Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Die Diskussion scheint am Ende zu sein. Was ist mein Fazit? Das Fallbeispiel und der mir mögliche Vergleich mit anderen Jobs in öffentlichen Dienst führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Wem bei der Jobauswahl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Wert ist, dem sei geraten von unserem Job nach Möglichkeit die Finger zu lassen.

    War mir eigentlich auch vorher schon klar, aber die Diskussion hat es mir nochmal verdeutlicht.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Wem bei der Jobauswahl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Wert ist, dem sei geraten von unserem Job nach Möglichkeit die Finger zu lassen.

    Ich habe das immer anders gesehen. Man kann sehr viel Zeit mit den Kindern verbringen, da man einen Teil seiner Arbeitszeit so legen kann, wie es passt, man hat die gleichen Ferienzeiten wie die Kinder. Wer hat das schon?

    Nur in der anstrengendsten Ausbildungsphase ist es mit Kind natürlich sehr schwer. Da müsste man sich vorher drum kümmern, dass man mehrere Optionen der Unterstützung hat, wenigstens für das eine absehbare Jahr. Das wäre aber in jedem anderen Beruf vermutlich genauso.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Wem bei der Jobauswahl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Wert ist, dem sei geraten von unserem Job nach Möglichkeit die Finger zu lassen.

    Das erlebe ich bei allen Lehrkräften mit einem oder mehreren Kindern in meinem Bekanntenkreis anders. Auch bei den alleinerziehenden. Die finden allesamt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in unserem Beruf sehr gut.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Die Diskussion scheint am Ende zu sein. Was ist mein Fazit? Das Fallbeispiel und der mir mögliche Vergleich mit anderen Jobs in öffentlichen Dienst führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Wem bei der Jobauswahl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Wert ist, dem sei geraten von unserem Job nach Möglichkeit die Finger zu lassen.

    War mir eigentlich auch vorher schon klar, aber die Diskussion hat es mir nochmal verdeutlicht.

    Es gibt wohl kaum einen Job, der besser mit Kindern vereinbar ist als der der Lehrkraft.

    Als Alleinerziehende ist man halt gearscht, insbesondere in einer Ausbildungssituation. Und alleinerziehend sind meistens Frauen, weshalb sie auch in diesem Jahrtausend auch in Mitteleuropa noch benachteiligt sind, aber das ist bekannt.

  • Die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf ist wahrscheinlich im Schulbereich am größten. Alleine die Ferien sicher frei zu haben, ist für viele Eltern Gold wert. Dazu kann Schule oft noch recht flexibel auf Betreuungsbedarf reagieren. Ich habe die Nachmittage oft frei und kann meine Arbeit flexibel einteilen. Da gibt es nicht viele Berufe, die solchen Vorteile und ähnlichen Verdienst bieten.

    Allerdings zeigt die Diskussion im anderen Thread auch mal wieder deutlich, dass es auch Grenzen gibt. Der Dienstherr zieht sie auch mit der Grenze der Kinderkrank-Tagen. Ich denke bei üblichen Familienverhältnissen lässt sich Schule und eigene Kinder gut unter einem Hut bringen. Zu mindestens deutlich einfacher als in vergleichbaren Berufen.

  • Ich stimme Tom123 zu. Einer der Hauptgründe, warum ich diesen Job gewählt habe, ist, weil die Vereinbarkeit Job und Familie so groß ist! Bei meinem Job davor hatte ich häufige Dienstreisen, unregelmäßige Arbeitszeiten, viel weniger Ferien, mehr Arbeit bei weniger Gehalt (keine Familienzuschläge!), Befristungen und Zukunftssorgen, und und und ...

    Vielleicht ist das Lehrerdasein nicht das Nonplusultra. Aber es ist ziemlich nahe dran.

  • Ich möchte mich hier noch einmal abschließend äußern, da man das Thema differenziert betrachten muss.

    Wenn man eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind hat und ein großes soziales Netzwerk ist der Job sicher sehr angenehm. Vorausgesetzt, man ist nicht im Referendariat und bereits fertig und vorausgesetzt man arbeitet in der Grundschule und nicht in der gymnasialen Oberstufe, wo man stundenlang 5 seitige Aufsätze, Klausuren und Abiturprüfungen korrigiert. Das ist ein Unterschied. Es sei denn, man hat Projekte oder außerordentliche Aktivitäten.

    Alleinerziehend in der Ausbildung ist es (zumindest bei krankheitsanfälligem Kind) und ohne familiärem Backround ein Höllenritt.

    Ja, Kinder werden älter und das mag eine Momentaufnahme sein. In diesem sehr belastenden Abschnitt kriecht man als alleinerziehendes Elternteil aber auf dem Zahnfleisch. Und ich halte das nicht mit Jobs in der freien Wirtschaft vergleichbar, denn da muss man sich nach Feierabend nicht noch über Stunden vorbereiten. Wobei das im Vorbereitungsdioenst eh intensiver ist.

    In meinem Seminar bin ich die einzige Alleinerziehende. Alle anderen haben ein großes familiäres Netzwerk und teilen die Kinder an den Wochenenden auf. Die Männer übernehmen regelmäßig Haushaltspflichten und bringen die Kinder ins Bett, die die Frauen an Seminartagen kaum sehen. Das ist ein ganz anderes Thema, als wenn man alles alleine rockt und das maximale rausholen möchte.

    Und damit verabschiede ich mich und wünsche euch noch eine anregende Unterhaltung.

  • es hängt sicher von der Schulform und Ganztag/Nicht-Ganztag ab, sowie vom Verständnis "Familienfreundlichkeit". Klar, die Ferien sind sicher unbezahlbar. Aber im Alltag habe ich echt nicht das Gefühl, dass es sehr familienfreundlich ist. Ständig wechselnde Stundenpläne, Kitabedarf von 40 Stunden für eine halbe Stelle, regelmäßig Konferenzen, die die Kita-Öffnungszeiten sprengen, ...
    Klar, einen Teil der Arbeit kann ich flexibel verlegen. Aber wenn ich erst um 16uhr zuhause bin, ist es zwar womöglich früher als bei anderen Menschen aber diese anderen Menschen haben vielleicht die Möglichkeit vom Home Office, bei Kindkrank die Stunden zu verlegen, usw..
    (und ja, es gibt auch die Bandarbeiter und die Busfahrerinnen, aber die Wahrheit ist, dass der nette, familienfreundliche Lehrerjob mit Halbtagsbindung und restlicher freier Zeiteinteilung ist schon lange vorbei.)

  • Die Diskussion scheint am Ende zu sein. Was ist mein Fazit? Das Fallbeispiel und der mir mögliche Vergleich mit anderen Jobs in öffentlichen Dienst führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Wem bei der Jobauswahl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Wert ist, dem sei geraten von unserem Job nach Möglichkeit die Finger zu lassen.

    War mir eigentlich auch vorher schon klar, aber die Diskussion hat es mir nochmal verdeutlicht.

    Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen.

  • Wenn man eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Kind hat und ein großes soziales Netzwerk ist der Job sicher sehr angenehm. Vorausgesetzt, man ist nicht im Referendariat und bereits fertig und vorausgesetzt man arbeitet in der Grundschule und nicht in der gymnasialen Oberstufe, wo man stundenlang 5 seitige Aufsätze, Klausuren und Abiturprüfungen korrigiert. Das ist ein Unterschied. Es sei denn, man hat Projekte oder außerordentliche Aktivitäten

    Auf gar keinen Fall Grundschule (für mich). Da hätte ich keine Kraft mehr für meine Kinder. Das bisschen Korrektur kann ich mir wenigstens einteilen.

    Aber im Alltag habe ich echt nicht das Gefühl, dass es sehr familienfreundlich ist. Ständig wechselnde Stundenpläne, Kitabedarf von 40 Stunden für eine halbe Stelle, regelmäßig Konferenzen, die die Kita-Öffnungszeiten sprengen,

    40 Stunden für eine halbe Stelle, da stimmt ja schon was nicht. Ich muss sagen, dass ich sehr häufig mittags zu Hause bin, wenn die Kinder von der Schule kommen. Das hat man nur in wenigen Jobs.

  • Im Vergleich zu 90% der anderen Berufe, die es in Deutschland so gibt, gehört der Lehrerberuf sicherlich zu den familienfreundlichsten. :)

    Ja, wenn man eine Familie bestehend aus Vater-Mutter Kind und Großeltern hat.

    Ansonsten möge man mir erklären, wie man mit einem Kind nebenbei Arbeiten korrigiert und sich vorbereitet, wenn man alleinerziehend ist. Ich habe einen Kollegen, der regelmäßig am Wochenende in die Schule fährt, weil seine Kinder ihn nicht in Ruhe lassen wenn er zu Hause ist und er sich da nicht konzentrieren kann.

    Familienfreundlich ist übrigens dehnbar. Familienfreundlich ist vielleicht die Arbeit als Erzieher, aber als Lehrerin wo ich auf Klassenfahrten fahre, bis nachts korrigiere und mich vorbereite, während der Haushalt und das Kind bespaßt werden ist familienfreundlich für mich anders.

  • Familienfreundlich ist übrigens dehnbar. Familienfreundlich ist vielleicht die Arbeit als Erzieher, aber als Lehrerin wo ich auf Klassenfahrten fahre, bis nachts korrigiere und mich vorbereite, während der Haushalt und das Kind bespaßt werden ist familienfreundlich für mich anders

    Hast du schonmal was anderes gearbeitet?

  • Auf gar keinen Fall Grundschule (für mich). Da hätte ich keine Kraft mehr für meine Kinder. Das bisschen Korrektur kann ich mir wenigstens einteilen.

    Ich habe zeitweise und vor meiner Stelle als Vertretungslehrkraft für wenige Wochen an einer Grundschule Deutsch gegeben, bevor ich an einer anderen Einrichtung gebraucht wurde. Ich fand es herrlich. Ich war mittags zu Hause, die Korrekturen hielten sich in Grenzen und ich hatte viel mehr Zeit für meinen damals 3 Jährigen. Nach spätestens anderthalb Stunden war ich mit den Korrekturen und den Vorbereitungen durch, konnte den Haushalt machen und abends in Ruhe mein Kind ins Bett bringen. Vielleicht bin ich auch einfach an der falschen Schulart. Jetzt sitze ich rund 6 Stunden an Korrekturen und Vorbereitungen. Der Haushalt läuft nebenbei und sobald ich abends liege, schlafe ich ebenfalls im Kinderbett ein.

  • Stell dir vor, du wärst Dachdeckerin oder im Vertrieb und wärst europaweit unterwegs.
    LKW-Fahrer.
    Schichtdienst: Polizei, Krankenhaus, ...
    alle Berufe, bei denen man schon um 06.30 Uhr auf der Matte stehen muss.

    Zu einer Klassenfahrt wird niemand gezwungen. Hierfür wird man angefragt und kann ablehnen.

    Korrigieren und vorbereiten kann man in der Schule (wenn man das möchte). Dann ist man Mo-Fr von 07.30 - 16.00 Uhr in der Schule, hat kein kinderstress und keinen Stress am Wochenende.

  • Hast du schonmal was anderes gearbeitet?

    Ja, ganz früher im Hort, später in einer Grundschule und von 2024 bis 2025 als Vertretungslehrkraft an einer Oberschule. An der Grundschule hatte ich für meinen Sohn die meiste Zeit. Ich habe ihn oft als Mittagskind abholen können und konnte sogar in Ruhe kochen. Wenn er geschlafen hat, habe ich korrigiert und vorbereitet und bin danach oft mit ihm nach draußen gegangen. Abends bin ich nicht um 19 Uhr neben ihm eingeschlafen, sondern konnte ihm sogar vorlesen und mal einen Film schauen. Kein Vergleich zu jetzt. Vielleicht bin ich in der Zeit auch älter geworden, aber das war deutlich entspannter.

  • Aber du sitzt doch nicht jeden Tag 6 Stunden an den Korrekturen. Und es gibt ja auch Wochen, wo gar keine Klausuren anstehen.

    Hast du mal wirklich deine Arbeitszeit getrackt? Arbeitest du wirklich täglich mehr als 8 / 9 Stunden? Durchgehend?

    Bei einem klassischen 40 Wochenstunden Bürojob hast du ja auch frühestens um 16.30 Uhr Schluss und bist dann vielleicht um 17 Uhr zu Hause.

    Für Vollzeit mag die Familienfreundlichkeit gegeben sein. Bei Teilzeit sehe ich das anders. Ich kenne niemanden außerhalb des Lehrerberufs, der 50 % Teilzeit arbeitet und vormittags UND nachmittags arbeiten muss, sprich der mit einem 35 Stunden Kitavertrag nicht auskommt und der regelmäßig nachmittags eine extra Kinderbetreuung suchen muss.

    Alle anderen Teilzeiteltern können rechtzeitig vor Kitaschließung Schluss machen.

    Hat vielleicht tatsächlich was mit Schulform zu tun und ob Ganztagsschule oder nicht.

  • Beitrag von Gartenfreundin-H20 (12. März 2026 20:55)

    Dieser Beitrag wurde von kleiner gruener frosch aus folgendem Grund gelöscht: Rückfragen zum Löschen gerne per PN. Nicht hier. (12. März 2026 20:57).
  • Ansonsten möge man mir erklären, wie man mit einem Kind nebenbei Arbeiten korrigiert und sich vorbereitet, wenn man alleinerziehend ist.

    Ich habe in meiner Abteilung zwei alleinerziehende Kolleginnen (eine mit dreijährigem, eine mit fünfjährigem Kind), die beide eine Vollzeitstelle haben (23,5 Stunden). Die schaffen das auch. Ich kann sie gerne mal fragen, wie sie das wuppen. Und nein: Beide haben keine Großeltern im "Background", die sich um die Kinder kümmern könnten, denn die der einen Kollegin sind schon älter und gesundheitlich stark angeschlagen, die der anderen noch so jung, dass sie beide selbst noch arbeiten.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

Werbung