Was haltet ihr von den Plänen NRWs Wirtschaftsunterricht zu stärken ?

  • Klingt wie der Anfang einer Dystopie. Dann sollten wir wohl ab sofort alle Kinder in staatlichen Einrichtungen unterbringen und mit 6, wenn das Grundgerüst steht, den Eltern zurück geben.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • @yestoerty:
    Das nicht, aber wir müssen auch für die "Schüler mit Absentismus-Problem" ein erreichbares Ziel formulieren können. Ganz früher war das im Ruhrgebiet: Geh in die Kohle und werd Hauer. Unter Tage den Putz von der Wand zu schlagen, dazu brauchte es nicht viel Hirn sondern Muckies, zudem wurde es sehr gut bezahlt.
    Später konnte man sagen: "Geh zu Opel, Ford oder VW ans Band und schraub den rechten Außenspiegel an."
    Aktuell sieht es bei meinen Spezis so aus, daß ein Großteil der schnell angelernten Kräfte als Fachlagerist (Internet-Handel sei dank) oder Maschinen- und Anlagenführer irgendwo im Berufsleben unterkommt.


    Und da sehe ich auch das größte Potential, um aus einer Dystopie eine Utopie zu machen. Das sie nicht allzuviele Kerzen am Kronleuchter haben, wissen die Schüler/Azubis zumeist selber vorab schon. Aber sobald sie ein erreichbares Ziel haben, läuft der Laden zumeist. Dann ist der Hr. Plattyplus dafür da, um sie durch die IHK-Prüfung zu bringen... also vorwärts. :)
    In dem Moment, wo es ein erreichbares Ziel gibt, hat dann auch das Theater von wegen "sich gegenseitig mit Stühlen bewerfen" und so schlagartig ein Ende.

  • Wer erklärt den Kindern denn Sinn von Steuerklassenwechsel wenn nicht wir?
    Wer erklärt den Kindern, dass es sinnvoll sein kann das Elterngeld aufgrund der Progession auf 24 Monate zu legen, wenn nicht wir?
    Wer soll den Kindern denn klarmachen, dass die ESt-Belastung für den Ottonormalbürger gar nicht so schlimm ist wie gerne von der FDP postuliert wird wenn nicht wir?
    Wer soll denn unseren Kindern beibringen, vernünftige Vernögensbildung zu betreiben? Sparkasse? Strukturvertriebe wie MLP?

    Alles gute Ansätze, die du vielleicht rechtzeitig wenigstens den Bildungsplanmachern von NRW ans Herz legen solltest, damit sie das berücksichtigen. In BaWü ist das höchstens bruchstückhaft in den Bildungsplänen von GK und WBS zu finden bei insgesamt sehr vollen Bildungsplänen (mit ähnlich relevanten Fragen oder sogar noch grundständigeren). Im einstündigen Fach kann man dann halt auch - leider- nicht alles leisten, was auch noch sinnvoll sein könnte, wenn die Zeit schon kaum ausreichend ist den Bildungsplan abzuarbeiten.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Hmmm...
    Dieser Thread wirft doch so einige Gedanken auf...


    1. Vielleicht brauchen wir mal weit einfachere Steuergesetze, dann rafft das auch jeder... ach nee, dann geht dem Fiskus ja zuviel durch die Lappen, und die Steuerberater wären arbeitslos... sowas aber auch...


    2. Die unterschiedliche Akzeptanz bzw das unterschiedliche Interesse an "Wirtschaft" scheint sowohl an der Schulform wie auch an der Schülerklientel zu liegen...
    Wenn ich daran zurückdenke... schon über 3 Jahre her... da bekam ich - an einem (alt)sprachlich orientierten, humanistischem Gymnasiumm in der 6. Klasse im Fach "Politik" solche Themen wie "wie wirtschafte ich richtig", es gab auch solche Themen wie "Vertragsrecht", "Geschäftsfähigkeit", man versuchte sich an sowas wie einem "Haushaltsplan" (Familie X hat soundsoviel, wie verteilen sie das sinnvoll im Monat...). Kam das später nochmal? Für mich - nö. Denn wir bekamen dann im WP-Bereich 9. Klasse entweder die 3. Fremdsprache ODER (und das wählten gerade mal 2-3 Figuren im gesamten Jahrgang, und das waren die Kandidaten, die dann - wenn überhaupt - ihr Abi mit 3,Schaschlik und 2 blauen Augen geschafft haben) Sozialwissenschaft/Wirtschaftsgeographie.
    Überhaupt "Geographie". Ich hatte das meiste an "Wirtschaft" nachher vermutlich in Erdkunde, vor allem was Weltwirtschaft, Rohstoffe, Entwicklungshilfe usw angeht.
    In der Oberstufe gabs dann für alle verpflichtend Sozialwissenschaften, 2 Halbjahre lang (anders wurde es gar nicht angeboten). Aber viel "Wirtschaft" war da nicht drin, eher so Scherze wie "was ist ziviler Ungehorsam - schöne Grüße von der RAF". Durchaus interessant, aber eben ein anderes Thema.
    Ach ja - es gab zeitweise eine "Rechtskunde-AG". Einige SuS (aus eher konservativen Elternhäusern, wen wundert's) haben da auch teilgenommen. War mir damals zu "staubig" (war so um die 10. Klasse rum, da hatte ich genug anderes im Kopf).


    Und nun?
    Ich bin keine Gesellschaftswissenschaftlerin.
    Aber uninteressant ist das trotzdem nicht.
    Wenn ich hier so lese...
    Was soll da wann an wen genau vermittelt werden?
    Wenn ich lese, die SuS von CDL hätten an dem Fach "echtes Interesse" - ich habe meine SuS zwar nicht gefragt, aber ich kenne meine Pappenheimer. Da gäbe es bestenfalls ein Gähnen, aber eher "Flucht".


    Wozu gibts denn Berufsschulen?
    Da gibts doch - habe neulich noch mit einem Kollegen gesprochen, der Kaufleute an einer BS unterrichtet - diverse passende Fächer, die alle Jubeljahre mal umbenannt werden (Zitat: Das hieß mal AWL und HBL, dann wieder VWL und BWL - ist aber im prinizip der gleiche Inhalt, Vertragsrecht, Wirtschaftszusammenhänge, Angebot, Nachfrage, Monopol, wie ein Markt (theoretisch) funktioniert...).
    Da gehörts doch hin - oder etwa nicht?

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

    5 Mal editiert, zuletzt von Miss Jones ()

  • 1. Die Steuererklärung für nichtselbstständige AN ist in der Regel nicht schwer.
    Selbstständige oder diejenigen die z.B. noch Erträge aus V&V haben, sollten es entweder nachlesen oder zum Steuerberater gehen.


    Diejenigen die immer nach Vereinfachung im Steuerrecht rufen sind diejenigen die sich darin auch auskennen und so eine Erleichterung für ihre Klientel (Wer ist wohl der typische FDP-Wähler?) anstreben.


    Der einfache Bürger hat von einer Änderung nichts; ihm würde es eher helfen wenn der Staat im Sozialversicherungsbereich sinnvolle Reformen durchführen würde.


    2. Klar gehört dies in unseren Bereich. Aber ich denke gerade im Hinblick auf die Unfähigkeit vieler jungen Menschen im Finanzbereich wäre eine Einführung im allgemeinen Schulbereich sinnvoll.

  • Wozu gibts denn Berufsschulen?

    Da gehörts doch hin - oder etwa nicht?

    Die meisten unserer W-Schüler am Gymnasium wollen Jura oder BWL/VWL bzw. Wirtschaftswissenschaften studieren. In keinem anderen Schwerpunktfach wählen so viele SuS hinterher auch tatsächlich ein Studienfach aus dem Bereich, den sie in der Schule schon als Profil hatten, aus. Von unseren B-Schülern studiert ja praktisch keiner Chemie, Biologie oder sonst irgendeine echte Naturwissenschaft, die wollen alle Medizin.


    Die W-Schüler lernen in der Wirtschafts- und Rechtslehre eben *nicht* wie man konkret eine Steuererklärung ausfüllt, sondern die lernen *sehr viel* Theorie. Wie funktioniert ein Unternehmen, welche Rechtsformen gibt es da, wie funktionieren das Steuer-, Vertrags- und Strafrecht, wie geht das mit den internationalen Verträgen Schweiz-EU etc. pp. Das hat alles genau gar nichts mit Geographie zu tun sondern ist halt wirklich und originär Wirtschafts- und Rechtslehre. Das Fach wird bei uns an der Schule auch ausnahmslos von studierten Wirtschaftswissenschaftlern unterrichtet.


    Ich kenne so viele Leute die irgendwas Naturwissenschaftliches studiert haben und sich später im ökonomischen Bereich nachqualifiziert haben (bzw. dies sogar mussten) um als Gruppenleiter in einem Grosskonzern überhaupt klar zu kommen. Für mich ist es wie gesagt nichts aber tatsächlich ist es ein wirklich nützliches und wichtiges Fach das eigentlich an jeder Schulform in jeder Stundentafel zu finden sein sollte.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Das Fach ist natürlich wichtig und elementar! In der dualen Ausbildung gibt es das auch immer als berufsbezogenes Fach Wirtschafts- und Betriebslehre. Wird auch von den Kammern geprüft.


    Aber: Ich habe Bauchschmerzen, wenn ich daran denke, dass das Fach oft von Lehrkräften unterrichtet wird, die außer Schule - Uni - Schule nichts anderes gesehen haben. Da will mir einer von Unternehmensstrukturen erzählen und den blühenden Gärten der freien Wirtschaft erzählen und hat selbst nur mal während der Ferienarbeit ein Privatunternehmen von Innen gesehen. Man sieht das ja auch vielfach hier im Forum, was manche hier für Vorstellungen von der freien Wirtschaft haben.
    Ich selbst ziehe heute noch viel aus meiner Zeit der Ausbildung, aus meiner Zeit als JAV und anschließender Berufstätigkeit. Diese Erfahrung, wie ein Mittelstandsunternehmen tickt, ist wirklich Gold wert. Nur so konnte ich bei meinem fachfremden Unterricht überhaupt "überleben".


    Ob man sich das alles anlesen kann? Einige rechtliche Dinge bestimmt, aber darüber hinaus? Ich weiß nicht! Was meint ihr?

  • Das gleiche Argument könnte ich jetzt auch für die MINT Fächer bringen. Wer erzählen will, wie Forschung funktioniert muss auch selber mal geforscht haben. Nun... Dafür müsste man die komplette Lehrerausbildung reformieren. Wir sind von Beruf halt nun mal Lehrer und vermittelt in erster Priorität gewisse Grundkenntnisse auf denen unsere SuS im Studium und später im Beruf aufbauen können. Es ist nicht unsere Aufgabe Wissenschaftler oder Projektmanager auszubilden.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Das Fach ist natürlich wichtig und elementar! In der dualen Ausbildung gibt es das auch immer als berufsbezogenes Fach Wirtschafts- und Betriebslehre. Wird auch von den Kammern geprüft.


    Aber: Ich habe Bauchschmerzen, wenn ich daran denke, dass das Fach oft von Lehrkräften unterrichtet wird, die außer Schule - Uni - Schule nichts anderes gesehen haben. Da will mir einer von Unternehmensstrukturen erzählen und den blühenden Gärten der freien Wirtschaft erzählen und hat selbst nur mal während der Ferienarbeit ein Privatunternehmen von Innen gesehen. Man sieht das ja auch vielfach hier im Forum, was manche hier für Vorstellungen von der freien Wirtschaft haben.
    Ich selbst ziehe heute noch viel aus meiner Zeit der Ausbildung, aus meiner Zeit als JAV und anschließender Berufstätigkeit. Diese Erfahrung, wie ein Mittelstandsunternehmen tickt, ist wirklich Gold wert. Nur so konnte ich bei meinem fachfremden Unterricht überhaupt "überleben".


    Ob man sich das alles anlesen kann? Einige rechtliche Dinge bestimmt, aber darüber hinaus? Ich weiß nicht! Was meint ihr?

    Deshalb können die BBS Lehrer meiner Meinung nach für sich ein dickes Plus verbuchen, da für das Lehramt dort eine Berufsausbildung Voraussetzung ist. Auch wenn dies die Lehrerausbildung noch verlängern würde: Ich finde, dass es einen Mehrwert hätte, wenn für alle Lehrämter jenseits der Grundschule eine Berufsausbildung vorausgesetzt werden würde. Dann wäre auch dieses ewige "Lehrer wissen ja nichts von der Welt da draußen" vom Tisch und man könnte die sus möglicherweise besser -oder besser gesagt authentischer- auf die Berufsausbildung vorbereiten. Ich finde es nämlich in der Tat etwas ungünstig, dass den SuS immer wieder von den tollen Berufsausbildungen erzählt wird und wie das "da draußen" so läuft, aber man selbst ist diesen Weg nie gegangen. Natürlich kann man jetzt mit dem Argument von @Wollsocken80 kommen, so ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Manches muss man eben aus zweiter Hand über Theorie lernen, weil man nicht alles mal gemacht haben kann. Aber das Kennenlernen des Berufslebens außerhalb der Schule finde ich da schon elementarer, als zB Forschung im MINT Bereich. Gerade weil wir ja immer bestebt sind, sus in den bzw in einen Beruf zu bekommen.
    Allerdings würde eine verpflichtende Berufsausbildung für Lehrer wohl auch dazu führen, dass noch weniger Leute den weg in den schuldienst gehen würden, was bei der Ausbildungsdauer auch verständlich ist. Ich wüsste leider auch keine praktikable Lösung, dennoch sehe ich den Mehrwert als gegeben an.

  • Ich gebe zu: Ich habe die letzten Beiträge nur überflogen...es sind mir dann doch etwas zu viele, um sie (jetzt) alle zu lesen.


    Als Lehrer an einem Gymnasium bin ich froh, dass dort nicht das Fach Wirtschaft eingeführt wird.
    Die einseitige Stärkung der ökonomischen Bildung und die neue Symbolik im Namen des Faches finde ich gefährlich.
    Man bekommt oft den Eindruck, dass der Schulministerin gerade am Beginn ihrer Amtszeit nicht klar war, dass das Fach ohnehin schon "Politik/Wirtschaft" heißt (bzw. bald: hieß).
    Ich empfinde gerade die Interdisziplinarität des Faches Politik/Wirtschaft bzw. Sozialwissenschaften als großen Gewinn. Ein Urteil sollte verschiedene Perspektiven abdecken. Gerade in den letzten Jahren/Jahrzehnten hat sich ja durchaus eine "neoliberale Hegemonie" ausgewickelt, bei der sich alles nur noch irgendwie wirtschaftlich lohnen muss, damit man es politisch umsetzen kann. Mein Standardbeispiel ist die Agenda 2010. Wenn ich die beurteilen will, muss ich doch sowohl die wirtschaftlichen als auch die politischen und sozialen/soziologischen Aspekte berücksichtigen.
    Und wenn ich mir z.B. die Mitte-Studien oder die Wahlergebnisse der jüngeren Vergangenheit anschaue, kann ich beim besten Willen nicht behaupten, dass ich es für legitim hielte, (weiter) an der politischen Bildung zu sparen.

  • @Hannelotti Das Gymnasium bereitet eigentlich auf eine akademische Ausbildung vor, das ist nur in Deutschland in den letzten Jahren ziemlich in Vergessenheit geraten. An den Berufsschulen unterrichten bei uns auch kaum Leute, die nicht selbst eine Berufslehre gemacht haben. An einem Gymnasium ist Wirtschafts- und Rechtslehre ein rein akademisches Fach und nicht berufsbildend. Ich weiss im Übrigen, wie Forschung geht und ich habe durchaus eine handvoll SuS, die das zu schätzen weiss. Mehr als eine handvoll ist es aber schon auch nicht.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Vielleicht brauchen wir mal weit einfachere Steuergesetze, dann rafft das auch jeder...

    Ja, es sollte einem schon zu Denken geben, daß über 50% der weltweiten Literatur zu Steuern in deutscher Sprache abgefaßt ist, obwohl nur ca. 100 Mio. Menschen in einem Gebiet wohnen, in dem Deutsch Amtssprache ist. :teufel:



    In der Oberstufe gabs dann für alle verpflichtend Sozialwissenschaften, 2 Halbjahre lang (anders wurde es gar nicht angeboten). Aber viel "Wirtschaft" war da nicht drin, eher so Scherze wie "was ist ziviler Ungehorsam - schöne Grüße von der RAF". Durchaus interessant, aber eben ein anderes Thema.

    Ja,
    bei mir gibt es dann in BWL so spannende Themen wie das Annuitätendarlehen. Den Fachbegriff kennen viele hier wahrscheinlich nicht, aber es bezeichnet einfach nur einen Bausparkredit. Ich nehme z.B. 300.000 € als Kreditsumme auf und zahle jährlich 15.000 € für den Kredit. Bei 1% Zins werden dann im ersten Jahr 3.000 € für den Zins bezahlt und mit den restlichen 12.000 € getilgt. Im zweiten Jahr zahlt man wieder 15.000 € ab, aber da die Kreditsumme durch die Tilgung bereits geringer geworden ist, zahlt man nur noch 2.880€ Zins und tilgt entsprechend 12.120€. Das geht immer so weiter...


    Interessant wird es dann, wenn z.B. nach dem 10. Jahr die Zinsbindung wegfällt und auf einmal 3% Zinsen anfallen. Dann tilgt man nämlich auf einmal kaum noch und bei gleicher Annuität verlängert sich die Laufzeit so extrem, daß sie die Lebenserwartung des Kreditnehmers übersteigt.


    Solche Themen geben dann immer das große "Aber Hallo". :)


    Und selbst meine Techniker antworten nur noch: "Warum hat uns dann nicht mal vorher einer beispielhaft vorgerechnet, bevor wir unseren Bausparvertrag unterschrieben haben?"


    So gesehen sehe ich solche Sachen schon als Aufgabe der Schule an, egal ob nun beruflich oder allgemeinbildent. Da geht es einfach darum die Schüler für das spätere Leben in unserer Gesellschaft fitzumachen. Und ja, sowas ist ähnlich existentiell wie die Verkehrserziehung in der Grundschule. Es ist also noch weitaus wichtiger als die Frage, ob das jetzt auf eine akademische oder eher eine handwerkliche Ausbildung vorbereitet.


    Solche Themen kann ich bei uns aber auch nur bei den Vollzeitschülern unterrichten. Bei den Azubis gibt es sowas nicht. Dafür müssen sie sich mit Betriebsverfassung sowie -rat und Gewerkschaften von vorne bis hinten auskennen. Die IHK-Prüfungen sind halt doch das heimliche Kurrikulum und wer da wohl an den Prüfungsthemen mitgestrickt hat? :teufel:

  • Deshalb können die BBS Lehrer meiner Meinung nach für sich ein dickes Plus verbuchen, da für das Lehramt dort eine Berufsausbildung Voraussetzung ist.

    Nur kurz zwischenreingegrätscht: Das habe ich hier schon mehfrach gelesen. Darf ich mal fragen, wo dieser Irrglaube herkommt? Lediglich betriebliche Praktika sind vorgeschrieben, die man mit entsprechender Ausbildung allerdings erlassen bekommt. Dürfte wohl vergleichbar sein mit den verpflichtenden Auslandsaufenthalten bei Sprachlehrern.


    Dass wir meistens eine Ausblidung HABEN - nicht zuletzt wegen des enormen Anteils an Quer- und Seiteneinsteigern, für die wir (wenn ich dem Forum glauben darf) im Gegensatz zu den anderen Schulformen sehr dankbar sind - und dass das tatsächlich ein enormes Plus ist, steht auf einem anderen Blatt.

  • Oder fürs Annuitätendarlehen mit konstanten Zinssätzen gerechnet für eine Darlehenssumme von 300.000 € und einer jährlichen Zahlung von 15.000 €, Zinsbindung für die ersten 10 Jahre:

    • 1% Zinssatz:
      Restschuld nach 10 Jahren: 175.000 €
      Laufzeit: 22,5 Jahre
    • 3% Zinssatz:
      Restschuld nach 10 Jahren: 231.000 €
      Laufzeit: 31 Jahre
    • 5% Zinssatz:
      Restschuld nach 10 Jahren: 300.000 €, da die jährliche Zahlung komplett für die Zinsen draufgeht.
      Laufzeit: unendlich


  • Nur kurz zwischenreingegrätscht: Das habe ich hier schon mehfrach gelesen. Darf ich mal fragen, wo dieser Irrglaube herkommt? Lediglich betriebliche Praktika sind vorgeschrieben, die man mit entsprechender Ausbildung allerdings erlassen bekommt. Dürfte wohl vergleichbar sein mit den verpflichtenden Auslandsaufenthalten bei Sprachlehrern.
    Dass wir meistens eine Ausblidung HABEN - nicht zuletzt wegen des enormen Anteils an Quer- und Seiteneinsteigern, für die wir (wenn ich dem Forum glauben darf) im Gegensatz zu den anderen Schulformen sehr dankbar sind - und dass das tatsächlich ein enormes Plus ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Mag vielleicht auch Zufall sein, dass das in meinem schulischen Umfeld so gehäuft vorkommt. Ich kenne keinen genuinen Lehrämtler, der keine Berufsausbildung am BK hat. Schon während des Studiums hatten quasi alle meiner Kommilitonen und ich eine abgeschlossene Ausbildung hinter sich. Die, die keine vorweisen konnten, haben idR abgebrochen oder sind ins Gym Lehramt gewechselt, als sie bemerkten, dass ohne Berufserfahrung nichts geht bzgl Zulassung zum Ref. Bei uns sind nur die Wechsler vom Gymnasium ohne Ausbildung.
    Ist das an anderen Kollegs seltener, dass die studierten BK Leute tatsächlich vorher einen Beruf gelernt haben?Weil diese soundsoviel Wochen Praktikum als Ersatz für die Ausbildung, macht meiner Erfahrung nach kaum jemand. Entweder man hat schon eine Ausbildung und will deshalb BK studieren, oder man hat keine und geht deshalb lieber an einr andere Schulform und spart sich den Zeitverlust.

  • Nur kurz zwischenreingegrätscht: Das habe ich hier schon mehfrach gelesen. Darf ich mal fragen, wo dieser Irrglaube herkommt? Lediglich betriebliche Praktika sind vorgeschrieben, die man mit entsprechender Ausbildung allerdings erlassen bekommt. Dürfte wohl vergleichbar sein mit den verpflichtenden Auslandsaufenthalten bei Sprachlehrern.
    Dass wir meistens eine Ausblidung HABEN - nicht zuletzt wegen des enormen Anteils an Quer- und Seiteneinsteigern, für die wir (wenn ich dem Forum glauben darf) im Gegensatz zu den anderen Schulformen sehr dankbar sind - und dass das tatsächlich ein enormes Plus ist, steht auf einem anderen Blatt.

    bei uns sind 52 Wochen Praktikum vorgeschrieben. Nachdem dabei X Bereiche vorgegeben sind, die durchlaufen werden müssen, ist das ziemlich unattraktiv. Daher haben fast alle ne Ausbildung. Außerdem kommt kaum ein Abiturient einfach so auf die Idee Berufsschulleherer zu werden ;-)


    Ich finde übrigens auch, dass es gut wäre, wenn Lehrer an allgemeinbildenden Schulen vor dem Studium ne Ausbildung machen würden. Manche Studienordnungen sehen ja immerhin Praktika in Betrieben vor. Leider umgehen viele diese indem sie sich Bescheinigungen vom Onkel o.ä. holen.

  • und zum Thema Wirtschaft im Unterricht:


    Ich liebe es Wirtschaft zu unterrichten. :D Und ich finde es immens wichtig. Allerdings befürchte ich, dass das in den niedrigeren Klassenstufen schwierig ist. Wir haben hier in Bayern ja die Wirtschaftsschulen. Da macht man die mittlere Reife mit extremer Spezialisierung auf Wirtschaft.
    Selbst die Schüler dort interessiert es wenig, wenn die verschiedenen Versicherungen, Darlehensarten u.ä. behandelt werden. Das ist von der Lebensrealität eines 16 Jährigen einfach Lichtjahre entfernt. Bei uns in der Ausbildung dann mit 18-20 sind sie plötzlich richtig interessiert, da fängt es dann an sie wirklich zu betreffen.

  • Betriebspraktika fordern meines Wissens nur die Fachhochschulen. Oder irre ich mich da?

    Eine Bekannte musste vor 10 Jahren für Grundschullehramt mal Praktika absolvieren. Keine Ahnung, ob das allgemeine so ist, oder nur an dieser Uni.


    Sie hat sich dann was von nem Bekannten bescheinigen lassen. Das wurde nicht wirklich geprüft. So bringt das dann halt auch nix... :autsch:

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