Lehramt studiert. Lehrer werden ohne das Referendariat?

  • Hallo, ich studiere Wirtschaftspädagogik an einer Universität in Baden-Württemberg mit dem Hauptfach Wirtschaft (BWL, VWL) und dem Nebenfach Mathe. Der Studiengang bringt den Vorteil, dass man sowohl Lehrer werden kann nach dem Studium, als auch in die Wirtschaft zum arbeiten gehen kann. In meinem Studium gibt es keine Staatsexamen mehr, sondern den Bachelor und Master-Abschluss.
    Die Vorraussetzungen um Lehrer zu werden sind:
    -absolvieren des Studiums
    -10 wöchiges Praktikum an einer Schule
    -42 wöchiges Praktikum in Unternehmen
    -18 monatiges Referendariat


    Jetzt zu meiner Frage:
    Ist das Referendariat eine notwendige Vorraussetzung um Lehrer zu werden?
    Darf mich eine Schule auch einstellen, wenn ich das Referendariat nicht absolviere?
    Ich möchte aus privaten Gründen nicht verbeamtet werden als Lehrer.


    Schonmal vielen Dank im Voraus. :aufgepasst:


  • Eine abgeschlossene Lehrerausbildung hast du nur mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens, also nach dem Referendariat / Vorbereitungsdienst.


    In Zeiten des Lehrermangels hast du aber auch eine Chance, als Lehrer eingestellt zu werden, wenn du kein 2. Staatsexamen hast, quasi als Quereinsteiger/Seiteneinsteiger. U.U. musst du es aber nachholen / nebenbei noch erwerben. Ohne 2. STX wirst du ggf. dauerhaft (deutlich) weniger verdienen als die anderen.


    Nicht überall wirst du verbeamtet und ich glaube, wenn du nicht willst, dann auch nicht. Du könntest auch an einer Privatschule arbeiten. Da wirst du nicht verbeamtet und hast auch ohne 2. STX größere Chancen, weil ja in Zeiten des Lehrermangels fast alle Bewerber mit 2. STX in den ÖD streben, zumal sie dort jetzt fast überall verbeamtet werden (können) und zumeist viel besser verdienen.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

    2 Mal editiert, zuletzt von Tayfun Pempelfort ()

  • Für NRW kann ich hinzufügen, sobald sich jemand mit vollständiger Lehrbefähigung bewirbt, bist du raus.
    Was spricht dagegen, das Ref zu machen und sich danach einfach nicht verbeamten zu lassen? Man kann auch als angestellter Lehrer arbeiten.

    Schöne Grüße,
    dzeneriffa



    Am Ende wird alles gut! Wenn´s noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende =)

  • Für NRW kann ich hinzufügen, sobald sich jemand mit vollständiger Lehrbefähigung bewirbt, bist du raus.
    Was spricht dagegen, das Ref zu machen und sich danach einfach nicht verbeamten zu lassen? Man kann auch als angestellter Lehrer arbeiten.

    Das stimmt für den ÖD - an Privatschulen habe ich das Gegenteil erlebt und war da echt stinksauer drüber. Da wurde mir eine Stelle zugesagt unter der Prämisse, dass sich nicht noch jemand ohne 2. Stex bewirbt. Sobald einer ohne 2. Stex käme, würden sie mir absagen. Begründung: Leute mit 2. Stex könnten ja für eine bessere Stelle wieder kündigen und gehen, während Leute ohne 2. Stex bleiben, weil die ja froh sein können überhaupt eine Stelle zu haben!
    Das hat mich echt geärgert, weil ich diese Stelle unbedingt wollte und diese genug Vorteile für mich bot, dass ich auch auf die Verbeamtung verzichtet hätte.

  • Ich verstehe nicht ganz, was gegen das Referendariat spricht, wenn du ohnehin Lehrer werden willst? Die 10 Wochen sind doch ziemlich wenig und wenn das Ref nicht klappen sollte, hast du ohnehin ein sicheres zweites Standbein durch das Studium. Und auch dann kannst du ja pädagogisch tätig sein, nur halt in anderem Rahmen.

  • Einstieg ohne Ref bedeutet Quereinstieg. Zumindest in BaWü ist der Quereinstieg auf klare Fächer (vgl. Landesweite zum Direkt-und Seiteneinstieg) begrenzt. Wirtschaft und Mathe fallen da meine ich (ich schau später gerne noch nach) nicht drunter. Insofern wäre BaWü dann ohne Ref raus.


    Wenn dich allerdings wirklich nur das Berufsbeamtentum abschrecken sollte, kannst du auf eigenen Wunsch bereits das Ref im Angestelltenverhältnis absolvieren und im Anschluss entsprechend weiterarbeiten.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • ... Begründung: Leute mit 2. Stex könnten ja für eine bessere Stelle wieder kündigen und gehen, während Leute ohne 2. Stex bleiben, weil die ja froh sein können überhaupt eine Stelle zu haben! ...

    Naja, das ist ja auch so. "Lehrer ohne abgeschlossene Lehrerausbildung" müssen in den sauren Apfel beißen und sich alles bieten lassen an ihrer Privatschule, weil ihre Chancen, woanders was zu finden, deutlich schlechter sind bzw. waren. Das sehe ich also nur bedingt als einen "Vorteil" an, auch wenn es in deinem Fall so war. Diese Privatschule hat sicherlich so ihre Erfahrungen gemacht. (Ob es für eine Privatschule spricht, vor allem Lehrer ohne abgeschlossene Lehrerausbildung" anzustellen, sei mal dahingestellt. Weiß ja meistens keiner.)


    Wenn der Lehrermangel vorbei ist und es wieder einen Lehrerüberhang gibt (weil plötzlich alle Lehrer werden wollen wegen der tollen Bezahlung und der Wiederverbeamtung fast überall), wird sich das auch wieder ändern.


    "Ein bisschen Lehrermangel" sollte also eigentlich immer sein, sonst haben nicht wir die Wahl, sondern die Arbeitgeber. ;-)

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  • Eine abgeschlossene Lehrerausbildung hast du nur mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens, also nach dem Referendariat / Vorbereitungsdienst.


    In Zeiten des Lehrermangels hast du aber auch eine Chance, als Lehrer eingestellt zu werden, wenn du kein 2. Staatsexamen hast, quasi als Quereinsteiger/Seiteneinsteiger. U.U. musst du es aber nachholen / nebenbei noch erwerben. Ohne 2. STX wirst du ggf. dauerhaft (deutlich) weniger verdienen als die anderen.


    Nicht überall wirst du verbeamtet und ich glaube, wenn du nicht willst, dann auch nicht. Du könntest auch an einer Privatschule arbeiten. Da wirst du nicht verbeamtet und hast auch ohne 2. STX größere Chancen, weil ja in Zeiten des Lehrermangels fast alle Bewerber mit 2. STX in den ÖD streben, zumal sie dort jetzt fast überall verbeamtet werden (können) und zumeist viel besser verdienen.

    Bei uns gibt es keine Staatsexamen mehr, sondern nur den Bachelor und den Master. Beides kann ich ohne Ref absolvieren.
    Würde ich trotzdem als Quereinsteiger gehandhabt werden?

  • Bei uns gibt es keine Staatsexamen mehr, sondern nur den Bachelor und den Master. Beides kann ich ohne Ref absolvieren.Würde ich trotzdem als Quereinsteiger gehandhabt werden?


    Ich meine, Master entspricht doch dem 1. Staatsexamen und danach ist nach wie vor ein 2. Staatsexamen zu absolvieren?


    Will sagen, mit dem Master beendest du die universitäre Ausbildung; mit dem 2. Staatsexamen dann das Referendariat bzw. den Vorbereitungsdienst. Erst nach dem bestandenen Referendariat / Vorbereitungsdienst hast du eine abgeschlossene Lehrerausbildung.


    Wo ist das jetzt nicht mehr so? Hast du dazu mal einen Beleg (Link)?

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  • Gerade nachgelesen: Direkteinstieg ist aktuell mit Mathe in den gehobenen Dienst (also nicht Sek. II) möglich in BaWü, falls es entsprechend ausgeschriebene Stellen gibt. Die Liste wird jährlich aktualisiert mit den zugelassenen Fächern für den Direkteinstieg. Wirtschaft ist aktuell nicht dabei.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Nach dem Lehramtsmaster, der das Äquivalent zum 1.Staatsexamen ist, wird normalerweise das Ref absolviert. Ob da dann am Ende das 2.Staatsexamen oder ein neuer Name für alte Titel steht ändert nichts am Ausbildungsweg.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Gerade nachgelesen: Direkteinstieg ist aktuell mit Mathe in den gehobenen Dienst (also nicht Sek. II) möglich in BaWü, falls es entsprechend ausgeschriebene Stellen gibt. Die Liste wird jährlich aktualisiert mit den zugelassenen Fächern für den Direkteinstieg. Wirtschaft ist aktuell nicht dabei.

    Benötigt man dafür keine Berufserfahrung? Zumindest für berufliche Schulen wird eine zweijährige Tätigkeit nach dem Studium gefordert.
    Die Frage ist auch, ob man sich mit einem Pädagogikstudium überhaupt für den Direkt-/Seiteneinstieg bewerben kann?

  • Tut mir leid, falls ich die Frage etwas Ungenau gestellt habe.
    Hauptpunkt der Frage ist: Haben öffentliche und private Schulen die Freiheit Lehrer ohne Referendariat einzustellen, oder werden sie durch bestimmte Richtlinien davon abgehalten? Wenn ja, wo sind diese Richtlinien niedergeschrieben?


    Das Lehrer mit Referendariat einen Vorteil gegenüber "Lehrer ohne Ref" haben ist verständlich.
    Ist es Naiv anzunehmen, dass ich diesen Vorteil ausgleichen könnte?
    Neben meinem Studium schreibe ich psychologische Texte auf englisch (führe einen Blog und schreibe Bücher), und erstelle im Team APP's die Menschen helfen soll ihre alltagsprobleme, sogenannte "anxieties", zu bewältigen.

  • Neben meinem Studium schreibe ich psychologische Texte auf englisch (führe einen Blog und schreibe Bücher), und erstelle im Team APP's die Menschen helfen soll ihre alltagsprobleme, sogenannte "anxieties", zu bewältigen.

    Was hat das jetzt mit Unterricht zu tun? Genau darauf bereitet Dich das Referendariat nämlich vor. Hier in der Schweiz war es in der Sek II früher möglich, ganz ohne pädagogisch-didaktische Ausbildung zu unterrichten. Aus gutem Grund darf heute keiner mehr ohne Lehrdiplom unbefristet eingestellt werden.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Tut mir leid, falls ich die Frage etwas Ungenau gestellt habe.
    Hauptpunkt der Frage ist: Haben öffentliche und private Schulen die Freiheit Lehrer ohne Referendariat einzustellen, oder werden sie durch bestimmte Richtlinien davon abgehalten? Wenn ja, wo sind diese Richtlinien niedergeschrieben?


    Das Lehrer mit Referendariat einen Vorteil gegenüber "Lehrer ohne Ref" haben ist verständlich.
    Ist es Naiv anzunehmen, dass ich diesen Vorteil ausgleichen könnte?
    Neben meinem Studium schreibe ich psychologische Texte auf englisch (führe einen Blog und schreibe Bücher), und erstelle im Team APP's die Menschen helfen soll ihre alltagsprobleme, sogenannte "anxieties", zu bewältigen.


    Etwas zugespitzt, ja (naiv). Aber natürlich kommt es auf den Einzelfall an. Sicher gibt es irgendwelche Genies, die jede Schule aufzunehmen bereit wäre (wobei im ÖD ja immer Vorschriften zu beachten sind :-) ). Im Regelfall gilt sicher, dass du das Referendariat nicht durch andere persönliche Stärken ausgleichen könntest.


    Privatschulen sind etwas freier in der Auswahl ihres Personals auf der einen Seite. Ich kenne es aber so, dass sie sich auf der anderen Seite ihre Lehrer auch von den Schulbehörden "genehmigen lassen müssen", nur scheinen die dann dabei eben etwas großzügiger zu sein. Quellen zu entsprechenden Bestimmungen kann ich dir dafür keine nennen.


    Es klingt jetzt allmählich so, als wenn du vor dem Referendariat irgendwelche Bedenken hast ?!?

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Was hat das jetzt mit Unterricht zu tun? Genau darauf bereitet Dich das Referendariat nämlich vor. Hier in der Schweiz war es in der Sek II früher möglich, ganz ohne pädagogisch-didaktische Ausbildung zu unterrichten. Aus gutem Grund darf heute keiner mehr ohne Lehrdiplom unbefristet eingestellt werden.

    Seit ich mal eine Weile bei einer Vertretungskraft ganz ohne Referendariat oder Lehramtsstudium hospitieren "durfte", ist mir klar geworden, was es da für riesige Unterschiede in der Qualität gibt. Und ich meine damit nicht das Methodenfeuerwerk.


    Ich frage mich im übrigen was dich am Beamtentum so stört? Mich würde wohl eher stören monatlich 500 oder mehr Euro weniger mit nach Hause zu nehmen, für exakt die gleiche Arbeit.

  • Die Frage lautet eher: warum nicht das Ref machen und dann als angestellter Lehrer arbeiten?
    Zumindest in NRW bekommst du ohne Ref keine unbefristete Stelle.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Der Quer- und Seiteneinstieg wurde ja nur geschaffen, um möglichst schnell und möglich kostengünstig Lücken in der Lehrerversorgung bei Mangelfächern auszugleichen.
    deshalb variieren die Fächer, Schularten und BL, in denen ein Quer- oder Seiteneinstieg möglich ist


    Ob du den Mangel ausgleichen kannst, den du ggü einem "gelernten" Lehrer mit Ref haben wirst?



    Im Ausnahmefall: ja


    Normalerweise: nein. Diejenigen, die ganz ohne Vorbereitung und lediglich mit fachlichem know how an einer Schule unterrichten, gehen meist nach kurzer Zeit am Stock und verzweifeln an ihrem Beruf.


    Oder wozu glaubst du, dient eine 1,5 - 2 jährige Ausbildung?


    Doch vor allem: Warum nur willst du all diese Nachteile in Kauf nehmen?? Oder anders gefragt:
    warum willst du nicht eine solide Ausbildung machen??

  • Tut mir leid, falls ich die Frage etwas Ungenau gestellt habe.
    Hauptpunkt der Frage ist: Haben öffentliche und private Schulen die Freiheit Lehrer ohne Referendariat einzustellen, oder werden sie durch bestimmte Richtlinien davon abgehalten? Wenn ja, wo sind diese Richtlinien niedergeschrieben?


    Das Lehrer mit Referendariat einen Vorteil gegenüber "Lehrer ohne Ref" haben ist verständlich.
    Ist es Naiv anzunehmen, dass ich diesen Vorteil ausgleichen könnte?
    Neben meinem Studium schreibe ich psychologische Texte auf englisch (führe einen Blog und schreibe Bücher), und erstelle im Team APP's die Menschen helfen soll ihre alltagsprobleme, sogenannte "anxieties", zu bewältigen.

    Zu deiner ersten Frage: Ja, Schulen können Lehrer ohne Referendariat einstellen. Bei privaten Schulen kann das auch eine unbefristete Einstellung sein, bei öffentlichen Schulen normalerweise nur Vertretungsstellen.


    Zur zweiten Frage: Ja, es ist naiv anzunehmen, dass du dein fehlendes Ref anderweitig ausgleichen kannst. Die zusätzlichen Tätigkeiten könnten dir nur dann einen Vorteil bringen, wenn du gegen einen Mitbewerber mit den gleichen Voraussetzungen antrittst.


    Was genau spricht für dich denn gegen das Ref? Du kannst dich schon im Ref und auch danach als Angestellter einstellen lassen.
    Ich kann nicht glauben, dass das der einzige Grund ist das Ref abzulehnen.

  • Benötigt man dafür keine Berufserfahrung? Zumindest für berufliche Schulen wird eine zweijährige Tätigkeit nach dem Studium gefordert.Die Frage ist auch, ob man sich mit einem Pädagogikstudium überhaupt für den Direkt-/Seiteneinstieg bewerben kann?

    Wer lesen kann (also ich) ist sowas von im Vorteil. Hast natürlich recht @Pustekuchen, wie man hier nachlesen kann beim Unterpunkt "Qualifikationsanforderungen". BaWü ist damit also direkt nach dem Studium und ohne Ref komplett raus Zka.

    Tut mir leid, falls ich die Frage etwas Ungenau gestellt habe.
    Hauptpunkt der Frage ist: Haben öffentliche und private Schulen die Freiheit Lehrer ohne Referendariat einzustellen, oder werden sie durch bestimmte Richtlinien davon abgehalten? Wenn ja, wo sind diese Richtlinien niedergeschrieben?


    Das Lehrer mit Referendariat einen Vorteil gegenüber "Lehrer ohne Ref" haben ist verständlich.
    Ist es Naiv anzunehmen, dass ich diesen Vorteil ausgleichen könnte?
    Neben meinem Studium schreibe ich psychologische Texte auf englisch (führe einen Blog und schreibe Bücher), und erstelle im Team APP's die Menschen helfen soll ihre alltagsprobleme, sogenannte "anxieties", zu bewältigen.

    Öffentliche Schulen sind (und ich spreche nur für BaWü im Folgenden) gebunden an die geltenden Verordnungen (und Gesetze) die Einstellung betreffend. Unter https://www.lehrer-online-bw.de/Direkteinstieg findest du alle aktuellen Informationen für BaWü zum Direkteinstieg. Abgesehen davon besteht aktuell die Möglichkeit als sogenannter Nichterfüller (Leute ohne vollständiges 2.Staatsexamen bzw. Studienabsolventen mit Lehramtsmaster/1.Staatsexamen) als KV einzusetzen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es keine geeigneten Lehrkräfte mit voller Lehrbefähigung gibt. Sobald sich da der Markt ändert (Stichwort "Schweinezyklus") bist du raus und kommst ohne Ref in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich auch nicht mehr rein, da das Zeitfenster in dem hier in BaWü alle in der Sek.I genommen werden dabei ist sich zu schließen (hatte vor kurzem erst die Info-Veranstaltung des Landes zu den aktuellen Einstellungschancen).


    Privatschulen sind, wie ja schon einige hier geschrieben haben etwas freier, allerdings legen die meisten Privatschulen auch Wert auf eine volle Lehrbefähigung (egal ob als "klassischer" Erfüller oder Seiteneinsteiger), da ohne eine entsprechende Qualität der Lehre die zahlende Kundschaft auszubleiben droht. Nur wenige Privatschulen legen keinen besonderen Wert auf eine volle Lehrbefähigung. Bei mir in der Nähe ist eine solche Privatschule, die aus gutem Grund nicht als allgemeinbildende Schule anerkannt ist. Was das für den späteren Verdienst bedeutet (der im Privatschulbereich sowieso niedriger ist, als im Regelschuldienst, bei höheren Abgaben (Sozialabgaben, KV) als Angestellter, als als Beamter) dürfte klar sein.



    Ist es naiv anzunehmen, dass du ganz ohne ein Referendariat guten, lerneffizienten Unterricht planen und durchzuführen lernen kannst? Zumindest basierend auf deiner "Begründung" warum dir das möglich sein sollte (englische Texte verfassen, Blog schreiben, etc.): Ja!
    Grundlegend gibt es wahrscheinlich Einzelfälle die das einfach können. Den meisten fliegt das jedoch nicht einfach zu, wie du an dem einen oder anderen verzweifelten Beitrag von Quereinsteigern in diesem Forum nachlesen kannst. Hättest du jetzt schon 2 Jahre KV auf dem Buckel und wüsstest, was da auf dich zukommt würde ich zumindest annehmen, dass du eine ausreichend realistische Vorstellung von der Tätigkeit hast, um das auch weiterhin ohne Ref packen zu können. Was aber eben noch längst nicht heißt, dass du deshalb besonders guten oder auch nur guten Unterricht machen würdest. Wenn der Markt leer gefegt ist wird jeder genommen, eingestellt werden spätestens wenn der Markt sich ändert nur noch diejenigen, die nachweisen können bestimmte Qualitätsstandards einhalten zu können. Eine volle Lehrbefähigung (= 2. Staatsexamen bzw. wie ich heute im aktuellen "Kultus und Unterricht" gelesen habe der "Abschluss des Ausbildungsverhältnisses im öffentlichen Dienst" = "2.Staatsexamen" für Bachelor+Master) ist so ein Nachweis.


    Darf ich ganz offen fragen, was genau du an einem Referendariat so scheust? Immerhin möchtest du Kinder und Jugendliche/junge Erwachsene nicht einfach nur irgendwie beschulen, sondern wirst diesen als Lehrer einige Leistungen abverlangen, eine bestimmte Qualität und ein Engagement von ihnen fordern- solltest du da nicht in Vorleistung gehen und dich selbst erst einmal entsprechend qualifizieren? Ich finde, das sind unsere Schülerinnen und Schüler wert.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL () aus folgendem Grund: Nomen- bzw. Adjektivendung durch Änderung des Satzbaus nicht mehr passend (mit anderen Worten Lehreritis kurz vor dem Wochenende...)

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