Woran man ein gutes Kollegium erkennt

  • Ein bisschen liegt das in der Natur der Sache, wenn sich die Jungen dann nicht austoben wann dann?

    Auch ich wollte damals vieles anders machen, mein Kollegium hat mich gelassen, das habe ich erst danach gemerkt und geschätzt und auch Wege gefunden, mit anderen auch die neuen Sachen zu teilen.
    Da war mein damaliges Kollegium viel aufgeschlossener als die an den umliegenden Schulen.

    Aber ja, die unausgeglichene Altersstruktur bringt mit, dass das Neue sehr viel Gewicht bekommt und anderes weniger, da gibt es gute wie schlechte Sachen /Materialien/ Entwicklungen.

  • Freie Stellen für Referendare und Junglehrer ist eher ein schlechtes Zeichen. Gute Schulen halten ihr Kollegium zusammen.

    Stimme dir zu. An einigen Schulen, wo ich war, ließ sich die Fluktuationsrate an der gerade agierenden Schulleitung festmachen. An einer Schule hatte ich einmal eine solch beliebte Schulleitung, dass alle bleiben wollten und viele zu uns kommen wollten. Zu dieser Zeit war auch das Arbeitsklima an der Schule sehr gut und wir machten viele gemeinsame Projekte. Da arbeiteten einige freiwillig über den Durst, weil wir Spaß hatten und motiviert waren.

    Unter anderen Schulleitungen, die etwas erzwingen wollten und dazu wenig Führungsqualitäten hatten, nahm das Engement ab und die Fluktuationsrate zu.

    Ein gutes Kollegium würde ich daran festmachen, wie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ist, wie man miteinander umgeht und dass man gewisse Sachen innerhalb eines soliden Verantwortungsspielraums toleriert. Bei Themen, die alle betreffen - und da gibt es an einer Schule einige - müssen alle am gemeinsamen Strang ziehen. Bei einem großen Kollegium kann man sich die Leute, mit denen es passt, eher aussuchen, bei einem kleinen Kollegium - z.B. an einer kleinen Grundschule - müssen die Leute viel eher zueinander passen.

    Wenn man neu an eine Schule kommt, muss man sich erst einmal anpassen und beobachten, wie es in der Schule läuft. Mit der Zeit kann man sich dann freischwimmen und seine eigenen Vorstellungen innerhalb des Kollegiums anbringen - so meine Erfahrung - ich war im Lauf meines Lehrerlebens an 6 Schulen (Krankheitsvertretungen einmal ausgeschlossen).

    Als ReferendarIn ist man so oder so in der Situation, dass man noch Lernender bzw. Lernende ist. Hier muss man einen Mix finden zwischen dem, was man im Studium und Seminar gelernt hat und den Ratschlägen bzw. den Erfahrungen der KollegInnen an der Schule.

  • Wir sind sogar alle ehemalige Refis. ;)

    Ich kenne mehrere Schulen mit Lehrkräften ohne Ref im Kollegium (Vertretungskräfte, Entfristungen).

    glaubt ihr auch, man kann ein gutes Kollegium relativ zeitnahe erkennen?

    Ich denke, dass allgemeines Duzen tatsächlich ein brauchbares Indiz (aber keine hinreichende Bedingung) ist. Jedenfalls habe ich Siezende Kollegien als stärker in Einzelgruppen zerfallend wahrgenommen. Es kann aber auch sein, dass das schlicht eine Generationenfrage mit entsprechend eingeübten Sozial- und Arbeitsformen ist.

  • Man kann auch in ein gutes Kollegium kommen und durch sein eigenes Verhalten schnell zum Außenseiter werden...

    ... von daher ist das ein Zusammenspiel aus sozialer Dynamik innerhalb des Kollegiums und dem, was man als Neuling hineingibt.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Eine unausgewogene Altersstruktur im Kollegium ist meistens ein Problem. Tendenziell kann ich aber eher eine starke Verjüngung beobachten, wodurch die Arbeit älterer Kollegen indirekt entwertet wird, deren Anzahl stark rückläufig ist, da etliche vorzeitig ausscheiden.

    Bei uns gibt's 4 ü50, ich bin eine davon, ja mei, die andren jungen Kollegen (von 25 aufwärts) pflegen ihre gemeinsamen Treffen, ihren internen Austausch, ihre internen Witze. Und ich? Ich arbeite gut mit ihnen zusammen. Ich unterrichte nach meiner Art, wie ich es gelernt habe, sie nach ihrer, bringen neue Ideen. Mehr brauche ich nicht. Ich kann ihnen schlecht vorwerfen, dass sie alle jünger sind als ich.

  • Die TE erinnert doch stark an zwei oder drei andere mittlerweile nicht mehr hier schreibende Userinnen.

    Kernpunkt ist immer, dass sie schikaniert, gemobbt oder anderswie drangsaliert wird, die Welt nicht versteht und uns fragt, was man dagegen tun kann. Dann werden die Antworten bewertet und festgestellt, dass wir im Wesentlichen zu kritisch rückfragen und der Großteil unserer Antworten sowieso nicht hilfreich ist.

    Warum tun wir uns das an?

    Ich möchte die Schuldzuweisungen klar von mir weisen. Ich war hier nicht schon t und bin seit Sommer 2025 hier. Lies gerne nach, wenn du es nicht glaubst.


    Zum Verlauf der Diskussion: Mir ist durchaus bekannt, dass es Schulen gibt, an denen Referendare verbleiben. Wenn an einer Schule aber kaum junge Leute sind, dann ist das schon sehr seltsam. Entweder hat man verpennt Nachwuchs zu gewinnen oder alle die da waren haben lieber das Weite ergriffen.

  • Wenn an einer Schule aber kaum junge Leute sind, dann ist das schon sehr seltsam. Entweder hat man verpennt Nachwuchs zu gewinnen oder alle die da waren haben lieber das Weite ergriffen.

    Nein. Das ist für mich ein Zeichen, dass die Schule überversorgt ist.
    Bei uns hier in der Region gibt es einige Schulen, die seit Jahren keine jungen KollegInnen bekommen, da sie überversorgt sind. Im Gegenteil: viele müssen sogar Jahr für Jahr KollegInnen abgeben.

    Oft sieht man das bei aussterbenden Hauptschulen oder SBBZ.

  • Oder alle, die da waren, haben sich wohl gefühlt und es sehr lange gemeinsam ausgehalten, sind gemeinsam alt geworden… und der Wechsel steht bevor.


    Du bist nicht die Einzige, die jemals in ein älteres, gemeinsam zusammengewachsenes Kollegium gekommen ist.

    An unseren Nachbarschulen gibt es gemischte Kollegien, aber auch welche 50+ und welche, wo ein Großteil der Kolleg:innen um die 30 ist.

    Die eine SL hat die Versorgung sicher und den Stundenplan vor den Sommerferien fertig, die andere SL wartet auf Einstellung, Abordnung, Vertretung und beginnt dann … und die nächste beginnt 2 Wochen nach den Sommerferien von vorn, weil es einen langfristigen Ausfall gab.

    Ja, ich musste damals auch mit dem Kopf durch die Wand, mein Kopf hat gehalten, die Wand aber auch manchmal. Heute müssen das andere und ich kann mir überlegen, wann ich sie rennen lasse, wann ich mitreden will oder dazu etwas sage.

    Mir ist bewusst, dass es toxische SL oder Kollegien gibt, aber es ist auch so, dass man sich jedes Mal, wenn sich das Personal verändert, neu aufstellen muss. Je kleiner das System, desto deutlicher merkt man es und weiß es voneinander. Das ist Vielfalt, die nervt, die es aber auch braucht oder die es spannender macht, als 40 Jahre das Gleiche zu tun.
    Und es muss ein Miteinander sein. Nicht alles, was andere machen, ist doof oder gegen einen, sie ticken vielleicht einfach anders, sind anders ausgebildet, setzen andere Schwerpunkte …

    Wenn ich meine Schwerpunkte oder Eigenarten behalten will, muss den andere ihre auch lassen oder einen Kompromiss finden.

    Alles, was darüber hinaus geht, gehört in ein Personalgespräch, ggf. mit übergeordnetem Personalrat. Dieser ist aber auch darauf aus, einen gemeinsamen Weg zu finden und nicht allein die Position einer Partei durchzusetzen.

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