Ist Grundschullehramt das richtige für mich?

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich fange kommendes Semester an Grundschullehramt zu studieren.

    Im Moment bin ich mir etwas unsicher, inwiefern ich für den Beruf geeignet bin.


    Ich wollte schon seit meiner Schulzeit Lehramt studieren, konnte es nach dem Abi aber aufgrund des NC nicht in meiner Stadt.

    Stattdessen habe ich mich dann für eine Ausbildung in der Pflege entschieden, da meine Alternative war, Kinderkrankenschwester zu werden.


    Ich bin eine sehr ruhige Person, jedoch nicht schüchtern. Ich spreche gerne vor anderen Menschen und übernehme gerne Verantwortung.

    Da ich im Krankenhaus mit vielen verschiedenen Menschen gearbeitet habe, weiß ich, dass ich sehr gut mit Menschen umgehen kann und anpassungsfähig bin.

    Ich bin geduldig, unvoreingenommen, belastbar, emphatisch, liebevoll und auch in schwierigen Situationen bleibe ich ruhig und gelassen. So würde ich mich selbst einschätze und habe es auch von anderen so gehört:)


    Naja ich habe also viele Erfahrungen mit verschiedenen Menschen machen können, hatte aber bis jetzt nicht die Möglichkeit mit Kindern zu arbeiten, da man sich erst im letzten Drittel der Ausbildung in dem Bereich spezialisieren kann.


    Nachdem ich mir viel zu dem Thema auf Instagram etc. angesehen habe, bin ich nun etwas verunsichert.

    Ich weiß nicht, ob ich „albern“ genug bin. Ich weiß nicht, ob ich den Kindern genug Spaß vermitteln kann. Ich sehe die ganze Zeit, wie Grundschullehrer mit ihren Schülern singen und tanzen und viel basteln. Ich weiß, dass das Natürlich auch dazu gehört und Kreativität bringe ich auch zu einem gewissen Maß mit nur weiß ich nicht ob das ausreicht.

    Ich bin zwar lieb aber weiß nicht ob ich spaßig genug bin 😅


    Ein Praktikum oä. konnte ich bis jetzt nicht machen.

    Ich hatte nur immer das Gefühl, dass das zu mir passen könnte.

  • Mach dir bewusst, dass du als GS-Lehrkraft mehr oder minder Allrounder für alle Fächer sein wirst, gleich welche du studiert hast, dich also in vieles einarbeiten wirst müssen, was dir gänzlich neu ist, gut mit erfahreneren Kolleginnen oder auch Kollegen zusammenarbeiten können solltest, um eben nicht ständig das Rad neu erfinden zu müssen oder zu wollen, sondern dir auch gute, durchdachte Planungen gerade in Fächern, die du fachfremd leistest oder kreativen Bereichen, die dir weniger leicht fallen einfach abzuschauen und - angepasst an die eigene Lerngruppe- zu übernehmen.


    Ich gehe davon aus, dass du als Krankenschwester viele wichtige Eigenschaften mitbringst (und auch beschreibst), die man auch im Schuldienst benötigt, um mit den verschiedenen mal mehr, mal weniger zarten Pflänzchen verschiedenster Altersstufen, denen wir begegnen im Beruf gut umzugehen. Überleg dir einfach ehrlich vorab, woran es gelegen hat, dass dein Abischnitt nicht so gut ausgefallen ist damals (was auch immer diese ungenaue Aussage am Ende in Zahlen bedeuten mag), um für dich selbst sicherzustellen, dass du dich mit einem Studium, aber auch mit den vielfältigen Anforderungen dich später berufsbegleitend weiterzubilden und auch fachfremd einzuarbeiten nicht übernimmst. Schau dir dazu auch an, wie leicht oder schwer es dir jetzt fällt in deiner Ausbildung gute Leistungen zu erbringen. Nachdem die Ausbildung zur Krankenschwester recht anspruchsvoll ist, ist das auf jeden Fall ein guter Gradmesser. Mach auf jeden Fall noch irgendwann mal ein Praktikum vorab, damit du für dich selbst das eine oder andere Fragezeichen direkt auflösen kannst, weil du womöglich erlebst, dass dir bestimmte Dinge in der Praxis leichter fallen, als du rein theoretisch vermuten würdest.

    Ich bin auch nicht die kreativste Lehrerin, sondern eher fachwissenschaftlich orientiert. Ich lasse mich einfach immer wieder inspirieren sei es von kreativeren KuK oder auch guten Umsetzungsideen in Verlagsmaterialien, die ich dann sukzessive anpasse an mich als Lehrertypus. Umgekehrt haben schon im Ref erfahrene KuK, die bedeutend besseren Unterricht gemacht haben als ich das vermochte sich fachwissenschaftlichen Rat bei mir geholt, weil ich diesbezüglich eben ein besonderes Repertoire anzubieten habe. Im Team wird man dann gemeinsam stärker.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    • Offizieller Beitrag

    Nachdem ich mir viel zu dem Thema auf Instagram etc. angesehen habe, bin ich nun etwas verunsichert.

    Ich weiß nicht, ob ich „albern“ genug bin. Ich weiß nicht, ob ich den Kindern genug Spaß vermitteln kann. Ich sehe die ganze Zeit, wie Grundschullehrer mit ihren Schülern singen und tanzen und viel basteln. Ich weiß, dass das Natürlich auch dazu gehört und Kreativität bringe ich auch zu einem gewissen Maß mit nur weiß ich nicht ob das ausreicht.

    Ich bin zwar lieb aber weiß nicht ob ich spaßig genug bin 😅

    Meine Sichtweise dazu:

    1. Instagram-App vom Gerät entfernen. Dort sind viele Klickibuntiselbstdarsteller.

    2. Ich bin privat relativ albern, beruflich kaum. Grundschulkinder verstehen Albernheit als Freibrief zum Über-Tische-und-Bänke gehen. Albernheit ist vielleicht als Animateur nett, aber als Grundschullehrkraft unnötig. Spaß machen: Erst wenn eine Klasse sich an grundlegende Regeln hält, ist "Spaß machen" eine gute Idee. Nicht zu lange, nicht zu viel. Muss auch nicht sein, habe KuK, die machen keine Späße. Ich bin momentan in meiner Klasse auch sehr wenig zu irgendwelchen Späßken aufgelegt.

    3. Ich habe gestern und heute ungefähr 50 Minuten mit meinen Schüler:innen gesungen. Ich hatte nämlich 6 Musikstunden in 5 verschiedenen Klassen an den beiden Tagen. (In meiner Klasse ist zurzeit nichts mit Singen, da müssen mal wieder ganz grundlegende Dinge geklärt werden.) Den Rest der Zeit habe ich in Musik Musik hören und beschreiben sowie etwas aufschreiben lassen, Mathe und Deutsch gemacht, Hausaufgaben kontrolliert, das Lern- und Arbeitsverhalten der Kinder gefördert. Zum Tanzen haben wir nicht genug Platz und zur Not kann man dazu Fortbildungen besuchen.

    4. Kreativität: Gut, ich bin ziemlich kreativ und nutze das vor allem dazu, meine Unterrichtsplanungen ständig umzuschmeißen und was völlig anderes zu machen. Man kann sich aber auch gut an Planungen halten, funktioniert auch. Macht es im Referendariat sogar leichter.

    5. Aus dem Pflegeberuf kommend ist Grundschullehrkraft ein idealer Beruf für dich: Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Haarschmerzen, Augenschmerzen, Fußschmerzen, Nackenschmerzen, Fingerschmerzen, Knieschmerzen, Bauchschmerzen, Schulterschmerzen, Schürfwunden, unsichtbare Wunden, stark blutende Finger, wenig blutende Finger, Läuse, diverse Infektionskrankheiten - du bist da einfach Profi. (Nicht ganz ernst gemeint, also doch, aber nciht alles an einem Tag. Habe in diesem Schuljahr erst 5 Pflaster verteilt und bisher erst 20mal Kinder mit Kopf- oder Bauchweh sowie "brennendem Piephahn" abholen lassen.

  • 2. Ich bin privat relativ albern, beruflich kaum. Grundschulkinder verstehen Albernheit als Freibrief zum Über-Tische-und-Bänke gehen. Albernheit ist vielleicht als Animateur nett, aber als Grundschullehrkraft unnötig. Spaß machen: Erst wenn eine Klasse sich an grundlegende Regeln hält, ist "Spaß machen" eine gute Idee. Nicht zu lange, nicht zu viel. Muss auch nicht sein, habe KuK, die machen keine Späße. Ich bin momentan in meiner Klasse auch sehr wenig zu irgendwelchen Späßken aufgelegt.

    Das trifft es supergut.

    Ich kann sehr albern sein, aber in der Schule bin ich das sehr selten.

    Ich kann mit Handpuppen spielen und witzig sein, aber eigentlich mag ich es nicht.

    Vorlesen kann ich und es kommt gut an, ohne albern sein zu müssen.

    Singen macht Spaß, braucht aber Abwechslung.


    Kinder erwarten gar nicht, dass Lehrerinnen albern sind, warum auch.

    Sie erwarten auch keine Tanzeinlagen.

    Aber wer würde schon Schreibübungen ins Internet stellen, wenn es bunte, bewegte Bilder mit fetziger Musik gibt?

  • Ich bin eine sehr ruhige Person, jedoch nicht schüchtern. Ich spreche gerne vor anderen Menschen und übernehme gerne Verantwortung.


    Ich bin geduldig, unvoreingenommen, belastbar, emphatisch, liebevoll und auch in schwierigen Situationen bleibe ich ruhig und gelassen.


    Ist Grundschullehramt das richtige für mich?

    Ja!

  • Haarschmerzen

    :D


    A1234 Mach dir keine Sorgen. Wenn ich einen Instagram-Account hätte (hab ich nicht), würde ich da auch nicht die misslungenen Momente versehentlicher schwarzer Pädagogik, die öden Päckchenrechnen-Stunden und die ungefilterten Augenringe der (ver)zweifelnden Lehrkraft posten... Das Bild, das du da gewinnst, dürfte doch ziemlich verzerrt sein. Du brauchst nicht "spaßig" zu sein und du scheinst eine Menge geeigneter Persönlichkeitsmerkmale mitzubringen. Daher sage ich: Go for it! Ein Praktikum an einer netten Schule könnte allerdings durchaus eine sinnvolle Idee für dich sein.


    Conni Du könntest auf Insta ein Bild vom brennenden Piephahn posten!

    • Offizieller Beitrag

    Zahnschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Haarschmerzen, Augenschmerzen, Fußschmerzen, Nackenschmerzen, Fingerschmerzen, Knieschmerzen, Bauchschmerzen, Schulterschmerzen, Schürfwunden, unsichtbare Wunden, stark blutende Finger, wenig blutende Finger, Läuse, diverse Infektionskrankheiten - du bist da einfach Profi.

    Da reicht doch jedes Mal die Wunderwaffe der Primarstufen-Medizin: das Kühlpack. ;)

  • Wo sind all die Kühlpacks hin, was ist passiert?

    Wo sind all die Kühlpacks hin? Kinder aßen sie geschwind.

    Das wird man nie verstehn, das wird man nie verstehn.

    Nach allem, was du zuletzt erzählt hast von deiner Klasse würde ich das nicht ausschließen wollen. Ich hoffe doch, das enthaltene Kühlgel ist kompostierbar. :zahnluecke::klo:

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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