Ich bin mir unsicher, ob ich wirklich für den Lehrerberuf geeignet bin

  • Hallo zusammen,


    Ich bin seit knapp zwei Jahren fertige Lehrerin an einem Gymnasium und arbeite in Vollzeit.

    Ich bin aktuell ziemlich verzweifelt, da ich mir unsicher bin, ob ich wirklich für den Lehrerberuf geeignet bin. Ich zähle mal die Dinge auf, die mich momentan am meisten belasten.

    1. Arbeitspensum

    Ich arbeite leider viel zu viel. Ich halte mich immer extrem lange an der Unterrichtsvorbereitung auf und versuche noch immer jede Stunde perfekt zu planen. Ich weiß, dass das nicht notwendig ist, aber ich kann das nicht abschalten. Ich will ja, dass alle SuS was lernen und mitmachen können. Gerade in Zeiten mit vielen Korrekturen sitze ich fast nur noch am Schreibtisch und habe wenige Pausen.


    2. Emotionale Abgrenzung

    Ich nehme alles, was in der Schule passiert, mit nach Hause und oft auch persönlich. Ich kann nur sehr schwer abschalten und denke über alle Entscheidungen aus dem Unterrichtsalltag nach. Zudem beschäftige ich mich mit sämtlichen SuS auch in der Freizeit und meine Gedanken kreisen auch um sie, wenn ich etwas anderes tue oder Ferien sind. Das führt dazu, dass ich ständig angespannt bin.

    3. Klassenführung und Unterrichtsstörungen

    Ich habe in verschiedensten Klasse von Jahrgang 5 bis 11 immer noch mit der Klassenführung und Unruhe (Reinrufen, quatschen, Arbeitsverweigerung…) zu kämpfen. Das ist nicht überall gleich stark. In manchen Klassen geht es. Auch dazu habe ich schon Fortbildungen und ein Coaching gemacht.

    Ich frage mich nun, ob ich wirklich nicht für den Beruf geeignet bin oder ob ich selbst einfach viel zu hohe Ansprüche oder Ziele haben, die im normalen Lehreralltag gar nicht erfüllt werden können. Grundsätzlich bekomme ich auch viel positives Feedback von Eltern, SuS, dem Kollegium und der Schulleitung. Ich habe auch eine sehr gute Beziehung zu meinen SuS. Lernziele werden meiner Meinung nach auch erreicht und alle Klassenarbeiten sind bisher gut oder zumindest in Ordnung ausgefallen. Also lernen die Kinder auch was. Neulich hatte ich meine erste Klassenfahrt mit meiner zehnten Klasse und es lief mehr als reibungslos ab. In meinem Gutachten nach dem ersten Jahr von der SL stand nur Positives drin. Mein Ref habe ich mit sehr guten Noten bestanden, aber diese oben genannten Punkte werden da aber natürlich auch nicht oder wenig deutlich. Aber gerade das Thema Klassenführung beschäftigt mich sehr stark, denn oftmals habe ich immer noch Schwierigkeiten Klassen so richtig „im Griff zu haben.“ Einige meiner Kollegen sagen, dass es schon fünf Jahren dauern kann bis man so richtig im Beruf angekommen ist.

    An manchen Tagen läuft es auch gut und ich fühle mich gut und an anderen Tagen bin ich traurig und erschöpft. Ich liebe den Beruf eigentlich sehr und mag es total mit den SuS zu arbeiten.

    Was sagt ihr dazu? Sollte ich doch aufhören oder einfach versuchen, an meinem Anspruch und meiner Unsicherheit zu arbeiten? Ich persönlich kann mir momentan aber gar keinen anderen Job vorstellen.

    Liebe Grüße!

  • Ich fand die ersten 2 bis 3 Jahre schon recht anstrengend und von Arbeitspensum belastend. Vieles lernt man auch erst nach dem Ref. Das hat sich danach gelegt und ich wurde viel entspannter sowie selbstbewusster. Deswegen würde ich an deiner Stelle auf jeden Fall noch warten. Aber klar, wenn dich das zu sehr belastet, dann würde ich mir zunächst Unterstützung holen.

  • Die ersten Jahre sind am anstrengendsten, wenn man den Job ernst nimmt.

    Ich kann Dir nur einen Tip bzgl. 3 geben: Sie SuS meinen es nicht persönlich. Sie treffen in der Schule auf Frau Lehrerin, nicht auf Teacher1995 . Nimm Dich nicht zu wichtig: Sie kämpfen nicht gegen Dich, sondern gegen Frau Lehrerin.

    Und zu 2: Du kannst nicht die Welt retten. Erste Regel beim Retten der Welt: Immer zuallererst Dich selbst retten. Du kannst alles mögliche anbieten, aber Du kannst niemanden zwingen, Hilfe anzunehmen.

    Du kannst nur ein Lernangebot machen. Annehmen müssen sie es schon selbst.

  • Danke, das beruhigt mich schon etwas. Ich will das gerne in der Schule schaffen und gerne dort bleiben. Das Ref fand ich ehrlich gesagt dagegen eine Entspannung. Da bin ich jeden Tag gerne zur Schule gegangen. Komischerweise sehen das die meisten ja eher andersherum.

  • Teacher1995 25. Mai 2026 21:25

    Hat den Titel des Themas von „Ich bin mir unsicher, ob ich wirklich im Lehrerberuf geeignet bin“ zu „Ich bin mir unsicher, ob ich wirklich für den Lehrerberuf geeignet bin“ geändert.
  • Klinger hat Recht.

    Die ersten Jahre sind Katastrophe. Sobald man ein paar Jahre drin ist, wird vieles einfacher.

    Ansonsten: Du kannst nicht die Welt retten. Sehe es als Job und nicht nur als Berufung. Irgendwann kommen Situationen, wo man sich von Schülern / Eltern / Dienstherr verarscht fühlt. Das führt dann schnell dazu, dass man das ganz mehr als Job wahrnimmt...

  • Die Freude über die SuS, die das Lernangebot angenommen haben und eine großartige S-Laufbahn hingelegt haben.

    Die KuK, die gemeinsam mit Dir kämpfen.

    Vielleicht auch die Kohle - wer weiß?

  • Dranbleiben und die fehlende Erfahrung (ich habe das Wort damals gehasst) mit Engagement und dem Wissen aus dem Studium wettmachen- damit ist man näher dran, während man als ältere Kollegin leider manches nicht mitbekommt und nicht unbedingt die Zeit findet, immer überall auf dem neuesten Stand zu bleiben.

    Aus heutiger Sicht bin ich darum bemüht, den jungen Kolleginnen zu helfen, vor allem hinsichtlich der Differenzierung und der Inklusion. Das war früher weniger brisant, ich finde, ich konnte da eher hineinwachsen, heute muss man alles auf einmal und sofort. Das kann nicht gehen, also mache es, so gut du kannst ... du hast noch 40 Jahre, um stetig besser zu werden.

    Und, ob es dir nun hilft oder eher nicht: Es gibt auch nach sehr vielen Jahren immer noch gute und schlechte Tage. Das liegt an der Aufgabe und den Bedingungen, die du ja nicht alle beeinflussen kannst. Es gehört dazu, das zu reflektieren, das verhindert aber nicht, dass dennoch mal etwas nicht mitläuft.

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