Familienfreundlichkeit im Lehrberuf

  • Wenn deine 60minuten Aufsichten nur 1/2 Deputatsstunde (22,5 min) zählen, dann habt ihr in der Schule den Zusammenhang, dass eine Deputatsstunde Unterricht (inklusive Vor- und Nachbereitung, Korrekturen) zwei Zeitstunden Arbeitszeit bindet.
    Damit entsprächen 25 Unterrichtsstunden, also ein volles Deputat an meiner Schule, einer 50 Zeitstunden-Woche, was schon mit absolut arbeitsfreien Ferien zu viel ist.
    Wer hat diesen Faktor bestimmt? Und mit welcher Begründung?

    Das ist in Niedersachsen auch so. Das gilt für Stunden, wo du nur Aufsicht führst und keine Vorbereitung oder Nachbereitung notwendig ist. Daraus ergibt sich dann aber, dass eine Unterrichtsstunde mit 90 min berechnet wird und nicht mit 120 min. Umgerechnet wärst Du dann bei einer Wochenarbeitszeit von 37,5 h für Unterricht und unterrichtsnahe Tätigkeiten. Je nachdem mit wie viel Stunden Wochenarbeitszeit Du dann gesamt rechnest, hättest Du noch 7-8 Zeitstunden für andere Tätigkeiten.

    Was aber nicht so passt, ist dass es für die Gymnasiallehrkräfte bei 24 Stunden Deputat genauso gerechnet wird wie bei Grundschullehrkräften mit 28 Stunden Deputat. Andererseits ist das eine Kann-Bestimmung in Nds. Wir rechnen die Stunden z.B. voll ab.

  • Ich habe doch mehrfach erklärt, dass es nicht nur Konferenzen sind, die zeitlich belasten, sondern zusätzlich auch noch DBs, Elternsprechtage, Elternabende, Sonderveranstaltungen, Fortbildungen, Sportfeste, etc etc etc..... Es ist einfach fast jede Woche etwas.

    Das Problem ist wahrscheinlich, dass ihr euch zusammentun müsst und gemeinsam als Kollegium agieren müsst. Manche Dinge kann man natürlich auch selbst machen. Wenn in einem Monat Schulfest und Projektwoche ist, gehe ich sicherlich nicht auf eine Fortbildung. Und wenn die SL es will, muss sie mich bei anderen Sachen rauslassen. Wenn sie sich weigert, soll sie mir das schriftlich geben und ich kann direkt die Überlastung anzeigen.

    Und bei den anderen Sachen müsst ihr euch zusammentun. Dann muss Kollegium in der Gesamtkonferenz deutlich machen, dass ein Schulfest nicht möglich ist, weil man bereits überlastet ist. Wenn man dann erklärt, dass darunter auch der Unterricht leidet, sind auch Eltern ganz schnell auf eurer Seite. Das Problem ist halt oft die Einigkeit im Kollegium. Gerade bei größeren. Wenn die Hälfte natürlich sagt, dass das alles kein Problem ist, kann man sich wahrscheinlich einfach nur wegbewerben.

    Bei uns ist das tatsächlich so, dass wir solche Extrasachen in der DB besprechen und notfalls abstimmen. Wenn dann keine breite Mehrheit da ist, gibt es halt kein Schulfest. Und wenn wir Projektwochen oder so was machen, dann legen wir die irgendwo hin, wo wir Luft haben. Wir machen das aber alles auch eher selten. Also Schulfest alle 2 Jahre, Projekttage oft noch seltener.

    Vor allem geht es auch darum, solche Sache effizient zu plane. Beim Schulfest haben wir ein kleines Team, dass das vorbereitet. Jede Klasse macht dann einen Stand und das war es. Mehr als 2 Zeitstunden kostet mich da die Vorbereitung nicht.
    Dafür bin ich dann vielleicht bei den Projekttagen in der Arbeitsgruppe und bereitet mehr vor.

  • Genau das zeigen auch die Arbeitszeitstudien, die nachgewiesen haben, dass Vollzeitlehrkräfte durch den Deckeneffekt reduzieren müssen, da der Tag nur 24 h hat, bei Teilzeitkräften die Belastung durch außerunterrichtliche Aufgaben aber im Verhältnis zum Deputat noch höher ist, gerade weil es so viele unteilbare Aufgaben gibt.

    An welchen Ergebnissen der Arbeitszeitstudie machst Du das fest? Dass Unteilbare Aufgaben, ein Problem sind, ist logisch. Aber die Zahlen zeigen eigentlich nicht, dass sie das Problem sind. Ich würde sogar behaupten, dass viele in Teilzeit die gewonnen Zeit nutzen, um ihren Unterricht besser vorzubereiten etc.. Da wo die Vollzeitkraft einen Strich zieht und sagt: "Ich kann nicht mehr" nutzt die Teilzeitkraft ihrer Teilzeit. Das ist natürlich keineswegs Sinn der Sache und nicht in Ordnung. Es zeigt aber, wo das Problem liegt.

    Man muss natürlich auch dazu sagen, dass die Streuung immens ist. Es gibt immer noch viele Lehrkräfte in VZ oder TZ, die weniger arbeiten als sie müssten. Es gibt einfach sehr viele Faktoren wie Fächerwahl, Klassenzusammensetzung, Schulformen, etc., die einen immensen Einfluss haben.

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