Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Es gibt "alleine leben" und "alleine leben".
    Ich kenne beide Sorten von Männern (von Menschen). Ich hatte einen Mitbewohner, der alleine lebte, am Wochenende aber die Wäsche nach Hause brachte und mit Care-Tupperware für die Woche zurückkam. Er war kein Student mehr sondern in Lohn und Brot.

    und ich bin ehrlich: Ich habe 15 Jahre alleine gelebt und ich KANN das meiste, aber ich mache es nicht. Aber die Sachen, die ich JETZT nicht mache, habe ich auch nicht gemacht, als ich alleine lebte. Es ist wirklich sehr toll, dass mein Mann mehr Spass am Kochen hat als ich (aber auch nicht jeden Tag), aber ich lebe sehr gut (quasi) ohne Kochen :)

    Mein Mann hat ca. 15 Jahre allein gelebt und ist auch ohne Kochen zu können gut über die Runden gekommen ;) . "Unter der Woche" ist er in der Betriebskantine essen gegangen, am Wochenende oder im Urlaub gab's Nudeln mit Fertigsauce, Salat mit gekauftem Dressing, ab und zu Fertiggerichte, etwas vom Imbiss oder er ist mit Kumpels essen gegangen. Manchmal war er auch bei seinen Eltern oder seinen Geschwistern zum Essen eingeladen. Er hat halt einfach keinen Spaß am Kochen, genauso wenig wie ich an Reparaturarbeiten. Also erledigt er jetzt letztere, während ich das Kochen übernehme (wobei er mir oft als "Schnippel- und Abwaschhilfe" zur Seite steht).

    Ich kenne sowohl Männer als auch Frauen, die so gut wie gar nicht kochen können oder mögen und trotzdem allein "überleben" können/konnten :) . Das klappt schon irgendwie! Wobei die einen gewissen "Grundstock" an Haushaltstätigkeiten - wie Putzen oder Wäschewaschen - dann doch schon immer selbst erledigt haben.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Verstehe ich aus organisatorischen Gründen, aber grundsätzlich bin ich voll dagegen. Normalerweise bedeutet gesenkter Arbeitsanteil auch entsprechend weniger Zeit auf der Arbeit. Also wenn ich nur 80 % arbeite, dann sind das 4 Vollzeittage, 60 % sind 3 Vollzeittage usw etc.

    Wir reden hier aber nicht von Arbeitszeit sondern von Präsenszeiten. I.R. arbeitet man 1/3 der Arbeitszeit zuhause. Dazu haben wir natürlich einen Beruf, wo die Präsenzzeiten durch alle Mitarbeiter abgedeckt werden müssen. Dann sind wir wieder bei dem Problem mit den Fächern etc. ...

  • Von daher ist mir ein "es geht schon, wenn man will", viel zu lapidar - ich beziehe das nicht auf Dich persönlich, aber in anderen Fällen ignoriert eine solche Aussage das komplexe Bedingungsgefüge der Stundenplanerstellung.

    Auch wenn ich die Komplexität des Stundenplans überhaupt nicht anzweifeln möchte und wenn es gerade auch unser ständiges Thema als Personalrat ist, dafür zu sorgen, dass TZ Kräfte die Reduktion auch wirklic bekommen, die sie mit Gehaltseinbußen und geringerer Pension teuer erkaufen, möchte ich darauf hinweisen, dass die "lapidare" Formulierung, wie du sie nennst, es würde schon gehen, wenn man nur wollte, nichts anderes ist als die Umkehrung der ebenfalls sehr lapidaren Formulierung "Ging nicht anders!", die man oft von Stundenplanmachern hingeknallt bekommt, wenn man einen ungünstigen Stundenplan moniert.

    Kommunikation ist keine Einbahnstraße.

  • Auch wenn ich die Komplexität des Stundenplans überhaupt nicht anzweifeln möchte und wenn es gerade auch unser ständiges Thema als Personalrat ist, dafür zu sorgen, dass TZ Kräfte die Reduktion auch wirklic bekommen, die sie mit Gehaltseinbußen und geringerer Pension teuer erkaufen, ...

    Da drehen wir uns im Kreis. Sie unterrichten weniger Stunden und haben dadurch auf dem Papier auch weniger Arbeitszeit. Es ist ja nicht so, dass eine Stundenreduktion gleichzeitig einen freien Tag etc. bedeutet. Unsere Reinigungskräfte kommen auch jeden Tag für 2h. D.h. sie haben einen 10 h Vertrag und arbeiten an 5 Tagen.

    Das Problem sind aus meiner Sicht die unteilbaren Aufgaben und die zusätzliche Arbeitsbelastung. Einen Anspruch auf einen freien Tag finde ich auch in Ordnung. Aber mehr ist aus meiner Sicht nicht Teil des Deals.

  • Vielleicht schulformabhängig, keine Ahnung. Aber viel Leerlauf zu haben, und damit viel Präsenzzeit an der Schule, die mangels Arbeitsplatz nur bedingt zum Arbeiten genutzt werden kann, geht aus meiner Sicht schon gegen den "Deal". Und wenn es dann auch noch familienbedingte Teilzeit ist, greift natürlich das Primat der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

    Und das sage ich als Kinderloser, der dadurch immer wieder schlechtere Stundenpläne hat. Wir haben aber auch eine Schulleitung, die mit Augenmaß Einzelfallentscheidungen trifft und kreative Lösungen findet, wenn man als kinderloser Lehrer jedes Jahr freitags lange Unterricht hat, aber dann doch mal aufgrund eines privaten Termins schon um 13 Uhr ins Wochenende will.

  • Mittlerweile ist es doch eher die Norm, dass man erstmal alleine lebt und entsprechend auch den Haushalt selbst machen muss. Bis man dies dann mit einem Partner teilen kann.

    Und wieder spreche ich mit der Dorf-Brille: da kenne ich so manche Mama, die bis zur Ablösung durch die Schwiegertochter einspringt.

  • Und wieder spreche ich mit der Dorf-Brille: da kenne ich so manche Mama, die bis zur Ablösung durch die Schwiegertochter einspringt.

    Dörfer in NRW sind scheinbar nochmal eine andere Hausnummer...

  • Ohne jetzt respektlos euch gegenüber zu sein (ich weiß, wenn man sowas sagt ist man es meistens), aber das sind alte Denkmuster. Sowas erleben wir heut sicherlich auch noch. Es ist aber nicht mehr so viel wie in "euerer Generation". Von der Parität sind wir sicher noch ein gutes Stück entfernt, die Richtung in die wir uns entwickeln sehe ich aber als ganz gut an.

    Wen meinst du jetzt genau mit "euch" und "eurer Generation"?

  • Von daher ist mir ein "es geht schon, wenn man will", viel zu lapidar - ich beziehe das nicht auf Dich persönlich, aber in anderen Fällen ignoriert eine solche Aussage das komplexe Bedingungsgefüge der Stundenplanerstellung.

    Ja, verstehe ich. Ich bezog mich in meinem Post auch auf meine Schule, wo das früher so war (und definitiv auch, weil man einfach nicht wollte!) und heute deutlich besser.
    Bzgl. der Kita-Buchungszeiten wollte ich nochmal klarstellen, dass es verboten war, "Luftbuchungen" zu machen (man hätte dann den Platz verlieren können), aber die Schule das verlangt hat. Das hat für mich dann nichts mehr mit "Familienfreundlichkeit" zu tun...!

  • geht aus meiner Sicht schon gegen den "Deal". Und wenn es dann auch noch familienbedingte Teilzeit ist, greift natürlich das Primat der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

    Der Deal ist relativ klar. Er wird durch die Erlasse und Vorgaben genau beschrieben. Das eine ist, dass der Deal nicht fair ist. Das andere ist, dass viele Regelungen schwammig sind. Nach dem Motto: Was möglich ist, machen wir. Und das hängt dann wieder von den Fächern etc. ab ...

  • Der Deal ist relativ klar. Er wird durch die Erlasse und Vorgaben [und das dritte Sozialgesetzbuch und das Grundgesetz] genau beschrieben.

    Ich hab das Zitat mal für dich repariert. Wenn du pauschal nur "Erlasse und Vorgaben" benennst, ignorierst du, dass sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Artikel 6 des Grundgesetzes ergibt und u.a. auch in §8 des SGB III festgeschrieben ist. Daraus ergibt sich eben genau, dass es nicht nur eine "Reduzierung der Arbeitszeit irgendwie um ein paar Prozent" geht, sondern dass die verbleibende Arbeitszeit eben so gestaltet sein muss, dass sie sich mit der Familienplanung verträgt. Dass "Erlasse und Vorgaben" irgendwelcher Dienstherrn geltendes Bundesrecht und europäisches Recht gerne mal "vergessen", tut hier der Sache keinen Abbruch.

  • Dass "Erlasse und Vorgaben" irgendwelcher Dienstherrn geltendes Bundesrecht und europäisches Recht gerne mal "vergessen", tut hier der Sache keinen Abbruch.

    Erlasse erschweren die Einhaltung vielleicht, am Ende kommt es aber auf die Umsetzung am Dienstort an. Ein Erlass kann aber bei Bedarf auch sehr einfach geändert oder zurückgezogen werden, da Bedarf es nicht mal einer Beteiligung.

  • Auch wenn ich die Komplexität des Stundenplans überhaupt nicht anzweifeln möchte und wenn es gerade auch unser ständiges Thema als Personalrat ist, dafür zu sorgen, dass TZ Kräfte die Reduktion auch wirklic bekommen, die sie mit Gehaltseinbußen und geringerer Pension teuer erkaufen, möchte ich darauf hinweisen, dass die "lapidare" Formulierung, wie du sie nennst, es würde schon gehen, wenn man nur wollte, nichts anderes ist als die Umkehrung der ebenfalls sehr lapidaren Formulierung "Ging nicht anders!", die man oft von Stundenplanmachern hingeknallt bekommt, wenn man einen ungünstigen Stundenplan moniert.

    Kommunikation ist keine Einbahnstraße.

    "Ging nicht anders" ist tatsächlich eigentlich fast immer die Begründung für schlechte bzw. nicht wunschgemäße Pläne, auch wenn es sich meiner Ansicht nach gehört, das entsprechend zu erläutern und den betroffenen KollegInnen dies nicht erst bei Nachfrage sondern vor bzw. unmittelbar nach Austeilen oder Versand des Plans mitzuteilen. Alles andere habe ich auch schon am Rande bzw. hier im Forum gehört, aber das ist für mich eine völlig unvorstellbare Kommunikationsweise.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Ohne jetzt respektlos euch gegenüber zu sein (ich weiß, wenn man sowas sagt ist man es meistens), aber das sind alte Denkmuster. Sowas erleben wir heut sicherlich auch noch. Es ist aber nicht mehr so viel wie in "euerer Generation". Von der Parität sind wir sicher noch ein gutes Stück entfernt, die Richtung in die wir uns entwickeln sehe ich aber als ganz gut an.

    Es liegt nicht an den Denkmustern. Vermutlich bin ich eine der älteren hier, und mein Mann war immer abkömmlicher als ich. Er war derjenige, der Kinderkranktage nahm, als es die dann mal bei uns gab, die Kinder morgens zum Bus fahren konnte, wenn es ins Schullandheim ging, usw. Das lag aber nicht an Denkmustern, sondern, dass er schon vor 25 Jahren sehr viel im Homeoffice gearbeitet hat. Heute sind viele Menschen auch flexibler, weil sie an mehreren Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten und sich die Zeiten anders einteilen können - sehe ich an meinen Kindern. Viele Arbeitgeber sind auch kulanter geworden. Mein Mann musste früher immer mit Anzug und Krawatte ins Büro, das ist heute die Ausnahme.

    Gut, vielleicht sind es auch andere Denkmuster, aber die haben wir "Alten" genauso. Die Zeiten sind anders und wir gehen alle mit. Das ist gut so.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

Werbung