Schweinfurter Rutsche

  • So entsteht auch die Ghettoisierung der Schulen. Im Referendariat musste ich drei Tage an eine andere Schulform. Ich habe mir die nächstgelegene Grundschule gewählt, da diese mehrere Jahre später für meine Tochter die Schule werden sollte. Sozialindex 9, ich wohne in einem sehr sozialschwachen Stadtteil einer Großstadt. Kommentar einer Lehrerin: "Du fährst deine Tochter dann wohl woanders hin, ne?"

    Fand ich sehr bezeichnend. Natürlich haben wir sie da angemeldet, allerdings aufgrund eines AO-SF-Status dann nicht lange.

    Und damit komme ich zur Klassengröße: Es gibt ja Gründe, warum die Förderschule meiner Tochter deutlich kleinere Klassen hat...

    Mein Bruder wohnt seit Jahren in einer Wohnung einer deutschen Metropole mit einem sehr günstigen Mietvertrag. Sein "Kiez" besteht aus einer sehr bunten Mischung, eben auch vielen Orientalen. "Selbstverständlich" geht das Söhnchen nicht auf die Grundschule um die Ecke sondern auf die konfessionelle Grundschule weiter weg - und das obwohl das Kind noch nicht getauft ist, weil die Eltern sich nicht auf die Konfession einigen konnten...

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Das heißt vermutlich auch, dass besagter Sohn keine Freundschaften mit den Kindern in der unmittelbaren Nachbarschaft pflegt, oder?

  • Das heißt vermutlich auch, dass besagter Sohn keine Freundschaften mit den Kindern in der unmittelbaren Nachbarschaft pflegt, oder?

    Hahaha.
    Was glaubst du denn, wer sonst noch alles auf die konfessionelle Schule geht?

  • es war sarkastisch, es ist aber gelebte Realität.
    Kenne ich aus mehreren Städten, aus mehreren Stadtteilen.
    Die rumänischen und bulgarischen Kinder (also nicht die türkischstämmigen Bulgaren) aus dem Hochhaus sind christlich und haben einen Anspruch auf Beschulung an der katholischen Bekenntnisschule (im Rahmen der Plätze) oder wollen auf die konfessionelle Privatschule.
    Ich wohne in einem Stadtteil, in den ich NICHT gezogen wäre, hätte ich Kinderpläne gehabt. Wäre ein Kind durch ein Wunder trotzdem gekommen, hätte ich meine katholische Ader eindeutig reaktiviert (und hätte meinem Kind erklärt, dass Religion trotzdem Privatsache ist). Nichts gegen andere Religionen. Sondern gegen Schulindex 9 vs. Schulindex 5 oder 2 (mein Mann hätte das Kind auf dem Weg zur Arbeit gebracht oder wir wären umgezogen). Wenn es um die Kinder geht, ist man sehr kreativ.

  • Das heißt vermutlich auch, dass besagter Sohn keine Freundschaften mit den Kindern in der unmittelbaren Nachbarschaft pflegt, oder?

    In besagtem Kiez wohnen so einige deutsche Familien, die ähnlich denken und handeln. Man karrt die Kinder also gemeinsam zur konfessionellen Schule.

    Was besonders bitter daran ist, das ist der Umstand, dass die 80+% Anteil an SchülerInnen mit Migrationshintergrund an der Kiez-Grundschule auch noch den Zuwanderern angelastet wird...

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Jetzt habe ich den Überblick etwas verloren. Also in der Siedlung gibt es einen erhöhten Migrationsanteil, dein Neffe geht auf die konfessionsgebundene Schule weiter weg und ebenso auch die Kinder einiger deutscher Familien in der Siedlung, mit denn der Neffe wiederum befreundet ist, dadurch ist der Migrationsanteil an der Schule direkt in der Siedlung noch höher und dieser Umstand wird dann wiederum den migrantischen Familien negativ ausgelegt - habe ich das soweit richtig verstanden?

  • ich bin nicht Bolzbold, aber ja, so funktioniert es.
    Teufelskreis und Gentrifizierung bzw. umgekehrte Gentrifizierung an Schulen in Deutschland.

  • Jetzt habe ich den Überblick etwas verloren. Also in der Siedlung gibt es einen erhöhten Migrationsanteil, dein Neffe geht auf die konfessionsgebundene Schule weiter weg und ebenso auch die Kinder einiger deutscher Familien in der Siedlung, mit denn der Neffe wiederum befreundet ist, dadurch ist der Migrationsanteil an der Schule direkt in der Siedlung noch höher und dieser Umstand wird dann wiederum den migrantischen Familien negativ ausgelegt - habe ich das soweit richtig verstanden?

    So ungefähr. Nicht den einzelnen Familien, aber deren Anwesenheit an sich wird als Bildungshemmnis verstanden

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Diese Klassen sind aber auch ein absoluter Sonderfall im Schulsystem, denn dort sammelt sich alles, was nicht zu einer normalen Laufbahn fähig ist. In halbwegs normal beschulbaren Lerngruppen empfinde ich die Klassengröße schon als sehr erheblichen Faktor dafür, wie zügig es vorwärts geht.

    Das sehe ich nicht so. Ich glaube nicht, dass ich mit der Hälfte der Schüler das doppelte schaffen würde. Gerade die Übungsphasen kommen sowieso schon zu kurz. Und da ist es relativ egal, wie viele Kinder in einer Klasse sind. Dazu sind die Klassen auch zu unterschiedlich. Ich habe Klassen mit 26-28 Schülern erlebt, mit denen man Top arbeiten können und Klassen mit 14-16 Schülern, die eine Katastrophe waren. Mit 2-3 schwierigen Kindern kann auch eine kleine Klasse ein Problem sein.

  • Hallo Tom,

    mir wäre es absolut neu, dass alle Schüler mit Migrationshintergrund in der Schule benachteiligt werden.

    Es spricht niemand von allen Schülern. Es würde rechtlich reichen, wenn ein Schüler betroffen wäre.

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