Leistungsbewertung bei von der Präsenzpflicht befreitem Schüler

  • Liebe KuK,


    ich habe in meiner 6. Klasse (Realschule) einen Schüler, der seit den Herbstferien wegen Corona Infektionsgefahr bis auf Weiteres vom Präsenzunterricht befreit ist. Ob das bei diesem Schüler gerechtfertigt ist oder nicht (nicht er selber gehört zu einer Risikogruppe, sondern ein im Haushalt lebender Angehöriger), sei dahin gestellt.

    Er gehört eh nicht zu den besten Schülern und meine KuK und ich zweifeln stark daran, dass es ihm schulisch und sozial (er hat in der Klasse eh soziale Probleme und seine Abwesenheit wird von den Mitschülern verwundert aufgenommen). Er selber scheint zuhause ganz happy und seine Eltern unterstützen ihr dabei. Aber auch das ist für mein Anliegen eher irrelevant.


    Da nicht abzusehen ist, wann der Schüler wieder im Präsenzunterricht ist, muss auch bei ihm eine Leistungsüberprüfung stattfinden (er hat ja einige Klassenarbeiten und Tests verpasst und ist zurzeit nicht bewertbar).


    Nur wie seine Leistung überprüfen? Leider ist es seit Schulbeginn so, dass die Eltern ihn bei allen Aufgaben, die zuhause erledigt werden sollen (Referate, Präsentationen etc) massiv unterstützen und teilweise (auch schon gehabt) die Arbeit für ihn komplett erledigen. Daher kommen auch keine Referate oder schriftlichen Ausarbeitungen in Frage. Ich will ja ihn und nicht seine Eltern bewerten.


    Nicht jeder Kollege hat Zeit und Lust, mit ihm eine „Live“ Klausur oder Test per Videokonferenz zu absolvieren. Und Referate bzw. schriftliche Ausarbeitungen kommen aus o.g. Gründen nicht in Frage.

    Eine Kollegin meinte schon, er könne ja mal an einem Nachmittag zur Schule kommen, wenn kein Schüler mehr da ist. Im Prinzip eine gute Idee, aber man kann ja an einem Nachmittag 3 Fächer überprüfen. Und es bedeutet wieder erheblichen Mehraufwand für die KuK.


    Habt ihr da einen guten Tipp?


    Ich freue mich auf eure Vorschläge!


    Viele Grüße!

  • Wir haben das genau so gemacht. Test mit Videokamera in Forms, kurze mündliche Überprüfung zu Ausarbeitungen per Videocall oder Telefon. Eine Schülerin war jeden Montag für einen Test da (ok, die konnte selbst mit dem Auto fahren und hat im Distanzlernen fast nichts abgegeben).

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Ich kann mich yestoerty nur anschließen. Überprüfungen werden bei uns per Video abgehalten oder vor Ort. Dabei werden die Schüler nicht mit anderen Nachschreibern gemischt, sondern erhalten einen eigenen Termin und Raum. Ja, da ist Mehraufwand ohne Ende. Ich habe mittlerweile einige solcher Fälle. Den Termin zum Schreiben vor Ort gebe ich den Schülern ca. 2 Wochen vorher bekannt, innerhalb dieser Zeit ist die Organisation der Anreise zu schaffen.

  • Nachmittags kommen lassen, wenn du eh Nachmittagsunterricht hast, in den Raum neben deinem Zimmer einzeln für die KA setzen. Verursacht dir keinen großen Mehraufwand und der Schüler kann so wie erwünscht den Kontakt zu Mitschülern vermeiden. Ansonsten kurze Videokoferenzen/Telefonate für mündliche Abfragen (da bekommst du dann ja mit, wenn plötzlich ständig der Ton weg wäre, damit Mama/Papa helfen können- in dem Fall müsste der Schüler dann halt auch regelmäßig nachmittags für kurze mündliche Abfragen antanzen). Ja, das ist nicht komplett ohne Mehrarbeit zu lösen ebensowenig wie sich komplett vermeiden lässt, dass Mama und Papa mehr helfen als erwünscht. Das lässt sich sonst aber ja auch bei Referaten/Präsentationen nur begrenzt verhindern.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL ()

  • bei uns schreiben die Fernunterricht-Schüler zur selben Zeit in einem anderen Raum, damit der Lehrer keine extra Arbeit entwerfen muss. Aufsicht führt ein Kollege, der gerade eine Hohlstunde hat (und er kann ja auch nebenher korrigieren etc., er muss ja nur anwesend sein).


    So wird der Merhaufwand verringert.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Bei uns gibt es "Nachschreibetermine" am Fr nachmittag oder Sa vormittag unter der Aufsicht von mind. 2 Kollegen. Bestellt ihn an diesem Tag.

    Außerdem sollte man einfach die Anzahl der Leistungsbewertungen reduzieren und einen Vortrag über Videokonferenz kann man durchaus bewerten.

    Der Schüler ist doch bloß in der 6. Klasse. Wen interessieren da schon die Noten. Dann hat er halt weniger als andere und nicht mehrere Chancen sich zu verbessern. Life sucks.

  • In BW ist klar geregelt, dass Schüler, die auf eigenen Wunsch (bzw. den der Eltern) nicht am Präsenzunterricht teilnehmen für Klassenarbeiten in die Schule kommen müssen. Der Schüler, bei dem es mich betrifft, saß bei anderen Fächern zur Klassenarbeit dann mit Abstand im selben Raum am offenenen Fenster.


    Gibt es bei euch dazu Vorgaben des Kultusministeriums?


    Ansonsten gebe ich das Unterrichtsmaterial direkt vor meiner Unterrichtsstunde in Moodle frei und verlange direkt nach dem Unterricht eine Kopie des Hefteintrags (Zwischenstand nach der Stunde). Als zusätzliche Hausaufgabe sind die Aufgaben dann immer in Ruhe fertigzustellen oder zu korrigieren. Bei ersterem kam bisher eigentlich nichts, die fertig bearbeiteten Aufgaben werden zuverlässiger abgegeben.


    Den Zwischenstand verlange ich aus zwei Gründen.

    Einmal, weil ich davon ausgehe, dass die Eltern nicht ständig während der Unterrichtszeit am Vormittag die Aufgaben des Schülers bearbeiten können. Sie werden ja wohl auch anderes zu tun haben und betreuen zumindest in meinem Fall auch noch Geschwisterkinder zu Hause.

    Und zum anderen damit ich später meine sonstigen Noten (= alles außer Klassenarbeiten), die vor allem aus mündlichen Noten und Praktikumsnoten besteht, begründen kann. Mehrmals im Beurteilungszeitraum nicht abgegeben, begründet eine schlechte mündliche Eindrucksnote. Das ist einfach eine Absicherung für den Fall, dass dem Schüler am Ende meine pädagogisch gefundene Note nicht passt. Wir müssen ja ganz normal bewerten.


    Ich habe aber zum Glück den Eindruck, dass die Aufgaben alleine bearbeitet werden, so dass ich diese auch gut zur Bewertung heranziehen kann.


    LG DFU

  • Ich habe zum Glück bislang auch nur einen Schüler im reinen Fernunterricht. Dieser bekommt von mir das Material für die Woche (Aufgaben für zwei Fächer) per Mail zugeschickt und kann sich bei Rückfragen melden, die ich meist maximal eine halbe Stunde nach Eingang beantworten kann (kommen selten vormittags). Einmal wöchentlich mache ich mit dem Schüler eine Videokonferenz (ca.30min). Dabei besprechen wir die Aufgaben, die er bearbeitet hat (Zwischenlösungen muss er mir teilweise auch bereits vorab per Mail zusenden), diskutieren über kontroverse Fragen zum Thema (die auch Teil de Präsenzunterrichts sind), klären Unklarkeiten und die Arbeitsaufträge für die Folgewoche. Meine mündlichen Noten basieren insofern auf Videkonferenzen plus zugeschickten Zwischenergebnissen, Klassenarbeiten hatten wir noch nicht, kommt erst noch (Nebenfächer). Ich vermute, er wird dabei im Nebenraum allein sitzen.


    Hätte ich mehrere SuS im reinen Fernunterricht, könnte ich natürlich keine Einzelbeschulung mit wöchentlichen Videokonferenzen anbieten, insofern bin ich persönlich sehr dankbar, dass unsere SL sehr offen spricht mit Eltern, die über reinen Fernunterricht für ihre Kinder nachdenken über die Konsequenzen, die das auf vielen Ebenen - psychische Gesundheit, soziale Integration, Lernumgebung, Intensität des Austausches mit Lehrkräften und MItschülern...- haben kann bzw. hat. Ich verstehe die Angst und Sorge die Eltern zu diesem Schritt motiviert, aber er hat nunmal einen Preis, den - leider- auch das Kind bezahlt und den wir Lehrkräfte auch durch maximalen Einsatz keinesfalls auffangen können. (Und ich bin dankbar, diese Art der Abwägung- welchen Preis soll mein Kind potentiell im worst case oder tatsächlich an jedem Tag zahlen- nicht leisten zu müssen. Das stelle ich mir entsetzlich vor, diese Art Überlegungen anstellen zu müssen als Elternteil.)

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Problem bei Leistungsüberprüfung über Videokamera: Was ist, wenn die Aufgabenstellung auf einmal für den Schüler unangenehm ist und er so tut, als ob plötzlich ein technisches Problem bei der Übertragung aufkommen würde? Ich hatte selbst schon technische Probleme bei der Übertragung und kann mir vorstellen, dass man das für seine persönlichen Zwecke ausnutzen könnte.

  • Lindbergh

    Wenn wir SchülerInnen diesbezüglich grundsätzlich misstrauen, dann können wir Leistungsbewertung im Distanzunterricht komplett vergessen. Das Ganze funktioniert nur, wenn man von der Ehrlichkeit aller Beteiligter ausgeht - wie übrigens auch im Präsenzunterricht. Die paar Hanseln, die dann schummeln, muss man leider als systemisch bedingt hinnehmen.
    Wer es unbedingt drauf anlegt, wird ohnehin immer irgendwelche Schwächen im System finden und sie ausnutzen - analog wie digital.

  • Wer es unbedingt drauf anlegt, wird ohnehin immer irgendwelche Schwächen im System finden und sie ausnutzen - analog wie digital.

    Das ist übrigens auch eine wichtige Kompetenz fürs Leben. Wenn man das in der Schule gelernt hat, ist das auch gut.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Problem bei Leistungsüberprüfung über Videokamera: Was ist, wenn die Aufgabenstellung auf einmal für den Schüler unangenehm ist und er so tut, als ob plötzlich ein technisches Problem bei der Übertragung aufkommen würde? Ich hatte selbst schon technische Probleme bei der Übertragung und kann mir vorstellen, dass man das für seine persönlichen Zwecke ausnutzen könnte.

    Ergänzend zu Bolzbolds sehr richtigen Ausführungen möchte ich noch anmerken, dass das für mündliche Noten keine große Rolle spielt meines Erachtens. Selbst wenn mein Fernlernschüler so etwas abziehen würde (was er nicht machen wird, weil die Eltern ein Auge auf sein Lernverhalten haben und im Wechsel im Homeoffice sind um ihn zu betreuen und zu unterstützen), sagen wir bei einer Rückfrage zu aktuellen Nachrichten würde ihm das nichts bringen. Denn tiefgreifendes politisches Verständnis um einen aktuellen politischen Konflikt (ich sag nur Corona- so ein Geschenk für den Politikunterricht ^^) einzuordnen und z.B. vor dem Hintergrund des GG zu beurteilen erarbeitet man sich nicht in den paar Minütchen, die man das aufrechterhalten kann, ehe im Zweifelsfall das Telefon klingelt.

    Schriftliche Noten dürfen wir hier in BW zumindest sowieso nur in Präsenz erheben.

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  • Ich benutze Socrative. Die Schüler machen den Test von zuhause.

    Ist das nicht jetzt auch unzulässig geworden, weil KAs in Präsenz geleistet werden sollen auch von diesen SuS?

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • In NRW ist die Teilnahme an Klassenarbeiten jedenfalls Pflicht, da gibt es keine Ausnahmeregelung.

    Im niedersächsischen Leitfaden "Schulen in Corona-Zeiten - Update" für die berufsbildenden Schulen (Stand 13.11.20) heißt es:

    "Leistungsfeststellungen in Form von Klassenarbeiten oder Klausuren finden in der Regel im Präsenzunterricht statt, können aber ebenfalls auf im Distanzunterricht erworbenen oder weiterentwickelten Kompetenzen aufbauen.

    Bei entsprechenden technischen Voraussetzungen ist es möglich, schriftliche Leistungen im Distanzunterricht zu erbringen, wenn die Lernenden individuelle Erklärungen zur eigenständigen Erbringung der Leistungen unterschrieben haben. Zusätzlich sollte die schriftliche Bearbeitung der Aufgaben-, Frage- bzw. Problemstellungen mittels Kamera einsehbar sein und das Ergebnis muss unmittelbar eingescannt und an die Lehrkraft versandt werden."


    Ich weiß allerdings nicht, ob dasselbe auch für allgemeinbildende Schulen gilt und an welcher Schulform du Helvi73 nun eigentlich tätig bist, da du "Sek I" wie auch "FOS" und "BFS" in deinem Profil angegeben hast.


    An meiner Schule wurden schon SuS, die vom Präsenzunterricht als Risikopatient*innen freigestellt sind, sowohl nachmittags zum "Nachschreiben" von Klassenarbeiten einbestellt als auch per Kamera dazugeschaltet.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Können die Eltern ein Veto gegen Klassenarbeiten per Kamera von zuhause aus einlegen?

    Hier in BW natürlich, weil es rein rechtlich momentan nicht vorgesehen ist, aber warum sollten ausgerechnet Eltern, die sich aktuell für reinen Fernunterricht ihres Kindes entscheiden beschweren? Die Gründe für den reinen Fernunterricht sind ja gesundheitsbezogene Ängste, Sorgen und Risiken, insofern sehen gerade solche Eltern die Pflicht an Klassenarbeiten der eigenen Klasse regulär in Präsenz teilnehmen zu müssen natürlich besonders kritisch und sind erleichtert, wenn es eine Alternative gibt. Versuch das aus der Warte der Eltern zu sehen, die sich für reinen Fernunterricht entscheiden und nicht vor dem Hintergrund deiner "Digitalkritik".

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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