Warum A15 für mich KEIN Karriereziel mehr ist

  • Und ich erinnere mich an die vielen, vielen Situationen, in denen bestimmte Ereignisse gerade dann eingetreten sind, wenn man zuvor "losgelassen" hatte.

    Herzlichen Glückwunsch auch von mir! Dein Berufsweg zeigt sehr schön, was man erreichen kann, wenn man sich nicht innerlich fixiert. Deiner Aussage oben kann ich mich voll und ganz anschließen.


    Danke für das Update.

  • Herzlichen Glückwunsch auch von mir! Ich hatte mit einem solchen Schritt auch sehr gehadert, gerade mit Blick auf das Privatleben. Inzwischen bin ich froh darum, den Weg gegangen zu sein - allerdings an einer Schule. Neben vielen spannenden Aufgaben bringt das auch mehr Gestaltungsoptionen für die eigenen Arbeitsbedingungen mit sich, durch die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach wie vor gut möglich ist. Gerade deinen letzten Satz möchte ich unbedingt unterschreiben!

    • Offizieller Beitrag

    So, wie Ihr vielleicht gesehen habt, habe ich die übrige Diskussion ausgelagert. Vielen Dank an die Glückwünsche bisher - das hat mich sehr gefreut.

    Ich würde gerne noch ein paar Worte zur Frage der Karriere oder des Privatlebens verlieren.
    Es wird an Schulen immer Menschen geben, die ihre Familie oder ihre Karriere an erste Stelle setzen. Wenn es die Karriere ist, kann da Familie im Hintergrund sein, ggf. als Unterstützung. Sie kann auch - gewollt oder ungewollt - fehlen. Solange die Karrieristen sich jedoch mit dem, was sie tun, wohlfühlen, und in dem, was sie tun, gut sind, maße ich mir da kein Urteil an. Lebensentwürfe sind zum Teil beeinflussbar, zum Teil eben nicht.


    Ich hatte wirklich großes Glück, meine Frau kennenlernen zu dürfen und mit ihr drei gesunde Kinder haben zu dürfen. Daher war es für mich nicht vorstellbar, dass meine Familie unter meiner temporären Karrieregeilheit leiden sollte.
    Wenn andere KollegInnen das für sich anders entscheiden, dann tun sie das. Sie müssen damit leben.

  • Mh, schade, dass du das als Karrieregeilheit bezeichnest. Ich würde mich weder als Karrieregeil noch als unterv... bezeichnen. Ich arbeite ganz gern und finde es toll, dass ich mitentscheiden darf. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Familie zu kurz kommt.


    Es ist für mich kein Widerspruch: ich kann das wunderbar unter einen Hut bringen.

    • Offizieller Beitrag

    Sissymaus

    Ich habe den Begriff bewusst verwendet und ausschließlich auf mich bezogen. Im Nachhinein würde ich mein Denken von vor viereinhalb Jahren durchaus als karrieregeil bezeichnen.

    Wie Du an den weiteren Aussagen siehst, habe ich mich aus dieser Kausalkette karriergeil = keine Familie und/oder unterv* bewusst verabschiedet, weil ich das auch deutlich anders sehe.

    Und ja, ich glaube Dir, dass Du das unter einen Hut bringen kannst. Vermutlich können das sogar einige Menschen selbst mit kleinen Kindern ganz gut. Meine Frau konnte und wollte das nicht, ich konnte es nicht und wollte es letztlich dann auch nicht mehr.

    Wie ich oben schrieb, möchte ich nach Rückkehr in den Schuldienst meine Arbeit so organisieren, dass genug Zeit für meine Familie bleibt. Vielleicht kriege ich es dann auch gut unter einen Hut.

  • Wie ist es denn generell bei dir? Ist die Abordnung zeitlich befristet?


    Ich kann es absolut nachvollziehen, wenn jemand diesen Schritt nicht gehen will. Die Gründe sind dabei eigentlich egal. Da setzt eben jeder seine Prioritäten anders. Ich habe ihn bewusst gemacht, weil ich mich selbst kenne: sobald ich eine gewisse Routine habe, suche ich mir schnell andere Betätigungsfelder. In der Vergangenheit war das immer unbewusst der Fall, aber rückblickend erscheint es mir so, als suche ich immer neue Herausforderungen.


    Und ich bin gespannt, wo es mich noch hinführt :lach2:

  • Und ich bin gespannt, wo es mich noch hinführt :lach2:

    Richtig so!
    Ich habe mir nun auch schon ein paar Felder gesucht. A14 ist mit den Querschnittsaufgaben, die ich bereits habe, definitiv mein Ziel. Darüber hinaus - keine Ahnung.

    Was ich definitiv nicht anstrebe: SL und A16 - das ist für mich ganz schlechte Bezahlung für die Verantwortung.


    Aber wer weiß, was sich in über 30 Jahren noch tut ....


    Daher finde ich gerade auch den Bereich der Abordnung spannend.

  • Neee ich will unbedingt in der Schule bleiben. Lustig ist eher, dass ich mir immer gesagt habe, dass A14 nicht erstrebenswert ist. Das bisschen Geld und dafür fallen 2 Entlastungsstunden weg? Ich hab mich nur darauf beworben, weil die Schulleitung mir scheinbar was Gutes tun wollte. Naja, und so langsam denke ich, ach bei den A15ern sind auch ein paar interessante Positionen bei... (blöd, dass die meisten davon nur so 5 Jahre älter sind. Da bleiben dann eh nicht viele Chancen.)

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

    • Offizieller Beitrag

    Fast sechs Jahre ist es jetzt her, dass ich diesen Thread erstellt habe.

    Viel Zeit ist seitdem vergangen und mittlerweile bin ich wieder zurück im Schuldienst. Die fast vier Jahre in der Schulbehörde haben mir "gut getan", habe ich doch das Chaos an den Schulen durch die Corona-Pandemie "nur" passiv als Vater und Ehemann erleben müssen.


    Ich habe in dieser Zeit viel gelernt - über das Schulsystem, über Bildungspolitik und natürlich auch über mich selbst. Ich hatte die Chance, einen Teil meiner Persönlichkeit weiterzuentwickeln, der im ausschließlichen Schuldienst etwas zu kurz gekommen war. Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, dass dieser Teil langfristig nicht überwiegen sollte - irgendwo war ich dann im Kern meines Wesens doch immer ein überzeugter Lehrer und eben weniger ein überzeugter Verwaltungsbeamter.


    Der Rückkehr in den Schuldienst ging ein ziemliches emotionales Chaos voraus, weil ich einerseits das stressbefreite Arbeiten in der Behörde sehr schätzen gelernt hatte, andererseits aber wusste, dass ich langfristig an Langeweile eingehen würde. Gleichzeitig musste ich eine Anschlussverwendung finden, was als A15er gar nicht so einfach war. Was passieren kann bzw. hätte passieren können, wenn man als Externer oder "Versorgungsfall" an eine Schule gekommen wäre, wo man dem Platzhirsch die Stelle weggenommen hätte, habe ich selbst erfahren dürfen. Ich habe dann rechtzeitig die Reißleine gezogen, wusste aber von da an, dass das mit meiner Unterbringung gar nicht so leicht werden würde.


    Hier zahlten sich dann die Kontakte aus, die ich durch meine Arbeit in der Behörde hatte. Und so kam dann ganz unverhofft ein Angebot einer Dezernentin, das auf den ersten Blick gar nicht so attraktiv wirkte, auf den zweiten Blick aber genau richtig war. Es war eine Funktionsstelle, die ich als solche gar nicht auf dem Schirm hatte, weil ich nicht wusste, dass es dafür überhaupt eine A15-Stelle geben könnte. Hier hatte ich das Glück, dass es keine hausinternen Kandidaten gab und dass man sowohl seitens der Schulleitung wie des Kollegiums aufrichtig froh war, dass nun jemand diesen Bereich wieder koordinieren würde.


    Ich bin jetzt seit August an meiner neuen Schule und fühle mich insgesamt wohl dort. Die Schule ist gut organisiert, die Technik funktioniert, wir haben die richtigen Leute an den richtigen Stellen, um das zu managen. Was noch wichtiger ist, das ist der Umstand, dass viele KollegInnen ähnlich ticken wie ich, was Pädagogik und Unterricht angeht. Meine Tätigkeit ist genau richtig, um in die Rolle eines Mitglieds der erweiterten Schulleitung hineinzuwachsen - hier kann ich in kleinerem Rahmen auch eigene Projekte umsetzen und habe auch für meinen Bereich bereits einige Dinge organisiert, die eine Weile lang brach gelegen hatten.


    Mit meiner Rückkehr aus der Behörde hatte ich mir vorgenommen, stärker auf meine Arbeitszeit und meine Belastung zu achten. In der Konsequenz sitze ich jeden Tag von ca. 7.20 Uhr bis mindestens 15 Uhr in der Schule und erledige bis auf die Korrekturen alles vor Ort - insgesamt käme ich damit auf die 41 Wochenstunden. Was dann noch zur 41 bzw. 46 wegen der Ferien fehlt, wird durch die Korrekturen gefüllt. Ich nehme kaum Sachen nach Hause, damit ich gar nicht mehr auf die Idee komme, von dort doch noch etwas zu tun. Das Material, das ich für den Unterricht brauche, liegt samt und sonders in der Schule.

    Gerade vor Beginn der Korrekturphasen hatte ich dadurch eine klare Trennung von Arbeit und Familie/Freizeit und darüber hinaus vollständig freie Wochenenden.


    Die ersten Wochen waren allerdings hart, weil ich gar nicht mehr die Kondition hatte, den Schulalltag oder gar eine Schulwoche "zu überleben". Wenn ich dann nach der Schule nach Hause kam, bin ich in den ersten Wochen einfach nur aufs Sofa gefallen und eingeschlafen. Das ist mittlerweile wieder besser geworden. Gedanklich bleibt die Schule auch zum größten Teil in der Schule. Das ist sehr befreiend.


    In der Rückschau ist es faszinierend zu sehen, dass ich mir vor sechs Jahren und insbesondere in der Zeit davor eigentlich gar keine großen Gedanken über Karriere oder ähnliches hätte machen müssen. Es hat sich alles irgendwie gefügt. Ohne Druck. Einfach so. Und meine Biographie ist voll davon, dass sich Dinge einfach irgendwie zum Guten fügen. Leider sieht man das nicht immer, wenn man sich im "Transformationsprozess" befindet.


    Ob ich eines Tages Schulleiter werden möchte? Aktuell sage ich dazu klar "nein". Das kann ich mir nicht vorstellen - und die SLQ hat mir da noch einmal sehr geholfen, das für mich so zu entscheiden.

    Gleichwohl habe ich noch fast 19 Dienstjahre (bei Pensionsbeginn mit 67 - also seeehr konservativ gerechnet) vor mir. Falls ich also eines Tages Schulleiter werden wollen sollte, kann ich das immer noch tun....

  • Danke für den Bericht Bolzbold . Ich hatte mir dein Thema hier damals sehr genau durchgelesen, als ich das Angebot für eine solche Stelle erhalten hatte und das hatte mir sehr dabei geholfen, einzuordnen, auf was ich mich dabei einlasse. Mir geht es heute auch sehr gut damit und kann die Nebenbedingungen (kein hausinterner Gegenbewerber, weitgehend gut funktionierende Schule, Möglichkeit eigene Akzente zu setzen) für eine gute Berufszufriedenheit nur bestätigen.


    Besonders wichtig ist mir allerdings auch folgende deiner Feststellungen, da sie sich exakt mit meiner Erfahrung in diesem Prozess deckt:

    In der Rückschau ist es faszinierend zu sehen, dass ich mir vor sechs Jahren und insbesondere in der Zeit davor eigentlich gar keine großen Gedanken über Karriere oder ähnliches hätte machen müssen. Es hat sich alles irgendwie gefügt. Ohne Druck. Einfach so. Und meine Biographie ist voll davon, dass sich Dinge einfach irgendwie zum Guten fügen. Leider sieht man das nicht immer, wenn man sich im "Transformationsprozess" befindet.

    Ich hatte mich im Vorfeld lange gefragt, ob ich mit meinen Tätigkeiten gut aufgestellt bin oder letzlich chancenlos bleibe. Und auf einmal hatten sich gleich mehrere passende Varianten zur Weiterentwicklung aufgetan....nur halt nicht an der ursprünglichen Stammschule.

  • Besonders wichtig ist mir allerdings auch folgende deiner Feststellungen, da sie sich exakt mit meiner Erfahrung in diesem Prozess deckt:

    Das könnte man so interpretieren, dass das System - entgegen aller Unkenrufe - doch dafür sorgt, dass gute, reflektierte Leute die Chance zum Aufstieg erhalten und nicht nur solche, die lediglich auf die Karriere aus sind.

  • Das könnte man so interpretieren, dass das System - entgegen aller Unkenrufe - doch dafür sorgt, dass gute, reflektierte Leute die Chance zum Aufstieg erhalten und nicht nur solche, die lediglich auf die Karriere aus sind.

    Ja, und dass man auch nicht so stark auf das Wohlwollen der eigenen Schulleitung angewiesen ist, wie man das manchmal annehmen mag. Es öffnen sich manchmal einfach Türen, von denen man selbst vorher nicht wusste, dass es diese gibt. Es bedeutet aber auch, dass es nicht schadet, eine der zahlreichen "Zusatzaufgaben" an einer Schule zu übernehmen und sich damit ein Profil zu geben.

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