Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Das finde ich ja schwierig. Wenn ich das Kind in Mathematik habe, wie machen die das ohne mich?

    Dann fragen sie mich z.B. vorher, aber ich muss deshalb nicht in einer Konferenz sitzen, dazu gibt es einfach keine Konferenz.

    Wir haben Klassenkonferenzen und da kommen auch nur die, die in der Klasse unterrichten.

    Bei uns gibt es nur bei Ordnungsverstößen usw. Klassenkonferenzen, die finden also nur selten statt und auch nicht immer mit allen Lehrkräften. Ist übrigens in Brandenburg auch so, dass es die für so etwas gibt oder zum Beginn des Halbjahres um übers Stufenprogramm z.B. zu entscheiden oder bei den Gutachten. Aber für mehr gibt es keine Klassenkonferenz. Wann oder wo finden Absprachen eines Jahrgangs statt? Sowas ist eben bei uns die Stufenkonferenz.

  • Du hast aber Recht, dass der Schritt zur Überlastungsanzeige nicht ausreichend gegangen wird und dass der Anteil derer, die aus karrieretaktischen Gründen (junges Kollegium) die Füße still halten, zu hoch ist.

    Und das Problem ist leider an den meisten Schulen. Dazu kommen noch meine Lieblingskollegen: Uns Lehrkräften geht es doch so gut. Gucke mal in die freie Wirtschaft. Die machen viel mehr an unbezahlten Überstunden ...

    Dann hat man auch keine Chance was zu ändern.

  • Ja, aber das sind keine Termine von außen. Wenn ich in der Abivorbereitung bin, muss ich nicht parallel noch ein Schulfest machen. Und wenn ich trotzdem mache, muss ich nicht noch parallel eine Projektwoche machen. Und dann noch einen Elterninformationsabend und dann noch über die WP-Wahl, die jedes Jahr ist, beraten usw...

    Und nein mir fehlt tatsächlich die Phantasie, was sonst noch in den anderen Monaten sein soll. Ich meine wir reden hier von 8-10 Monaten und wenn ich ständig so ein Programm fahre, was machen ich dann? Noch ein 2. und 3. Schulfest?

    Vor allem auch, warum sind die Sachen für alle Pflicht. Den Elterninformationsabend können 2-3 Lehrkräfte machen, 2-3 andere kümmern sich um die WP-Wahl und 20 andere machen die Abivorbereitung. Dann hat jeder ein Termin und nicht 3.

    Und wie hilft mir das jetzt weiter???

  • Wann oder wo finden Absprachen eines Jahrgangs statt? Sowas ist eben bei uns die Stufenkonferenz.

    Stoffverteilungspläne machen die Fachkonferenzen. Ansonsten quatscht man mal auf dem Flur. Es gibt da auch keine zwingende Zusammenarbeit. Wir haben Jahrgänge, da arbeitet jeder für sich. Andere treffen sich regelmäßig zum Kaffee. Das ist sehr individuell. In Niedersachsen sind die meisten Grundschulen aber auch nur zweizügig. Teilweise auch nur einzügig, ein paar weniger dreizügig. Mehr als drei Klassen pro Jahrgang haben nur extrem wenige. Da machen solche Konferenzen auch keinen Sinn.
    Das meiste betrifft sowieso alle Klassen und das besprechen wir dann auf der DV.

  • Und wie hilft mir das jetzt weiter???

    Es geht doch nicht um dich konkret. Es geht darum, dass das Problem eher deine Schule oder deine Schulleitung ist.

    Was dir helfen würde ist, wenn ich ihr euch zusammentut und gemeinsam mit der Schulleitung daran arbeitet eure Arbeitszeit zu reduzieren. Aber wenn es im Jahr in der Summe passt, ist das natürlich schwierig.

  • Anna Lisa : Ich lese heraus, dass bei euch Konferenzen der springende Punkt sind, der Zeit bindet. Hier müssen die Konferenzverantwortlichen eine andere Strategie als bisher anwenden. Nicht alles muss intensiv besprochen werden, in vielen Fällen genügt es, die Betroffenen zu informieren. Pädagogische Freiheit könnte auch zu Zeitersparnis führen, weil, da wo es sich anbietet, Lehrkräfte eigenständig entscheiden können, statt dass in einer Konferenz erst ein gemeinsames Vorgehen definiert werden muss.

  • Anna Lisa : Ich lese heraus, dass bei euch Konferenzen der springende Punkt sind, der Zeit bindet. Hier müssen die Konferenzverantwortlichen eine andere Strategie als bisher anwenden. Nicht alles muss intensiv besprochen werden, in vielen Fällen genügt es, die Betroffenen zu informieren. Pädagogische Freiheit könnte auch zu Zeitersparnis führen, weil, da wo es sich anbietet, Lehrkräfte eigenständig entscheiden können, statt dass in einer Konferenz erst ein gemeinsames Vorgehen definiert werden muss.

    Wir hatten in diesem Monat tatsächlich 3 Konferenzen. Aber alle sind verpflichtend und wir machen wirklich nur die Minimalzahl. Die ZAA Konferenz ist ja zeitlich gebunden / festgelegt. Die LK und FK werden gleichmäßig über das Schuljahr verteilt. Sie dauern nicht übermäßig lang. Es wird nicht geschwafelt oder so.

    Welche Strategie schlägst du also vor?

  • Es geht doch nicht um dich konkret. Es geht darum, dass das Problem eher deine Schule oder deine Schulleitung ist.

    Was dir helfen würde ist, wenn ich ihr euch zusammentut und gemeinsam mit der Schulleitung daran arbeitet eure Arbeitszeit zu reduzieren. Aber wenn es im Jahr in der Summe passt, ist das natürlich schwierig.

    Der Lehrerrat spricht das ja andauernd an. Die Gleichstellungsbeauftragten ebenfalls. Die Arbeitsgruppe Teilzeitkonzept ebenfalls. Es ändert sich einfach nichts.

  • Aber das passt doch nicht zusammen, wenn du zuerst schreibst, dass ein Großteil der Arbeitszeit außerhalb des Unterrichts für Konferenzen drauf geht und jetzt wiederum, dass die Konferenzen schon auf das Minimum reduziert sind und "nicht geschwafelt" wird. Gibt es noch irgendeinen Aspekt, der bei den Überlegungen aktuell noch außen vor gelassen ist?

  • Ich habe doch mehrfach erklärt, dass es nicht nur Konferenzen sind, die zeitlich belasten, sondern zusätzlich auch noch DBs, Elternsprechtage, Elternabende, Sonderveranstaltungen, Fortbildungen, Sportfeste, etc etc etc..... Es ist einfach fast jede Woche etwas.

    Was muss ich noch tun, um mich verständlich zu machen?

  • Ich habe verstanden, dass die Konferenzen schon auf ein Minimum reduziert sind. Würdest du sagen, dass sich bei "DBs, Elternsprechtage, Elternabende, Sonderveranstaltungen, Fortbildungen, Sportfeste" noch streichen lässt, oder sind das alles Punkte, bei denen schon auf das absolute Minimum reduziert wurde?

    Gibt es Veranstaltungen, die an sich stattfinden müssen, aber bei denen du nicht dabei sein musst? Vielleicht genügt es teilweise, wenn du am Folgetag kurz das Protokoll durchliest o.ä.

    Ich kann mir vorstellen, dass diese ganze Diskussion nicht einfach ist, aber da wir deine konkrete Schule nicht kennen, können wir nur durch Nachfragen versuchen, uns ein Bild von ihr zu machen, und zu überlegen, an welchen Stellen sich irgendwie Zeit einsparen lässt. Am Ende geht das aber natürlich nur, wenn Entscheidungsträger (m/w/d) entsprechende Veränderungen auch zulassen.

  • Was muss ich noch tun, um mich verständlich zu machen?

    Nichts.

    Es ist gut zu verstehen und es gibt durchaus Lehrkräfte, denen es an anderen Schulen ebenso geht.

    Die Forderung, Lehrkräfte sollten zusammenhalten und gemeinsam gegen die Missstände vorgehen, beinhaltet auch, dass man einander zuhört und versteht, wo andere die Überlastung haben, auch wenn man für sich selbst eher den Schlussstrich ziehen kann oder personell besser versorgt ist oder, oder. Das haben die anderen ja auch nicht immer selbst in der Hand, sondern es vielleicht einfach besser getroffen.

    Es ist nicht deine Schuld, Anna Lisa , dass du überlastet bist und es zeitlich nicht machbar ist.

    Genau das zeigen auch die Arbeitszeitstudien, die nachgewiesen haben, dass Vollzeitlehrkräfte durch den Deckeneffekt reduzieren müssen, da der Tag nur 24 h hat, bei Teilzeitkräften die Belastung durch außerunterrichtliche Aufgaben aber im Verhältnis zum Deputat noch höher ist, gerade weil es so viele unteilbare Aufgaben gibt.

    Und ja, das hilft dir leider nicht weiter.

    Du kannst selbst nachhaken, ob du bei allen zusätzlichen Aktionen dabei sein musst, aber offenbar ist euer Lehrerrat schon dran.

  • Das liegt aber an deiner Schule. Bei uns gibt es seit neuestem einen Fachkonferenz pro Halbjahr, früher eine pro Jahr. Schulfest bereiten die Eltern vor, Projektwoche alle 2 Jahren, insgesamt 6 GLK pro Jahr, Abiturvorbereitung mache ich im Unterricht (?), ich habe jedes Jahr einen LK, extra getroffen habe ich mich einmal mit anderen Neulingen und SL beim ersten Mal. Elterninformationsabende gibt es bei uns auch, die Kollegen wechseln sich ab, es gab noch Kursvorstellung für die 10. Klasse direkt nach dem Unterricht (es reichte einer pro Fachschaft).

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Sowas wie "Elterninformationsabend WP Fächer" könnte meiner Meinung nach entfallen. Es reicht, einen Infozettel an die Eltern herauszugeben. Nichts ist an WP Fächern so komplex, dass es dafür extra einen Informationsabend braucht.

    Und ob es die DB WP Wahl wirklich braucht? Die WP-Wahl findet doch jedes Jahr statt - was muss da jedes Jahr aufs Neue besprochen werden? Man legt einmal die grundlegende Vorgehensweise fest und dann gilt diese, ehe äußere Umstände Vetänderungen nötig machen.

    Warum braucht es Projekttage + Schulfest im selben Monat? Es sollte sich auf eine Option fokussiert werden.

    Die ZAA-Vorbereitung würde ich in die Lehrer- oder Fachkonferenz integrieren.

    Du bist aber nicht Schulleiter eines großen Gymnasiums. Was du würdest, ist also reine Spekulation.

    Die ganze Diskussion hier lässt mich darauf schließen, dass nicht nur in unserem Kollegium bestimmte Prozesse schief laufen.

    Nein, Recht auf weniger Konferenzen einklagen können die Vollzeitkräfte gerne tun oder Menschen in der Schulleitung wie Tom123, der selbst die Vorgaben "von oben" als zwingend bezeichnet hat. Wenn diese Leute noch Kapazitäten haben, können sie alles Mögliche tun, das ist aber nicht der Punkt.

    Der Punkt ist, immer noch, dass Teilzeitkräfte anteilig entlastet werden müssen, as simple as that.

    Dadurch, dass einzelne das nicht wahrhaben wollen, wird es aber nicht in die Praxis umgesetzt. Missgünstige Menschen sorgen dafür, dass andere nicht nur nicht zu ihren Rechten kommen, sondern reden ihnen auch noch ein schlechtes Gewissen ein.

  • Das liegt aber an deiner Schule. Bei uns gibt es seit neuestem einen Fachkonferenz pro Halbjahr, früher eine pro Jahr. Schulfest bereiten die Eltern vor, Projektwoche alle 2 Jahren, insgesamt 6 GLK pro Jahr, Abiturvorbereitung mache ich im Unterricht (?), ich habe jedes Jahr einen LK, extra getroffen habe ich mich einmal mit anderen Neulingen und SL beim ersten Mal. Elterninformationsabende gibt es bei uns auch, die Kollegen wechseln sich ab, es gab noch Kursvorstellung für die 10. Klasse direkt nach dem Unterricht (es reichte einer pro Fachschaft).

    Ja, mag sein, dass es an meiner Schule liegt. Aber ICH kann das nicht ändern! Und ICH muss dann mit der Belastung leben. Die muss ja irgendwie mal gesehen werden

  • Ich verbringe 68 % meiner Arbeitszeit in der Schule, ohne Freistunde. Da ist noch keine einzige Stunde vorbereitet, noch keine einzige Klausur korrigiert, noch nicht mal ein Vokabeltest, noch keine einzige Konferenz oder DB besucht, noch kein einziges Klassenleitungsgeschäft getätigt etc.

    Ich bin ob der Zahl oben sehr überrascht, da du laut eigener Aussage keine Freistunden hast. Hast du so wenig Deputatssrunden, dass die 60 minütigen Aufsichten und eine Vertretungsbereitschaft voll einschlagen?

    Wenn deine 60minuten Aufsichten nur 1/2 Deputatsstunde (22,5 min) zählen, dann habt ihr in der Schule den Zusammenhang, dass eine Deputatsstunde Unterricht (inklusive Vor- und Nachbereitung, Korrekturen) zwei Zeitstunden Arbeitszeit bindet.

    Damit entsprächen 25 Unterrichtsstunden, also ein volles Deputat an meiner Schule, einer 50 Zeitstunden-Woche, was schon mit absolut arbeitsfreien Ferien zu viel ist.

    Wer hat diesen Faktor bestimmt? Und mit welcher Begründung?


    Und eine Arbeitsgruppe, die sich lohnen könnte, wäre die zur Erarbeitung eines Teilzeitkonzepts. Üblicherweise können Anträge zur Abstimmung auch von Personen außerhalb der Schulleitung gestellt werden. Wichtig ist natürlich, sich mit Kollegen zusammenzuschließen.

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