Krankgeschriebene Lehrerin muss nach 16 Jahren erstmals zum Amtsarzt

  • Das Totalversagen des Dienstherren ist unbestritten. Ebenso unbestritten ist, dass die Dame mindestens einer Nebentätigkeit ohne Genehmigung nachgegangen ist.

    Strittig ist, ob die Krankschreibungen sauber waren. Bei 17 Jahren sehe ich da aber zusätzlich auch den Arzt in der Verantwortung.

    Wirklich keiner der irgendwie Beteiligten macht eine gute Figur.

    Dass die anderen auch Mist gebaut haben, entlastet sie aber keinesfalls, sie ist für ihr Verhalten trotzdem verantwortlich. Und an Beamte wird aufgrund der Treuepflicht hier sogar ein höherer Maßstab angelegt.

  • Strittig ist, ob die Krankschreibungen sauber waren. Bei 17 Jahren sehe ich da aber zusätzlich auch den Arzt in der Verantwortung.

    Was willst du da tun? Gelbe Scheine durchgehen auf denen steht "undefinierte Schmerzen an der Wirbelsäule", "Depression", "Kopfschmerzen". Denkst du, Ärzte könnten Beschwerden beweisen/widerlegen? Das ganze System ist einfach Unsinn.

    Wer Monate oder Jahre(!) nicht arbeiten kann, ist einfach ungeeignet. Ob man dann ein Betrüger oder ein Sozialfall ist, ist letzten Endes unbedeutend, das Arbeits/Dienst-Verhältnis sollte in so einem Fall beendet werden. Eine der zig Reformen, die in Deutschland Jahre überfällig sind, aber gescheut werden, obwohl sicher 2/3 der Bürger und damit auch 2/3 der Volksvertreter dafür sein sollten.

  • Also was die 17 Jahre Dienstunfähigkeit anbelangt, da habe ich in meinem Klientel einige die dauerhaft nicht mehr "Schule können". Meist sind dies psychische und oder psychosomatische Erkrankungen. Häufig spielen Gewalterfahrungen in Schule eine Rolle oder auch Mobbingerfahrungen. Die Kollegen haben derartige Ängste im Universum Schule entwickelt, dass man keine Schule mehr betreten kann, ohne dass es eine hypertone Krise gibt. Das hat sich so ins Unterbewusstsein festgesetzt, dass das auch einer Psychotherapie nicht mehr zugänglich war. Und das ist auch nach 17:Jahren nicht weg und falls doch kommt es im Schullalltag ganz schnell wieder.

    Was bleibt ist tatsächlich die Sache mit der Nebentätigkeit. Die hätte auf jeden Fall genehmigt werden müssen. Wie weit das aber zu ahnden ist, da muss dann erst Mal genauer drauf geschaut werden wieviel damit tatsächlich verdient wurde. Unter Umständen war dies auch mehr Schein als Sein. Wenn man über 10 Jahre beruflich nichts zu tun hat, dann kommt man vielleicht auf ganz verrückte Sachen.

    Insofern ist das rechtzeitige Einschalten des Amtsarztes auch unter Fürsorgegründen dringend geboten. Denn desto länger es dauert bis man wieder in Arbeit kommt desto schwieriger wird eine berufliche Wiedereingliederung. Ggf. hätte der Amtsarzt auch noch Ideen gehabt wie man die Dienstfähigkeit wieder erlangen könnte . Alternativ hätte man schnellstmöglich ein Leistungsprofil erstellen können, damit über Vorfahrt für Weiterbeschäftigung eine anderweitige Verwendung geprüft werden kann. Aber hierzu muss die Dienststelle aktiv werden.🤷

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Und das ist auch nach 17:Jahren nicht weg und falls doch kommt es im Schullalltag ganz schnell wieder.

    Vielleicht ist auch ein Problem, dass es super schwer ist, wenn man mal im System "Schule" war, einen anderen Beruf zu ergreifen. Wer irgendwann mal nicht mehr als Lehrkraft arbeiten kann, wäre vielleicht ganz glücklich als Verkäufer (m/w/d) in einer Parfümerie oder als Fachkraft in der Wald- und Forstwirtschaft. Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ist es die denkbar schlechteste Variante, die Leute irgendwo womöglich jahrzehntelang formal zu binden, wo sie schlichtweg nicht mehr arbeiten können - und mit 50 will natürlich keiner ernsthaft schon in (Zwangs-)Penion geschickt werden. Dann ist es besser, die Leute gehen zu lassen, zur Not mit einer Art Abfindung oder so.

  • Vielleicht ist auch ein Problem, dass es super schwer ist, wenn man mal im System "Schule" war, einen anderen Beruf zu ergreifen. Wer irgendwann mal nicht mehr als Lehrkraft arbeiten kann, wäre vielleicht ganz glücklich als Verkäufer (m/w/d) in einer Parfümerie oder als Fachkraft in der Wald- und Forstwirtschaft. Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ist es die denkbar schlechteste Variante, die Leute irgendwo womöglich jahrzehntelang formal zu binden, wo sie schlichtweg nicht mehr arbeiten können - und mit 50 will natürlich keiner ernsthaft schon in (Zwangs-)Penion geschickt werden. Dann ist es besser, die Leute gehen zu lassen, zur Not mit einer Art Abfindung oder so.

    Böse gesprochen will man auf seine Privilegien und die Fleischtöpfe nicht verzichten. Da wäre eine interne Umschulungsmöglichkeit sicherlich hilfreich, z.B. von der Lehrkraft zur Verwaltungskraft oder Sachbearbeitung. Da kann man je nach Tätigkeit auch A13 für bekommen...

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Bolzbold : Meinetwegen auch das, gute Idee. Es ist aus gesamtgesellschaftlicher Sicht fast alles besser als dass jemand zuhause sitzet und, ohne etwas zu tun, Geld verdient. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es für die mentale Gesundheit besonders gesund ist, "mitten im Leben" schon in die Zwangspension geschickt zu werden. In unserer Gesellschaft läutet ja die Rente/Pension mehr oder weniger das Lebensende ein. Dann ist mir die Heilpraktikertätigkeit fast noch lieber, aber eben nachdem unter das berufliche Kapitel "Lehrkraft" offiziell ein Strich gemacht wurde.

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