Unsicher wegen Grundschullehramt; Erfahrungsberichte gesucht

  • Hallo zusammen! 🙂

    Ich hoffe, ich bin hier richtig mit meiner Frage. Ich bin 24 Jahre alt und hole aktuell mein Abitur nach. Aufgrund psychischer Probleme musste ich die Schule damals abbrechen und war längere Zeit zuhause. Inzwischen geht es mir deutlich besser, auch wenn ich weiß, dass ich weiterhin an mir arbeiten muss.

    Schon seit längerer Zeit spiele ich mit dem Gedanken, Grundschullehramt zu studieren. Gleichzeitig habe ich große Zweifel, ob ich mir damit wirklich einen Gefallen tue. Vor allem die vielen negativen Berichte, die man online liest, verunsichern mich sehr. Besonders die hohe Arbeitsbelastung, das Referendariat, der psychische Druck und die oft erwähnten Herausforderungen mit den „Kindern von heute“ lassen mich stark zweifeln.

    Gerade wegen meiner psychischen Vorgeschichte habe ich Angst, dass mich der Beruf langfristig überfordern oder sogar in eine erneute Krise bringen könnte. Mir ist natürlich bewusst, dass mir niemand die Entscheidung abnehmen kann, trotzdem würde mich eure ehrliche Meinung interessieren:

    Würdet ihr mir eher davon abraten oder ist der Beruf grundsätzlich machbar? Oder würdet ihr empfehlen, mich lieber nach einer Alternative umzusehen?

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Einschätzungen und Erfahrungen mit mir teilen würdet! ☺️

  • Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was man da raten kann. Die Frage ist, denke ich, welcher Art deine Erkrankung ist, wie die Prognose und welche Belastungen das Problem verschlimmern könnten. Dabei halte ich die Angst vor Druck im Referendariat für passgenauer als die diffuse Angst vor den "Kindern von heute", Kinder sind immer und überall Kinder und werden es immer sein.

    Grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, gesund in den Beruf zu starten, krank werden genug Leute auch noch später. Auf der anderen Seite hast du vielleicht durch deine Erfahrungen und Behandlung eine realistischere Einschätzung als jemand, der mit 19 nach der Schule blauäugiger da reintappt.

    Was bringt dich denn zum Berufswunsch?

  • Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was man da raten kann. Die Frage ist, denke ich, welcher Art deine Erkrankung ist, wie die Prognose und welche Belastungen das Problem verschlimmern könnten. Dabei halte ich die Angst vor Druck im Referendariat für passgenauer als die diffuse Angst vor den "Kindern von heute", Kinder sind immer und überall Kinder und werden es immer sein.

    Grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, gesund in den Beruf zu starten, krank werden genug Leute auch noch später. Auf der anderen Seite hast du vielleicht durch deine Erfahrungen und Behandlung eine realistischere Einschätzung als jemand, der mit 19 nach der Schule blauäugiger da reintappt.

    Was bringt dich denn zum Berufswunsch?

    Danke für deine Antwort! 🙂


    Mein Arzt und auch ich selbst schätzen die Prognose als sehr gut ein, aber es ist eben leider nur eine Tendenz und keine Gewissheit und kann natürlich auch jederzeit wieder kippen.

    Primär sind es meine Depressionen, für die Dauerstress natürlich Gift wären und leider auch eine, wahrscheinlich noch viel problematischere, ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, wegen der ich am meisten Bedenken habe. Das klingt im ersten Moment aber schlimmer, als es eigentlich ist. In meinem Fall ist kennzeichnet sich das in einem sehr niedrigen Selbstwertgefühl, wobei ich daran jedoch auch hart arbeite und extreme Fortschritte gemacht habe. Aber ob das wirklich reicht, weiß ich natürlich nicht. Da habe ich eben meine Bedenken, dass mein "dickeres Fell" durch etwaige Situationen schnell an Dicke verliert. Dafür habe ich aber einfach zu wenig Ahnung von den Belastungen und Herausforderungen im Alltag einer Lehrkraft, um das wirklich abschätzen zu können.

    Den Berufswunsch hege ich aus mehreren Gründen. Zum einen wäre da natürlich die Arbeit mit Kindern. Ich habe vor einiger Zeit Praktika im Kindergarten gemacht und gemerkt, dass ich insbesondere mit den älteren Kindern sehr gut klar kam und das Arbeiten mit ihnen mir viel Spaß gemacht hat. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich gerne Wissen vermittle (was ich bisher aber nur an meinen Mitschülern austesten konnte). Auch die Sinnhaftigkeit des Berufs ist für mich ein Anreiz. Und zu guter Letzt auch die Tatsache, dass ich ein sehr empathischer Mensch bin und diese "Fähigkeit" gerne nutzen würde, um Kinder positiv in ihrer Entwicklung zu begleiten. Aber vielleicht sehe ich das auch etwas zu romantisch. 😕

  • Was in der Schule m.E. noch belastend ist, ist die Arbeit mit den Eltern. Man muss sich sicher fühlen, um gut durch Konflikte zu kommen. Nicht alle natürlich, es gibt aber immer wieder Eltern, die die Lehrkraft und ihre Arbeit infrage stellen und dann kritische Fragen stellen oder auch frontal angreifen. Da hilft es dann, ruhig bleiben zu können, weil man die Kritik schnell von der Person trennen kann. Das ist für viele Kolleg*innen schwer, wenn es einem schlaflose Nächte und innere Zerrissenheit beschert, muss man aber damit leben und fit und fröhlich sein am nächsten Tag.

    Ich verstehe deinen Wunsch nach Normalität und Gesundheit. Allein ob mit harter Arbeit alles erreicht werden kann, bin ich persönlich skeptisch. Auf der anderen Seite sind Ziele im Leben gut und geben Kraft. Wie groß ist dieser Wunsch, ist er über die Zweifel erhaben? Du alleine lebst mit der Entscheidung, egal was wir hier erzählen.

    Wie wäre die Vorstellung, mit Kindern einzeln zu arbeiten, zum Beispiel in Logo- oder Ergotherapie?

  • Ja, dass mit den Eltern ist mit meine größte Sorge. Der Wunsch ist groß, aber mir ist bewusst, dass der Wunsch eben auf der Vorstellung des Berufs basiert und vielleicht mit der Realität kollabieren könnte. Es ist auch nicht so, dass ich keine Alternative habe. Es gibt noch einige weitere Berufsfelder, die mich interessieren, auch wenn sie nichts mit Kindern zutun haben. Das ist für mich kein Muss. Jedoch komme ich jedes Mal wieder zurück zum Grundschullehrer. Und ich weiß von mir selbst; wenn mich etwas so lange beschäftigt und immer wieder zurückkehrt, auch wenn ich eigentlich damit abgeschlossen hatte, dann sitzt der Wunsch wirklich tief.

    Wäre ich frische 19, dann würde ich es wahrscheinlich einfach versuchen und wenn ich merke, dass es nicht geht, einfach etwas anderes machen. Habe ich meine Abitur, dann bin ich allerdings "schon" 25. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt die richtige Entscheidung treffen muss. Dass mir keine Zeit mehr bleibt, um mich wirklich auszuprobieren. Deswegen bin ich auch so verkopft und möchte meine Optionen erst richtig ausloten, bevor ich mich in den "falschen" Beruf stürze. 😓

  • Hast du denn schon einmal ein Praktikum in einer Grundschule gemacht?

    Vielleicht wäre das eine Möglichkeit um herauszufinden ob die Realität zu deiner Vorstellung passt.

  • Belastung im Job, die man von außen vielleicht nicht so sieht:

    - man ist der einzige Erwachsene /Verantwortliche in der Klasse und muss durchgehend präsent sein und ständig viele kleine Entscheidungen treffen, oftmals ohne dass man die Möglichkeit hat, sich kurz mit einem anderen Erwachsenen darüber auszutauschen.

    - ist man kurzzeitig unwirsch oder ungerecht, leiden kleine Kinder darunter und das kann einen im Nachhinein auch nachmittags noch belasten

    - man sieht Kinder, denen man gerne mehr helfen würde als möglich und muss damit klarkommen

    - man ist teilweise sehr fremdbestimmt: durch den Lehrplan, den Stundenplan, die festen Ferienzeiten, die Unmöglichkeit, außerhalb der Ferienzeiten frei zu nehmen etc pp

    - mal einen Tag langsamer machen geht quasi nicht

    - man wird ggf. regelmäßig beurteilt: von der Schulleitung jährlich (in Bayern)

    - man liest in den Medien nicht unbedingt Nettes über seinen eigenen Berufsstand

    Wenn du meinst, damit umgehen zu können, dann trau dich! Ich finde es einen sehr schönen Beruf und ich denke, jeder andere Beruf bringt auch so seine Belastungen mit sich. Und noch eins: 25 ist nicht alt. Davon würde ich nichts abhängig machen. 25 ist auch kaum älter als 19, das magst du jetzt noch nicht so empfinden, aber glaub mir ruhig. :)

  • Ich bin 24 Jahre alt und hole aktuell mein Abitur nach.

    Das heißt, du bist in diesem Sommer fertig und könntest zum Wintersemester mit einem Studium anfangen?

    Und noch eins: 25 ist nicht alt. Davon würde ich nichts abhängig machen. 25 ist auch kaum älter als 19, das magst du jetzt noch nicht so empfinden, aber glaub mir ruhig.

    Glaub Kathie ruhig. :) Du wirst dann während des Studiums "schlauer", ob das Grundschullehramt etwas für dich ist. Eventuell aber auch Sozialpädagogik? In NRW plant man "ABC-Klassen", kleine Gruppen für spezielle Sprachförderung. Bald werden da einige Fachkräfte gesucht, munkelt man. In welchem Bundesland wirst du denn voraussichtlich arbeiten wollen?

  • Wobei ein Praktikum natürlich wenig mit der Belastung im Job zu tun hat.

    Das stimmt aber die TE schrieb nur etwas von Praktika in Kindergärten und nichts von Schulen. Da fände ich jetzt ein Praktikum in einer Grundschule mit persönlichen Gesprächen mit den Lehrkräften vor Ort, die sie persönlich im Umgang mit Kindern sehen schon hilfreich.

  • Hast du denn schon einmal ein Praktikum in einer Grundschule gemacht?

    Nein, leider nicht. Und ist momentan auch nicht möglich, da ich ja selbst zur Schule gehe. Die Zeiten am Kolleg sind eben leider die normalen Schulzeiten. Ich werde aber bald zumindest ehrenamtlich bei der Hausaufgabenbetreuung helfen und Mal mit den Lehrern reden. Vielleicht merke ich dabei ja schon Gründe für uns gegen meinen Wunsch.

    Wenn du meinst, damit umgehen zu können, dann trau dich! Ich finde es einen sehr schönen Beruf und ich denke, jeder andere Beruf bringt auch so seine Belastungen mit sich. Und noch eins: 25 ist nicht alt. Davon würde ich nichts abhängig machen. 25 ist auch kaum älter als 19, das magst du jetzt noch nicht so empfinden, aber glaub mir ruhig.

    Ich kann eben schlecht einschätzen, wie sehr mich alles wirklich belastet und dass kann ich wahrscheinlich nur im Beruf selbst herausfinden. Und ich weiß, dass 25 nicht alt sein mag, aber meine biologische Uhr tickt und wenn ich Kinder bekomme, wäre ich beruflich gerne schon etwas gefestigt. 😓

    Das heißt, du bist in diesem Sommer fertig und könntest zum Wintersemester mit einem Studium anfangen?

    Nein, erst nächstes Jahr leider.


    In NRW plant man "ABC-Klassen", kleine Gruppen für spezielle Sprachförderung. Bald werden da einige Fachkräfte gesucht, munkelt man. In welchem Bundesland wirst du denn voraussichtlich arbeiten wollen?

    NRW kommt leider nicht in Frage. Ich wohne in Hessen und werde hier auch vorraussichtlich arbeiten (müssen). Selbst an die Grenze ziehen ist schwierig, da mein Freund aufgrund seines Berufs den Standort nur schwer wechseln kann.

  • Meine Tochter war zuerst Grundschullehrerin und hat dann noch ein Aufbaustudium zur Sonderpädagogin gemacht (Sprechen und Hören). Sie liebt die Arbeit am SBBZ Sprache sehr. Die Klassen sind viel kleiner und oft gibt es Doppelbesetzung. Natürlich sind die Belastungen andere, man muss auch Einzeltests durchführen und viele Berichte usw. schreiben. Plattenspieler weiß sicher mehr.

    Ansonsten fände ich die Vorschläge von Quittengelee (Logopädie, Ergotherapie) auch super.


    P.S. Die "Kinder von heute" gab es auch schon gestern.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

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