Wirklich so schlimm?

  • Hallo,


    ich lese fast überall, dass das Referendariat "die schlimmste Zeit des Lebens", "eine Hölle", "Zeit der absoluten Runtermacherei" usw. wäre. Ich habe mich gerade für den Quereinstieg beworben und möchte einfach von ganzem Herzen Lehrerin werden. Aber das verunsichert mich gerade sehr. Als Quereinsteigerin wird man bei mir noch viel mehr zu meckern finden..


    Also. Hand aufs Herz. Wie schlimm war es wirklich? Schreiben in Foren immer nur die, die alles kacke fanden und die, die zufrieden waren, halten sich zurück? Oder gibt es sie nicht - die Leute, die das Ref ganz ok fanden?


    Und wie schätzt ihr den Arbeitsaufwand ein? Ich meine.. ich kenne es so aus meinem Studium: Da habe ich auch viel gemeckert, wie hoch die Arbeitsbelastung wäre usw. und musste viel am WE machen. Aber ich habe unter der Woche auch nie 40h gearbeitet. Ich war vielleicht 40h an der Uni, aber da habe ich dann zwar auch fachlich diskutiert, aber nicht gemacht, was ich sollte, habe lange Kaffee getrunken, mit Leuten rumgealbert, bin Essen gegangen... kurz: ich habe viel Zeit verdaddelt. Klar, dass dann das WE drunter leiden muss. Ist das an der Schule auch so? Dass man mit 40h Arbeitszeit wie normale andere Menschen auskommen würde, aber es in der Woche schlicht nicht macht/schafft (weil vllt. keine Räume zum Arbeiten da sind o. ä., weil man mit Kollegen netzwerkt, weil Referendare lange Mittag essen, Kaffee trinken, einkaufen, ...). Oder sind die Aufgaben wirklich so umfangreich, dass man eher eine 60h-Woche hat?


    Viele Grüße

  • Ja. War es. Im Unteroffiziers-Lehrgang bei der Bundeswehr in den 80ern habe ich mich sehr viel mehr respektiert gefühlt, die Ausbildung war transparenter, klarer und weniger psychisch belastend.


    Was das für den größenwahnsinnigen Anspruch der deutschen Didaktik bedeutet, was die "Weltverbesserung" angeht, soll jeder für sich selbst beurteilen.


    Der tatsächliche Beruf, denn ich jetzt ausübe, vor allem in einer gut geführten Schule, hat allerdings nichts und abernichts mit der menschenverachtenden Schinderei des Referendariats zu tun.


    Nele

  • Zitat

    ich lese fast überall, dass das Referendariat "die schlimmste Zeit des Lebens", "eine Hölle", "Zeit der absoluten Runtermacherei" usw. wäre. Ich habe mich gerade für den Quereinstieg beworben und möchte einfach von ganzem Herzen Lehrerin werden. Aber das verunsichert mich gerade sehr. Als Quereinsteigerin wird man bei mir noch viel mehr zu meckern finden..


    Ich fand's eine schöne Zeit.

  • ... ich bin im Ref. in Westthüringen. Man hat im Studium kaum was Praktisches gemacht und dann soll man holterdiepolter 10 Stunden selber planen und unterrichten. Jede Woche. Bei der Unterrichtsvorbereitung für manche Fächer sind 8 Stunden gar nichts. Da reichen das Wochenende und die Nachmittage nicht aus.


    Also was macht man: Man sitzt bis tief in die Nacht. Am nächsten morgen steht man dann total übermüdet vor teils sehr schwierigen Klassen. Und nein, die Schüler sind mitnichten alle motiviert und wollen was lernen. Auch nicht in der Grundschule. Auch nicht, wenn der Unterricht noch so schön aufbereitet ist.


    Es kommt sehr stark auf das Einzugsgebiet deiner Schule an. An einer Schule im Brennpunkt würde ich kein Ref. machen. Ein Kumpel von mir erlebt das momentan an der Gesamtschule und es ist wirklich die Hölle. Die Schüler haben keinen Bock auf Sport, machen was sie wollen und die Mentorin kreidet IHM das dann alles an. Natürlich: Die Eltern sind nicht schuld, wenn ihre Kinder keine Manieren haben. Der völlig unbescholtene Referendar ist schuld. Wenn soetwas in der Lehrprobe passiert, dann kannst du von Glück sprechen, wenn du noch eine 3 bekommst. Denn auch da wird DIR das Fehlverhalten der Schüler angekreidet.


    Ich habe momentan einen ganz scgönen Durchhänger und bin einfach nur richtig froh, wenns vorbei ist!!!


    Viele Grüße aus Westthüringen,
    André

  • Mit entwickelter Berufspraxis sind 10 Stunden die Woche etwas, was man mit einem Schulterzucken aus dem Handgelenk schüttelt. Glückauf, alles wird gut! :)

  • Bei mir war's auch nicht so schlimm. Sicher, man muss was tun, aber ich wurde immer fair behandelt. Der Berufseinstieg war anstrengender.


    Gruß

  • ich empfinde es auch nach wie vor als die stressigsten, nervigsten zwei jahre meines lebens.
    nele hat recht: man muss leistenleistenleisten und wird nur kritisiert.


    ABER: es sind zwei jahre, inzwischen nur noch 1,5. du musst du überstehen, danach ist es zwar ein anstrengender, aber auch schöner beruf.

  • vielen Referendaren fällt die Umstellung vo Student (nur für sich selbst verantwortlich, lockere Arbeitszeiten) zum Lehrer, der nicht mehr nur für sich selbst verantworlich ist, sehr schwer. Sie haben Probleme mit ihrer Rolle als Lehrer. Mit dem Erwachsensein.
    Das war bei mir nicht so, weil ich bereits älter war (Ü 40) und mehrere eigene Kinder hatte. Im Vergleich mit der Zeit, als die eigene Kinder klein waren, war der Zeitaufwand im Ref. easy: es gab unterrichtsfreie Zeiten und man durfte sogar krank sein, ohne sich um Ersatz kümmern zu müssen - und bekam es obendrein noch bezahlt.


    Die Doppelrolle: einerseits Auszubildender, anderer Ausbildender zu sein, war oft eine Gratwanderung.
    Dazu kam, dass bei uns im Seminar überhaupt keine Transparenz herrschte: keine Noten bis 6 Wochen vor der 1. Examenslehrprobe, keine konkreten Hinweise -- nichts. Immer nur "Bleiben Sie authentisch" "Verbniegen Sie sich nicht" "Das kann man so machen" -- aber nciht, wie man es nicht machen sollte. Auch nicht, wie man es denn tatsähclich am besten tun sollte, was erfolgversprechend im Sinne der Ausbildung gewesen wäre. Die viel beschworene Transparenz gegenüber Schülern galt gegenüber den Referendaren offenbar nicht.


    Also hatte man 2 Jahre lang das Gefühl im Trüben zu strampeln. Wenn es mal ein Lob gab, wurde es sogleich wieder revidiert. Gezeigt bekommen, was man wie besser machen kann-- Pustekuchen.


    Ich persönlich hatte zwar während der Zeit immer das Gefühl, im richtigen Beruf zu sein, aber es gab kaum Zeiten, in denen man in Ruhe unterrichten konnte ohne
    a. eine Show abzuziehen
    b. geprüft, begutachtet, beurteilt zu werden
    c. immer perfekt sein zu müssen.


    Selbst auf Klassenausflügen und bei Seminarfeiern (wo die Ausbilder anwesend waren) fühlte man sich ständig unter Beobachtung.


    Das didaktisch-pädagogische Ideal - menschliche Ideal hängt unrealistisch hoch.


    Den Einstieg in die Vollzeitstelle fand ich dagegen erstaunlich entspannt. Auch nicht zeitaufwändiger, dazu unverkrampfter.

  • ich lese fast überall,


    Was heißt den "überall"?


    Vor meinem Ref habe ich vor allem bei Referendar.de gelesen und bekam den gleichen Eindruck. Stattdessen waren die zwei Jahr in Ordnung.


    Ich denke, dass in Foren und ähnlichen Plattformen vor allem Leute unterwegs sind, die Negatives zu berichten haben. Lass dich nicht verrückt machen. Friesin hat den Rest gerade sehr passend beschrieben.


    Grüße vom
    Raket-O-Katz

  • Zitat bluesbutterfly :

    Zitat

    Wirklich so schlimm?

    Nein, viel schlimmer !


    Zitat neleabels :

    Zitat

    Im Unteroffiziers-Lehrgang bei der Bundeswehr in den 80ern habe ich mich sehr viel mehr respektiert gefühlt, die Ausbildung war transparenter, klarer und weniger psychisch belastend.

    Meine Bundeswehrzeit empfand ich auch als viel humaner und fairer als das Referendariat. Ich würde heutzutage, wenn ich auswählen müsste, zehnmal lieber nochmal zur Bundeswehr gehen als nur eine Sekunde das Referendariat zu ertragen. Vielleicht würde ich sogar die Fremdenlegion vorziehen.

    Zitat

    Was das für den größenwahnsinnigen Anspruch der deutschen Didaktik bedeutet, was die "Weltverbesserung" angeht, soll jeder für sich selbst beurteilen.

    Schon geschehen ! Und gut zu wissen, dass der o.g. Anspruch wenigstens im Referendariat (immer noch) gelebt wird.


    Zitat Andre`...

    Zitat

    Die Schüler haben keinen Bock auf Sport, machen was sie wollen und die Mentorin kreidet IHM das dann alles an. Natürlich: Die Eltern sind nicht schuld, wenn ihre Kinder keine Manieren haben. Der völlig unbescholtene Referendar ist schuld.

    Ihr Referendare tut mir einfach leid und habt mein Mitgefühl !8_o_)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

    3 Mal editiert, zuletzt von Elternschreck ()

  • Ja. War es. Im Unteroffiziers-Lehrgang bei der Bundeswehr in den 80ern habe ich mich sehr viel mehr respektiert gefühlt, die Ausbildung war transparenter, klarer und weniger psychisch belastend.


    Du auch? ;)

  • Also, ich bin auch quereingestiegen und kann nur sagen, man hat mich deswegen nicht schlechter behandelt. Hängt natürlich vom Ausbilder ab.
    Es war teilweise nur frustrierend und sinnlos, so wie jede Ausbildung, die man macht. Im Studium bin ich emotional mehr auf dem Zahnfleisch gegangen, obwohl ich zum 2. St.Ex. wiederkommen durfte.
    Wenn du eine einigermaßen robuste Persönlichkeit bist, wirst du fluchen und wütend sein, aber es überstehen.


    Abgesehen davon: Trotz all dem Stress, durch den man musste, gab es auch schöne Momente, nette Schüler, Ausbilder, Kollegen und Mitreferendare!

    Quiet brain, or I'll stab you with a Q-Tip!


  • Abgesehen davon: Trotz all dem Stress, durch den man musste, gab es auch schöne Momente, nette Schüler, Ausbilder, Kollegen und Mitreferendare!


    Genau so habe ich das auch empfunden. Ich hatte sogar großenteils gute Fachleiter. Den Umgang der Seminarverwaltung mit uns habe ich z.T. als herabwürdigend empfunden und die zeitlichen Vorgaben waren Irrsinn.
    Aber meine Schule war großartig, ich hatte tolle Ausbildungslehrer und habe sehr viel gelernt.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Ich habe die ersten 1,5 Jahre als stressig, aber machbar empfunden. Habe viel gearbeitet (die von Dir erwähnten 60 Wochenstunden kann ich durchaus überbieten, allerdings als Quereinsteigerin mit 20 Stunden eigenverantwortlichem Unterricht. Und außerdem bin ich ne Fleißbiene :)). Nun hat das letzte halbe Jahr begonnen und ich stelle fest: die Kritiken in den UBs werden unsachlich, unfair und teilweise lächerlich. Einmal gab es fiese Meckerrunden nach dem UB, die sich bis zu 3 Stunden in die Länge zogen und unaufhörlich mit einem Punkt beschäftigt haben. Dann gab es Sätze wie: Das war kein Unterricht, sondern eine Zumutung für Schüler und Zuschauer. (Dies sind alles Berichte meiner Mit-Leidenden)


    Entweder fällt den Fachleitern nichts mehr ein, was man noch kritisieren will oder man will die Refs kurz vor der Prüfung nochmal soweit "motivieren" oder eher beängstigen, dass sie die Ferien Ferien sein lassen und alle Wochenenden durcharbeiten, da ein Durchfallen auch ein bißchen auf sie zurückfallen würde.
    Es wird immer absurder. Und wenn ich die Geschichten meiner Mit-Reffis höre, habe ich schon Angst vor meinen letzten beiden Besuchen.


    Trotzdem kann ich sagen: Ich habe eine ganz tolle Fachleiterin, die mir viel beigebracht hat! Ohne sie ständ ich tatsächlich noch mit 100% Frontalunterricht und zwischendurch halbherzigen und daher nicht effektiven Gruppenarbeiten vor den Klassen. Jetzt sagen mir die Schüler, dass es ihnen riesig Spaß macht, diese Mischung aus Vortrag und koopertivem Lernen. Das bestätigt mich.
    Ich habe...

    • tolle Menschen kennengelernt
    • durfte nochmal Schüler sein (mit all den Vor- und Nachteilen und damit verbunden mit dem entwickeltem Verständnis für meine eigenen Schüler. ich komme daher NIE unvorbereitet in den Unterricht und bemühe mich immer, alle Kopien etc dabei zu haben usw)
    • habe sehr viel gelacht,
    • habe im Unterricht Sachen ausprobiert, die ich sonst nie versucht hätte
    • habe in Seminarfreistunden gelästert und geschnackt und zu viel Cafeteriakuchen gegessen
    • natürlich hab ich mich auch geärgert, manchmal sogar so sehr, dass ich am liebsten alles hingeworfen hätte. Vor allem neulich, als ich bat, die Seminarveranstaltung 15 Min eher verlassen zu dürfen, damit ich meinen Sohn mal ausnahmsweise abholen kann und es mir "untersagt" wurde (sonst macht das die Oma. Ich hab bisher nie wegen meines Sohnes gefehlt!!
    • und und und



    Alles in allem: Ich bin froh, wenns vorbei ist, ich hätte 1000 Verbesserungsvorschläge, aber missen möchte ich die Zeit nicht! Meine Meinung ist, dass man sich einfach einlassen muss, einige Dinge hinnehmen muss und dazu noch bereit sein muss, viel Arbeit zu investieren. Dann kommt man da gut durch! Gemessen am Rest der Lebensarbeitszeit ist es ja auch nur ein kleiner Teil ;)

  • Ich habe vor 7 Jahren mit dem Referendariat begonnen. Vorher habe ich mir auch in verschiedenen Foren Berichte über das Referendariat durchgelesen und hatte die schlimmsten Befürchtungen. Glücklicherweise kam es aber doch ganz anders. Ich kann auch jetzt noch sagen: Das Referendariat war eine tolle Zeit! Ich habe unheimlich viel gelernt, konnte mit tollen Kollegen zusammenarbeiten und viel von ihnen lernen. Es haben sich in dieser Zeit Freundschaften entwickelt, die auch jetzt noch regelmäßig gepflegt werden, obwohl ich schon viele Jahre an einer anderen Schule arbeite. Mir wurde immer offen gegenüber getreten und Kritik wurde immer konstruktiv geäußert.Auch das Seminar habe ich als wohlwollend und konstruktiv empfunden. Es gab natürlich auch schwierige Fachleiter, aber ich hatte wohl sehr viel Glück. Es waren keine Fachleiter, denen man nach dem Mund sprechen müsste, sondern denen man bei der Reflexion auch sagen konnte, mit welcher Intention man auf eine bestimmte Art und Weise gehandelt hat. Ich müsste ihnen also nie nach dem Mund sprechen, sondern konnte Menge frei äußern. Das Verhalten der Fachleiter fand ich immer äußerst fair und kollegial. Etwas blöd, war es tatsächlich, dass die Noten erst so spät verkündet wurden.
    Insgesamt war das Referendariat für mich eine tolle Erfahrung!

  • vielen Referendaren fällt die Umstellung vo Student (nur für sich selbst verantwortlich, lockere Arbeitszeiten) zum Lehrer, der nicht mehr nur für sich selbst verantworlich ist, sehr schwer. Sie haben Probleme mit ihrer Rolle als Lehrer. Mit dem Erwachsensein.

    Dem kann ich nur zustimmen. Gut, die Lehrerausbildung in der Schweiz ist sowieso anders. Aber meine jungen Mitstreiter, die direkt nach dem Master von der Uni kamen, haben sich auch allerübelsten Stress gemacht, den ich so überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Es ist wirklich ein Vorteil, wenn man etwas älter ist und schon den ein oder anderen Wahnsinn mehr im Leben aushalten musste. Dann nimmt man das ganze BlaBla bezüglich Didaktik und Pädagogik, das einem während er Lehrerausbildung um die Ohren fliegt, deutlich gelassener.


    Abgesehen davon waren fast alle meine Praxislehrer aber auch ausgesprochen nett und ich habe in dem Jahr viel gelernt. Ich hatte eigentlich nur einen dabei, der mich echt zu Tode genervt hat. Ich hab mir während der ganzen Zeit, die ich das Praktikum bei ihm machen musste, nur gedacht "Ok ... jetzt lernst du wenigstens, wie man es NICHT macht" ;) Man sollte einfach immer versuchen, aus jeder Situation zu profitieren.


    Es ist schon nett, dass ich jetzt alleine "Herrin" im Schulzimmer bin - bzw. eigentlich sehe ich mich mehr so als Hütehund vor einer Schafherde :) Andererseits habe ich aber auch jetzt überhaupt kein Problem damit, wenn mal ein Kollege vorbei kommt oder jemand (zwecks Qualitätsmanagement) von einer externen Organisation. Das ist bei uns an den meisten Schulen so üblich und man ist da vor allem unter Kollegen normalerweise auch nett und konstruktiv zueinander.

  • Mein Referendariat war stressig, aber nicht schrecklich. Bei weitem nicht. Ich habe in den 2 Jahren viel gelernt, von dem ich heute noch profitiere, und hatte nie das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Die Kritik war sachlich und konstruktiv. Einmal hatte ich für zwei oder drei Tage einen Durchhänger, aber das war es dann auch schon gewesen. Dafür viele nette und schöne Momente.


    Sarek

  • Für mich war das Ref. die stressigste, aber auch die schönst Zeit. Das Studium fand ich nur schlimm dagegen. "Geschichte der Pädagogik" und andere alte Schinken auswendig lernen, die dann sowieso keinen Menschen mehr interessieren….. die Praktika zwischendrin fand ich immer super.
    Im Ref. konnte ich endlich das machen, was mir Spaß macht: Unterrichten! Ich hatte allerdings auch tolle Mentoren und mit dem Seminar Glück. Es hat einfach alles gepasst.
    Soziale Kontakte hatte ich in der Zeit nicht wirklich….. und mein Mann meinte mal so zum Spaß: Wenn du durchgeflogen wärst, hätte ich mich scheiden lassen. Noch mal hätte ich das nicht durchgestanden *lach*
    Ich habe nur positive Erinnerungen. Die Arbeitszeit war heftig. Aber ich hatte damals keine Kinder und saß halt direkt nach der Schule schon wieder am Schreibtisch……
    …. nebenbei: Meine U-Vorbereitungen wurden sowieso erst mit der Geburt meiner Kinder wirklich "effektiv" auf die Abende verlegt….. ;-)


    Also: Jeder hat so seinen eigenen Film dazu! Lass dich doch einfach mal überraschen und denk positiv! :-)

    "Du musst nur die Laufrichtung ändern..." sagte die Katze zur Maus, und fraß sie.

  • Ich fand nur die Prüfungszeit wirklich stressig, ansonsten konnte man sich seine Zeit gut einteilen und mit genügend Routine dauerte eine Stundenplanung für die ganze Woche (ohne Unterrichtsbesuche) auch nicht länger als 1-2 h.


    Aber ich hatte natürlich auch schon recht viel Routine, denn ich habe ja schon 4 Jahre vorher als Lehrkraft gearbeitet.


    Ich fand ein Jahr bei uns gut überlebbar, nur länger hätte es nicht mehr sein sollen, denn zum Schluss war ich nur noch genervt, vor allem von den Seminarleitern!

  • Für mich war es auch eine schlimme Zeit. Wäre ich durch die Prüfung gefallen, weiß ich nicht, ob ich diese wiederholt hätte. Fand es einfach nur grausam.
    Hab mein Referendariat in Ba-Wü gemacht und zur damaligen Zeit hatten wir die beiden Lehrproben + Kolloquien + mündliche Prüfung an einem Tag. Morgens um 6 in die Schule, abends um halb 6 auf allen Vieren nach Hause. Hölle.
    Dazu kam noch, dass ich eine Woche vorher meine schriftliche Arbeit präsentieren durfte. Diese Woche werde ich in meinem Leben nicht mehr vergessen.


    Allerdings frage ich mich, was man mit diesem Referendariat bezwecken will. Besonders die Unterrichtsbesuche und vor allem die Lehrproben haben mit dem Alltag nullkommanull zu zun. Klar ist es schön und toll, wenn ein Lehrer eine 1A Stunde vorzeigen kann, wenn er es muss. Es sollte aber klar sein, dass das nie und nimmer jeden Tag, jede Woche oder nur ein Mal pro Monat in dieser Form passieren kann.
    Wenn ich unsere Referendarin anschaue, die gerade Prüfung gemacht hat. Ich glaub, die saß 3 Wochen an EINER Stunde, stand alleine 3 Stunden am Kopierer, hat Kollegen, Mann und was weiß ich was eingespannt. Für 45 Minuten!!!
    Das passt einfach nicht zusammen und ist für mich ein Grund, warum viele dann am Berufsanfang an sich zweifeln.
    Die Stunden laufen nicht mehr so wie im Referendariat. 27 Stunden (sind es bei mir) sind eben nicht so vorzubereiten wie 12 im Referendariat. Es sei denn, man will die ganze Wochen nur am Schreibtisch hocken.
    Ebenso ist man teilweise mit sich selbst unzufrieden, da die Stunden nicht mehr ganz so rund laufen und die Kinder nicht mehr den 'Spaß' am Unterricht haben, wenn man mal das Buch raus holt. Was ja im Ref total verpöhnt ist. Da muss es ja das extra auf die Lerngruppe zugeschnittene AB sein.
    Auch wenn es leicht gesagt ist, da ich das Referendariat beendet habe. Für mich wären unangekündigte Unterrichtsbesuche am sinnvollsten. Mit normalen Ansprüchen an den Referendar/in. Kein Riesenzirkus, wo man den halben Hausstand mit in die Schule bringt. Ja, ich habe schon Referendare gesehen, die kamen mit dem Anhänger und es dauerte Stunden, bis das Zimmer geschmückt und hergerichtet war.
    Macht für mich einfach keinen Sinn, da es nichts mit der Realität zu tun hat.

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