Diagnose MS - wie kann es weitergehen?

  • Guten Tag,


    ich weiß nicht ob ich in diesem Forum richtig bin bzw. ob hier solche Einträge gewünscht sind, weiß aber gerade nicht, wohin ich mich sonst wenden soll.

    Ich bin aktuell in Elternzeit und habe gestern die Diagnose MS erhalten. Jetzt bin ich natürlich erstmal geschockt und weiß nicht, wie es weitergehen kann.

    Bewusst kenne ich niemanden mit MS. Meinen Beruf liebe ich, stelle mir aber gerade die Frage, ob ich weiter als Lehrer mit dieser Diagnose arbeiten kann. Ich weiß, dass der Verlauf der Krankheit nicht vorhersehbar ist. Gibt es hier jemanden, der ebenfalls MS hat und seinen Lehrberuf dennoch gut bewältigen kann? Oder der Kolleginnen/Kollegen mit dieser Krankheit hat, die trotzdem noch erfolgreich am Schulleben teilnehmen? Falls ja würde ich mich freuen, vielleicht das ein oder andere ermutigende dazu hier zu lesen.


    Grüße

    schwarzer_Hut

  • Erst mal ist es sicherlich blöd so eine Diagnose mittgeteilt zubekommen. Leider kann ich zu dem Thema nicht viel beitragen aber soweit ich weiß lässt sich diese Krankheit gut mit Medikamenten in den Griff bekommen und die Lebenserwartung ist heutzutage kaum noch reduziert. Meine Nachbarin hat MS und arbeitet als Erzieherin in der Kita und ist gerade Schwanger. Denke die Chancen bis zur Pension durchzuhalten liegen nicht schlecht. Falls es zu Einschränkungen kommt kann man immer noch über Reduzierung nachdenken. Kopf hoch und alles Gute.

  • Ein Freund von mir hat MS.

    Alle 3 oder 6 Monate bekommt er eine Infusion, das ist die einzige Einschränkung in seinem Leben. Ansonsten ist alles wie immer. Heutzutage halten die Medikamente die Krankheit gut auf. Heilbar ist sie leider nicht.


    Grundsätzlich sollte einem weiteren lehrerdasein nichts im Wege stehen.

    In aktuellen Zeiten bist du wohl Risikopatient, das sollte abgeklärt werden.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo!
    Zu aller erst: es tut mir leid, dass du mit so einer Diagnose konfrontiert bist. Vielleicht melden sich ein paar betroffene Kolleg*innen bei dir, hier oder per PN... Wie du sicher selbst weißt, MS kann sich sehr unterschiedlich ausprägen. Ich kenne mehrere Lehrer*innen mit MS. Einigen sieht man es überhaupt nicht an (absolute Diensttauglichkeit, vielleicht bzw. höchstwahrscheinlich mal mit Schmerzen, die man sich selbst nicht vorstellen kann), anderen sieht man es unterschiedlich an. Es hängt davon ab, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, aber das ist nicht der Punkt: werden deine Beine angefallen, brauchst du eine andere Unterstützung als wenn deine Hände Probleme bekommen.
    Du wirst sicher irgendeiner Hilfsgruppe /-organisation beitreten oder kontaktieren, da wirst du sicher mehr Kolleg*innen oder Menschen in sehr verwandten Berufen kennenlernen, als du gedacht hättest. Der Kontakt zum/zur Schwerbehindertenvertreter/vertreterin ist auch einer der nächsten Schritte und auch da bin ich sicher, dass er /sie (mit Rücksprache und unter Einhaltung des Datenschutzes) Kontakte vermitteln kann.
    Entweder habe ich zufällig einen Blick dafür und leb(t)e in Nestern, oder: MS ist leider eine sehr verbreitete Krankheit, aber eine versteckte.
    Ich wünsche dir viel Kraft für die nächsten Schritte und dass die Hürden, die du sicher zu bewältigen bekommen wirst, so klein bleiben, wie es geht und dass du die Unterstützung erhälst, die du brauchst, damit du im vollen* Umfang deinem Beruf nachgehen kannst.


    *voller Umfang im Sinne von du kannst alles machen, was du möchtest. Hole dir trotzdem alle Entlastungen, die dir zustehen.

  • Ich wünsche dir viel Kraft, dass du dein Leben mit MS gut meistern kannst, dass der Verlauf mild bleibt und deine Pläne trotzdem verwirklichen kannst!


    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, nutze alle Möglichkeiten und Hilfen, die sich dir bieten. Ich weiß nur, dass die Therapie bei MS sich in den letzten Jahren sehr verbessert hat und du auf eine gute Behandlung deiner Symptome/Schübe hoffen kannst.


    Alles Gute! :rose:

  • Lieber schwarzer_Hut


    erst einmal, ich wünsche dir alles Gute.


    Ich hatte einen Kollegen, der bis zur Pension viele Jahre mit MS unterrichtet hat. Außer seinem "wankenden" Gang war ihm nichts anzumerken. Das ganze ist schon ein paar Jahre her, er zog inzwischen wieder in seine Heimat, daher kann ich ihn leider nicht mehr fragen.


    Ich kannte auch eine Frau (Mutter einer Jugendfreundin), bei der es vermutlich auch beeinflusst durch zwei schwere Schicksalsschläge extrem schnell verlief, sie hätte nicht mehr unterrichten können (sie war aber Hausfrau, nicht Lehrerin und ihr Mann hat sich um alles gekümmert) und es ist viele Jahre her, die Behandlung hat Fortschritte gemacht (sie hat auch aufgrund des einen Schicksalsschlages irgendwann aufgegeben). Ich weiß, dass die Krankheit bei Männern oft anders verläuft, als bei Frauen.


    Kurz, ja es ist möglich, dass du noch viele Jahre gut unterrichten kannst und dir die Schule/Schulträger/ Land hilft, wenn es Probleme gibt, bei uns wurde z. B. ein Aufzug eingebaut, den er allerdings nicht verwendete, und er musste weniger unterrichten (bei voller Bezahlung). Kümmere dich um dich, deine Familie, sorge dafür, dass es dir gut geht. MS lässt sich zwar noch nicht heilen, aber immer besser behandeln.


    Noch einmal alles Gute.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Oh Mensch, das ist ja wirklich eine heftige Diagnose. Es tut mir sehr leid, dass du sie nun gerade in dieser sicherlich etwas stressigen Zeit als junge Mutter erhältst.


    Ich kenne aber auch mehrere Personen, die an MS leiden und trotzdem voll im Berufsleben stehen. Als Beispiele seien hier eine ehemalige Ausbildungslehrerin von mir genannt, die nun kurz vor der Pension steht und bereits seit 20 Jahren mit dieser Diagnose unterrichtet. Mit Medikamenten und gelegentlichen Krankenhausaufenthalten für Infusionen hat sie die Krankheit gut im Griff.


    Die 30jährige Nichte meines Lebensgefährten hat schon als Teenager mit der Diagnose MS erhalten. Dennoch hat sie eine Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin erfolgreich absolviert und arbeitet auch in diesem Beruf. Derzeit ist sie im 6. Monat schwanger und heiratet heute :). Auch sie hat relativ wenige Einschränkungen in ihrem Leben. Zwar hat sie ab und an "Schübe", aber diese fallen - dank guter Medikamente - i. d. R. leicht aus.


    Ich wünsche dir alles, alles Gute! :rose:

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Von mir auch alles Gute :bussi:

    Vielleicht magst du dir eine Gruppe mit anderen Betroffenen suchen? Ich denke, niemand versteht einen besser als Menschen, die dasselbe Schicksal teilen.

    Ein Verwandter von mir ist betroffen, er hat immer wieder Schübe und muss dann ins Krankenhaus. Allerdings bleiben bisher keine Folgeschäden, es geht ihm dann auch hinterher immer wieder besser! Er geht arbeiten, allerdings ist sein Job nicht so anstrengend wie unserer. Wenn dir dein Job aber Kraft gibt und dich nicht stresst, tut er dir sicher gut?


    Ich komme mit meinen chronischen Problemen übrigens am besten mithilfe von "Achtsamkeit" klar. Meditieren und so. Mithilfe seiner Bücher komme ich durch manche üble Zeit:


    https://www.google.com/search?…id=chrome-mobile&ie=UTF-8


    Die Buddhisten sind bemerkenswerte Meister im Klarkommen.

  • Meine Mutter hatte MS, war allerdings keine Lehrerin.


    Es gibt da dermaßen unterschiedliche Verläufe, dass Dir wirklich niemand sagen kann, ob Du den Beruf ausüben kannst. Bei uns wurde damals anfangs extrem schwarzgemalt, der Arzt meinte "in 5-6 Jahren sitzen Sie im Rollstuhl, dann geht's ganz schnell zu Ende". Die ersten paar Jahre ging's ihr auch wirklich mies.

    Dann kamen neue Medikamente, und sie war wie ausgewechselt, es war dann etwa so, wie Kiggie beschreibt.


    Letztendlich hatte sie noch deutlich über 20 Jahre ein nahezu normales Leben und starb dann viel zu früh und völlig überraschend an etwas anderem. Möglicherweise war das tatsächlich die Folge einer Nebenwirkung eines der Medikamente. Aber letztendlich war's wohl besser, als "5 Jahre bis Rollstuhl, dann noch 5 bis Tot".


    Ich kenne aber durch sie auch andere Verläufe, wo die Betroffenen WIRKLICH nach 5 Jahren im Rollstuhl saßen. Es kommt halt immer darauf an, wie gut man auf welche Behandlungsmethode anspricht, aber da hat sich in den letzten 20-30 Jahren so viel getan, dass MS nicht mehr ganz so die "Katastrophendiagnose" ist, die sie mal war.


    Es ist eine Binsenweisheit, aber meiner Mutter hat enorm geholfen, nie aufzugeben. Sie war wann immer möglich unterwegs, hat Sport gemacht und ist arbeiten gegangen (Knochenjobs). Und als dann die passende Medikamenteneinstellung gefunden war, war das Leben wieder ganz normal. Ihr ging's sogar besser.


    Um jetzt also ganz direkt was zu raten: Probier's. Lass Dich von der Kankheit nicht mehr als nötig einschränken. Wenn's mal temporär nicht geht, lass Dich krank schreiben, aber gib nie ganz auf, man kommt auch mit MS wieder auf die Beine.


    Alles Gute.

  • Zuerst: Das tut mir sehr leid für dich.

    Neben dem bereits Erwähnten, könntest du dich auch noch an die Schwerbehinderungsvertretung deiner Schulform wenden.

    Dort sitzen oft kompetente Leute, die auch bestimmt in einem solchen Fall Hilfestellung leisten können.

    Weiterhin alles Gute.

    Ich bin Grundschullehrer, ich muss nicht die Welt retten!!!

  • Tatsächlich bin ich selbst betroffen. Ich habe meine Diagnose Ende 2007 während des 1. Staatsexamens bekommen. Ich arbeite - mit Einschränkungen durch Nachteilsausgleiche - immer noch mit vollem Deputat und bin 2015 auch noch zur OStR‘ befördert worden.

    Du kannst mich gerne per PN anschreiben!

    • Offizieller Beitrag

    Ich kenne 3 Menschen mit MS. Eine ist Krankenschwester, muss sich alle paar Tage ein Medikament selbst spritzen, was es auf Reisen etwas schwierig macht (kühlpflichtig), hat aber seit Jahren keine Verschlechterungen mehr.

    Eine ist Lehrerin, die ebenfalls keine Verschlechterung mehr hatte und kein Medikament mehr braucht.

    Eine dritte ist ebenfalls Lehrerin, hat leichte Einschränkungen und einen GdB, durch den sie im Beruf Nachteilsausgleiche erhält.

    Es ist wohl - bei relativ jungem Alter - mit den heutigen Medikamenten oft so, dass die Krankheit deutlich verlangsamt werden kann.


    Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir viel Kraft und starke Nerven.

  • Vielen Dank für eure lieben Worte und Erfahrungsberichte, die Grund dafür geben, den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

    MS wurde bei mir durch Zufall entdeckt, aber das ist wahrscheinlich in vielen Fällen so.

    Tatsächlich bin ich an einer kleinen Schule mit paradiesischen Bedingungen, die Arbeit die wir leisten wird sowohl von den Kollegen als auch von der Schulleitung und der Schülerschaft wertgeschätzt und es ist einfach schön dort. Behindertengerecht ist die Schule nicht, und da sie so klein ist gibt es auch keinen Schwerbehindertenvertreter, zumindest soweit ich bisher weiß.

    Noch mal danke, es hat so gut getan, diese Dinge hier zu lesen!1

  • Vielen Dank für eure lieben Worte und Erfahrungsberichte, die Grund dafür geben, den Kopf nicht in den Sand zu stecken.

    MS wurde bei mir durch Zufall entdeckt, aber das ist wahrscheinlich in vielen Fällen so.

    Tatsächlich bin ich an einer kleinen Schule mit paradiesischen Bedingungen, die Arbeit die wir leisten wird sowohl von den Kollegen als auch von der Schulleitung und der Schülerschaft wertgeschätzt und es ist einfach schön dort. Behindertengerecht ist die Schule nicht, und da sie so klein ist gibt es auch keinen Schwerbehindertenvertreter, zumindest soweit ich bisher weiß.

    Noch mal danke, es hat so gut getan, diese Dinge hier zu lesen!1

    Die Schule an sich hat keinen Schwerbehindertenvertreter. Aber es gibt für die Schulform eine Schwerbehindertenvertretung. Bei uns hängst diese Information am schwarzen Brett, ansonsten über ÖPR oder die Seite eures Bildungsministeriums erfragen.

    Ich bin Grundschullehrer, ich muss nicht die Welt retten!!!

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