworden ist) :)

  • Der Fleischkonsum ist da aber nicht der springende Punkt.

    Es geht um die Arbeits- und Unterkunftsbedingungen. Die sind auch in anderen Sektoren ähnlich katastrophal, von daher ist es wirklich kein "Fleischskandal". Genauso kannst du osteuropäische Saisonspargelstecher oder die Stadionbausklaven in Qatar thematisieren.

    Jupp, sehe ich genauso und habe es im Rahmen e. berufsbezogenen B2-Kurses thematisiert.


    Allerdings hatte es dann e. rumän. stämmige TN übel genommen, als ich einen gewissen Herrn Laschet zitiert habe. Die TN hatte aber an d. Tag auch einen schlechten Tag gehabt und es vermutlich deshalb in den falschen Hals bekommen.


    Von erwachsenen TN auf einem bestimmten Sprachlevel erwarte ich einfach, dass sie - wenn ich vorher sage: ich zitierer hiermit den Ministerpräsidenten von NRW...."- es dann auch entsprechend wertneutral aufnehmen. Funktioniert normalerweise auch gut im Unterricht, aber es war ein f*** Tag in einer f*** Woche.


    Bei jugendlichen SuS sieht das dann anders aus.

  • Hallo,

    hat jemand schon mal dieses Thema behandelt? Denkt ihr, man kann das in einer 7. Klasse machen, oder muss man da mit traumatisierten Kindern und wütenden Eltern rechnen?

    7. Klasse ist noch zu früh! Die sind da noch richtig Kind.8)

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