Heftige Beleidigungen der Schüler*innen mir gegenüber

  • Hallo,


    ich bin Studentin und fast fertig mit meinem Bachelor. Ich habe zu Beginn des Studiums ein Praktikum in einer 3. Klasse gemacht, um mich einzufinden. Vorher hatte ich zwar auch schon ein Praktikum gemacht, aber das war an einer winzigen Schule am Stadtrand und mir wurde gesagt, dass das positive Bild, was diese Schule vermittelt, nicht repräsentativ wäre.

    Das erste Praktikum war dementsprechend ein Traum, während das zweite einfach die Hölle war.


    Die Schüler waren zwischen 7-9 Jahren alt und bezeichneten mich und die anderen Lehrerinnen gerne mal als "H..re", wenn es mal zu viele Hausaufgaben gab. Besonders die Klassenlehrerin, die ich begleitet habe, hatte es immer ignoriert und ist dann später eingeknickt, damit die Schüler*innen sie "Ehrenfrau" nennen. Besonders schlimm fand ich aber, dass die Schüler*innen wirklich kaum etwas konnten. Kaum einer konnte eine analoge Uhr lesen, Schnürsenkel binden oder seinen Nachnamen aufschreiben. Dies lag nicht daran, dass die Schüler*innen nicht wissbegierig waren, sondern eher, dass teilweise Themen komplett falsch erklärt wurden. Z.B.: Stellenweise halbschriftliche Subtraktion: 23-15=> 20 - 10 und 3- 5, aber weil Minuszahlen noch nicht thematisiert wurden, waren die Ergebnisse natürlich falsch, selbst die an der Tafel. Als ich die Lehrerin darauf aufmerksam gemacht habe, war ihre Antwort: "Werd erst mal mit deinem Studium fertig."


    Zusammengefasst: Ich kam weder mit den Schüler*innen, noch mit den Kolleg*innen klar und hab, wegen den Coronasemestern einfach weiterstudiert und es bis heute nicht verarbeitet, wodurch ich teilweise noch Albträume habe. An sich fand ich es toll, dass man viele Herausforderungen hatte und teilweise wirklich krasse Lernerfolge erleben konnte. Man merkte immer, dass die Kinder einen wirklich gebraucht haben, aber ich habe Angst, dass ich als Lehrerin später untergehe.


    Habt ihr einen Rat für mich? Wie kann ich damit umgehen?

  • Mein Rat: Du bist nicht die andere Lehrerin.

    Du hast andere Werte, Vorstellungen und Erfahrungen.

    Mit diesen trittst du "deinen" Schüler*innen entgegen. Du handelst nach deinen Maximen. Lass das Vergangene vergangen sein und freu dich auf deine Arbeit mit deinen Kids.

    Verlass dich dabei auf deine Kompetenz und deine Empathie.

    Alles andere wird sich dann schon regeln (im Kollegium, mit der Schulleitung, etc.).

    Es gibt leider auch im Lehrberuf "schlechte" Lehrpersonen, will heißen, wenig Autorität, Präsenz, Transparenz.

    Als H*** würde ich mich beschimpfen lassen, da gäbe es Gespräche. Erst mit dem Kind, dann mit den Eltern. Wenn die Lehrerin das erträgt, hat sie wohl eine größere, aber falsche verstandene Toleranz. Oder keine Kraft mehr. Wer weiß, was da dahinter steckt...


    Lg Lala

  • Vielleicht ist die Kollegin auch keine ausgebildete Lehrerin. Das wäre an einer Schule mit schwierigem Einzugsgebiet ja leider auch keine Seltenheit. Du wirst nicht untergehen, denn du wirst vorbereitet sein. Wärm dich doch nochmal mit einem Praktikum an oder mit einer Lesepatenschaft, einer AG etc., dann erlebst du dich und die Aufgabe wieder anders.

  • Not sure if trolling or serious ...

    Besonders schlimm fand ich aber, dass die Schüler*innen wirklich kaum etwas konnten. Kaum einer konnte eine analoge Uhr lesen, Schnürsenkel binden oder seinen Nachnamen aufschreiben. Dies lag nicht daran, dass die Schüler*innen nicht wissbegierig waren, sondern eher, dass teilweise Themen komplett falsch erklärt wurden. Z.B.: Stellenweise halbschriftliche Subtraktion: [...]

    Weil die halbschriftliche Subtraktion falsch erklärt wurde, konnten die SuS keine Uhr lesen, Schuhe binden oder Nachnamen aufschreiben?


    Dass SuS in dem Alter die analoge Uhr nicht lesen oder nicht die Schuhe binden können (es gibt ja Klettverschluss), dürfte je nach Einzugsgebiet bzw. Schülerschaft relativ normal sein.


    Dass die Lehrkraft Aufgaben an der Tafel falsch vorrechnet und sich derart beleidigen lässt (und dann sogar "nachgibt"), hoffentlich nicht. Unabhängig vom Einzugsgebiet.


    Wenn dich das Praktikum nach wie vor so belastet und dir nachgeht, mache doch noch eines an einer anderen Schule und schaue, wie es da klappt. Vermutlich ist das im Master sowieso vorgeschrieben? Sonst merkst du spätestens im Ref., ob es passt oder nicht. Eventuell kannst du auch dein weiteres Studium in die Richtung gestalten, dass es dir dort Impulse gibt, wo du Schwierigkeiten in der Praxis erfahren hast oder vermutest.

  • Danke für eure lieben Antworten:)


    Sie ist eigentlich Gymnasiallehrerin gewesen und hat dann später zur Primarstufe gewechselt und hatte an sich eigentlich einen rauen Ton, aber hatte vermutlich selbst Angst sich mit den Schüler*innen "anzulegen".


    Ich werde auf jeden Fall nochmal ein Praktikum machen (aber diesmal woanders;) )

  • Als ich die Lehrerin darauf aufmerksam gemacht habe, war ihre Antwort: "Werd erst mal mit deinem Studium fertig."

    Womit sie Recht hat. Stell dir vor, es setzt sich jemand Fremdes, der zudem noch mitten in der Ausbildung ist, in deinen Unterricht rein und meint, alles besser zu wissen, Didaktik, Methodik, Lehrerverhalten...


    Ansonsten fällt mir auf, dass du in Extremen sprichst: Traum/Hölle/krass/Albträume usw. Versuche, es langsamer angehen zu lassen. Kinder sind verschieden, Kolleginnen sind verschieden und du lernst jeden Tag dazu. Beginne damit, kriteriengeleitet zu beobachten, andere und auch dich selbst. Nimm das mit, was du hilfreich findest und lass das weg, was du problematisch einschätzt, ohne dabei mit dir oder anderen hart ins Gericht zu gehen.

  • Womit sie Recht hat. Stell dir vor, es setzt sich jemand Fremdes, der zudem noch mitten in der Ausbildung ist, in deinen Unterricht rein und meint, alles besser zu wissen, Didaktik, Methodik, Lehrerverhalten...

    Die Kollegin macht leicht vermeidbare und gravierende fachdidaktische Fehler, bügelt den Hinweis darauf mit einem völlig unsachlichen Totschlagargument ab, der die Hinweisgeberin persönlich herabwürdigen soll und du findest, dass sie damit Recht hat?


    Im Eröffnungsbeitrag ist überhaupt keine Rede von "alles besser wissen".

  • Womit sie Recht hat. Stell dir vor, es setzt sich jemand Fremdes, der zudem noch mitten in der Ausbildung ist, in deinen Unterricht rein und meint, alles besser zu wissen, Didaktik, Methodik, Lehrerverhalten...


    Ansonsten fällt mir auf, dass du in Extremen sprichst: Traum/Hölle/krass/Albträume usw. Versuche, es langsamer angehen zu lassen. Kinder sind verschieden, Kolleginnen sind verschieden und du lernst jeden Tag dazu. Beginne damit, kriteriengeleitet zu beobachten, andere und auch dich selbst. Nimm das mit, was du hilfreich findest und lass das weg, was du problematisch einschätzt, ohne dabei mit dir oder anderen hart ins Gericht zu gehen.

    Ich hatte sie ansonsten nie wirklich kritisiert. Hatte sie nur darauf hingewiesen, dass einige Ergebnisse falsch sind und habe es diskret und nicht vor den Schüler*innen gemacht. Ich weiß, dass ich zu diesem Zeitpunkt keineswegs qualifiziert war und es immer noch nicht bin, aber ich dachte, dass sie daran sieht, dass ich aufpasse.


    Ja, das mit den Extremen stimmt. Irgendwie drücke ich mich immer so aus. Dennoch ist mir das Praktikum hauptsächlich negativ in Erinnerung geblieben, weil ich gemerkt habe, dass ich unerwünscht war.

  • Im Eröffnungsbeitrag ist überhaupt keine Rede von "alles besser wissen".

    Sehe ich anders.

    Besonders die Klassenlehrerin, die ich begleitet habe, hatte es immer ignoriert und ist dann später eingeknickt, damit die Schüler*innen sie "Ehrenfrau" nennen. Besonders schlimm fand ich aber, dass die Schüler*innen wirklich kaum etwas konnten. Kaum einer konnte eine analoge Uhr lesen, Schnürsenkel binden oder seinen Nachnamen aufschreiben. Dies lag nicht daran, dass die Schüler*innen nicht wissbegierig waren, sondern eher, dass teilweise Themen komplett falsch erklärt wurden. Z.B.: Stellenweise halbschriftliche Subtraktion: 23-15=> 20 - 10 und 3- 5, aber weil Minuszahlen noch nicht thematisiert wurden, waren die Ergebnisse natürlich falsch, selbst die an der Tafel. Als ich die Lehrerin darauf aufmerksam gemacht habe,...

    Und ja, man könnte es ein Totschlagargument nennen, oder auch einen knappen Hinweis darauf, was angemessen ist. Bevor jemand nicht alleine vor einer Klasse stand und entscheiden musste, wie man mit Beleidigungen umgeht, braucht keine Tips ungefragt weiterreichen.

  • Ich arbeite seit Jahren im Brennpunkt und möchte dich beruhigen. Kinder in dem Alter kann man meist irgendwie "kriegen". Sie sind klein und du bist groß, sie sind Schüler und du bist die Lehrerin. Tritt selbstbewusst auf und habe keine Angst vor ihnen!


    Du bist dann Klassenlehrerin und kannst eine Beziehung aufbauen. Gerade in solchen Vierteln und in dem Alter - aber auch später noch - ist das extrem wichtig. Sei wohlwollend und zugewandt, aber dennoch gerecht, konsequent und vor allem berechenbar.

    Sowohl körperliche als auch verbale Gewalt sollte immer Konsequenzen haben, damit in der Klasse ein gewaltfreies Klima herrscht.


    Das soziale Miteinander ist ganz wichtig und da lege ich sehr den Fokus drauf, durch viele Gespräche, viel positive Verstärkung, einem Ziel der Woche, Lobkärtchen etc. Da arbeitet man teilweise fast täglich dran.


    Analoge Uhr, Schnürsenkel - dass das viele Kinder in dem Alter vor Probleme stellt, ist normal und liegt sicher nicht an der Unfähigkeit einer Lehrkraft.

  • Sehe ich anders.

    Und ja, man könnte es ein Totschlagargument nennen, oder auch einen knappen Hinweis darauf, was angemessen ist. Bevor jemand nicht alleine vor einer Klasse stand und entscheiden musste, wie man mit Beleidigungen umgeht, braucht keine Tips ungefragt weiterreichen.

    Meine einzige wirklich Kritik war das mit der Rechnung. Ansonsten hatte ich ihr Fragen gestellt, z.B. "Wie soll ich mit den Beleidigungen umgehen?". Ich würde nie auf die Idee kommen Tipps weiterzureichen, ohne abgeschlossene Lehrerausbildung. Die falschen Rechnungen sind halt einfach damals einfach sofort aufgefallen. Ich wollte nicht ihre Gefühle verletzen oder sie mit Kritik überhäufen, sondern hatte ihr wirklich diskret und höflich gesagt, dass da ein Fehler ist.

    Puh okay, danke:) Mich hatte das mit der Uhr und den Schnürsenkeln nur sehr verwundert, weil ich vorher ein Praktikum in einer ersten Klasse gemacht hatte und die Uhr da recht gut thematisiert wurde und so kam es wohl dazu, dass ich mit falschen Erwartungen in das Praktikum reingegangen bin.

  • Was ich noch ergänzend sagen wollte: Das mit dem "Albtraum" meinte ich nicht metaphorisch. Hatte seitdem wirklich regelmäßig Flashbacks. Vor allem gestern hatte ich wieder mal geträumt, dass ich eine Auseinandersetzung mit einem Schüler hatte. So kam es auch dazu, dass ich mir hier das Forum rausgesucht hatte. Habt ihr auch manchmal Albträume von der Schule und was macht ihr dagegen?

  • Manchmal, wenn ich bereits sehr angestrengt bin und dann noch ein Schultag besonders anstrengend verläuft (Spezialist:inn:en in der Klasse drehen auf und "zerlegen" eine Stunde, der Mobbingtrupp des Kollegiums fällt im Lehrerzimmer über mich her, die Handwerker bohren und hämmern dazu so laut, dass Unterricht den Tag über nur brüllend möglich war,...) habe ich danach Albträume, ja, und an manchen Tagen Angst in die Schule zu gehen aus Sorge vor dem, was manche sogenannte Kollegen mir und anderen jüngeren /neueren KuK im Kollegium wieder zumuten werden. Den Teil, der meine SuS und meinen Unterricht betrifft kann ich dagegen ganz gut sortieren und aufarbeiten, weil das etwas ist, woran ich arbeiten kann und wofür ich an den meisten Tagen auch Lösungen finde, auf die ich dann hinwirken kann (nicht jede Lösung greift sofort oder kann ich alleine umsetzen, sondern nur im Team mit KuK, Schulsozialarbeit, Eltern, SL, dem Kind selbst um das es geht,...) .

    (An dem Stress im Kollegium arbeite ich ebenfalls in diverser Weise. Der Hauptmobber wird jetzt strafversetzt, das wird hoffentlich manches erleichtern für meine davon betroffenen KuK und mich.)


    Versuch für dich zu verstehen, was dir deine Träume sagen wollen. Welche Ängste und Sorgen stecken dahinter? Was kannst du tun, um diesen konstruktiv zu begegnen? Ein erneutes Praktikum könnte ein sinnvoller Weg sein das aufzuarbeiten, was dich seit deinem letzten Praktikum belastet und dir Sorgen bereitet, weil du deine Erfahrungen von damals noch einmal in einem anderen Licht sehen und reflektieren könntest. Wenn diese Albträume dich längerfristig belasten könntest du auch darüber nachdenken, das mit professioneller Unterstützung aufzuarbeiten vor Studienende.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Nachnamen schreiben und Schuhe binden ist Aufgabe der Eltern. Dass viele Kinder die Uhr noch nicht können, ist normal. Auch hier können die Eltern im Alltag üben. Man kann nicht immer alles der Schule in Rechnung stellen.


    Das mit den Minusaufgaben ist natürlich doof, vllt. hat sie normalerweise kein Mathe. Der Umgang mit dir ist auch nicht in Ordnung.

  • Nimm dir die Vorwürfe hier mal nicht zu Herzen, abc_123; die "Eingeborenen" hier wissen, wo so was her kommt; lass dich hingegen von den Zustimmungen und Anregungen hier tragen.

    Im dargestellten Fall hast du alles richtig gemacht.

    Freude habe ich als "alter Sack" darüber, dass da ein mutiger Lehrerinnenachwuchs auf die Kinder zukommt. Nötig haben solch empathische und toughe Lehrkräfte gerade die Schüler*nnen, die uns "den Freck" antun. Also: Weiter so!


    Und: Danke!

    #Zesame:!:


    Konzentrieren Sie sich ganz auf den Text, wenden Sie das Ganze auf sich selbst an. (J.A. Bengel)

    • Offizieller Beitrag

    Muh okay, danke:) Mich hatte das mit der Uhr und den Schnürsenkeln nur sehr verwundert, weil ich vorher ein Praktikum in einer ersten Klasse gemacht hatte und die Uhr da recht gut thematisiert wurde und so kam es wohl dazu, dass ich mit falschen Erwartungen in das Praktikum reingegangen bin.

    Kinder im Brennpunkt haben da die doppelte A-Karte gezogen:

    1. Der Mathelehrplan ist richtig heftig voll. Wenn du die analoge Uhr sicher beibringen möchtest, musst du dich beim Rechnen sehr sputen, ggf. was weglassen. Das wirkt sich aber dann wieder auf alle anderen Klassenstufen aus. Also müssen gewisse Grundlagen im Rechnen/Aufbau des Zahlenraums sein. Gerade das fällt vielen Kindern im Brennpunkt aber schwer, denn sie haben schon bei Schuleintritt z.T. Entwicklungsverzögerungen und oft nicht genug Unterstützung aus dem Elternhaus. Ich habe im "mittelschweren Brennpunkt" früher in Klasse 1 Würfel sortieren lassen nach Augenzahlen, damit das simultane Mengenerfassen bis 6 automatisiert wird. Eigentlich sollten die Kinder das schon (nahezu) können. Danach haben wir simultanes Erfassen strukturierter Mengen bis 10 geübt und erst danach mit allem anderen angefangen. Wir sind nie mit dem "Rechnen und Operationen"-Teil fertig geworden und alles andere konnten wir nur anreißen, weil wir dann als Fachkonferenz beschlossen haben, die halbschriftlichen Rechenverfahren in 3/4 und die Division mit Rest in der 2. wegzulassen.

    2. Klang eben schon an: Die Eltern kümmern sich weniger, können das z.T. auch nicht. In meiner jetzigen 3. ist die Uhr bisher auch zu kurz gekommen - und trotzdem können einige Kinder diese gut lesen, denn das haben die Eltern mit ihnen geübt. Kinder, die die analoge Uhr in der Schule erst kennenlernen und im sonstigen Alltag nie verwenden, haben da oft langjährig Schwierigkeiten mit.


    Schnürsenkel, Namen schreiben, Adresse, Geburtsdatum... Können in meinem jetzigen Einzugsgebiet 95% der Drittklässler, weil es die Eltern mit ihnen üben. In meinem alten Einzugsgebiet habe ich im 4. Schulbesuchsjahr die Adresse und das Geburtsdatum mit den Kindern geübt, die Eltern haben das nicht gemacht. Dafür fielen dann aber andere Themen aus.

    Was ich noch ergänzend sagen wollte: Das mit dem "Albtraum" meinte ich nicht metaphorisch. Hatte seitdem wirklich regelmäßig Flashbacks. Vor allem gestern hatte ich wieder mal geträumt, dass ich eine Auseinandersetzung mit einem Schüler hatte. So kam es auch dazu, dass ich mir hier das Forum rausgesucht hatte. Habt ihr auch manchmal Albträume von der Schule und was macht ihr dagegen?

    ALbräume habe ich auch manchmal, meist von Situationen, in denen ich die Kontrolle verliere, Kinder hören nicht mehr auf ihren Namen, 2 Klassen in einem Raum, ich finde den Raum nicht, verlaufe mich. Versuche, die so schnell wie möglich zu vergessen und mich direkt an eine Situation zu erinnern, die gut lief.


    Die meisten Klassen sind - wie andere hier schon schrieben - in dem Alter formbar und du kannst sie "kriegen", die Kinder lieben ihre Klassenlehrerin überwiegend noch. Manchmal ist es schwierig, langwierig, harte Arbeit.

    Bisher habe ich einmal eine Klasse erlebt, in der das über ein Schuljahr hinweg kaum anschlug. Das war eine schlecht zusammengestellte Truppe (wusste die Kita, hat aber nichts verraten), an der sich ständig wechselnde Vertretungslehrerinnen abstrampelten und als in der 3. Klasse eine Lehrerin drin war, bei der es einigermaßen lief, diese nach einem Jahr wieder rausgenommen und durch eine schnell-und-vielsprechende Studienrätin ersetzt wurde. Die Kinder waren "durch" und haben kaum verstanden, was gesagt wurde.


    Fachliche Probleme: Habe schon Studienräte mit 2 Sprachenfächern erlebt, die plötzlich in der 2. Klasse standen und Mathe unterrichteten, es aber trotz aller "Brücken" nicht geschafft haben, die Parallelkollegin anzusprechen und sich Tipps geben zu lassen oder gemeinsam etwas zu planen.

  • Ich stimme allen Vorschreibern zu, besonders wichtig finde ich, was Kathie schreibt.


    Ich unterrichte in einer mittelgroßen Stadt und mir ist diese geballte Situation, was das Verhalten betrifft bisher - auch als ich mobil war bei uns im Landkreis - noch nicht begegnet. Eine ganze Klasse benimmt sich so? Das ist schon stark. Wir hatten und haben vereinzelte Schüler, die sich im Verhalten Erwachsenen gegenüber versuchen weit über die Grenzen zu lehnen, aber da wird etwas dagegen getan.


    Oft stellt sich heraus, wenn Grundschüler sich gegenseitig mit den übelsten Worten beleidigen, dass sie gar nicht richtig wissen, was das, was sie sagen, eigentlich bedeutet. "Hurensohn" ist bei uns gerade auch so ein Modewort bei gegenseitigen Beleidigungen. Wie oft muss ich in der Aufsicht dort eingreifen. Die Aufgabe der Erwachsenen ist, diese Beleidigungen aufzuarbeiten und in Richtung Konfliktlösung zu arbeiten. Vor ein paar Jahren waren einige auf 180, wenn jemand "schwul" zu ihnen sagte, ist jetzt kein Thema mehr.


    Ich finde es allerdings total inakzeptabel, dass LehrerInnen sich das gefallen lassen und nichts dagegen tun. So wie du das geschildert hast, sind das anarchische Zustände. Das hätte schon im Vorfeld unterbunden werden müssen und man hätte diesbezüglich mit den Schülern am Verhalten arbeiten müssen. Was ist denn das für ein Quatsch mit "Ehrenfrau"?


    In der Grundschule haben wir einige Möglichkeiten, wie wir das Classroommangement betreiben können. Das wäre jetzt meine erste Botschaft an dich: Man ist dem Ganzen als Lehrkraft nicht so ausgeliefert, wie es in diesem Praktikum ausgesehen hat. Es gibt über dieses Thema Bücher mit unterschiedlichen Lösungsansätzen und auch Fortbildungen.


    Das ist tatsächlich ein schwieriges Klientel, das du da schilderst. In meinen 3. Klassen binden sich vielleicht noch 2 Schüler langsam die Schuhe und die analoge Uhr können so ca. 5 Schüler nicht. Bei der Uhr: Tendenz steigend, da viele zuhause nur noch digitale Erfahrungen machen. Können echt viele Schüler noch nicht einmal den Nachnamen schreiben? Dann haben sie im 3. Schuljahr nichts verloren. Oder sind das inkludierte Kinder GE ? Mein Downkind konnte im 3. Schuljahr den Nachnamen schreiben. Ich hatte aber auch schon mal Kinder, die bei ihrem schwierigen Nachnamen schon mal einen Buchstaben vergessen hatten.


    Bei der halbschriftlichen Subtraktion hoffe ich, dass der Lehrkraft nicht noch mehr Fehler unterlaufen. Diesen Fehler machen nämlich Schüler in der 3. Klasse, die meinen, dass der Weg der Subtraktion analog zur Addition geht. Wenn solche Dinge öfter vorkommen, finde ich diese Person dann für den Matheunterricht ungeeignet.


    Nett finde ich, dass die Lehrkraft bereit war, trotz schwieriger Klasse dich als Praktikantin zu nehmen.


    Fazit: Ich glaube, du hast hier eine krasse Ausnahmesituation erlebt. Diziplinmäßig sind viele Grundschulen kein Spaziergang, aber man lernt damit umzugehen. Es gibt Hilfen dazu. Die Rolle, in die man sich hineinfinden muss, ist, dass man als Lehrkraft das Sagen hat und den Schülern über pädagogische Kniffe Grenzen setzen muss (was je nach Zusammensetzung mehr oder teilweise gelingt, aber man macht ständig kleine Fortschritte). Außerdem sollte irgendwann der Leidensdruck im Kollegium so hoch sein, dass man sich gemeinsame Strategien überlegt.

  • Was ist denn das für ein Quatsch mit "Ehrenfrau"?

    Das fand ich auch so lächerlich, dass ich es kaum glauben konnte. Hat die Lehrerin allen ernstes weniger Hausaufgaben gegeben, damit sie von der Hure zur Ehrenfrau wird? Unglaublich.

  • Das fand ich auch so lächerlich, dass ich es kaum glauben konnte. Hat die Lehrerin allen ernstes weniger Hausaufgaben gegeben, damit sie von der Hure zur Ehrenfrau wird? Unglaublich.

    Ehrlich gesagt finde ich es unglaublich, dass sich hier Leute treffen, um über Kolleginnen abzulästern, deren Verhalten sie nicht mal selbst gesehen haben.

  • Ehrlich gesagt finde ich es unglaublich, dass sich hier Leute treffen, um über Kolleginnen abzulästern, deren Verhalten sie nicht mal selbst gesehen haben.

    Das ist doch nichts Neues? Hier wird oft über Dinge diskutiert, gesprochen und gelästert, die man nicht selbst gesehen/gehört/gelesen hat. Unglaublich!

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