Hochwasser

  • Mit ständigen Ermahnungen, Geboten und Verboten erreicht man ein Großteil der Bevölkerung nicht. Das ist übrigens ein wichtiger Grund, weshalb die "Umweltpartei" im Osten keinen Fuß in die Tür bekommt.


    Frei nach Brecht muss man feststellen: "Erst kommt der eigene Urlaub, dann die Moral."

    Das könnte aber auch mit einer "das steht mir/uns zu"-Mentalität begründen.

    Drehen wir das Ganze einmal um. Keine Ermahnungen, Gebote, Verbote. Wann kämen Menschen im Westen wie im Osten von sich aus auf die Idee, etwas für bzw. gegen den Klimawandel zu tun?

    Und wenn wir ganz konsequent wären, dann dürften wir auch nicht selektiv nach dem Staat rufen, nur weil es uns gerade opportun erscheint. Kennedy hat es vor vielen Jahren ja bereits gesagt. Sinngemäß: "Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann, sondern was Ihr für Euer Land tun könnt."

  • Drehen wir das Ganze einmal um. Keine Ermahnungen, Gebote, Verbote. Wann kämen Menschen im Westen wie im Osten von sich aus auf die Idee, etwas für bzw. gegen den Klimawandel zu tun?

    Kann man doch aus meiner Sicht sofort beantworten: Nein, denn in den letzten Jahrzehnten gab es keinerlei große Änderungen im Konsum. Der große Teil der Masse ist träge und ändert nix ohne externe Reize. Das ist noch nicht mal vorwurfsvoll gemeint.


    Problem ist halt auch, dass man die Schäden seiner Handlung nicht direkt sieht. Genauso wie bei Corona - wenn ich heute ohne Maske in den Club gehe, merke ich doch erst viel später, wenn überhaupt, dass ich andere Menschen angesteckt habe. Wenn ich heute nach Australien fliege und dort eine Kreuzfahrt mache, merke ich von den Schäden davon überhaupt nichts. Die Probleme sind zu abstrakt, als das alle Menschen sie verstehen.


    Mit ständigen Ermahnungen, Geboten und Verboten erreicht man ein Großteil der Bevölkerung nicht. Das ist übrigens ein wichtiger Grund, weshalb die "Umweltpartei" im Osten keinen Fuß in die Tür bekommt.

    Mir geht dieses "Die Ostdeutschen sind viel sensibler für Unrecht als die Wessis" gewaltig auf den Keks. Das sind sie nämlich nicht. Dort ist die Nazipartei, die vielen Menschen ihre Existenz nicht zugesteht oder einschränken will, eine der stärksten Kräfte. Bitte hört auf, so einen Mist zu verbreiten. Die Menschen im Gebiet der ehemaligen DDR sind genauso egoistisch veranlagt wie im Westen.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

  • Nur ganz kurz zwischendurch: Ich habe die Rückfragen an mich gelesen, wollte mich aber jetzt erst einmal aus der Diskussion ausklinken, da ich mich ursprünglich nur zu der Sache mit dem Haus äußern wollte und ich zu dem Zeitpunkt nicht absehen konnte, dass derart viele Fragen auch betreffend ganz anderer Lebensbereiche wie Auto, Urlaub, etc. kommen würden.

  • Ich habe solche Bilder aus Deutschland noch nicht gesehen. Es ist wirklich furchtbar. Vor allem, dass so viele Menschen vermisst werden! Und dass Leute, Erwachsene, gesunde Schwimmer einfach mitgerissen werden und ertrinken, ich finde das wirklich schwer fassbar.

    Das mit dem mitgerissen werden ist nicht überraschend, wir waren gestern spazieren, an einem normalerweise winzigen Bach, der dank der Überflutungsflächen ca. die Breite der Ruhr hatte, im Hauptbachbett eine Strömung schneller als ich joggen würde, von der Tiefe her unter keiner Brücke mehr eine Handbreit Platz gelassen hat und vor jeder Brücke waren angespülte, ausgerissene Bäume. Ohne Komplettsicherung hätte das niemand überlebt, der da reinfällt und selbst mit kompletter Sicherheitsausrüstung...reißt sich einer von den Bäumen los und trifft dich am Kopf, war's das auch. Gesehen hab ich das aber schon ein paarmal (allerdings war es in der Nacht noch einmal 1-2m höher und an die Höhe kann ich mich tatsächlich nicht erinnern).

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

  • Problem ist halt auch, dass man die Schäden seiner Handlung nicht direkt sieht. Genauso wie bei Corona - wenn ich heute ohne Maske in den Club gehe, merke ich doch erst viel später, wenn überhaupt, dass ich andere Menschen angesteckt habe. Wenn ich heute nach Australien fliege und dort eine Kreuzfahrt mache, merke ich von den Schäden davon überhaupt nichts. Die Probleme sind zu abstrakt, als das alle Menschen sie verstehen.


    Mir geht dieses "Die Ostdeutschen sind viel sensibler für Unrecht als die Wessis" gewaltig auf den Keks. Das sind sie nämlich nicht. Dort ist die Nazipartei, die vielen Menschen ihre Existenz nicht zugesteht oder einschränken will, eine der stärksten Kräfte. Bitte hört auf, so einen Mist zu verbreiten. Die Menschen im Gebiet der ehemaligen DDR sind genauso egoistisch veranlagt wie im Westen.


    Zum ersten Absatz:

    Ja, leider. Wie ich oben schon schrieb, ist es nur extrem ungerecht, dass in der Regel andere Menschen dieses Verhalten teils im wahrsten Sinn des Wortes ausbaden müssen. Und da ist dann m.E. schon der Staat gefragt.


    Zum zweiten Absatz:

    Doch, das passt sogar zusammen - man schaue sich nur an, womit diese Partei dort wirbt. Da geht es um nichts anderes als Unrecht und Ungerechtigkeit. Die Psychologie dahinter funktioniert seit 100 Jahren - man schaue sich einmal die Wahlplakate aller Parteien der Weimarer Zeit an...

  • Mittlerweile wird das Auto verteufelt (Elektroautos können sich nur "Reiche" leisten, z.B. Lehrer :pfeifen: ) , das Reisen in andere Länder ist ganz böse und der Staat regelt immer mehr in das Leben hinein.

    E-Autos werden massiv subventioniert und Reisen ins Ausland sind nicht böse, man kann ja den Zug/Fernbus nutzen.

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • Doch, das passt sogar zusammen - man schaue sich nur an, womit diese Partei dort wirbt. Da geht es um nichts anderes als Unrecht und Ungerechtigkeit. Die Psychologie dahinter funktioniert seit 100 Jahren - man schaue sich einmal die Wahlplakate aller Parteien der Weimarer Zeit an...

    Denke, da sprechen wir nur unterschiedlich über die gleichen Dinge. Die vom Verfassungsschutz in vielen Ländern beobachtete Nazi-Partei AfD, deren Ziel die Abschaffung unseres Staates ist, wirbt natürlich nicht mit diesen Parolen für sich, sondern damit, dass in Ostdeutschland extrem viel schlecht gelaufen ist (und das ist noch gewaltig untertrieben). Da geht es um gefühlte und selbstverständlich auch vorhandene Ungerechtigkeit dort drüben.


    Aber deswegen haben die Menschen, die dort sind, kein besseres Gespür für Unrecht, sondern sind wie gesagt genauso egoistisch wie Menschen in den "alten" Bundesländern. Ich halte das für sehr gefährliches Framing, weil es unterstellt, dass es in unserem Staat eine Gefahr gibt, die sich bei den etablierten Parteien abspielt und nicht bei den vom Verfassungsschutz beobachteten Nazis von der AfD.


    Edit: Zur Präzisierung, falls das nicht klar raus kommt. In den 30 Jahren seit der Wende ist in Ostdeutschland so unfassbar viel schiefgelaufen, dass ich den Frust der Menschen dort verstehen kann. Ich kann nur nicht verstehen, wie die Lösung für diesen Frust sein kann, dass man sich offenbar verfassungsfeindlichen Parteien zuwendet und das auch noch als "Wir haben ein viel feineres Gespür für Unrecht" verkauft.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

  • Was aber auch Corona gezeigt hat: Für die Politiker, Promis und Reiche gelten Sonderregeln.

    Beispiele? (Und jetzt komm' mir bitte nicht damit, dass Frau Merkel gerade trotz "Travel Ban" in die USA geflogen ist!)

    Viele "Promis" / Künstler*innen haben/hatte eine ziemlich lange Zeit wenig bis gar keine Einnahmen, weil sie gar nicht arbeiten konnten.

  • Es wäre gut, wenn wir alle wieder so leben würden wie in den 80ern (wir Ältere erinnern uns). Urlaub macht man am Schluchsee oder in Südtirol, Kreuzfahrten sind für Millionäre, Kinderkleidung gibt man weiter, bis sie nicht mehr tragbar ist, Jugendliche fahren mit dem Fahrrad zur Musikschule statt mit dem Mamataxi, Gemüse und Obst isst man dann, wenn es Saison hat.

    Ich stimme dir zu, aber "Urlaub am Schluchsee oder in Südtirol" haben viele auch in den 80er Jahren nicht mehr gemacht, "exotisches" Obst und Gemüse auch außerhalb der Saison gekauft, wenn möglich, und Kinderbekleidung wurde - zumindest in meinem Bekanntenkreis (das habe ich als Jugendliche ja schon mitbekommen) - gerade damals häufig lieber neu gekauft als weitergegeben. Da kenne ich viel mehr Leute, die in den letzten 10 Jahren Eltern geworden sind und gebrauchte Kinderkleidung erhalten und weitergeben, als früher.

  • Schade.

    Warum nur im Osten?

    Weil wir von 1990 bis etwa 2014 fast nur die westlichen Bundesländer (und Österreich sowie Schweiz) besucht haben. Reisen bildet.


    Natürlich habe ich noch nicht alles gesehen (geht ja gar nicht), aber Schwarzwald, Schwäbische Alb, Bodenseegebiet, Allgäu, Alpen (u.a. 21 Jahre zu Ostern nach Ruhpolding), Bayerischer Wald, Saargebiet, Eifel, Hunsrück, Mittelrhein, Teutoburger Wald, Ostfriesland, Nordfriesland hatten wir schon. Alles wunderschöne Gegenden. Kann ich uneingeschränkt empfehlen.


    Mit zunehmenden Alter fahre ich nicht so gern lange Strecken. Also versuchen wir unser Glück in der Sächsischen Schweiz, im Thüringer Wald, im Harz, im Spreewald, im Müritzgebiet und an der Ostsee (nicht im Sommer, zu viele Leute). Der Fläming ist auch sehr schön, vor allem erholsam ruhig.

  • Danke für die Rückmeldung alpha .

    Ich behaupte mal von mir, sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands sehr viele schöne Ecken zu kennen. Allein schon, weil mein Vater sich Mitte der 80er Jahre ein Wohnmobil gekauft hat, mit dem er (und ich als Jugendliche) ganz Deutschland bereist hat. Auch ich kann einen Urlaub im Inland nur uneingeschränkt empfehlen!

  • Humblebee: vielleicht liegt es daran, dass ich ja aus BW komme und man ja dort tendenziell sparsamer ist als anderswo, aber ich bin sehr wohl in den 80ern so aufgewachsen wie beschrieben. Und ich würde mein damaliges Umfeld sehr mit "schaffe, schaffe, bürgerlich, mittelständisch" beschreiben. Als ich in der 3. Klasse war (1985), flog ein Mitschüler mit seinen Eltern nach Tunesien in Urlaub. Das war ne Sensation, weil es wirklich total unüblich war, mit dem Flugzeug zu verreisen. Erdbeeren im Winter oder Spargel aus Peru im November waren in den Landsupermärkten definitiv nicht im Angebot.

  • Das ist übrigens ein wichtiger Grund, weshalb die "Umweltpartei" im Osten keinen Fuß in die Tür bekommt.

    Ich glaube vielmehr im Osten ist man einfach gerne aus Prinzip anders. Um speziell zu sein und so. Darin sind die Appenzeller auch sehr gut, im aus Prinzip dagegen sein. Dafür braucht es nicht mal eine besondere Historie mit sozialistischer Diktatur und Wiedervereinigung. Geht auch viel unromantischer. Ob das langfristig so wahnsinnig schlau ist, sei dahingestellt.

  • Ich glaube vielmehr im Osten ist man einfach gerne aus Prinzip anders. Um speziell zu sein und so. Darin sind die Appenzeller auch sehr gut, im aus Prinzip dagegen sein. Dafür braucht es nicht mal eine besondere Historie mit sozialistischer Diktatur und Wiedervereinigung. Geht auch viel unromantischer. Ob das langfristig so wahnsinnig schlau ist, sei dahingestellt.

    In Appenzell war ich schon. Schöner Ort, superschöne Häuser.

    Und der Käse ! Trotz Spezialverpackung roch mein Auto tagelang nach dem leckeren Käse.

    Ich mag die Appenzeller (wenn ich auch nur mit 2 Kontakt hatte). :top:

  • Ja, aber weisst... Die Basler sind auch aus Prinzip immer anderer Meinung. Nur ist Basel-Stadt einer der reichsten Kantone der Schweiz (noch reicher dürfte nur Zug sein), die Appenzeller haben halt ihren Käse. In Deutschland sind's die Bayern, die am Ende dann doch wieder schlauer dagegen sind als der Rest. Und in Bayern wird lokal traditionell sehr viel Grün gewählt, genau wie in Basel übrigens auch 😉

  • Ich habe solche Bilder aus Deutschland noch nicht gesehen. Es ist wirklich furchtbar. Vor allem, dass so viele Menschen vermisst werden! Und dass Leute, Erwachsene, gesunde Schwimmer einfach mitgerissen werden und ertrinken, ich finde das wirklich schwer fassbar.

    Was mich bei allem Mitgefühl ehrlich gesagt ziemlich ärgert: Ich habe wie bereits erwähnt 2005 das Alpenhochwasser in Bayern live miterlebt. Soweit ich mich erinnere, gab es damals keine Toten, die Bilder sahen aber nicht minder verheerend aus. Nachdem das Schlimmste vorbei war, fuhr ich mit dem Zug hoch nach Hamburg, Verwandtschaft besuchen. Der Zug benötigte ungelogen die Hälfte der Zeit nur um das Bundesland Bayern zu verlassen. Der konnte nämlich aufgrund der andauernden Überschwemmungen und Beschädigungen an der Strecke nirgendwo Normalgeschwindigkeit fahren. Mit den reichen, arroganten Bayern hat man aber per se nicht so viel Mitleid. Ebenso vergeblich sucht man zur Zeit in den ausländischen Medien Bilder aus der Schweiz. Die Bieler rudern seit gestern schon mit dem Schlauchboot durch die Stadt, Luzern versinkt in diesen Stunden im See. Was soll's, die sind ja reich.


    Das Fatale an der Situation in Deutschland ist meiner Ansicht nach, dass es gerade Regionen trifft, die sowas nicht gewöhnt sind. Ich bin in der Voralpenregion aufgewachsen, da sind heftige Sommerunwetter mit Starkregen und Hagelschlag normal. Da lernt jedes Kind die Zucchini im Garten rechtzeitig abzudecken und hofft natürlich drauf, dass es sie trotzdem verhagelt. Aber genau das zeigt ja den Einfluss des Klimawandels auf, das Extremwetter kommt plötzlich an Orten wo es nicht hingehört.

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