Suche Protagnist:innen für RTL Nachrichten-Berichterstattung

  • Hallo liebe Mitglieder,


    ich arbeite für die Nachrichtensendungen bei RTL und recherchiere grade an mehreren Themen, die Lehrkräfte und Schulen betreffen - deshalb hoffe ich, in diesem Forum fündig zu werden!


    Gesucht werden Protagonist:innen für folgende Themen:

    1) Immer mehr Erstklässler bleiben sitzen - woran liegt das?
    Es sind die dramatischen Folgen der Corona-Zeit und mangelnder Integration in Kitas: Mehr als 640 Erstklässler sind in Köln sitzengeblieben. Der Grund: Unselbständigkeit. Sie können "nicht rückwärts laufen, keine Schuhe binden, keine Schere halten oder allein auf die Toilette gehen." Immer mehr Grundschulpädagogen beklagen, dass der Förderbedarf bei den Erstklässlern enorm zugenommen hat. Der Anteil der Kinder, die die erste Klasse nicht geschafft haben, sei im Vergleich zum Vorjahr um 30% gestiegen. Verantwortlich dafür seien unter anderem die Pandemie (keine Kinderbetreuung) und die Integration geflüchteter Kinder ohne Deutschkenntnisse.


    -> hier suchen wir Lehrkräfte, die diese Entwicklung bestätigen können und/oder Initiativen, die innerhalb der Ferien angeboten werden, um den Lehrrückstand der Kinder aufzuholen.


    2) Deutsche Schulen sind ein Sanierungsfall – jetzt packen die Eltern selbst an!
    Die deutschen Schulen befinden sich in einem schlechten Zustand, der Sanierungsstau wird immer größer. Trotz Fördergelder in Millionenhöhe ist bei Umbauten oft Fehlanzeige. Laut einer Studie der KfW beträgt der bundesweite Investitionsrückstand mehr als 45 Mrd. Euro – zudem gab es in den vergangenen fünf Jahren trotz Bemühungen kaum eine Besserung. Oft sind vor allem Schultoiletten ein Problem. In einer Grundschule in Göggingen haben die Eltern nun eingegriffen und die maroden Schultoiletten gemeinsam mit Unternehmern und einem Baugeschäft sanieren lassen. Kein Einzelfall: An einem Gymnasium mussten Eltern Gelder sammeln, um WLAN-Router zu finanzieren. In vielen Kölner Schulen müssen Eltern ein Toilettengeld zahlen, um Reinigungskräfte zu finanzieren.

    -> hier suchen wir Schulen, an denen die Zustände ähnlich aussehen und jetzt endlich was getan wird! Perfekt wäre es, wenn tatsächlich Eltern oder Freiwillige an den Arbeiten beteiligt wären und jetzt in den Ferien renoviert wird.


    3) Zu hohe Belastung: Was der Lehrerjob abverlangt - und wie Lehrkräfte damit umgehen
    Viele Lehrer:innen haben eine ähnliche Motivation: Kindern etwas beibringen und an den Erfolgen teilhaben. Oft fällt diese "belohnende Arbeit" jedoch hinten über. Viele Lehrkräfte sind ausgebrannt, haben eine zu hohe Arbeitsbelastung und klagen über den Personalmangel an Schulen.

    -> hier suchen wir eine Lehrkraft, die authentisch aus dem Arbeitsalltag von Problemen in unserem Schulsystem berichtet, unverblümt Tacheles redet und kritisieren kann. Schließlich klagen immer wieder Lehrkräfte über mangelhafte Ausstattung, wenig Personal und schlechte Arbeitsbedingungen. Das würden wir gerne abbilden. Falls der Wunsch besteht, dies anonym zu tun, wäre das auch möglich (auf den Bildern würde man die Person dann z.B. unkenntlich machen).


    Falls sich hier jemand angesprochen fühlt, meldet euch gerne hier im Thread oder per Mail an Laura.Boehnert@rtl.de - die Berichterstattungen würden bei den Sendungen Punkt 12, RTL Aktuell, RTL Direkt und dem RTL Nachtjournal gesendet werden.


    Liebste Grüße!

  • Bestimmt haben Sie in Ihren Recherchen bereits in Erfahrung gebracht...


    a) in welchen Ländern Kinder Ende Klasse 1 überhaupt versetzt werden. In NDS rücken sie auf, es bleibt niemand sitzen, da Klasse 1+2 als Lerneinheit angesehen wird.

    b) in welchen Ländern Programme aufgelegt sind, in denen Lernrückstände in den Ferien aufgearbeitet werden, die bezahlt werden und publik sind.


    Würde mich beides interessieren.

  • Ergänzend möchte ich die Kolleginnen und Kollegen noch einmal daran erinnern, dass Beamten die "Flucht in die Öffentlichkeit" verboten ist. Ohne Rücksprache mit den Dienstvorgesetzten würde ich auf keinen Fall

    authentisch aus dem Arbeitsalltag von Problemen in unserem Schulsystem berichtet, unverblümt Tacheles redet und kritisieren

    Das Recht auf freie Meinungsäußerung kann hierbei u.U. mit der Pflicht zur Treue und Loyalität kollidieren. Das gilt insbesondere, wenn vorab noch nicht die internen Wege ausgeschöpft sind, festgestellte Misstände zu beseitigen.



    PS: Ich finde gut, wenn von Seiten der Presse über die angesprochenen Punkte berichtet wird und hoffe, es finden sich Lehrkräfte, die nach Rücksprache mit ihren Vorgesetzten Beiträge dafür liefern können.

  • Ergänzend möchte ich die Kolleginnen und Kollegen noch einmal daran erinnern, dass Beamten die "Flucht in die Öffentlichkeit" verboten ist. Ohne Rücksprache mit den Dienstvorgesetzten würde ich auf keinen Fall

    Das Recht auf freie Meinungsäußerung kann hierbei u.U. mit der Pflicht zur Treue und Loyalität kollidieren. Das gilt insbesondere, wenn vorab noch nicht die internen Wege ausgeschöpft sind, festgestellte Misstände zu beseitigen.


    PS: Ich finde gut, wenn von Seiten der Presse über die angesprochenen Punkte berichtet wird und hoffe, es finden sich Lehrkräfte, die nach Rücksprache mit ihren Vorgesetzten Beiträge dafür liefern können.

    Genau das haben meine Kolleg:innen und ich befürchtet, weshalb es vor allem beim dritten Thema sehr schwierig ist, jemanden zu finden. Uns ist es aber wichtig, das Thema mal recht unverblümt anzusprechen, damit sich endlich mal was tut!

    Möglich wäre es natürlich, wenn sich jemand findet, die/der dem Lehrberuf den Rücken gekehrt hat und somit freier sprechen könnte. Was meint ihr?

  • Auch bei dem 1. Thema sehe ich Probleme, sich als Lehrkraft ohne Rücksprache mit der Schulleitung öffentlich zu äußern. (Auch in NRW sind Klasse 1 und 2 die Schuleingangsphase, die auf bis zu 3 Jahre ausgedehnt werden kann). Aber: Wenn man sich offen dazu äußern soll (auch wenn es um eine verlängerte Schuleingangsphase handelt), muss man zwangsläufig über mehr oder weniger interne Dinge sprechen (z.B. sind in den Klassen viele Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern?) Die Schulleitung ist eigentlich immer Ansprechpartner für Presseanfragen bzw. für die Außendarstellung und kann dann delegieren. Hinzu kommt dann die Frage, welcher Eindruck wird dann in der Öffentlichkeit hinterlassen und besteht dann die Gefahr, dass im nächsten Jahr weniger Erstklässer:innen an der Schule angemeldet werden (trotz aller Bemühungen?)

    • Offizieller Beitrag

    Seph, Flipper, danke für den Hinweis.

    Ich wollte eigentlich schon den ganzen Morgen aus Schulleitersicht drauf antworten, komme aber jetzt erst dazu.


    In NRW ist es so, dass der Schulleiter die Schule nach außen hin vertritt. Nicht nur, aber insbesondere auch in Pressefragen*.

    Alle drei Fragen betreffen explizit die Arbeit / die Situation an der konkreten Schule des Interview-Partners. Als "normale" Lehrperson darf man auf diese Fragen daher nicht antworten, sondern muss das Ganze an die Schulleitung weitergeben.


    * Anmerkung, daher das Sternchen: ich habe mir bisher bei allen Presseanfragen an mich immer das Okay des Schulamtes geholt. Einmal wurde die Anfrage in dem Zusammenhang dann auch übers Schulamt an die Pressestelle der BezReg weitergeleitet. Ich war dann raus.

    Sprich: auch der Schulleiter ist nicht in jedem Fall der Ansprechpartner. ;)


    Für die Kolleginnen und Kollegen hier gilt daher: in NRW müsst ihr diese Anfrage ignorieren.

    Frau Böhnert - Sie haben eigentlich nur die Chance, sich konkret an Schulen und deren Schulleiter zu wenden, wenn Sie Gesprächspartner zu diesen Fragen suchen.


    kl. gr. frosch

  • Genau das haben meine Kolleg:innen und ich befürchtet, weshalb es vor allem beim dritten Thema sehr schwierig ist, jemanden zu finden. Uns ist es aber wichtig, das Thema mal recht unverblümt anzusprechen, damit sich endlich mal was tut!

    Möglich wäre es natürlich, wenn sich jemand findet, die/der dem Lehrberuf den Rücken gekehrt hat und somit freier sprechen könnte. Was meint ihr?

    Für pensionierte Lehrkräfte gelten dieselben Vorgaben, wie für diejenigen, die im aktiven Schuldienst sind. Wer dem Schuldienst bereits den Rücken vollständig gekehrt hat, hat möglicherweise Gesprächsbedarf, aber womöglich manchmal auch den einen oder anderen großen blinden Fleck, warum es im Schuldienst nicht möglich war tätig zu bleiben. Da sollten Sie sorgfältig Motivationen prüfen, um seriös berichten zu können, statt nur einer nicht- repräsentativen Individualabrechnung Zeit einzuräumen.

    Ich würde Ihnen empfehlen sich an die Verbände zu wenden (GEW, VBE, Philologen, Realschullehrerverband, Berufsschullehrerverband) und diese um eine Stellungnahme zu bitten, die dann aus Verbandsperspektive aber eben basierend auf den Berichten der Lehrkräfte vor Ort erfolgen kann.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • LauraRTL

    Eine andere Option wäre, dass Ihr Euch mal an die GEW wendet. Da könnten sich durchaus Landesvorstände finden, die auch selbst im Lehrerberuf tätig waren. Oder wendet Euch an die Bundesvorsitzende Maike Finnen. Die war selbst Realschullehrerin und jahrelang dort tätig. Die könnte sicherlich (ungestraft) aus dem Nähkästchen plaudern und das ein oder andere Fallbeispiel einmal vortragen.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Ich habs mal an den Landesvorstand weitergeleitet. Vielleicht meldet sich ja jemand.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Für pensionierte Lehrkräfte gelten dieselben Vorgaben, wie für diejenigen, die im aktiven Schuldienst sind. Wer dem Schuldienst bereits den Rücken vollständig gekehrt hat, hat möglicherweise Gesprächsbedarf, aber womöglich manchmal auch den einen oder anderen großen blinden Fleck, warum es im Schuldienst nicht möglich war tätig zu bleiben. Da sollten Sie sorgfältig Motivationen prüfen, um seriös berichten zu können, statt nur einer nicht- repräsentativen Individualabrechnung Zeit einzuräumen.

    Ich würde Ihnen empfehlen sich an die Verbände zu wenden (GEW, VBE, Philologen, Realschullehrerverband, Berufsschullehrerverband) und diese um eine Stellungnahme zu bitten, die dann aus Verbandsperspektive aber eben basierend auf den Berichten der Lehrkräfte vor Ort erfolgen kann.


    LauraRTL

    Eine andere Option wäre, dass Ihr Euch mal an die GEW wendet. Da könnten sich durchaus Landesvorstände finden, die auch selbst im Lehrerberuf tätig waren. Oder wendet Euch an die Bundesvorsitzende Maike Finnen. Die war selbst Realschullehrerin und jahrelang dort tätig. Die könnte sicherlich (ungestraft) aus dem Nähkästchen plaudern und das ein oder andere Fallbeispiel einmal vortragen.

    Das sind alles sehr gute Tipps, werde ich mit den Kollegen mal durchsprechen und in Angriff nehmen, ich danke euch vielmals für euer Fachwissen und die Hilfe! :)

  • Wenn man schon den komplizierten Weg geht, sich rechtlich abgesichert in der Öffentlichkeit zu schulischen Missständen zu äußern, dann weiß ich nicht, ob RTL dafür unbedingt die richtige Plattform und das Vertrauen in eine seriöse, untendenziöse und unverfälschte Umsetzung gerechtfertigt ist.

    Vielleicht sind das aber auch nur meine televisionären (gibt's das Wort?) Standesdünkel *duck*

  • Mal unabhängig von den Schwierigkeiten aus dem Nähkästchen zu plaudern, störe ich mich ja irgendwie an Punkt 1. Corona muss derzeit für alle möglichen Missstände mindestens als Aufhänger herhalten - könnte man bitte mal langsam das mehr als offensichtliche elterliche Vollversagen in den Fokus rücken? Wenn Kinder nicht rückwärts laufen können und keine Schere halten, Schuhe binden oder auf die Toilette gehen können, dann versagen ELTERNHÄUSER, nicht Institutionen! Und mit Migration hat das auch nichts zu tun.

  • So, Maylin85,

    jetzt dringen wir doch langsam zum Kern des Problems vor! "Elterliches Vollversagen" spricht mir aus der Seele. Aber was resultiert aus dieser Bestandsaufnahme? Sollen wir in der Schule business as usual (angereichert mit den peu a peu hinzukomenden Sonderaufgaben von A wie ADHS bis Z wie zugezogen, maskulin) machen und weiterhin ignorieren, dass in den Elternhäusern das Wenige, was in der Schule überhaupt noch aufgebaut werden kann, sofort wieder "mit dem Arsch eingerissen wird"?

  • Komisch, der Troll ist der erste, der gleich zweimal was von Migration (im Zusammenhang von Problemen) schreibt.

    (Mein Erfahrungswert u.a. aus dem "Problembezirk" mitten in Berlin: Nein, Migration ist nicht das Problem, denn da gibt es noch ("migrierte") Elternhäuser, die sich kümmern. Und noch ein Erfahrungswert: Mehr als eines der besten Abiture in diesem Schuljahr ging an (Trommelwirbel) SuS mit "Migrationshintergrund".)

  • Komisch, der Troll ist der erste, der gleich zweimal was von Migration (im Zusammenhang von Problemen) schreibt.

    (Mein Erfahrungswert u.a. aus dem "Problembezirk" mitten in Berlin: Nein, Migration ist nicht das Problem, denn da gibt es noch ("migrierte") Elternhäuser, die sich kümmern. Und noch ein Erfahrungswert: Mehr als eines der besten Abiture in diesem Schuljahr ging an (Trommelwirbel) SuS mit "Migrationshintergrund".)

    Mit Verlaub, aber wer in einem Problembezirk (!) in Berlin (!!) unterrichtet und die Migration mit den typischen schulbezogenen "Herausforderungen" nicht für problematisch - im Sinne von aufwendig, arbeitsintensiv usw. - hält, der war ganz lange nicht mehr im Unterricht oder er hat die letzten Jahre durchgängig Scheuklappen getragen.

    Beides schlecht!

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