Hallo zusammen,
vorab das TL;DR: Ehemaliger Gymnasial-Referendar (Deutsch/Geschichte), seit 10 Jahren in der Industrie (in den letzten 3 Jahren als Projektleiter), sucht den Weg zurück ins Lehramt. Diesmal jedoch mit Fokus auf die beruflichen Schulen in BW. Trotz Freude am aktuellen Job fehlt die Sinnstiftung. Wie stehen die Chancen für einen Wiedereinstieg nach einer Dekade Abstinenz?
Im Folgenden nun die ausführliche Fassung:
Ich habe im Dezember 2014 mein Referendariat an einem Gymnasium in Baden-Württemberg in den Fächern Deutsch und Geschichte nach einer Verlängerung erfolgreich abgeschlossen. Gefühlt war ich zu dem Zeitpunkt mit dem Lehrerberuf nicht sehr zufrieden. Das Unterrichten sowie die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts haben mir zwar immer sehr viel Spaß gemacht, aber das Ref hat mir teilweise den Glauben an die Menschlichkeit geraubt. Hinzu kamen irre Vorstellungen von Eltern und willkürliche Vorgaben aus verschiedensten Ecken. Dennoch war ich aufgrund meiner Fächerkombination an den Lehrerberuf gebunden - dachte ich zumindest ![]()
Nach erfolglosen Einstiegsversuchen zum Halbjahr 2015 bekam ich nach unzähligen Bewerbungen für alle möglichen Tätigkeiten aufgrund von Geldmangel eine Stelle als Krankheitsvertretung in einem Industrie-Unternehmen. Diese war befristet bis Ende August, also perfekt für den Einstieg zum neuen Schuljahr. Jedoch habe ich mich sehr schnell im Unternehmen wohlgefühlt. Ich mochte sofort das regelmäßige Arbeiten und die freien Wochenenden. Zudem machte mir die Arbeit Spaß, da sie meine eigenen Interessen (IT) forderte. Aus dieser befristeten Anstellung wurde ein festes Arbeitsverhältnis, das bis heute besteht. Mittlerweile bin ich Projektleiter für verschiedene Projekte im Bereich IT/Vertrieb. Die Arbeit macht mir nach wie vor Spaß, aber ich muss gestehen, dass mir etwas fehlt, nämlich das sinnstiftende Arbeiten.
Obwohl ich mir eigentlich immer sicher war, nicht mehr in den Lehrerberuf zurückzukehren, denke ich seit einiger Zeit immer öfter daran. Allerdings möchte ich nicht mehr zurück ans Gymnasium, sondern eher an eine Berufsschule. Ich hatte während des Studiums mein Praxissemester bewusst an einer Berufsschule absolviert, um auch in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln. Dass das Fach Geschichte dort immer mehr verschwindet bzw. mit dem Politikunterricht verschmilzt, ist mir bekannt.
Ich frage mich nun, wie allgemein meine Chancen stehen, wieder als Lehrer Fuß zu fassen. Was käme auf mich zu? Gelte ich als Quereinsteiger nach all dieser Zeit? Gibt es hier eventuell jemand, der einen ähnlichen Sinneswandel hatte?