Ehrliche Erfahrungsberichte aus dem Referendariat

  • Hallo,


    im September starte ich mein Referendariat an einer bayerischen Berufsschule und würde gerne ehrliche Eindrücke von (am besten bayerischen) Referendaren sammeln.


    1) Wie hat sich das Referendariat auf euren Alltag ausgewirkt? Wie war euer Tagesablauf und inwieweit hat er sich von eurer Vorstellung unterschieden?

    2) Thema Geld: Wurde von der Schule erwartet, dass ihr viel für Unterrichtsmaterialen, Ausflüge u. Ä. aus eigener Tasche zahlt? Lohnt sich der Kauf eines Druckers?

    3) Wie viele Wochenstunden habt ihr im Schnitt gearbeitet? Habt ihr viele Verwaltungsaufgaben & Co. dazu bekommen, und wie groß war der Aufwand dafür?

    4) Welche Ereignisse oder Phasen waren für euch persönlich die stressigsten und warum?

    5) Wenn ihr das Referendariat nochmal beginnen müsstet: Was würdet ihr anders machen und welche Ratschläge würdet ihr euch selbst mit auf den Weg geben?


    Danke im Voraus!

    1. Viel früher aufstehen als zu Studizeiten ;)
    2. Nix. Drucker lohnt sich immer, finde ich, auch als nicht-Lehrer.
    3. 40-50h? War jedenfalls gut beschäftigt.
    4. Prüfungen, also v.a. die Lehproben
    5. Ich würde mir einen Tag pro Woche freihalten, bis auf in der Lehrprobenzeit.
    1. Viel früher aufstehen als zu Studizeiten ;)
    2. Nix. Drucker lohnt sich immer, finde ich, auch als nicht-Lehrer.
    3. 40-50h? War jedenfalls gut beschäftigt.
    4. Prüfungen, also v.a. die Lehproben
    5. Ich würde mir einen Tag pro Woche freihalten, bis auf in der Lehrprobenzeit.

    This

    Ergänzend

    1. Da ich umgezogen bin und zum ersten Mal wirklich ganz alleine in einer neuen Stadt gewohnt habe, war gefühlt mein ganzer Alltag neu.
    2. Nein. Schau dir deine Schule an und entscheide dann ob ein Drucker Sinn macht oder nicht. Bei uns bräuchtest du keinen.
    3. Hier auch 40-50 h
    4. Same Here
    5. Ich habe versucht ein-zwei Mal in der Woche Sport zu machen. Ein Ausgleich ist wichtig. Und wenn möglich an einem Tag/Nachmittag etwas anderes als Schulsachen mai.

    Viele Grüße aus dem Süden :wink_1:

    1. Das Ref. stand schon sehr im Mittelpunkt.
    2. Einen Drucker braucht man eigentlich immer. Alleine um etwas vorzubereiten und nicht darauf angewiesen zu sein zur Schule zu fahren. Grundsätzlich musst du 0 € ausgeben. Grundsätzlich erwartet es auch keiner von dir. Aber es kann dein Leben viel einfacher machen und lohnt sich. Gerade im Ref kann da einiges zusammenkommen. Die Frage ist aber auch, wie du arbeitest. Leihst Du dir das Material eher aus oder willst Du es selbst kaufen.
    3. 50 h+ grundsätzlich liegt vieles an dir. Wie ist deine Arbeitsorganisation? Wie ist dein Anspruch? Wie schnell arbeitest Du? Grundsätzlich ist es immer deutlich mehr Arbeit, wenn etwas zum ersten Mal macht. Irgendwann gleicht die Erfahrung viel aus. Dazu ist die Frage, wie hoch dein Anspruch an dich selbst ist.
    4. Prüfungen, Lehrproben
    5. War eigentlich eine anstrengende aber auch sehr lehrreiche Zeit. Bin aber gut durchgekommen.
  • Das kann ich soweit bestätigen. Zu den Punkten:


    1. Wenn man vorher schon weiß, dass der Job als Lehrkraft nicht nur ein Vormittagsjob ist, ist das bezüglich der Erwartungshaltung sicher sinnvoll und dann auch wenig überraschend. Schwierig waren teils die Seminartage, wenn das Studienseminar sehr weit vom Schulstandort entfernt ist.
    2. Nein, Lehrmaterial wie Bücher usw. waren nicht anzuschaffen, auch das Studienseminar hatte da notfalls eine umfangreiche Sammlung. Bei Büromaterialien wie Stifte usw. kann man sich überlegen, wie quer man sich stellen möchte. Einen Drucker halte ich ebenfalls für sinnvoll, wenngleich auch nicht zwingend nötig.
    3. Das Referendariat ist mit Sicherheit ein Vollzeitjob, trotz geringerem Deputat als bei Vollzeitlehrkräften.
    4. Die Tage vor Lehrproben gehören da mit Sicherheit dazu. Umso wichtiger ist die Antwort auf 5.
    5. Unbedingt einen privaten Ausgleich zum Job suchen. Bei mir war es wie bei Milk&Sugar der Sport, den ich auch an Abenden vor Lehrproben ganz bewusst wahrgenommen habe, um den Kopf frei zu bekommen.
  • Ich bin fürs Ref. extra umgezogen zu meinem Seminarort, in der gleichzeitig meine Schule war, in eine kleine Stadt, in der nix los war. Damals hatte ich natürlich kein Handy, kein Telefon, keinen PC, nicht mal einen Fernseher. Da mir die Einsamkeit so zu schaffen machte, bin ich nach 5 Monaten zurück in meine Unistadt gezogen. So hatte ich 46 km einfache Fahrzeit zur Schule, aber bin zusammen mit einer Freundin gefahren und wir haben uns wochenweise abgewechselt mit dem Fahren. Für mich war mein soziales Umfeld wichtig, das ganze durchzustehen. Und Freitag Abend war das Pegasus angesagt, unsere Studentenkneipe. Wenigstens einmal pro Woche wie früher Billard und Weißbier mit anderen Studenten, die ich noch kannte.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

    1. Sehr mit den Kita-Zeiten rechnen müssen und jeder Weg war ziemlich durchgetaktet. Viel mehr auf Hilfe angewiesen sein.
    2. Ich habe viel gekauft, denn die Zeit viel in der Schule zu machen oder im Seminar hätte ich nicht gehabt.
    3. 40-50h? War jedenfalls gut beschäftigt. Ja, das kann ich so unterschreiben, viel weniger Schlaf als vorher, denn erst gegen 22 Uhr wenn die Kinder im Bett waren konnte man an den Schreibtisch.
    4. Prüfungen, also v.a. die Lehrproben, besonders aber nachher die Staatsexamensprüfungen und die Modulprüfungen.
    5. Wenn ich überlegen könnte, würde ich das wohl doch in Teilzeit machen, das gab es damals nicht und mit zwei Kindern, wovon eines eingeschult wurde (und ich z.B. ihren Matheunterricht für sie vorbereiten musste ein Vierteljahr lang) und später dann schwanger war das schon hart in Vollzeit und mit Vollzeit arbeitendem Mann, der damals noch kein Homeoffice machen durfte.

      Ehrlich gesagt bin ich aber froh, dass das damals nur ein Jahr bei uns war.
  • Bei uns waren es 2 Jahre, daher bin ich wieder zurückgezogen. Habe übrigens gehört, dass das Ref. In Teilzeit auch nicht viel entspannter sein soll, aber wie so oft subjektiver Eindruck.

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Ich glaube Ref und Kinder ist immer eine problematische Situation, wo man Ende einfach irgendwo Abstriche machen muss. Wir hatten bei uns eine ältere Anwärterin. Ihr Mann hat sie sehr gut unterstützt aber trotzdem war sie immer wieder darauf angewiesen, dass die Seminarleiter Ausnahmen für sie machen. Keine schöne Situation.

    Einmal editiert, zuletzt von Tom123 (17. August 2026 00:11)

  • Ihr man hat sie sehr gut unterstützt aber trotzdem war sie immer wieder darauf angewiesen, dass die Seminarleiter Ausnahmen für sie machen. Keine schöne Situation.

    Und genau das war das Problem bei uns, es gab keinerlei Ausnahmen, nirgends, ganz im Gegenteil, meine Fachseminarleiterin hat mit hinterher erklärt, dass sie von Leuten die schon soviel mehr im Leben steht natürlich viel mehr als von den anderen erwartet und das hätte ich eben nicht gebracht, sondern genau nur soviel, wie die anderen, deshalb war es bei mir nur ausreichend, bei den anderen gut.

    Nunja, da hatten einige einen an der Waffel, was soll es, man lernt dann eben sich aufs wesentliche zu konzentrieren und sich zu denken, dass einem Noten dann sowas von egal sein können und müssen.

  • Ach und ja, ich musste 200km weit weg ziehen und verstand die Welt nicht mehr. Von der schönen Unimetropole in eine Popelstadt. Das hat mich echt schwer getroffen. Von Bayern nach Franken... wie hart kann das Leben sein 😉...

  • Mein erstes Kind war drei und ich gerade schwanger, als ich ins Ref ging. Ich war dann nach drei Monaten gesundheitsbedingt raus und nach der Geburt 9 Monate in Elternzeit. Danach wieder ins Ref, mein Mann komplett zu Hause.

    Ich habe damals 12 Stunden eigenverantwortlich unterrichtet, einer meiner Mentoren war dann langfristig krank, sodass ich zwei seiner Grundkurse komplett übernommen habe.

    Habe neben dem Ref noch recht viel Sport gemacht und würde sagen, dass ich einiges weniger gearbeitet habe als 40 Stunden. Ich habe bei der Vorbereitung eben eher als meine Mitreferandar:innen den Griffel fallen gelassen, weil ich auch mit meinen Kindern genug Zeit verbringen wollte. Und es ging gut.

    Man kann es immer noch besser machen und mehr Zeit investieren, was m. E. auch später im Beruf eine Riesengefahr ist. Also wäre mein Rat:

    1. Der Tag war bei mir besser durchstrukturiert, ich habe deutlich klarer meine sämtlichen Aktivitäten geplant und vor allem den Sport durchgezogen (auch an fast jedem Wochenende mit Ligaspiel).
    2. Drucker wird sowieso gebraucht.
    3. Eher 30 Std.
    4. Stets die Woche vor den Unterrichtsbesuchen wegen der Vorbereitungen und schriftlichen Ausarbeitungen und bei Krankheiten der Kinder.
    5. Ich würde nicht viel anders machen, aber immer dazu raten, genug Ausgleich neben dem Ref (und später dem Job) zu haben, egal ob Beschäftigung mit den Kindern oder/und Freund:innen und vor allem Sport. Auf jeden Fall: andere Dinge tun, die einem wirklich wichtig sind, sodass man den Refkram auch emotional beiseite schieben kann.

      Auch wichtig: Sich von bescheuerten Fachleiter:innen nicht fertig machen lassen. Wer nur hinten sitzt, weiß eh immer alles besser. Orientiere dich an denen, die es dir gut vormachen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Auch wichtig: Sich von bescheuerten Fachleiter:innen nicht fertig machen lassen. Wer nur hinten sitzt, weiß eh immer alles besser. Orientiere dich an denen, die es dir gut vormachen.

    Passend dazu der Klassiker - sicherlich 20 Jahre alt.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

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