Bin ich "altmodisch" (Forderung von Einhaltung von Regeln - Konferenzbeschlüssen)?

  • Das ist auch gut und wichtig so, eine angehende Pflegefachkraft muss in ihrem Berufsleben hunderte male selbst die Lage einschätzen und entscheiden können. In dem Bereich gibt es nicht die eine, immer richtige Regel und man kann auch nicht erst mal Anweisung vom Vorgesetzen einholen, bevor man irgendwas unternimmt.

    Das stimmt doch gar nicht, da gibt es haargenaue Vorgaben und das Umgehen derselben aus Zeitgründen trägt zur Verbreitung multiresistenter Keime oder zum Wundliegen bei.

  • Huhu,


    wollte auch noch meinen Senf dazu geben. Ich denke, man muss unterscheiden zwischen Verhaltensregeln und Regeln, die aus rechtlichen Vorgaben oder einzuhaltender Sicherheitsstandards entspringen.


    Ein Beispiel: Natürlich dürfen die Kids in der Werkstatt keine Käppi tragen. Dafür müssen sie dort S3-Schuhe und Handschuhe tragen. Das ist einfach der Sicherheit geschuldet. Mädchen müssen da z.B. auch lange Haare in einen Zopf nehmen. In meinem Mathe-Unterricht hingegen, ist es mir schnuppe, ob sie nun Käppis tragen, ein Kopftuch, ein Hijab oder sonstige Kopfbedeckungen. Auch Kaugummi kauen ist mir wurst, solange es nicht stört (schmatzen) und der Kaugummi nirgends hingeklebt wird.


    Das Problem ist: Mir persönlich fällt es sehr schwer, Regeln durchzusetzen, hinter denen ich nicht stehe. Und da können sie tausendmal von der Klassenkonferenz beschlossen worden sein. Zumal ich der Auffassung bin, dass in der Gruppe irgendwas falsch läuft, wenn man einen ganzen Katalog an Verhaltensregeln aufstellen muss. Zumindest bei dem Klientel, das ich unterrichte. Bei kleineren Kindern sehe ich es noch ein, dass man mit Regeln arbeiten muss. Aber bei (jungen) Erwachsenen?


    Klassisches Beispiel ist für mich das Zuspätkommen am Morgen. Es kommt doch keiner mit Absicht zu spät... Ich bin auch mal zu spät. Hund hat gekotzt, Landmaschine vor mir, kein Parkplatz gefunden oder Zug zu spät, viel los bei der Hundepension, etc. pp. Ich plane schon mit 15 Min. Zeitpuffer und wenn der nicht reicht, ja, dann ist es halt mal so. Genauso sehe ich es bei den Schülern. Klar, wenn's jedes Mal vorkommt, muss man tatsächlich mal miteinander sprechen, logo. Aber nur weil Hänschen Müller jetzt einmal im Block zu spät ist, also ehrlich, da mache ich kein Fass auf. Schüler sind auch nur Menschen.


    Generell habe ich den Eindruck, dass ich die Jungs gut im Griff habe, auch ohne Regelkatalog.


    Edit: Was ich allerdings oft mache, ist, den Schülern eine Auswahl zu geben und ihnen jeweils die Folgen der einzelnen Wahlmöglichkeiten aufzuzeigen. Hier ist das klassische Beispiel: Verschieben einer Klassenarbeit, etc. Denn mir persönlich ist es in der Regel vollkommen egal, wann wir die Arbeit schreiben. Ich plane die Termine so, dass sie für die Schüler sinnvoll sind und wenn was verschoben werden soll, erläutere ich ihnen, welche Folgen aus der Verschiebung entstehen. Z.B. es kommt dann mehr Stoff dran, oder sie bekommen sie erst später zurück, weil ich erst dann und dann Zeit für die Korrektur habe, oder es wäre dann die vierte Klausur in der Woche, etc.

  • Die Unfallkasse NRW z.B. verbietet das Essen in Chemiefachräumen. Ich gehe davon aus, dass es ein Gesetz zur Unfallverhütung gibt, das den Verzehr und die Lagerung von Lebensmitteln in Anwesenheit bestimmter anderer Substanzen untersagt.


    https://www.sichere-schule.de/…wegen%20abgelegt%20werden.

    Aha. Inwiefern widerspricht das jetzt dem, was ich schrieb? In einem Raum, in dem keine Chemikalien gelagert werden, kannst du essen, wie du willst. Es wird in dem Zusammenhang auch gar kein "Unfall" passieren, der die Kasse überhaupt intetessieren müsste, weil ja keine Chemikalien dort gelagert sind, die dein Essen verunreinigen.

  • Klassisches Beispiel ist für mich das Zuspätkommen am Morgen. Es kommt doch keiner mit Absicht zu spät... Ich bin auch mal zu spät. Hund hat gekotzt, Landmaschine vor mir, kein Parkplatz gefunden oder Zug zu spät, viel los bei der Hundepension, etc. pp. Ich plane schon mit 15 Min. Zeitpuffer und wenn der nicht reicht, ja, dann ist es halt mal so. Genauso sehe ich es bei den Schülern. Klar, wenn's jedes Mal vorkommt, muss man tatsächlich mal miteinander sprechen, logo. Aber nur weil Hänschen Müller jetzt einmal im Block zu spät ist, also ehrlich, da mache ich kein Fass auf. Schüler sind auch nur Menschen.

    Danke dass du Pünktlichkeit ansprichst. Das ist bei uns gerade auch ein großes Thema. Schule auf dem Land, die meisten Schüler kommen mit dem Bus, nur hat da jetzt ein Sub-Unternehmen gekündigt, so dass der ÖPNV-Betreiber nicht mehr genug Fahrer hat. Ergebnis: Busse fallen ständig aus, gerade am Morgen wo so viele Busse bedient werden müssen. D. h. die Schüler haben dann Pech und können erst eine Stunde später kommen. Vorher fährt eben der nächste Bus nicht. Das ist überhaupt nicht das Verschulden der Schüler, aber einige Kollegen geben trotzdem den Schülern die Schuld. Und ich verstehe natürlich den Frust, weil es (je nach Linie) mehrmals die Woche passiert. Der Ärger ist groß, der ÖPNV-Betreiber sagt, dass er auch keine Fahrer aus dem Hut zaubern kann und nicht alle Eltern können ihre Schüler zu Schule fahren. Nur die Schüler dürfen sich dann, wenn sie zu spät kommen, was anhören.

  • Das stimmt doch gar nicht, da gibt es haargenaue Vorgaben und das Umgehen derselben aus Zeitgründen trägt zur Verbreitung multiresistenter Keime oder zum Wundliegen bei.

    Genau, das stimmt überhaupt nicht. Die Pflegefachkraft fragt nie beim Patienten erst mal nach, wie es dem geht, sie entscheidet nie situativ, ob z. B. der Zugang für die Infusion noch gebraucht wird, also abgesehen davon, dass ich das selber schon so erlebt habe. Natürlich hat sie Vorgaben. Und natürlich entscheidet sie sehr viel situativ selbst. Das ist genau das, was sie können und wissen muss: Was sind die verbindlichen Regeln, was sind die Varianzen. Pflegefachkräfte und auch Notfallsanitäter haben in der Schweiz übrigens mehr Entscheidungskompetenz als in Deutschland. Dafür sind es eben auch akademisierte Ausbildungen.

  • Aha. Inwiefern widerspricht das jetzt dem, was ich schrieb? In einem Raum, in dem keine Chemikalien gelagert werden, kannst du essen, wie du willst. Es wird in dem Zusammenhang auch gar kein "Unfall" passieren, der die Kasse überhaupt intetessieren müsste, weil ja keine Chemikalien dort gelagert sind, die dein Essen verunreinigen.

    Du scheinst noch immer nicht einsehen zu wollen, dass der Aufhänger gar nicht das Lagern von Chemikalien, sondern deren grundsätzlicher (und nicht nur akut in diesem Moment erfolgende) Einsatz im Raum ist. Damit sind nun einmal an typisch deutschen Schulen de facto alle NW-Räume raus aus der Nummer. Und es ist auch wesentlich einfacher, eine generelle Regel wie "In Fachräumen wird nicht gegessen" umzusetzen, als ständig prüfen zu müssen, ob das heute gerade mal geht oder nicht.


    Nebenbei: Mir hat sich bislang in Anbetracht der zeitlichen Dichte von Unterrichtspausen ohnehin noch nicht die Notwendigkeit zur Essensaufnahme auch während der Unterrichtszeit erschlossen. Vielleicht magst du dazu mal etwas ausführen.

  • Danke dass du Pünktlichkeit ansprichst. Das ist bei uns gerade auch ein großes Thema. Schule auf dem Land, die meisten Schüler kommen mit dem Bus, nur hat da jetzt ein Sub-Unternehmen gekündigt, so dass der ÖPNV-Betreiber nicht mehr genug Fahrer hat. Ergebnis: Busse fallen ständig aus, gerade am Morgen wo so viele Busse bedient werden müssen. D. h. die Schüler haben dann Pech und können erst eine Stunde später kommen. Vorher fährt eben der nächste Bus nicht. Das ist überhaupt nicht das Verschulden der Schüler, aber einige Kollegen geben trotzdem den Schülern die Schuld. Und ich verstehe natürlich den Frust, weil es (je nach Linie) mehrmals die Woche passiert. Der Ärger ist groß, der ÖPNV-Betreiber sagt, dass er auch keine Fahrer aus dem Hut zaubern kann und nicht alle Eltern können ihre Schüler zu Schule fahren. Nur die Schüler dürfen sich dann, wenn sie zu spät kommen, was anhören.

    Das Problem kenne ich. Ist bei uns sehr ähnlich. Wir sind auch auf dem Land. Wenn da der Zug um 7.17 Uhr aus der nächst größeren Stadt ausfällt... Ja, dann ist halt auch ein Großteil der Schüler nicht da. Was sollen sie machen? Jedes Mal vorsorglich den Zug um 6.46 Uhr nehmen? Weil der nächste ausfallen KÖNNTE? Nein, ich bin der Meinung, das ist nicht zumutbar. Das würde auch Keine/r der KuK durchziehen. Wir haben alle Verpflichtungen zuhause!

  • Wie gesagt, ich bin ein Vertreter gegen Essen im Unterricht. Aber wenn es sein muss und nicht stört, dann sage ich nichts dagegen.

    Es gibt wenige Situationen, in denen ich die Schüler sogar dazu auffordere zu Essen, weil sich z.B. im kurzen Gespräch herausgestellt hat, dass die zu Hause nichts bekommen haben und nicht mehr konzentriert mitarbeiten können. Das ist zum Glück nicht die Regel.

  • Du scheinst noch immer nicht einsehen zu wollen, dass der Aufhänger gar nicht das Lagern von Chemikalien, sondern deren grundsätzlicher (und nicht nur akut in diesem Moment erfolgende) Einsatz im Raum ist

    Ich sehe es nicht ein, weil es so grundsätzlich nicht stimmt.


    Und es ist auch wesentlich einfacher, eine generelle Regel wie "In Fachräumen wird nicht gegessen" umzusetzen, als ständig prüfen zu müssen, ob das heute gerade mal geht oder nicht

    Das ist jetzt wirklich eine ganz typisch deutsche Aussage. Was willst du denn da "ständig prüfen"? In meinem Zimmer stehen ganz normale Tische, keine "Experimentierplätze". Worin liegt die Schwierigkeit zu entscheiden, wann gegessen werden darf und wann nicht? Es ist völlig klar, dass das nicht erlaubt ist, wenn gerade eine Kiste mit Material zum Experimentieren auf einem ansonsten völlig normalen Tisch steht.



    Nebenbei: Mir hat sich bislang in Anbetracht der zeitlichen Dichte von Unterrichtspausen ohnehin noch nicht die Notwendigkeit zur Essensaufnahme auch während der Unterrichtszeit erschlossen. Vielleicht magst du dazu mal etwas ausführen

    In der 5-min-Pause während einer Doppellektion ist es vollkommen selbstverständlich, dass ein Schüler in meinem Zimmer sitzend isst. Dass jemand während des Unterrichts isst, passiert z. B. wenn jemand Kuchen dabei hat.

  • Ich denke es geht nicht nur um Verunreinigen, sondern um versehentliches Verwechseln zu minimieren.

    Ich sortiere z.B. zu Hause auch Flüssigkeiten nach Getränken und Reinigern. Die stehen zwar im gleichen Raum, aber sind doch zumindest in anderen Ecken. Klar finde ich es so vielleicht schneller. Eine "bessere" Ordnung wäre ja vielleicht alphabetisch, dann könnte ich es noch schneller finden, hätte es aber gemischt. Vor Verunreinigung hätte ich da weniger Angst. Vor Verwechseln wesentlich mehr.


    Analog sehe ich das in Chemie (ich bin kein Chemielehrer). Wenn da jemand ein Experiment macht, dann Verunreiningt die Nahrungsaufnahme nicht zwingend. Aber es erhöht das Verwechseln von Dingen. Ich stelle mir da einen vollen Chemietisch vor, und nebenbei hat jemand einfach nur ein Glass Wasser und möchte noch eben seine Tablette zu sich nehmen. Wie schnell kann man da etwas verwechseln. Das Risiko ist vermutlich nicht sehr hoch, aber lässt sich durch so einfache Regeln vermeiden. Und ich habe mich schon ein paar mal erwischt, dass ich etwas verwechselt habe, insbesondere, wenn man es automatisch macht, ohne groß nachzudenken.

  • Das tatsächliche Risiko das in Schule auf diesem Weg was passiert ist tatsächlich minimal. So gesehen sind aber auch viele andere Vorgaben in der Risu nicht wirklich zielführend. Das ich vor jedem Versuch eine schriftliche Gefährdungsbeurteilung machen muss (falls diese noch nicht vorliegt) führt nicht wirklich zu mehr Sicherheit, da ich mir auch schon ohne schriftliche Gefährdungsbeurteilung über die Risiken im Klaren bin. Dennoch bin ich dazu verpflichtet.

    Und die Sichtweise sowohl meines Arbeitgebers als auch des BAD als auch der Unfallkasse sowie des für Arbeitsschutz zuständigen Dezernats bei der Bezirksregierung ist, dass die von mir bereits rezitieren Hygienevorschriften in jedem Fachraum wo üblicherweise regelmässig mit Gefahrstoffen gearbeitet wird einzuhalten sind. Ich halte dies aber auch für sinnig. Zum einen lernt der Schüler, dass es im Berufsleben Gefährdungsbereiche gibt, in denen bestimmte Regeln einzuhalten sind. Sobald ich eine Baustelle betrete habe ich Sicherheitsschuhe und einen Helm zu tragen. Sobald ich ein Labor betrete habe ich die Hygienevorschriften einzuhalten. Ich habe auch keine Lust, die Reste der Kartoffelchips überall aus den Ecken und Winkeln herauszuholen.Auch ausgediente Kaugummis unter den Tischen brauche ich nicht.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Hä? Was war jetzt daran nicht zu verstehen, dass in meinem Raum ganz normale Tische, die die meiste Zeit mit relevanten Chemikalien gar nichts zu tun haben, stehen? Womit willst du denn da was "verwechseln", wenn es gar nichts gibt zum Verwechseln?


    An einer Schule erfüllt ein Verbot in den Laborräumen zu essen sowieso einen anderen Zweck als in einem Unilabor oder einem Forschungslabor bei der Roche. Wie es an einer Schule überhaupt zu einem Unfall kommen soll, bei dem die Unfallversicherung daran interessiert sein könnte, ob da jetzt gegessen wurde, müsste mir mal jemand erklären. Im Labor geht es primär mal darum, den Arbeitsplatz grundsätzlich sauber und übersichtlich zu halten, da hat nicht nur die Trinkflasche nichts auf dem Tisch verloren. Dann wäre es tatsächlich möglich, dass jemand sein Brötli in eine Pfütze mit verschütteter Salzsäure legt. Ja, genau deswegen liegt das Brötli da gar nicht. Und es ist auch gar nicht schwierig zu vermitteln, dass das Brötli auch nicht auf einem ansonsten normalen Tisch liegt, wenn daneben eine Flasche mit Salzsäure steht.


    Wenn die Flasche mit der Salzsäure aufgeräumt ist, kann das Brötli wieder auf den Tisch. Diese Tische sind nicht "kontaminiert", das ist kompletter Bullshit. Wären sie das - das wurde bereits völlig korrekt geschrieben - dürfte in diesen Räumen gar kein Unterricht mehr stattfinden. Und keiner von euch dürfte jemals in seiner Küche noch Essen zubereiten, ihr habt die Oberflächen ganz sicher schon mit Schlimmerem gereinigt als verdünnter Salzsäure. Unsere Assistenz hatte aber auch schon mal die irrsinnige Idee, man könnte doch auf einem handelsüblichen Schneidbrett nicht zuerst Natrium und - nach erfolgter Reinigung des Bretts - Schnittlauch zum Verzehr schneiden. Ja, sicher kann man. Meine Kaffeetasse steht auch im gleichen Geschirrspüler wie meine benutzten Bechergläser.

  • Es geht, meiners erachtens nach, auch um Automatismen, die man sich antrainiert bzw. abtrainiert. Man macht es dann in "gefährlichen" Situationen automatisch richtig ohne darüber nachdenken zu müssen.


    Warum müssen Solaten draußen eine Kopfbedeckung tragen, aber drinnen dürfen sie die Mütze abnehmen? Man trainiert damit Automatismen, die im Ernstfall überlebenswichtig sind.

  • Ich glaube, über Regeln in der Schule bzw. Klasse und Konsequenzen bei Übertritten, kann man sich unendlich fetzen.

    Wichtig finde ich, dass man als Kollegen vor den Schülern eine gemeinsame Linie fährt und sich nicht gegenseitig in den Rücken fällt. Diskutieren kann man hinterher immer noch.

    Schüler verkraften es aber schon, wenn es leichte Abweichungen bei verschiedenen Lehrern gibt. Manchmal fachbedingt (naturwissenschaftliche Fächer, Sport, Werken, ...) oder personenbedingt. Ist ja für sie im Privaten eventuell genauso. Im Elternhaus gelten andere Regeln wie bei Oma usw.


    Bei uns in Österreich ist einiges viel strenger und wird gar nicht diskutiert. Zum Beispiel Kopfbedeckungen (außer religiös oder gesundheitlich) geht gar nicht, Kaugummikauen, Essen, ... auch nicht. Es gibt genug Pausen.

  • Schüler verkraften es aber schon, wenn es leichte Abweichungen bei verschiedenen Lehrern gibt. Manchmal fachbedingt (naturwissenschaftliche Fächer, Sport, Werken, ...) oder personenbedingt. Ist ja für sie im Privaten eventuell genauso. Im Elternhaus gelten andere Regeln wie bei Oma usw.

    Meine 5er kennen das. In der ersten Woche habe ich denen gesagt wie ich einige Dinge handhabe und wie es evtl. andere Lehrer machen - und das sie solche Unterschiede bestimmt schon von zu Hause kennen.

    Da melden sich ein Schüler und stimmt mir zu. Er kennt es auch ganz genau. Seine Eltern haben sich deshalb getrennt :(

  • So gesehen sind aber auch viele andere Vorgaben in der Risu nicht wirklich zielführend.

    In der Tat ist das auch so. Wir nutzen die RISU als unverbindliche Handlungsempfehlung, rechtlich bindend ist sie für uns nicht. Weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass ich als studierte Chemikerin selbst entscheiden kann. Was auch völlig zutreffend ist, die Unfallstatistik spricht an dieser Stelle für sich. Die Geschichte mit unserer Assistenz und dem Schneidebrett ist ja kein Zufall. Die hat 18 Jahre lang an einer deutschen Schule gearbeitet. Es hat einen Moment gebraucht ihr beizubringen, dass RISU jetzt aus ist.



    Ich halte dies aber auch für sinnig.

    Ah! Jetzt kommen wir, glaube ich, zusammen. *Du* hältst das für sinnig. Du weisst allerdings auch selber, dass es niemals einen relevanten "Unfall" geben wird. Niemand wird dich jemals fragen, ob Schüler X gerade gegessen hat während du dich an der Glasscherbe eines zerbrochenen Becherglases geschnitten hast, weil A mit B gar nichts zu tun hat.



    Zum einen lernt der Schüler, dass es im Berufsleben Gefährdungsbereiche gibt, in denen bestimmte Regeln einzuhalten sind. Sobald ich eine Baustelle betrete habe ich Sicherheitsschuhe und einen Helm zu tragen.

    Volià, das halte ich für eine akzeptable Argumentation. Würde ich immer noch an einer Berufsschule unterrichten, würde ich es wahrscheinlich auch ganz genau so sehen und halten, mit der gleichen Begründung. Da sind wir wieder an dem Punkt: Regeln gilt es situativ zu hinterfragen und anzupassen. Ich schrieb bereits, ich bestehe schon seit längerer Zeit nicht mehr dogmatisch auf das Tragen von Kittel und Schutzbrille im Labor. Das tat ich noch mit meinen ersten Lerngruppen, einfach weil mir selber die Routine gefehlt hat die Leute richtig einzuschätzen und den Überblick zu behalten. Es klappt aber ganz wunderbar zu sagen, wir pipettieren heute im Wesentlichen Wasser bzw. wässrige Lösungen, wir brauchen weder Kittel noch Schutzbrille. Und das nächste Mal arbeiten wir mit 0.1 mol/L Natronlauge, wer da die Schutzbrille nicht jederzeit über den Augen hat, beendet die Arbeit und verlässt das Labor. Gymnasiasten und Fachmittelschülerinnen der Sekundarstufe II funktionieren da ausreichend vernünftig und adaptiv. Die ganz grosse Mehrheit meiner Schülerinnen und Schüler ist am Ende tatsächlich in der Lage, Standardsituationen selbst korrekt einzuschätzen. Das halte ich für einen unverzichtbaren Lernerfolg. Den gewichte ich höher als meinen persönlichen Komfort, den ich mit einer immer gültigen "ist-halt-so-Regel" freilich habe. Heisst nicht, dass ich mir nicht absolut auch Situationen vorstellen kann, in denen ich die "ist-halt-so-Regel" aber ohne mit der Wimper zu zucken sofort ziehe und dann auch absolut diktatorisch umsetze. Heisst auch nicht, dass ich im wahren Leben einem Kollegen, der an dieser Stelle auf die "ist-halt-so-Regel" besteht, eine Szene machen würde. Das stünde mir überhaupt nicht zu.


    Ich habe auch keine Lust, die Reste der Kartoffelchips überall aus den Ecken und Winkeln herauszuholen.Auch ausgediente Kaugummis unter den Tischen brauche ich nicht.

    Auch das kann ich absolut nachvollziehen. Allerdings mache ich das eben gar nicht, also Krümel aus allen Ecken rausholen. Wenn meine Jugendlichen Dreck machen, machen sie diesen Dreck auch selbst wieder weg. Ihnen das beizubringen, ist Teil meines Erziehungsauftrags und dem komme ich nicht mit generellen Verboten bei. Ich lasse Essen und Trinken im Physikpraktikum aber auch nicht zu, so lange Geräte auf den Tischen stehen. Ich sehe nicht ein, dass unsere Geräte beschädigt werden, die kosten Geld. Ein verkrümelter Tisch ist hingegen kein Schaden, dafür braucht es nur einen Lappen und einen Schüler, der den in die Hand nimmt.

  • Ich glaube, über Regeln in der Schule bzw. Klasse und Konsequenzen bei Übertritten, kann man sich unendlich fetzen.

    Wichtig finde ich, dass man als Kollegen vor den Schülern eine gemeinsame Linie fährt und sich nicht gegenseitig in den Rücken fällt. Diskutieren kann man hinterher immer noch.

    Schüler verkraften es aber schon, wenn es leichte Abweichungen bei verschiedenen Lehrern gibt. Manchmal fachbedingt (naturwissenschaftliche Fächer, Sport, Werken, ...) oder personenbedingt. Ist ja für sie im Privaten eventuell genauso. Im Elternhaus gelten andere Regeln wie bei Oma usw.

    Genau das. Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

    Freundlichkeit ist kostenlos, aber niemals umsonst.

  • Ruhe Abgesehen von der Diskussion, die ich gerade sehr spannend finde, glaube ich, dass du eigentlich keine Frage gestellt hast. Dir geht es nur drum, dir deine eigene Vorstellung bestätigen zu lassen, auf gegenteilige Meinungen lässt du dich wenig bis gar nicht ein. Mir erschliesst sich nicht, warum man eine Diskussion anstösst, wenn man mit der eigenen Meinung eigentlich zufrieden ist. Dann zieh's doch einfach durch und fertig ist die Wurst.

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