Kirchensteuer (aus Meckerforum)

  • ...Den Autisten brauchst du nicht nochmal erwähnen, nachdem ich mehrfach (!!!!) geschrieben habe, dass der nicht das Problem ist, solange sein Verhalten händelbar ist. Ich hatte selbst Autisten, die komplett unproblematisch waren (mit und ohne Schulbegleitung). Ich hatte aber auch eine Autistin, die eine glatte Zumutung für ihre Klasse war und die trotzdem erduldet werden musste. Hier muss es doch möglich sein, zu differenzieren und auch mal Interessen der 25 anderen Personen im Raum zu berücksichtigen.

    Doch, den erwähne ich, es gibt nunmal Autisten mit anstrengendem Verhalten. Wenn ein Schüler still am Platz sitzt und seine Diagnose weder für ihn selbst noch für andere ein Problem ist, ist es keine Behinderung. Die Behinderung ist eine Einschränkung im Alltag für die es Ausgleich braucht, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

  • Zauberwald : Solche Cafés wie das von dir angesprochene finde ich eine schöne Idee, um Menschen mit Einschränkungen eine berufliche Perspektive auf dem 1. Arbeitsmarkt bieten und Begegnung von Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ermöglichen zu können.

    Eine Frage hätte ich noch: Du hast ja gestern die rührende Geschichte mit dem Nachbarsjungen Rainer erzählt. Es ist eine Sache, in einem inklusiven Setting zu arbeiten oder ehrenamtlich Menschen mit Einschränkungen zu helfen, aber könntest du dir auch konkret eine gleichberechtigte Freundschaft mit einer Person mit Down-Syndrom vorstellen? Hattest du in den letzten 20 Jahren eine Freundschaft mit einer Person mit (vergleichbaren) Einschränkungen? Es geht mir dabei nicht darum, dich hier in irgendeiner Form zu verurteilen, sondern vielmehr darum, ein ganzheitliches Bild zu erhalten.

    Ich kenne einige nette, witzige und super warmherzige Menschen mit Down-Syndrom und natürlich würde ich deren Freundschaft immer einem Menschen vorziehen, der zynisch von rührenden Geschichten spricht oder white pride Schulen fordert.

  • Ich kenne einige nette, witzige und super warmherzige Menschen mit Down-Syndrom und natürlich würde ich [mit ihnen eine] Freundschaft [eingehen].

    Das freut mich :) . Darf ich die Folgefrage stellen, was die Gründe waren, dass diese Freundschaften bislang noch nicht realisiert werden konnten?

  • Das freut mich :) . Darf ich die Folgefrage stellen, was die Gründe waren, dass diese Freundschaften bislang noch nicht realisiert werden konnten?

    Hat es einen bestimmten Grund, dass du das Zitat von Quittengelee bewusst verfälscht hast? Ich meine, außer dem durchsichtigen Versuch einer Umdeutung in deinem Sinne?

  • einem Menschen vorziehen, der zynisch von rührenden Geschichten spricht oder white pride Schulen fordert.

    Profitipp: Vielleicht mal lesen, was Gymshark tatsächlich schrieb. ;)

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • Das freut mich :) . Darf ich die Folgefrage stellen, was die Gründe waren, dass diese Freundschaften bislang noch nicht realisiert werden konnten?

    Weil sie nicht mehr leben. Gegenfrage: Dürfen nur Menschen an Gesellschaft teilhaben, mit denen du befreundet bist?

    Oder präziser: müssen Schüler*innen deiner Ansicht nach selektiert werden, mit denen ihre Mitschüler später keine Freundschaften pflegen?

  • Inklusion ist ein Menschenrecht. Deutschland wurde für die mangelhafte Umsetzung der Inklusion im Schulsystem bereits gerügt. Die Hattie-Studie zeigt, dass alle Kinder, im Sinne von Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, in inklusiven Settings mindestens genau so gut lernen, wie unter der Bedingung der Seperation von Menschen mit Behinderungen. Selektion bzw. Tracking hat keinen bedeutenden Effekt auf das Lernen. Selektion fördert soziale Ungerechtigkeit und widerspricht dem Leistungsgedanken, da bspw. an Kinder an Hauptschulen grundsätzlich geringere Erwartungen an ihre Leistung gestellt werden. Durchaus ist es so, dass inklusiv beschulte Kinder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, wobei da Selektionseffekte bei den Untersuchungen, die ich gelesen habe, eben schon als eine Rolle spielend benannt wurden. Darüber hinaus - und das hatten wir jetzt schon mehrfach - hat Bildung auch einen Selbstzweck und nicht nur den Zweck, Arbeitskräfte zu schaffen. Menschen(rechte) sind kein Mittel und unterliegen keiner Kosten-Nutzen-Rechnung.

    Unterrichtsstörung ist nicht gleich Unterrichtsstörung. Unterrichtsstörungen sind ein Spektrum und deshalb müssen, denke ich, auch die Maßnahmen ein Spektrum sein. Insbesondere massiv störende Kinder und Jugendliche können nicht uneingeschränkt unter den Begriff der Inklusion fallen, da die anderen Kinder geschützt werden müssen, ja. Gleichzeitig gilt aber auch, dass dies nicht pauschal zum Ausschluss von Teilhabe führen darf. Es ist ein Abwägung von Rechten und Maßnahmen auf einem Spektrum (also weder "Alle einfach in einen Raum" noch "Alle Störer einfach raus").

    Störendes Verhalten gilt es durch klare Regeln, klare Konsequenzen und guten Unterricht zu verhindern (Leichter gesagt als getan, ich weiß). Guter Unterricht ist meiner Ansicht nach dabei die grundlegende Ebene, wenn man sich die Pyramide beim RTI-Modell vor Augen führt. Kinder, die dabei stören, könnten auf zweiter Eben z.B. durch das Trainingsraumkonzept gefördert werden und gleichzeitig wird das Recht auf das Lernen der anderen Kinder durch den temporären Ausschluss aus dem Klassenraum geschützt. Auch Verstärkerpläne würde ich auf der Ebene ansiedeln. Auf dritter Ebene bei massiv störendem Verhalten ("Systemsprenger*innen") könnte man die AktiF-Gruppen nach Menno Baumann nennen. Dort werden die Bedingungen und Bedarfe der massiv störenden Kinder analysiert und dann ein Plan erstellt, bei dem die Kinder am Unterricht teilnehmen, wenn sie es schaffen (in den ersten Stunden oder in Lieblingsfächern z.B.), und ansonsten in Kleingruppen emotional-sozial gefördert werden, damit sie so lange wie möglich am Unterricht der Klasse teilnehmen können. Beide Ansätze gefallen mir, weil die Kinder nicht pauschal ausgeschlossen werden, sondern die Schule weiter die pädagogische Verantwortung übernimmt, die Kinder so zu förden, dass sie möglichst viel teilhaben können, und gleichzeitig die anderen Kinder beim Lernen geschützt werden. Die Kinder kommen nicht in Strukturen, in denen sich die massiv störenden Verhaltensweisen oft entwickelt haben (wie bei der Kurzbeschulung) oder in denen massiv störende Kinder und Jugendliche konzentriert aufeinanderstoßen (Förderschulen). Beides bedarf aber natürlich Ressourcen, die an den meisten Schulen leider so erstmal nicht gegeben sind. Multiprofessionelle Teams und Kooperationen mit außerschulischen Partnern wie dem Jugendamt sind dafür nötig.

  • Die Hattie-Studie zeigt, dass alle Kinder, im Sinne von Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, in inklusiven Settings mindestens genau so gut lernen, wie unter der Bedingung der Seperation von Menschen mit Behinderungen.

    (...)

    bedarf aber natürlich Ressourcen, die an den meisten Schulen leider so erstmal nicht gegeben sind.

    Verkürzen wir doch mal aufs Wesentliche 😊

    Dass die Hattie-Studie immer noch vermeintlicher Beleg für allen möglichen Kram herangezogen wird, der sich in der realen Unterrichtspraxis hierzulande ganz anders darstellt, ist auch spannend.

  • Hat es einen bestimmten Grund, dass du das Zitat von Quittengelee bewusst verfälscht hast? Ich meine, außer dem durchsichtigen Versuch einer Umdeutung in deinem Sinne?

    Es ist eine Verkürzung eines Zitats, aber inwiefern ist es eine Verfälschung?

    Ich möchte einfach herausfinden, ob diejenigen, die sich hier pro-Inklusion positionieren,

    - sich als Fürsprecher und Helfer betrachten, die sich zeitlich begrenzt für (in ihren Augen hilfsbedürftige) Menschen anderer Identitätsgruppen engagieren, und im Privaten dann doch Freundschaften mit Menschen ähnlicher Identitätsgruppen wie selbst führen. ODER

    - Inklusion ganzheitlich betrachten, Menschen anderer Identitätsgruppen als gleichberechtigt betrachten, mit diesen auch Freundschaften eingehen.

  • Das freut mich :) . Darf ich die Folgefrage stellen, was die Gründe waren, dass diese Freundschaften bislang noch nicht realisiert werden konnten?

    Und, wie sieht es mit deinen Freundschaften aus? Mit wem verkehrst du so?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Es ist eine Verkürzung eines Zitats, aber inwiefern ist es eine Verfälschung?

    Sag' mal, willst du uns eigentlich verar...en?! Du ersetzt Teile eines Zitats (EDIT: durch deine eigenen Worte) und nennst das "Verkürzung"?!? Merkst du eigentlich noch was???

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Was sich in diesem Thread bei einigen User*innen für menschliche Abgründe auftun... Da fehlen mir echt die Worte! Was bin ich froh, dass ich solche Personen mit Ansichten wie euren nicht im real life kenne.

    Werde diesen Thread auf "ignorieren" einstellen. Das mag ich mir nicht mehr antun.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Kinder, die dabei stören, könnten auf zweiter Eben z.B. durch das Trainingsraumkonzept gefördert werden und gleichzeitig wird das Recht auf das Lernen der anderen Kinder durch den temporären Ausschluss aus dem Klassenraum geschützt. Auch Verstärkerpläne würde ich auf der Ebene ansiedeln. Auf dritter Ebene bei massiv störendem Verhalten ("Systemsprenger*innen") könnte man die AktiF-Gruppen nach Menno Baumann nennen.

    Dafür müssen die Schulen dann aber entsprechend ausgestattet sein.

    Und ähnliche Bedingungen braucht man auch bei zieldifferenter Beschulung, man braucht mehr Personal für kleine Kurse oder ein sehr viel flexibleres System, durch das man unterstützen oder etwas auffangen kann, denn trotz aller Bemühungen, inklusiv zu beschulen, ist der Aufwand immens und hat Grenzen.
    Ich bin erschrocken darüber, wo andere ihr Grenzen setzen und erwarten, dass die Klasse homogen zu sein hat.
    Dennoch ist Inklusion derzeit ein Sparkonzept, das so nicht funktioniert und vielen nicht gerecht wird.

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