Unterrichtsgestaltung ohne Arbeitsblätter

  • Hallo,

    ich bin an eine an andere Oberschule gewechselt und staunte nicht schlecht, als man mir erklärte, ich müsste sämtliches Kopierpapier selbst besorgen und bezahlen. Ich wäre gern rückwärts wieder raus gelaufen.
    Ich unterrichte Chemie und Biologie, die Lehrwerke sind nicht gut und das smartboard zur Zeit ohne touchscreen und so klein, dass viele SuS nicht gut lesen können.
    Ich suche Tips, wie ich meinen Unterricht so gestalten kann, dass ich mit weniger Arbeitsblättern/Kopien auskomme, vielleicht ist jemand in ähnlicher Situation? Grade in den Naturwissenschaften finde ich Arbeitsblätter enorm hilfreich aber auf Dauer möchte ich nicht so viel Geld ausgeben und muss nun meinen Unterricht gänzlich umstellen.
    Ich freue mich über Inspiration 😁

  • Wie alt sind Schüler der Oberschule?

    Gibt es die Möglichkeit einen Reader für das Schuljahr zusammenzustellen und kopieren zu lassen, nachdem vorher das Geld von den Schülern eingesammelt wurde? Wenn du es selbst machen müsstest natürlich mit Fahrtkostenabrechnung.

    Ansonsten wird eben an die Tafel geschrieben.

  • Also Usus ist es nicht, dass an der Schule Geld von den Schülern für Kopien einsammelt wird. Ob ich das einführen kann, bezweifle ich, da viele SuS aus schlechten sozialen Verhältnissen kommen… da ist man froh, wenn Stift und Hefter vorhanden ist.

    Tafel ist nur ein kleines whiteboard vorhanden, auch sehr unpraktisch.


    SuS sind 12-16 Jahre alt

  • Gibt es Beamer? Dann projizieren und abschreiben lassen. Oh, gesehen, dass ihr Smartboards habt. Dann funktioniert das (einigermaßen).

    Ansonsten: An die Tafel schreiben. Ergänzend: Bucharbeit, auch wenn die Bücher schlecht sind. Der Verzicht auf passende und gute ABs ist aber schmerzhaft, wenn du einen aus deiner Sicht guten Unterricht machen willst.

    Gibt es eine Lernplattform? Kannst du digitale Endgeräte für die SuS an der Schule ausleihen? Dann aufwendiges Material digital verteilen. (Problem ist natürlich: Wie kommen die SuS dann zuhause dran, wenn die Verhältnisse so sind, wie du sie beschreibst.)

    Wie machen es denn die KuK?


    Wenn du ein bisschen Stunk machen willst: "Könnte ich bitte die Anweisung schriftlich haben, dass ich privat Papier für Kopien besorgen muss?" Dann bei einer vorgesetzten Behörde nachfragen, ob diese Anweisung der SL aus Sicht der Behörde so korrekt ist.


    PS: Ich halte das Vorgehen an der Schule für eine absolute Unverschämtheit. Dass implizit erwartet wird, dass die KuK Geld in den Job mitbringen, ist schon frech, dass aber dann noch explizit dazu aufgefordert wird, ist indiskutabel.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Kann man irgendwas Brauchbares den Büchern entnehmen? Also Merksätze, die ins Heft übertragen werden, Zellen, die abzuzeichnen sind usw.

    Habt ihr auch keine Drucker? Sonst wird halt ausgedruckt, bis der Toner leer ist.

    Lässt sich überhaupt kein Tafelanschrieb generieren? Steht vielleicht noch ein Beamer oder Dokumentenkamera irgendwo, die du in den Fachraum entführen kannst?

    Und wieso gibt es weder Arbeitshefte noch Kopien, das habe ich tatsächlich noch nie gehört und wir sind auch nicht übermäßig doll ausgestattet. Besteht bei euch denn Lehrmittelfreiheit? Ansonsten würde ich auch Geld einsammeln, Usus oder nicht.

  • Bei uns hat der Kreis als Schulträger vor ein paar Monaten ziemlich über Nacht alle Kopiermöglichkeiten eingestrichen. Das einzige, was wir noch kopieren dürfen, sind Pflichtsachen wie Zeugnisse und Klassenarbeiten, wobei letztere bei der Chefsekretärin zwei Tage vorher eingereicht werden müssen.

    Finde ich unmöglich, so ist es aber bei uns und ich halte mich daran, was bedeutet, dass es von mir keine Kopien mehr gibt. Im Deutschunterricht in einem meiner Bildungsgänge haben wir kein Lehrwerk, da lasse ich nun alles abschreiben und von der Projektionsfläche lesen. Klar ist das schlecht für Arbeit mit literarischen oder Sachtexten, aber so ist es eben. In anderen Bildungsgängen geht es durch BYOD besser. Aber klar ist, ich finanziere da gar nichts mehr.

    Nächste Woche sind zum Beispiel Klassenpflegschaften, meine Klasse hat noch keine Einladung erhalten und erhält wohl auch keine. Der Schulleiter hat meinen Kopierauftrag im E-Mail-Fach oder kann mir alternativ sagen, wie ich diese ausgedruckt bekomme, denn die sollen unbedingt in Papierform an die Eltern. Tja.

  • Auf keinen Fall selbst bezahlen!

    Wir wissen zwar nicht, in welchem Vundesland du interrichtest, aber für die BL mit Oberschulen gilt:

    Kopierpapier ist Sachbedarf des Schulbetriebs.


    Rechtsgrundlage

    Brandenburg
    § 108 Abs. 4, § 110 BbgSchulG

    Sachsen
    §§ 23, 38 SächsSchulG

    Niedersachsen
    § 113 NSchG

    Bremen
    § 21 BremSchVwG


    Das Bundesarbeitsgericht hat im Urt. vom. 12.03.2013 (Az. 9 AZR 455/11) entschieden, dass ein Lehrer grundsätzlich nicht die Kosten für ein zur ordnungsgemäßen Unterrichtsdurchführung zwingend erforderliches Arbeitsmittel selbst tragen muss.
    Das BAG hat dabei ausdrücklich hervorgehoben, dass es einem Lehrer grundsätzlich nicht zumutbar ist, die Kosten für Arbeitsmittel selbst zu tragen, die für die sachgerechte Durchführung des Unterrichts zwingend erforderlich sind.

    Mal den Personalrst drauf hinweisen...

    Vleiben Tafel, Snaetboard, OHP (^^) und Diktat. Oder die Idee mit dem Reader.

    Echt unfassbar, was manche Schulen versuchen und damit offenbar sogar Erfolg haben...

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    I'm back! 😎

    "Du wirst diesen Diskurs nicht gewinnen" (Magellan).

    PaPo 4 President - Make Arguments Matter Again

  • Auch von mir der Hinweis: Kein privates Geld ausgeben. Was man noch als Lehrkraft im Vorbereitungsdienst irgendwie gezwungenermaßen macht, Machtgefälle und so, würde ich als fertige Lehrkraft, ggf. sogar verbeamtet, auf keinen Fall mit mir machen lassen.

    In der Sek I würde ich eh wenige Arbeitsblätter verwenden und wenn diese eh wenig bis kaum zur Verfügung stehen, wird mit dem Schulbuch gearbeitet. Es heißt eh immer, die Jugendlichen schreiben zu wenig, dann haben sie hierdurch einen Schreibanlass.

    Wichtigere Frage jedoch bei den Fächern und der Finanzsituation: Wie sieht es mit praktischem Arbeiten/Experimentieren aus? Wie ist die Schule da ausgestattet? Bis zu einem gewissen Grad sind ja praktische Arbeiten in den Naturwissenschaften curricular vorgeschrieben und ich glaube nicht, dass man diese so einfach ausklammern könnte.

  • Schade in jedem Falle, wenn alle Kreidetafeln rausgeworfen wurden...

    Crazy auch, was manche Waldorflehrkräfte da so machen...


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    https://www.zuckersuesseaepfel.de/2018/09/interv…schule.html?m=0

  • Schätze dich glücklich, dass du immerhin ein Buch hast. Ich würde damit arbeiten, egal wie schlecht, und Zusatzmaterial digital bereitstellen (z.B. über Padlet oder dergleichen, falls es keine Lernplattform gibt). Klassenarbeiten und Klausuren soll das Sekretariat oder sonstwer ausdrucken.

    Und ansonsten lohnt es sich vielleicht, das Thema mal auf die Tagesordnung der LK zu setzen und die oben herausgesuchten Paragraphen mitzubringen.

  • Crazy auch, was manche Waldorflehrkräfte da so machen...

    Schauen die Schüler bei der Gestaltung des Tafelbildes zu? So bringt man die Zeit auch rum.

    Es ist durchaus verständlich, dass Schulen kein Kopierpapier mehr verwenden dürfen. Der Etat wurde schließlich für Apps und Apple-Tablets auf Jahre im Voraus verbraten. Die sind auch viel haltbarer und umweltfreundlicher als Kopien - besonders, wenn sie wegen möglicher Zerstörung, leerer Akkus oder Diebstahlgefahr weggeschlossen werden. </ironie off>

    Vielleicht sollte man am Elternabend darauf hinweisen, dass leider keine Kopien und Arbeitsblätter ausgegeben werden dürfen und somit mehr Zeit für den Tafelanschrieb/-abschrieb bleibt. Der Zusatzhinweis auf PISA 25 wäre dann noch das Ausrufezeichen.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Naja viele KuK kopieren halt aus eigener Tasche. Sind sowieso sehr leidensfähig, was die Zustände in der Schülerschaft angehen…

    Die Schulleitung werde ich bei guter Gelegenheit mal darauf ansprechen.

    Ich bin Seiteneinsteigerin seit 5 Jahren und mein Unterricht ist komplett auf AB s aufgebaut. Rätsel, Übungen, Mysterys etc. Habe viel Geld in gutes Material investiert und nun das… Ich finde es aber auch eine große Unverschämtheit. Mit den Büchern kam man arbeiten aber jede Stunde 45 min, jeden Tag? Das klingt echt dröge…Puhhh…. Ok smartboard wird hoffentlich repariert, das wäre ein Lichtblick.

  • Man kann mal als Belohnung Rätsel und Mysterys machen, aber als Unterrichtsgrundlage? Zudem noch in der Sek I? Ich finde das schwierig, vor allem vor dem Hintergrund, dass viele Schüler (m/w/d) nach dem Schulabschluss ihre Ausbildung in einem Betrieb aufnehmen, wo sie auch nicht jeden Tag superspaßige Aktivitäten vorfinden, sondern auch mal ganz klassische Routineaufgaben ausüben müssen - und das müssen sie auch aushalten können.

  • Rätsel, Übungen, Mysterys etc.

    Man kann mal als Belohnung Rätsel und Mysterys machen, aber als Unterrichtsgrundlage? Zudem noch in der Sek I? Ich finde das schwierig, vor allem vor dem Hintergrund, dass viele Schüler (m/w/d) nach dem Schulabschluss ihre Ausbildung in einem Betrieb aufnehmen,

    ... wo deren Kreativität gefragt sein kann, wo sie zu Lösungen kommen müssen, wo sie den Stoff, den sie in Übungen (has ja sie geschickt nicht erwähnt) einstudiert haben und beherrschen, auf weitere Situationen anwenden müssen, ... ?

    Es steht in odeixes Satz keine prozentuale Verteilung der Übungsformen und wir wissen gar nichts über die Ausgestaltung der Lern- und Übungsformate...
    Oder ist "Üben" und "Lernen" für dich nur stumpfes Pattern drill?

  • Kreativität ist sicher nicht verkehrt, ebenso wie Problemlösefähigkeit. Dennoch ist es wichtig, in erster Linie das Grundwissen und die Grundwerkzeuge sicher zu beherrschen, ehe im nächsten Schritt weiterführende Kompetenzen ausgebildet und angewendet werden können und sollen.

  • Es geht natürlich um das Üben und Vertiefen, zum Teil aber auch um das Erarbeiten der Grundlagen, wofür ich Arbeitsblätter verschiedener Formate verwende. In einen abstrakten Fach wie Chemie ist das ein Highlight.

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