Sek I: Umgang mit fehlenden HA, Material etc.

  • Hallo zusammen,


    ich wollte einmal rum fragen, wie Ihr fehlende HA, Materialien etc. dokumentiert?


    Macht Ihr eine Strichliste o.ä.?

    Wie geht Ihr dann mit den Strichen um, gebt Ihr entsprechende Noten o.a. (welche und ab wann)?

    Noten im Fach oder in der Kopfnote?


    An meiner letzten Schule gab es ein klares Schulkonzept dafür (bis hin zum Tadel). An meiner neuen Schule existiert so etwas nicht und jeder Lehrer macht es anders. Das ist auch genau die Antwort, die ich erhalte, wenn ich Kollegen befrage. Und die Varianten reichen von "mache gar nichts, notiere auch nichts" bis hin zu "gebe Note 6 (im Fach) bei...". Ich habe für mich noch nicht das richtige System (an dieser Schule) gefunden. Daher wollte ich mal nach Euren Erfahrungen fragen.


    Bei uns gibt es Kopfnoten, und je nach Fach werden ständig extrem viele HA vergessen. Material sowieso :( Etliche SuS machen nie HA. Die Argumentation für manchen Kollegen ist deswegen auch, dass er/sie gar nichts einträgt, weil man dann gar nicht mehr hinterherkommen würde mit Eintragungen und das zu viel Zeit raubt. Das Ganze muss also auch im U-Alltag noch gut handhabbar sein.


    Ich wollte einfach mal ein paar Ideen sammeln.

  • Bei uns an der Schule gibt es normalerweise ein Konzept zur Nacharbeit in solchen Fällen. Nachdem das aber klassenübergreifend organisiert ist, musste es dieses Schuljahr entfallen, wie es kommendes Schuljahr (beginnt bei uns erst im September) wird bleibt abzuwarten. Insofern habe ich mir einzelne SuS, die besonders viel in den Präsenzphasen vergessen hatten Freitag nachmittags einbestellt zur Nacharbeit. Einer meiner 9er musste so einmal einfach nur kommen, um zwei Aufgaben im Arbeitsheft nachzuholen und 50 lose Zettel in seine Ordner vernünftig einzusortieren, damit er wieder sein Material findet. Vergessene Hausaufgaben fließen bei mir mit ein in die Mitarbeitsnote (Kopfnote) und, weil im Regelfall bei der Besprechung der HA nicht mitgearbeitet werden kann, wenn diese nicht erledigt wurden, in die mündliche Fachnote. Wer das also mündlich kompensieren kann bei der Besprechung hat lediglich eine Auswirkung auf die Kopfnote plus ggf Nacharbeitstermine. Ich hatte dieses Jahr exakt eine Schülerin, die zwar immer mal wieder ihre HA vergessen hatte, das aber prinzipiell mündlich komplett kompensieren und Lösungswege auch erklären konnte... Ansonsten gibt es aber einer bestimmten Anzahl vergessener Materialien/Hausaufgaben einen kurzen Vermerk im Klassenbuch (als Hinweis an die KLs zu den Kopfnoten zum Schuljahresende) und eine schriftliche Information der Eltern mit Hinweis auf den gesetzten Nacharbeitstermin, sowie möglichen Auswirkungen bei Klassenarbeiten oder der mündlichen Mitarbeit. (Wenn dann am Ende des Jahres in dem Fach die 5 oder 6 bei mir stehen würde-in solchen Fällen keine Seltenheit - waren die Eltern frühzeitig informiert und involviert, was ich auch nachweisen kann.)

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • In einigen BFS- und BES-Klassen haben wir eine "Feedbackliste", wo u. a. fehlende Hausaufgaben und fehlendes Arbeitsmaterial eingetragen werden. Bei drei Einträgen muss die/der Schüler/in eine Doppelstunde "nachsitzen" (i. d. R. freitags in der 7./8. Stunde; bei minderjährigen SuS müssen wir darüber natürlich auch die Erziehungsberechtigten informieren). Hat jemand dort viele Einträge gesammelt, gibt es entsprechend im Zeugnis eine Abwertung im Arbeits- und/oder Sozialverhalten (fehlende HA und Materialien betreffen ja das AV).


    In die Fachnote darf das Vergessen von HA und Material u. ä. meines Wissens nicht einfließen Abbgesehen vom von CDL geschilderten Fall, also wenn jemand wegen der fehlenden HA sich eben in der entsprechenden Stunde nicht gut mündlich beteiligen kann; dann darf man dies natürlich in der mündlichen Note berücksichtigen.


    In anderen Bildungsgängen (Fachoberschule etc.) haben wir aber keine solche Feedbackliste. Diese SuS sind unserers Erachtens clever genug um zu wissen, dass sie es im Endeffekt selber "ausbaden" müssen, wenn sie keine HA machen o. ä.

  • Mit in die Noten fließen lassen ist natürlich schwierig. Man kann halt nicht für "nichtgemachte" Hausaufgaben eine 6 geben (geht bei immer gemachten Hausaufgaben auch nicht anders herum). Aber es passt häufig in das Gesamtbild eines Schülers. Wenn einer zwischen zwei Noten am Ende steht, lasse ich das mit einfließen, aber gebe eben keine direkte Note. Ich informiere bei 3 x nicht gemachte Hausaufgaben die Eltern, d. h. ich rufe sie an. Meistens reicht es dann aus, dass zumindest für eine oder zwei Wochen mal die Hausaufgaben gemacht werden. Beim Elternsprechtag spreche ich das dann aber auch immer noch mal an, damit die Eltern das auch im Gedächtnis haben.

  • Macht Ihr eine Strichliste o.ä.?

    Ja. Ich habe in jeder Klasse eine (außer Oberstufe), die ich auch sehr akribisch führe. Bei mir müssen die SuS auch die nicht erledigten HA nachzeigen, sonst gibt es gleich den nächsten Strich.

    , gebt Ihr entsprechende Noten

    Das dürfen wir (BY) nicht.

    Noten im Fach oder in der Kopfnote?

    Bei der "Mitarbeitsnote" auf dem Jahreszeugnis bzw. in den Zeugnisbemerkungen kann man darauf eingehen und das tue ich auch.


    Ansonsten machen es die meisten KuK an meiner Schule so, dass sie eben "Striche machen" und ab 3x pro Halbjahr müssen die SuS zum Nachsitzen kommen. Meist bietet einer einen Termin an und alle können ihre vergesslichen Schülerlein eintragen. Das war jetzt nur während Corona etwas schwieriger, grundsätzlich aber sehr wirksam.

  • Hallo!


    Wenn ich einen Schüler aufrufe, damit er seine Hausaufgaben vorträgt und er sagt, er hat sie vergessen, dann bekommt er die 6. Allerdings bekommen bei mir alle Schüler eine mündliche Zusatznote, wenn sie eine ausreichend umfangreiche Hausaufgabe vortragen. (Wenn jeder Schüler in Mathematik nur das Ergebnis einer Teilaufgabe vorliest, dann natürlich nicht.)


    Wer sich vor Stundenbeginn meldet, erhält einen Strich und bei drei Strichen informiere ich die Eltern. Wer es mehrmals zu drei Strichen schafft, darf in der Schule nacharbeiten, wenn es zu meinem Stundenplan passt. Wenn es nicht passt, müssen sie sich ohne meine Mithilfe selbst um das Nacharbeiten kümmern. Nachmittags bleibe ich dafür nur in extremen Fällen länger.

    Wer zu viele Vermerke wegen fehlender Hausaufgaben im KA hat, kann von mir als Klassenlehrerin deswegen auch einen richtigen Klassenbucheintrag bekommen, was vermutlich dem oben genannten Tadel entspricht.


    In der Mitarbeitsnote kann es sich natürlich auch niederschlagen, denn wer nichts zu den Hausaufgaben weiß, kann sich ja auch nicht beteiligen.


    LG DFU

  • Wenn ich einen Schüler aufrufe, damit er seine Hausaufgaben vorträgt und er sagt, er hat sie vergessen, dann bekommt er die 6.

    Wow. Da müsste man meinen, dass das mit den vergessenen HA seltener passiert. Wir dürfen HA generell nicht benoten, auch nicht nicht vorhandene. Nur eben die Beträge aus dem daraus resultierenden Unterrichtsgespräch (s.u.).


    In der Mitarbeitsnote kann es sich natürlich auch niederschlagen, denn wer nichts zu den Hausaufgaben weiß, kann sich ja auch nicht beteiligen.

    Das trifft allerdings auch bei uns zu.

  • Bei uns gehören Hausaufgaben auch zur Leistung und damit über die Mitarbeit auch zur Zeugnisnote.

    Da ich generell mit % arbeite, gehen die % der erledigte Hausaufgaben so in die Note mit ein (wiederum zu einem bestimmten Prozentteil). Was wie viel % ergibt, teile ich zu Beginn den Schülern schriftlich mit und lasse es unterschreiben.

    Ich mache mir jede Stunde Notizen über Hausaufgaben, Mitarbeit und ggf. Verhalten. Ich nutze dafür Zeit während der Hausaufgabenkontrolle, die von einem Schüler moderiert wird (er erhält meine Lösungen) oder während Übungsphasen. Größere Hausaufgaben sammele ich auch mal ein. Zudem gibt es Hausaufgabenüberprüfungen (kleine Minitests) und Abfragen.

    Bei 3x vergessenen Hausaufgaben informiere ich die Eltern und der Schüler muss nacharbeiten. Da ich in der Schule vorbereite und mein gesamtes Material dort habe, muss ich nicht extra länger bleiben.

  • Was machst du denn, wenn der Schüler Hausaufgabe spontan lösen kann?

    Ich bewerte tatsächlich das, was zur Hausaufgabe vorgetragen werden kann. Wer also etwas zur Aufgabe sagen kann, erhält keine 6.


    Wie gesagt, lasse ich öfter Schüler ein paar Minuten lang die Hausaufgaben vorrechnen oder erklären, und bewerte das dann. Auch dann, wenn die Hausaufgaben gemacht wurden. Es geht ja nicht darum, nur 6er zu verteilen. Wer die Hausaufgaben gut macht, kann sich auch gezielt melden um eine zusätzliche Note zu bekommen.


    LG DFU

  • Wie unterschiedlich das gehandhabt wird...!


    Bei uns ist genau das explizit nicht erlaubt (eine Hausaufgabe per se zu bewerten), weil das Kind ja zu Hause i. d. R. allein die Hausaufgabe macht und wenn etwas doch nicht verstanden wurde, die Aufgabenstellung falsch verstanden wird, es einfach Fehler macht, weil es nicht nochmal nachfragen kann, da es zu Hause ist, darf das nicht bewertet werden.


    Andersherum können Eltern oder Geschwister ja helfen und dann hat es eine super Hausaufgabe und bekommt dafür ggf. eine tolle Note.

  • Aber wenn ich mir die Antwort im Unterricht anhöre, kann ich ja ebenso helfen wie bei einer Aufgabe, die ich im Unterricht direkt stelle („abhören“). Ich sammle ja nicht die schriftliche Hausaufgabe ein. Und die Schüler konnten sich zu Hause vorbereiten, das ist dann ja eher ein Vorteil für sie. Und wenn sie die Aufgaben machen, ist es mir eigentlich egal, ob sie etwas, was im Unterricht nicht sofort verstanden haben, bei den Hausaufgaben noch einmal im Schulbuch oder Heft nachlesen, oder jemanden anderen fragen. Im Unterricht muss man seinen Lösungsweg dann ja erklären.


    Und wer die Hausaufgaben nicht machen konnte, weil er etwas nicht verstanden hat, kann seine Frage bzw. sein Problem im Heft schriftlich auf den Punkt bringen und sich vor der Stunde melden. Dann gibt es auch keinen Hausaufgabenstrich, weil man sich dann meist ausführlicher mit den Aufgaben beschäftigen muss als wenn man sie einfach löst.


    Und ich bewerte nur Hausaufgaben, die mit den vorherigen Unterricht vollständig zu lösen sind.


    LG DFU

  • Zitat

    Und wer die Hausaufgaben nicht machen konnte, weil er etwas nicht verstanden hat, kann seine Frage bzw. sein Problem im Heft schriftlich auf den Punkt bringen und sich vor der Stunde melden. Dann gibt es auch keinen Hausaufgabenstrich, weil man sich dann meist ausführlicher mit den Aufgaben beschäftigen muss als wenn man sie einfach löst.


    :top:

  • Ich führe Strichlisten im Klassenbuch, dafür gibt es hier Spalten.


    Wir haben auch Kopfnoten und dort fließt das Verschlampte ein. Mir hilft dabei das Vebalurteil wie 'vorbildlich' oder 'unzureichend' ausgeprägt oder so ähnlich. (Leider gibt es viele verschiedene Kriterien, die zu jeder der 4 Kopfnoten aufgelistet sind, was das ganze noch beliebiger macht.)


    Aber letzlich hat man das tatsächlich im Gefühl. '2x Ha vergessen und diese bis nächsten Tag nachgeholt haben' ist was anderes als 'nie Hausaufgaben machen, wochenlang ohne Schere erscheinen, Arbeitsheft komplett verlieren und 5x zu spät gekommen'. Da braucht es für mich auch keine genaue Prozentzahl vergessener Hausaufgaben oder so, sondern es ist halt eher 3-> durchschnittlich oder 5 - > unzuverlässig...

  • Ich kenne es so: Der Schüler ohne HA startet die Stunde mit einer 6 und kann durch seine anschließende mündliche Mitarbeit noch versuchen diese 6 in eine 3 oder 4 zu verwandeln. Darüber hinaus wird eine Strichliste geführt, die beim Elternsprechtag verwendet wird und auch hinzugezogen wird, sollte der SuS zwischen zwei Noten stehen.


    Außerdem leidet das Arbeitsverhalten (AV) unter dieser Liste

  • Zumindest ist es nicht zulässig nicht erledigte Hausaufgaben negativ in die Noten einzubeziehen, ins AV schon.

    Kommt aufs Bundesland an. Komplett unzulässig ist es in BW beispielsweise nicht, die Hürden sind allerdings sehr hoch, um eben nicht nur SuS gute Noten zu geben, deren Eltern fleißig Hausaufgaben erledigen. So darf man beispielsweise im Schuljahresverlauf von allen SuS eine (oder eine feststehende geringe Anzahl) Hausaufgabe einsammeln zur Bewertung, muss das aber entsprechend verteilen aufs gesamte Jahr, vorrangig freiwillig abgegebene HA einsammeln und bewerten und darf erst am Schuljahresende denjenigen, die das ganze Jahr über diese HA gar nicht oder zu selten abgegeben haben eine entsprechende Note geben, andernfalls ist das rechtlich nicht haltbar.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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