RLP: Quereinstieg

  • Hallo,

    Ich bin Leonie, 37, zwei Kinder und habe einen Master in BWL. Mein Zeugnis habe ich bereits eingeschickt und ich könnte mich zum Quereinstieg für die Fächer Wirtschaft und Mathe als zweitfach für eine BBS bewerben.

    Nun kommen folgende Themen/Fragen auf und ich hoffe sehr, dass mir hier jemand weiterhelfen kann, da das echt eine große und bedeutsame Entscheidung ist.

    Gerade wegen den Kapazitäten frage ich nicht, weil ich Arbeit scheue, sondern weil ich zwei kleine Kinder habe. Aktuell arbeite ich in Luxemburg mit 32h + Fahrzeit.


    1) effektive Zeitbelastung Ref: ich habe gehört in den ersten 3 Monaten hat man 3x die Woche Seminar von 9-16 Uhr —> wie hoch würdet ihr die Arbeitsstunden (all in, mit Vorbereitung) je Woche einplanen? Und bis wann geht an den anderen Tagen in der Regel die Schule? (Ich frage wegen Kita Zeiten)


    2) wie sicher ist, dass ich mir eine Schule Nähe meinem Wohnort aussuchen kann und dort später auch eine Planstelle erhalte


    3) gerade wegen frage 2 möchte ich aktiv in die Kommunikation mit der Schule gehen. Sollte ich da bei der Schule anrufen oder eher bei der ADD?


    4) ist der seiteneinstieg wirklich so viel anspruchsvoller? Der Vorteil ist ja a) mehr Gehalt und b) Sicherheit an der Schule zu bleiben. Die Bezüge im Ref als Quereinsteiger sind für mich total okay, daher würde für mich nur B) als Vorteil zählen


    5) gibt es jemanden der den Weg gewählt hat und würdet ihr es wieder machen? Ich freue mich wirlich über jeden Austausch ;)


    Liebe Grüße

    Leo

  • Hallo Leo,

    an welches Studienseminar in RlP würdest du denn gehen? Ich habe gerade den Quereinstieg im Studienseminar in Wallertheim absolviert und kann zum Zeitaufwand folgendes sagen:

    1. Ein Tag in der Woche ist Fachseminar-Tag (in Wallertheim Dienstags), an diesem Tag fährt am an die Schulen der anderen Seminarteilnehmer oder des Fachleiters und einmal an seine eigene. Es wird eine Unterrichtsstunde gezeigt, diese wird reflektiert und es werden Seminarinhalte besprochen, also die didaktischen Thematiken des jeweiligen Schulfaches. An einem Nachmittag in der Woche (in Wallertheim Donnerstag) sind oft verschiedene Berufspraktische Seminare. Hier geht es dann zum Beispiel um rechtliches oder auch praktisches wie Gesprächsführung, Teambuilding, Klassenmanagement etc. Man hat aber nicht jeden Dienstag und Donnerstag Seminar. Je nach Größe der eigenen Seminargruppe (bei dir Mathe und WPF nehme ich an) gibt es mehr oder weniger freie Tage die man dann sehr gut zur Vorbereitung nutzen kann.

      Die Arbeitsbelastung schwankt je nach Phase des Refs. Mein Rat: Konzentriere dich vor allem auf die Vorbereitung deiner UBs - guten Alltagsunterricht kannst du nach dem Ref fokussieren. Aber auch die reine Vorbereitung auf die UBs ist zum Teil sehr zeitintensiv denn sie umfasst nicht nur die geplante Unterrichtsstunde, sondern auch die Stunden davor in welchen man seine Klasse methodisch und inhaltlich auf die Stunde vorbereitet. Mein Arbeitsaufwand war vor allem in der Prüfungsphase am Ende enorm hoch. Ich hatte quasi am Wochenende kaum noch freie Tage, weil ich die Zeit zum Lernen und für die Vorbereitung der Examenslehrproben nutzen musste.

      Ich kann nur schätzen aber ich würde den Arbeitsaufwand sicherlich im Durchschnitt bei 40 h die Woche sehen, in den Prüfungsphasen und vor UBs hier weitaus mehr, dazwischen auch mal weniger. Die Ferien habe ich aber meist wirklich zum entspannen nutzen können und von diesen insgesamt etwa 3 Wochen gearbeitet.

      2. Bei uns kamen alle Referendare mit Familie wohnortnah an Schulen. Auch bei den Planstellen wird bei der Verteilung sehr darauf geachtet wohnortnah zu verteilen. Das habe ich aber so bei quasi allen so erlebt, egal ob sie Familie haben oder nicht. Möglich macht das der derzeitige Lehrermangel. Gerade mit Mathe und WPF hast du da auch sehr gute Chancen vielleicht sogar an deine Wunschschule zu kommen. Auf jeden Fall aber in der Nähe des Wohnortes.

      3. Soweit ich weiß verteilt das Seminar die Referendare an die Schulen. Ich hatte vor dem Ref an einer Schule hospitiert und wollte dort auch das Referendariat machen. Das wurde von der Schule und auch von mir so an das Seminar kommuniziert. Das Seminar hat mich dann aber an eine andere Schule nahe meines Wohnortes geschickt und wie sich rausstellte war das auch gut so. Die Schule, an die ich zugeteilt wurde, war wesentlich besser dazu in der Lage mich auszubilden und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt. Du kannst es also versuchen, dich direkt an die Schule zu wenden und auch an das Seminar, aber ist nicht garantiert. Die Seminare wägen meist sehr gut ab, welche Schulen gut geeignet für die Ausbildung im jeweiligen Fach sind. Nicht jede Schule ist für jedes Fach geeignet.

      Wenn es aber später um die Planstelle geht, kannst du diesen Weg auf jeden Fall anpeilen. Wenn die Schule Kapazität hat und dich braucht, steht die ADD da meistens nicht im Weg.

      4. Ja, der Seiteneinstieg ist noch viel anstrengender als der Quereinstieg. Ich habe einige Seiteneinsteiger kennengelernt und die waren zum Teil sehr unzufrieden. Sie müssen viel mehr Stunden unterrichten und trotzdem fast genauso viele Seminare absolvieren und UBs zeigen. Ich kann nur jedem davon abraten. Der Quereinstieg ist auf jeden Fall die bessere Alternative, auch wenn es weniger Geld gibt.

      5. Ich habe auch 2 Kinder (7 und 11) und würde es wieder so machen und das obwohl die letzen Monate wirklich sehr anstrengend waren. Rückblickend war es für mich trotzdem eine schöne zeit. Ich habe viele, sehr nette und tolle Menschen kennengelernt, das Unterrichten macht super viel Spaß, man kann sich sehr kreativ in die Unterrichtsstunden einbringen und es ist ein sehr sinnstiftender Beruf. Die Schüler sind dankbar um jeden menschlichen, zugewandten Lehrer.

      Es macht aber schon einen Unterschied wie alt deine Kinder sind, wie sich deine familiäre Situation gestaltet und wie gut deine Kinder zeitlich betreut sind. Meine Kinder sind zum Glück beide nachmittags betreut, so dass ich die Zeit nach der Schule bis ca. 15-16 Uhr immer sehr gut für die Unterrichtsvorbereitung nutzen konnte.


    Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiter helfen :)

    Liebe Grüße

    Veyra

  • Liebe Verya,


    Danke für deine Antwort - das klingt ja per se alles sehr positiv.

    Von einer 40h Woche bin ich im Schnitt im Ref auch ausgegangen. Nach dem Ref wäre natürlich eine Teilzeit Stelle mein Ziel.


    Zum Seiteneinstieg habe ich gehört, dass das mehr Arbeit ist, aber wohl eine Garantie zur Übernahme/Verbeamtung ist. Und natürlich die höhere Vergütung. Für mich kommt es aufgrund der knappen zeitlichen Kapazitäten (wegen der Kinder) nicht in Frage.


    Darf ich fragen, was du in etwa vorher gemacht hast, ob du nun weniger/mehr Zeit mit der Familie hast und was deine Beweggründe wären. Ich finde es ganz schwer, eine Entscheidung zu treffen, aber an sich spricht ja relativ wenig dagegen.


    Danke!!

  • Vielleicht mal ein paar andere Gedanken dazu. Mein Mann ist BWLer und auch in einer höheren Position. Trotz meiner Teilzeitstelle (68%), ist er deutlich flexibler als ich. Die Zeiten, in denen man als Lehrerin Familie und Beruf super unter einen Hut bringen kann, sind vorbei. (Ich bin 2009 angefangen - da war es noch deutlich einfacher). Es gibt auch Wochen in denen ich an drei von vier Tagen (bei einem Tag frei wegen der Teilzeit) das Kind weder bringen (Schule startet bei mir um 7:45) noch abholen kann und mein Mann dies übernehmen muss.

    Natürlich bist du dann in den Ferien deutlich flexibler als andere Familien! Das bleibt!

    Aber der Alltag als Lehrkraft ist im Laufe der Zeit (besonders an Ganztags-/ oder Berufsschulen) doch ein anderer geworden.

  • Nachher mehr Details (wenn ich mal mehr Zeit habe), aber jetzt schon mal:

    QE vs SE:

    Unterrichtsstunden: bis zu 18(!) Stunden eigenverantwortlich im SE. Das ist SEHR viel! Wenn man da rumschludert, hat es zwar keine Auswirkungen auf das Ref, aber in der Schule wird das negativ auffallen. Im QE hat man dagegen nur die Stunden wie alle Refis (ich müsste schauen, wie viele). Also: Die Arbeitsbelastung ist im SE sehr viel höher und darunter leidet die eigene Leistungsfähigkeit und die Qualität des Ausbildung.

    Bezahlung: Klar, im SE als angestellte Lehrkraft wird man nach TV-L bezahlt. Das ist wahrscheinlich mehr als im QE mit Verbeamtung auf Zeit. Es ist aber nicht wirklich sehr viel mehr, besonders auch dann, wenn man Kinder hat und im QE eben Kinderzuschläge bekommt. Der Vorteil hängt also sehr vom Familienstand ab.

    Stelle: Wer im QE oder SE einsteigt, hat ein gesuchtes Mangelfach. Im SE war früher zumindest die feste Stelle nach der Ausbildung im Vertrag festgeschrieben (Voraussetzung: bestandene Prüfung). Dann als verbeamtete Lehrkraft beim Vorliegen der beamtenrechtlichen Voraussetzung (Alter, Amtsarzt...). Im QE ist die Stelle nicht festgeschrieben, aber sehr wahrscheinlich wegen des Mangelfachs.

    Vorsicht: Anerkennung des Abschlusses. Als QE hat man das normale 2. StEx und kann problemlos das BL wechseln. Im SE hat man einen Abschluss, der in RLP dem 2. StEx gleichgestellt ist, Damit kann man in RLP Funktionsstellen bekommen etc., es wird aber nicht garantiert, dass der Abschluss in anderen BL anerkannt wird.

    Später mehr.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • So jetzt ein paar Ergänzungen/Korrekturen.

    Zuerst mal: Es gibt eine Seite, auf der beide Varianten tabellarisch verglichen werden.

    Daraus:

    QE vs. SE

    12h (7h U, 5h Hosp) vs bis zu 18h U (gegen Ende der Ausbildung)

    24 Monate Dauer (bei beiden)

    mind. 100 VA im Seminar vs. 40 VA im Seminar

    Beratungsgespräche, UBs und Prüfung der bildungswissenschaftlichen Grundlagen bei beiden gleich

    Anwärterbezüge A13 vs. TVL E12 (Achtung: Erfahrungsstufen?!)

    "2. Staatsprüfung => Befähigung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen" vs "Zeugnis über die Prüfung von Lehrkräften im Seiteneinstieg für das Lehramt an berufsbildenden Schulen => Erwerb der Befähigung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in zwei Fächern"

    nach Abschluss: Bewerbung auf Planstellen (Verbeamtung) vs i.d.R. Verbeamtung an Einsatzschule


    Beides ist anstrengend und fordernd. Bei beidem muss man sich darauf einlassen, Lehrer-Azubi zu sein und unterrichten zu lernen. Man wird teils stundenlang oder sogar tagelang an Stunden brüten. Man muss bereit sein, sich auf die Didaktik und das pädagogische Denken des Seminars einzulassen und dies im Unterricht umzusetzen. Im SE mit bis zu 18 Stunden ist es aber echt heftig.

    Es geht öfters immens viel Zeit in den Job (beim SE noch einmal extremer) und damit gibt es Phasen, in denen mich die Familie als Mitbewohner ab und zu sieht (jetzt mal überspitzt).

    Ich kann nicht beurteilen, wie anstrengend das mit Familie ist, weil ich mein Ref ohne Kinder gemacht hatte. Es war sehr fordernd (sowohl geistig als auch zeitlich), aber ich habe es nie als unmögliche Herausforderung wahrgenommen.

    Ich bin mit meiner Arbeit als Lehrer an einer BBS zufrieden. Die Arbeit ist vielfältig (manches macht weniger Spaß). Meine Klassen bewegen sich auf sehr unterschiedlichen Niveaus, dabei empfinde ich das aber als einen Teil dessen, was den Beruf spannend hält. Ich arbeite gerne mit meinen SuS und würde den Einstieg wieder genau so machen.

    Es gibt organisatorisch und durch die festgelegten Unterrichtsstunden starre Strukturen, auf der anderen Seite schaffe ich es, die freien Teile meines Berufs zu nutzen und die Mehrarbeit des SJes in den Ferien auszugleichen. Die Bezahlung ist für mich völlig in Ordnung (auch im Vergleich zu meinem Industriejob).


    Zu den Fragen ganz oben:

    Zu 1) In der Intensivphase hat man drei volle Tage im Seminar pro Woche und die sind so gut wie garnicht flexibel. Das fordert die Kinderbetreuung heraus. Später in der normalen Ausbildungsphase gibt es zwei (edit: freigehaltene) Seminartage pro Woche, an denen man neben Pflichtveranstaltungen (bspw. Fachdidaktik, Seminargruppe) noch freiwillige Angebote (edit: quasi Wahlpflicht) wählt, wobei das in den Seminaren in Details wohl variiert. edit: Wichtig dabei ist, dass die beiden Seminartage dann manchmal voll sind und manchmal ohne Veranstaltungen.

    Zu 2): In der Regel wird Rücksicht genommen bei der Zuweisung des Schulortes, aber das hängt von den Schulen in der Nähe ab, ob es das Fach gibt. Das Seminar weist nicht zu sondern die ADD.

    Zu 3) Wenn man von einer Schule gewünscht wird, erhöht das die Chancen, dass die ADD entsprechend zuweist. Garantie gibt es aber nicht. Also: Am besten über ein kleines Praktikum an einer Schule Kontakt aufnehmen.

    zu 4) und 5): Siehe oben in meinen Posts.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

    2 Mal editiert, zuletzt von Finnegans Wake (27. April 2026 12:28)

  • Aber der Alltag als Lehrkraft ist im Laufe der Zeit (besonders an Ganztags-/ oder Berufsschulen) doch ein anderer geworden.

    Bei Ganztagsschulen weiß ich es nicht, da war ich noch nie. Aber in Bezug auf berufliche Schulen kann ich dem nicht zustimmen (zumindest bei denen, die ich kenne).

    Es gibt auch Wochen in denen ich an drei von vier Tagen (bei einem Tag frei wegen der Teilzeit) das Kind weder bringen (Schule startet bei mir um 7:45) noch abholen kann und mein Mann dies übernehmen muss.

    Was heißt denn bringen? Zur Schule, zur Kita? Ich kann meine Kinder immer bringen, bei gleichem Schulstart. Klar bin ich an die Zeiten der Schule gebunden, wenn die Schulorte unterschiedlich wären, wäre es schwierig. Dann müsste mein Stundenplan entsprechend angepasst sein. Das kann die Stundenplanung aber berücksichtigen. Wenn sie es bei dir nicht macht, dann liegt es daran und nicht an Schule ansich.

    Ich finds aber auch gar nicht schlimm, wenn dein Mann das übernehmen "muss"...

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Bei Ganztagsschulen weiß ich es nicht, da war ich noch nie. Aber in Bezug auf berufliche Schulen kann ich dem nicht zustimmen (zumindest bei denen, die ich kenne).

    Was heißt denn bringen? Zur Schule, zur Kita? Ich kann meine Kinder immer bringen, bei gleichem Schulstart. Klar bin ich an die Zeiten der Schule gebunden, wenn die Schulorte unterschiedlich wären, wäre es schwierig. Dann müsste mein Stundenplan entsprechend angepasst sein. Das kann die Stundenplanung aber berücksichtigen. Wenn sie es bei dir nicht macht, dann liegt es daran und nicht an Schule ansich.

    Ich finds aber auch gar nicht schlimm, wenn dein Mann das übernehmen "muss"...

    Finde ich auch nicht schlimm ;-), daher habe ich auch keine speziellen Wünsche bei der Stundenplanung/ somit wird der Plan (für alle anderen) auch nicht unnötig schlechter. Was ich damit sagen wollte ist, dass ich einige aus der freien Wirtschaft kenne, die denken, dass sie Familie und Arbeit besser unter einen Hut bekommen, wenn sie Lehrkraft werden...so easy ist es dann auch nicht. Besonders eben nicht mehr so flexibel wie in so manch anderem Job.

    (Z.B. Ganztagsschule innerhalb einer größeren Stadt in NRW. Beginn 7:45 (35-40 Minuten Anfahrt innerhalb der Stadt), Ende: 15:45 (Sek I) 16:35 (Sek II)...Rückweg wieder 35-40 Minuten...kann man sich ausrechnen und habe ich einige Jahre so gemacht. Nicht besonders familienfreundlich.)

  • Danke für eure Antworten!

    Also ich nehme zusammenfassend mit:

    • wenn dann nur QE
    • Ref Arbeitsbelastung 40h
    • Anerkennung: wir haben keinen Umzug geplant, da wir bereits Kids und ein Haus haben und mein Mann hier auch gebunden ist
    • Flexibilität geringer: klar, wenn der Stundenplan von 8-16 Schule vorsieht, ist man fix außer Haus. Derzeit kann man mal flexible HO machen, was mit meinem Sohn mit 7 auch super klappt! Aber ich würde ja nach dem Ref nur 50-75% anstreben und da wäre ja dann hoffentlich ein solcher Stundenplan nur auf 1-2x die Woche beschränkt

      Ich gehe jetzt demnächst mal hospitieren mit einer Freundin, die das auf einer BBS für ganz andere Fächer macht, aber so erhalte ich mal ein Gefühl.

      Und meine Tätigkeit wäre sinnstiftend, was ich derzeit weniger behaupten kann und das hat bei mir eine höhere Prio als das finanzielle.


      Ich tu mich nur so schwer, einen Entscheid zu treffen….gibt es denn was, was so richtig dagegen spricht?


  • Ich tu mich nur so schwer, einen Entscheid zu treffen….gibt es denn was, was so richtig dagegen spricht?

    Das liegt im Auge des Betrachters.

    Als Beamtin gibt es nicht besonders viele Karrieremöglichkeiten, Schulleitung oder ein paar wenige Stellen in der Bildungsverwaltung.

    Es kann unter Umständen passieren, dass man versetzt wird und da kann man auch nicht besonders viel gegen machen.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Okay, Karriereambitionen habe ich keine, zumal das als Teilzeitkraft wahrscheinlich schwierig ist. Ich habe in der Wirtschaft viel erreicht, aber diese ständige Erreichbarkeit und 40h + Arbeiten möchte ich für mich einfach nicht mehr.

    In RLP werden BBS Lehrer mit A13 vergütet und mit den Zulagen ist das doch ein tolles Gehalt.

    Könnt ihr schätzen, mit welchem Faktor ihr die tatsächliche Arbeitszeit berechnen würdet? Wenn ich nach dem Ref z.B 75% also 18h arbeite, wieviel zeitstundne je Woche ist dann realistisch? Auch mit Blick auf die Fächer (ich denke deutsch und Englisch Leistungskurse sind arbeitsintensiver)….reicht hier 1,5, also 28h oder ist es eher das doppelte? Was schätzt ihr?

  • Erreichbarkeit und 40h + Arbeiten möchte ich für mich einfach nicht mehr.

    Dann ist Schule wahrscheinlich auch nicht wirklich was für dich.

    Könnt ihr schätzen, mit welchem Faktor ihr die tatsächliche Arbeitszeit berechnen würdet? Wenn ich nach dem Ref z.B 75% also 18h arbeite, wieviel zeitstundne je Woche ist dann realistisch?

    Nein kann man ehrlicherweise nicht schätzen. Das ist/kann auch jede Woche anders sein. Die reguläre Arbeitszeit für Beamte in RLP sind 40h, 75% davon sind 30h. Das kann aber in bestimmten Zeiten auch deutlich mehr sein und in den Ferien eben weniger.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • s3g4 danke. Zu den 40h: es geht ja nicht darum, dass ich zu faul für eine 40h Woche bin. Es ist eben nur eine Herausforderung mit zwei kleinen Kindern und ich möchte einfach auch mit meinen Kindern mal zu Hobbies/Spielverabredungen ohne ständig am Diensthandy und in Meetings zu hängen. Daher ja nach dem Ref definitiv 50-75%

  • s3g4 danke. Zu den 40h: es geht ja nicht darum, dass ich zu faul für eine 40h Woche bin. Es ist eben nur eine Herausforderung mit zwei kleinen Kindern und ich möchte einfach auch mit meinen Kindern mal zu Hobbies/Spielverabredungen ohne ständig am Diensthandy und in Meetings zu hängen. Daher ja nach dem Ref definitiv 50-75%

    s3g4 meinte damit, dass in Schule Teilzeit oft ein Minusgeschäft ist. Und man meist mit Zeit draufzahlt. Zusätzlich haben viele Probleme mit der Abgrenzung Freizeit/Job durch fehlende Zeiterfassung.

  • und du davon ausgehen musst: Alles, was du in den Ferien nicht machst (auch: nicht machen kannst!), musst du zu den Zeiten machen, die in der Schulzeit sind und da hast du einfach keine Wahl. Die Korrektur, die Konferenz, der Elternsprechtag lassen sich entweder gar nicht oder nur wenig schieben. Und bei Teilzeit: Viele Sachen lassen sich eben leider nicht anteilig wahrnehmen.
    ca. 46 Stunden die Woche sind VZ bei komplett freien Zeiten. Bei vielen ausgelagerten Korrekturen und Vorbereitung in den Ferien kannst du also mit einer 75%-Stelle mit Wochen zwischen 25 und 40 Stunden rechnen.

  • Ja das deckt sich mit dem was ich mir ja vorstelle. Wenn eben konferenz ist oder der Stundenplan eben bis 16 Uhr geht ist man von zuhause weg. Das ist der Unterschied. Trotzdem erhoffe ich mir, dass ich den Nachmittag (dann zb von 16-19) eben ohne Anrufe und emails mit den Kindern verbringen kann und mich dann eben abends hinsetze.


    Aber okay 35h bei 75% ist immer noch weniger wie das was ich gerade arbeite. Es soll aber auch nicht nur darum gehen, bitte versteht das nicht falsch 😊

    Sind denn Quereinsteiger hier bzw. Lehrer die vorher in der Wirtschaft tätig waren und beide Welten kennen?

  • Sissymaus  s3g4 und Finnegans Wake sind "wie auch immer man sie nennt"-"Wechsler*innen" und mit Erfahrungen aus der Wirtschaft.
    Es sind aber wesentlich mehr.
    Eine auch in RLP, auch mit Wirtschaft am Fach, sie ist selten im Forum und wenn sie da ist, sprühen ihre Beiträge nicht von reiner Begeisterung, insbesondere, was die Frage von TZ/VZ angeht. Aber Kompromisse muss man überall machen, man muss nur wissen, welche es sind.

  • Man muss es klar benennen: Der Lehrerberuf bezüglich Arbeitsbelastung und anderem hat einige systemische Schwächen. Natürlich ist das auch noch bundeslandabhängig mal mehr mal weniger ausgeprägt, dürfte aber eigentlich in ganz D ähnlich zutreffen.

    Ich zähle mal ein paar auf:

    • Ungleiche Belastung je nach Schulart und übernommener Tätigkeit (zB Klassenlehrkraft an einer Grundschule/HauptSchule/Ausbildungsvorbereitung an den berufsbildenden Schulen kann sehr aufwändig und auch belastend sein)
    • Ungleiche Belastung je nach Fächern (Mathe/NaWissenschaften/Info/Sport vs. Englisch/Deutsch)
    • Burnout-Gefahr wegen fehlender Abgrenzung: Man hat nie Feierabend, der vorbereitete Unterricht hat immer Luft nach oben, Konferenzen/Zeugnisse/Prüfungen sind nicht verschiebbar, Anzahl Klausuren zT vorgeschrieben, plötzliche Abfragen aus der Schulaufsicht/Ministerium, die am Tag danach vorliegen sollen/müssen) (liste beliebig erweiterbar)
    • Teilzeit ist i.d.R. ein Minusgeschäft. Erst recht, wenn die Schule kein Teilzeitkonzept hat. Einige Aufgaben sind nicht teilbar, andere will die Schulleitung nicht teilen und und und
    • Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten --> Mag im Moment nicht interessant für Dich zu sein, aber wenn es KuK gibt, die eine höhere Besoldung haben mit einer lächerlichen Aufgabe, dann kann das einen schon wurmen. Man kann nicht um sein Gehalt verhandeln. Das alles sind vermutlich Gründe, warum nach einigen Dienstjahren viele einfach nur noch ihren Stiefel durchziehen mit minimalem Aufwand.
    • Fehlende Mitbestimmung: Vieles muss man hinnehmen: Stundenplan/Vertretungsplan/Konferenztermine/Schulorga. Mitmischen kann man nur sehr begrenzt. Das mag nicht für alle ein Problem sein, aber auch das kann einen ganz schön müde machen, wenn man jedes Jahr Missmanagement mit ansehen muss und selbst dazu nichts beitragen kann.
    • Ständiger Mangel: Man kann den Schülern nicht gerecht werden. Sie könnten viel mehr erreichen, wenn die Ressourcen besser wären. Personell, wie finanziell. Auch Ausstattung ist ein Problem (abhängig vom Schulträger, hat der kein Geld, siehts auch an Schule mies aus), wobei die berufsbildenden Schulen vermutlich noch am besten da stehen. Grundschullehrpersonen kaufen viel privat, Sek I auch. Am BK müssen wir es 2 Jahre vorher beantragen, da gibts einige technische Geräte bereits nicht mehr zu kaufen. Persönliche Ausstattung ist oft ein Witz (iPad, hahaha), Arbeitsplatz in der Schule Fehlanzeige.
    • Möglichkeit des Wechsels schwer: Wenn man an einer Schule unglücklich ist, kommt man kaum weg. Das kann schlimm sein. Das liest man hier im Forum sehr oft, auch wie unglücklich die Personen dann sind. Da würde ich mir wünschen, dass man alle 5-10 Jahre automatisch versetzt würde. So kommt man auch mal woanders hin und Schulen schmoren nicht so ewig im eigenen Saft.
    • Ständig neue Säue, die durchs Dorf getrieben werden und die extrem viel Arbeit machen.

    Dazu kommen systemische Probleme durch Vorgaben und Gesetze. Das führt nun aber zu weit.

    Hört sich alles negativ an. Ist es auch. Hier hilft die Einstellung; Take it or leave it. Für mich habe ich gute Wege gefunden, das auszuhalten (Arbeitszeiterfassung, Pareto-Prinzip, Sport). Aber das schaffen nicht alle und dann kann das auch echt lang werden bis zur Pension. Alles in allem macht es mir Spaß, ich hab noch nie so abwechslungsreich gearbeitet, ich hab viel Spaß mit meinen Klassen, hab eine SL, mit der ich sehr gut auskomme und würde mir nichts anderes wünschen. Das könnte aber an einer anderen Schule auch direkt anders sein.

    Aber ich kenne die o.g. Schwächen und weiß auch, dass damit nicht jeder klar kommt.

    Huch, länger geworden, als gedacht

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