Rechtschreibung nicht so wichtig?

  • Man begegnet gelegentlich auch in diesem Forum der Meinung, dass korrekte Orthographie und Interpunktion einigermaßen vernachlässigbar seien, solange die Botschaft verständlich ist. (Man hat mich erst kürzlich als "angestaubten Oberstudiendirektor" belächelt, dem die "das/dass"-Unterscheidung noch ein Anliegen sei.)


    Heute habe ich eine fast unglaubliche Geschichte über einen Hochstapler gefunden, der in mehreren Kliniken als Arzt arbeitete - bis ihn seine RECHTSCHREIBUNG verriet!


    Hier der Link: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,764070,00.html

    • Offizieller Beitrag

    Das habe ich gestern auch gelesen, da sieht man mal, wie wichtig Rechtschreibung ist. :) Ich steh´ dazu, ich bin schnell dabei, mit dem Duden nach anderen zu werfen, ich finde nämlich, dass es eine Frage der Höflichkeit ist, seine Texte so zu verfassen, dass der andere ohne großartige Verrenkungen und Schmerzen (manche Schreibweisen tun einfach nur weh!) ihn lesen kann.
    Tippfehler passieren, sowas meine ich nicht. Und mal ehrlich, wo soll man denn mit richtiger (oder zumindest ziemlich lesbarer) Rechtschreibung rechnen, wenn nicht in einem Lehrerforum?
    Und uns Mods macht es das Leben auch viel einfacher, es ist nämlich wirklich so, dass sich viele Trolle oder getarnte Schüler / Eltern (ja, ich weiß, dafür bekomme ich bei den Schulthemen wieder eins übergebraten, aber ich habe "viele" geschrieben, nicht alle!) sich durch ihre Rechtschreibung verraten.


    Fazit: Ich mag Rechtschreibung. Und höchstwahrscheinlich habe ich trotzdem einen Fehler im Text. Wenn ich´s nachher noch finde, korrigiere ich es, dafür gibt es ja die Edit-Taste :)

    Bolzbold #5

    Gutmensch und Spaß dabei (= das GG und der Diensteid sind schon 'ne gute Sache 😉)

    "Und hast du die Ausrufezeichen bemerkt? Es sind fünf. Ein sicheres Zeichen dafür, dass jemand die Unterhose auf dem Kopf trägt." (T. Pratchett)

  • Zu diesem Thema fällt mir doch glatt wieder der folgende Artikel ein:


    Rechtschreibung


    Wir hatten leider auch schon Praktikanten mit mehreren Rechtschreibfehlern im Tafelbild. Und das schlimme war, dass es denen nicht einmal bei der Nachbesprechung klar war.


    Gruß
    Super-Lion

  • Ich denke ebenfalls, dass manche es hier mit der Rechtschreibung zuweilen ein bisschen locker sehen; sie schieben wiederholte Verwechslung von das und dass beispielsweise dem Kind in die Schuhe, das beim Schreiben auf ihrem Schoß gesessen habe...


    In der Schule ist es so, dass die Schüler teilweise schon verstimmt reagieren, wenn man ihre Fehler verbessert. Eine Schülerin in Reli, 6. Klasse, meinte mal, ich solle lieber auf ihren Inhalt gucken statt auf ihre Fehler... Sicher, man soll es nicht übertreiben, manches verliert sich auch über die Jahre und so, aber dennoch ist nicht nur der Deutschunterricht für die korrekte Rechtschreibung zuständig. Sonst würde den Kindern die Rechtschreibung als eine Sache des Deutschunterrichts erscheinen und nicht als eine, die für das Leben allgemein wichtig ist.


    Noch zu der Geschichte, auf die magister 999 verweist: Mein eigener (mittlerweile uralter und grauer) Lehrer erzählte mal, dass solche Sachen im / nach dem Krieg relativ häufig (was auch immer relativ häufig heißen mag) vorkamen: Die Leute, die im Krieg Sanitäter waren, haben nach dem Krieg, als sowieso alles in Schutt und Trümmern lag und jegliche Dokumente und Urkunden perdu waren, einfach eine Arztpraxis aufgemacht. In den Kriegswirren auf ihren Einsätzen hatten sie genügend Gelegenheiten zum "Üben" und "praktischen Studieren" gehabt, und später waren es durchaus angesehene Ärzte. Es sei quasi immer der Zufall gewesen, der den Betrug ans Licht gebracht habe, z.B. wenn alte Bekannte einen zufällig wiedergetroffen haben ("Mensch Kalle, DU bist Arzt? Mit einer eigenen Praxis... ?") Schon interessant.


    Hamilkar

  • Ich habe gerade ein Buch gelesen, dessen Verlag sich doch glatt herausgenommen hat in der ß/ss-Frage auf neue Rechtschreibung umzustellen, aber ansonsten bei der alten zu bleiben.
    Mir sind auf jeder dritten Seite die Augen aus dem Kopf gefallen, weil ich es nicht fassen konnte, dass da so was stand wie


    "Sie wusste, dass sie recht hatte." oder so ... Aaaaahh !!!!

  • Rechtschreibung ist für mich ein Werkzeug, nicht mehr. Sie dient nicht zum Selbstzweck und wenn ich nach der Arbeit hier schreibe, achte ich nicht immer so genau auf die Rechtschreibung, wie ich es in der Schule mache. Wenn ich als Mathematiker die Unkenntnis vieler Kollegen auf dem Gebiet so hoch hängen würde, wie einige die Rechtschreibung, würde ich aus dem Kotzen ja garnicht mehr rauskommen.
    Der Fall des Hochstaplers ist insofern interessant, er ist nicht durch seine Unkenntnis im Beruf aufgefallen, diesen hat er wohl ziemlich gut ausgefüllt, was sagt das wohl über unser Bildungssystem aus.

  • Rechtschreibung ist für mich ein Werkzeug, nicht mehr. Sie dient nicht zum Selbstzweck...

    Diese Argumentation hat meines Erachtens insbesondere bei Leuten, die die Rechtschreibung nicht in jeder Lebenslage sicher beherrschen, ein großes Zustimmungspotenzial, führt aber am eigentlichen Problem vorbei.


    Zum Werkzeuggebrauch: Die Verwendung von Qualitätswerkzeug hat immer Auswirkungen auf die Qualität der Arbeit, es wird nie um seiner selbst willen eingesetzt.


    Kein Chirurg operiert mit dem Küchenmesser, obwohl man auch damit schneiden kann.
    Kein Fotograf verwendet eine Grünlichtidiotika mit verzerrendem Billigobjektiv, wenn er Profiaufnahmen liefern soll.
    Kein Grafiker arbeitet mit Windoof-Programmen, weil es Besseres gibt.
    Auch in Industrie und Handwerk spielt die Qualität des Werkzeugs eine entscheidende Rolle für die Arbeitsqualität.


    Warum soll für uns als Lehrer anderes gelten? Wir arbeiten, ganz gleich welches Fach wir unterrichten, mit unserer Sprache. Wie alle anderen Fachleute müssen auch wir mit Qualitätswerkzeug arbeiten, um Qualitätsarbeit abliefern zu können. Anders gesagt: Von Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, über eine überdurchschnittliche Allgemeinbildung plus Fachausbildung zu verfügen, erwartet man immer noch eine überdurchschnittliche Sprachkompetenz.


    Und genau deshalb ist der im Ausgangspost erwähnte Hochstapler aufgefallen.


    (Eine kleine tatsächliche Begebenheit zum Abschluss: Vor einigen Jahren ist an einer bekannten süddeutschen Universität ein kompletter Prüfungsjahrgang in einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät durchgefallen. Nicht wegen fehlender Fachkentnisse, sondern wegen eklatanter sprachlicher Mängel in den Diplomarbeiten!)

    • Offizieller Beitrag

    Ich versuche in der Regel schon, auf meine Schreibweise zu achten. (Und ich habe auch damals beim ICQ-Kontakt mit meinen Schülern drauf geachtet.). Aber:

    Zitat

    Kein Chirurg operiert mit dem Küchenmesser, obwohl man auch damit schneiden kann.


    Und in der Freizeit nutzt er das Küchenmesser, um damit seine Gurken zu zerschnippeln.

    Zitat

    Kein Grafiker arbeitet mit Windoof-Programmen, weil es Besseres gibt.


    Aber in der Freizeit schreibt er seine Email mit Outlook auf nem WIn7-PC.


    Sprich: klaro soll man im Beruf als Lehrer auf seine Schreibweise achten. Aber faktisch spielt die Rechtschreibung außerhalb gewisser "verpflichtender" Kreise keine Rolle. Man darf also im normalen Leben in der Regel schreiben, wie man lustig ist. Die Folge davon könnte höchstens sein, dass die eigenen Textbeiträge (ob Forumsbeitrag oder EInkaufsliste) nicht oder nur ungern gelesen werden.
    Aber Kritik ist leider unangebracht, da jeder schreiben kann und darf, wie er will.


    kl. gr. Frosch


    Nachtrag: ich weiß, eine einheitliche Schreibweise vereinfacht die Kommunikation. Deshalb achte ich ja auch bei mir drauf. Aber ich würde es niemanden außerhalb der Schule etc. vorwerfen.

    • Offizieller Beitrag

    Wenn das Geschreibsel nicht mehr lesbar ist, werfe ich das demjenigen vor. Oder ich lasse es, behalte aber auch meine Antwort, die ihm vielleicht was genützt hätte, bei mir. So´n bisschen Höflichkeit ist doch wohl nicht zu viel verlangt.
    Und ganz ehrlich: Diejenigen, die drauf angesprochen werden, schreiben so, dass man sich fragt, ob sie sich extra Mühe geben, möglichst wenig Rechtschreibregeln zu beachten. Sich dann darauf zu beziehen, man habe ja Freizeit, finde ich albern, schließlich dauert es für einen normalen Wald-und-Wiesen-Lehrer länger, so falsch zu schreiben, als wenn er einfach normal schreiben würde.
    Schlagt mich.

  • Der eine oder andere Teilnehmer wird es am Titel erkannt haben, ja, wir sind da in Köln! Die Anschreiben der BezReg an die Schulen, die Korrespondenz der Schulamtes strotzt nur so voller Fehler, da fällt es bisweilen schwer, im Umgang mit den Schülern die nötige Ernsthaftigkeit bei diesem Thema walten zu lassen. Frei nach dem Motto: "Wenn es die, die es sturiert haben, nicht machen, was soll der Quatsch?" Und in der "Zentralen Abschlussprüfung" 2010 für das Fach Deutsch gab es bei über 140 zu vergebenden Punkten satte 8 für die sprachliche Gestaltung, davon ganze 2 für die Sprachrichtigkeit. Da reicht es, wenn der Kandidat "Brumbrum" kritzelt und ein Auto meint. Traurig, aber wahr, wir werden uns davon verabschieden müssen, dass Rechtschreibung etwas bedeutet.

    "Wir operieren in dem Gebiet, das zwischen den besten Absichten und dummem Zufall liegt. Unser Leben ist ein einziges Glück im Unglück. Und dieser Umstand verleiht all unseren Handlungen etwas unfreiwillig Komisches." (aus: "Die Enzyklopädie der Dummheit")

  • Da reicht es, wenn der Kandidat "Brumbrum" kritzelt und ein Auto meint.


    Korrigierst du dann zu "Brummbrumm" ? :D


    ;) Ich wünsche euch ein schönes Wochenende mit wenig Schriftkorrektur und viel Sonnenschein! :thumbup:

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    und wenn ich nach der Arbeit hier schreibe, achte ich nicht immer so genau auf die Rechtschreibung, wie ich es in der Schule mache.


    das verstehe ich nun nicht:
    als Lehrer sollte einem eine korrekte Rechtschreibung doch in Fleisch und Blut übergegangen sein, was gibt es gezielt darauf zu achten ?(
    Anders sieht das bei Buchstabendrehern aus, die durchs Tippen entstehen --einmal drüberschauen, dann sind die aber auch weg.


    Wobei ich gestehen muss: beim Tippen verzichte ich selbst nur zu gerne auf Großschreibung :whistling:

    • Offizieller Beitrag

    Danke Friesin, du hast meinen Gedanken verständlicher ausgedrückt als ich *g*

    • Offizieller Beitrag

    (Man hat mich erst kürzlich als "angestaubten Oberstudiendirektor" belächelt, dem die "das/dass"-Unterscheidung noch ein Anliegen sei.)

    Meine Güte - da hab ich wohl vergessen den Ironie-Button zu drücken! :huh:
    Hatte den Verlauf des Threads als eher scherzhaft aufgefasst. Zugegeben, ich fand deine Einlassung über das Verwechseln von das/dass in diesem Thread (wenn es denn überhaupt ein Verwechseln war und kein Flüchtigkeitsfehler) etwas grenzwertig ("dämlich, dumm" schriebst du), hab dann aber gedacht, dass du das sicher eher nicht so ernst meintest. Hab ich mich wohl geirrt. Wollte jedenfalls niemanden beleidigen.


    Rechtschreibung finde ich im Übrigen sehr wichtig. Trotzdem sollte man niemanden als dumm o.ä. bezeichnen, der Fehler beim Schreiben macht. Sollten die Fehler sich allerdings häufen und auf Nachlässigkeit zurückzuführen sein, nervt mich das beim Lesen auch. Sehr fehlerhafte Forenbeiträge lese ich deswegen nicht. Ich empfinde so etwas als respektlos dem Adressaten gegenüber (immer vorausgesetzt der Schreiber beherrscht die richtige Schreibweise grundsätzlich!).

  • Diese Argumentation hat meines Erachtens insbesondere bei Leuten, die die Rechtschreibung nicht in jeder Lebenslage sicher beherrschen, ein großes Zustimmungspotenzial, führt aber am eigentlichen Problem vorbei.

    Das sehe ich nicht so. Auch Menschen mit sicherer Rechtschreibung nutzen Sprache, Rechtschreibung in verschiedenen Kontexten unterschiedlich. In der Schule, keine Frage, ist unser professioneller Umgang mit Rechtschreibung selbstverständlich. In anderen Umgebungen, wie Chats, Foren oder dergleichen wird Sprache anders genutzt. Das kann man Bedauern, ist in der Geschichte der Sprache allerdings nicht ungewöhnlich, das Sprache nicht immer einheitlich angewendet wird. Sprache ist ein Konstrukt, welches sich verändert und lebt.


    Zu der Anmerkung von Werkzeugen, kann ich mich nur "kleiner gründer Frosch" anschließen. Ich nutze mein Rechtschreibe-Skalpel nicht in der Freizeit. Meine Freunde würden mich umbringen und es ist meiner Meinung nach auch unhöflich und respektlos, immer alles zu kritisieren. Es hat meiner Meinung nach auch was mit Toleranz zu tun, manchesmal nicht zu genau hinzuschauen oder zu hören.

    das verstehe ich nun nicht:


    als Lehrer sollte einem eine korrekte Rechtschreibung doch in Fleisch und Blut übergegangen sein, was gibt es gezielt darauf zu achten ?(


    Anders sieht das bei Buchstabendrehern aus, die durchs Tippen entstehen --einmal drüberschauen, dann sind die aber auch weg.

    Da nicht alle Menschen perfekt sind, ist es durchaus möglich, beim Verfassen längerer Texte Fehler zu machen. In der Schule würde ich einen Text gewissenhaft Korrekturlesen, bevor ich ihn an meine Schüler weitergebe. In Internet bin ich etwas "ungenauer" und lese ihn meistens nur oberflächlich ein zweitesmal durch. Es ist meine Freizeit und die Toleranz die ich gegenüber anderen Texten habe, möge man mir auch geben oder meine Texte eben überlesen.

  • Ich lese auch nicht alle meine Texte Korrektur, da können Tippfehler durchaus entstehen - das finde ich im Freizeitbereich bei mir nicht schlimm und bei anderen natürlich auch nicht.
    Was mich aber auch nervt, sind Beiträge, die dadurch schwer lesbar werden, dass bspw. die Groß- und Kleinschreibung konsequent missachtet wird oder - noch schlimmer - Satzzeichen nicht vernünftig gesetzt werden. Das geht für mich gar nicht und solche Beiträge lese ich dann meist auch gar nicht erst.

Werbung