Ist Völkerball Mobbing?

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    • Bitte dann auch Fußball und anderen Mannschaftssport verbieten, weil die Schwächeren auf der Ersatzbank sitzen und sich die Verlierermannschaft schlecht fühlt.
      Ach ja, und Weitsprung. Keiner darf mehr weiter als 1,50m springen, damit sich die Schwächeren nicht gemobbt fühlen.
      Was fällt mir noch ein... Fangen spielen auf dem Pausenhof: bitte nicht mehr erlauben. Langsame Kinder werden zuerst gefangen und könnten ausgelacht werden.

      Ich habe den Artikel gestern auch gelesen und dachte mir nur, um mal in den Worten meiner Kinder zu sprechen: „Alter, dein Ernst???!!!“
    • Was mich bei derartigen Meldungen immer wundert: wie schaffen die Initiatoren dieser "Studien" es , solche mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, zumal im Ausland.
      Irgendwer untersucht irgendwas und verkauft die Ergebnisse allen Ernstes als Neuerkenntnisse, die dann in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Unabhängig davon, ob es völliger Quatsch ist.
      Von der Praxis in der Pädagogik offensichtlich keine Ahnung. Es wird das Bild vom dicken unsportlichen Schüler vermittelt, der ringsum von allen anderen nur mit voller Wucht abgeworfen wird und der Lehrer schaut tatenlos zu. Selbst wenn es solche Einzelfälle geben mag, hat das überhaupt nichts mit Völkerball zu tun, sondern mit schwarzen Schafen in der Lehrerschaft. Bei denen ist aber die Sportart austauschbar.
      Schwächere Schüler einzubinden ist das Kerngeschäft jeden Lehrers, da braucht es sicher keine Diskussion über Völkerball, schon gar nicht von Theoretikern.
    • Nicolas schrieb:

      Was mich bei derartigen Meldungen immer wundert: wie schaffen die Initiatoren dieser "Studien" es , solche mediale Aufmerksamkeit zu erlangen
      m.E. eine Folge der "Mediengesellschaft". Zig (hunderte?) Fernsehsender, vermutlich ebenfalls hunderte "News"-Seiten, und das pro Land. Jede Zeitung, die früher mal eine Tageszeitung odr gar ein Wochenmagazin war, braucht heutzutage täglich mehrfach neue Meldungen, um im Netz mithalten zu können.

      Da wird - unabhängig vom konkreten Beispiel - jeder noch so kleine Pups, der Quote oder Klicks bringen KÖNNTE, ausprobiert. Vieles versumpft dann in irgendeiner Unter-Rubrik, und manchmal - wie hier - klappt's halt.

      Ach lustig, und während ich das schreibe, wird mir tatsächlich auch endlich klar, wieso dieser Precht dauernd überall zu sehen ist :)
      I can't help about the shape I'm in
      I can't sing, I ain't pretty and my legs are thin.
      Don't ask me what I think of you,
      I might not give the answer that you want me to.
    • Naja, ich persönlich war damals extrem unsportlich, weswegen sich Manschaftssportarten extrem negativ auf mein Selbstbewusstsein ausgewirkt haben. Zumal das auch sehr unangenehm ist, wenn man im Team Sport macht, aber überhaupt keinen Sport kann. Ganz unberechtigt ist das ganze m.E. also wohl nicht. Ich wüsste auch nicht, welchen Mehrwert ich daraus gezogen haben sollte.

      Ein bisschen wahlfreiheit, wäre womöglich gar nicht so sinnfrei (vllt alternativ Übungen, welche sich positiv auf die Koordination auswirken, vllt auch einfach nur laufen, damit erzielt man ja fast alle positiven Effekte von Sport)
    • Felis1 schrieb:

      Völkerball war so ziemlich das einzige Spiel im Sportunterricht, bei der ich gut war. Ich blieb immer sehr lang im Spiel, denn vorm gefürchteten Ball wegrennen konnte ich super.
      Genau so hab ich immer Basketball gespielt ;)

      Aber mal OnTopic: Ich sehe durchaus einen Unterschied zwischen Fußball, Basketball, wasauchimmerball auf der einen Seite, und Völkerball auf der anderen. Völkerball erfordert aktiv, jemanden "abzuwerfen".
      Und ja, das hat - zumindest bei uns - natürlich immer zuerst den "Klassenarsch" getroffen. Egal ob in der Grundschule, dem Gymnasium oder der Berufsschule. Beim Fußball wird der Klassenarsch natürlich als letzter gewählt und kaum angespielt, aber das ist schon nochmal ein Unterschied zu einem "gezielten Angriff".

      Ob das jetzt Mobbing ist? Keine Ahnung. Ich habe den Eindruck, dass wir früher einfach mehr abkonnten, und man sich auch besser zusammenraufen konnte (obwohl ich eher der Typ "möchtegern-coole Sau, die den Dicken macht" war, hatte ich dann NACH der Schule zu den ehemaligen "Klassenärschen" mitunter ein sehr gutes Verhältnis). Aber vielleicht ist das auch ein verklärter Blick eines langsam doch alternden Herren. Nach heutiger Definition verstehe ich schon die Assoziation zum Mobbing, ohne dass ich das jetzt besonders gut oder schlecht finden würde.


      PS: Ich hatte die Meldung übrigens heute morgen im Radio gehört - nur das Ende - und dachte tatsächlich, es wäre so ein besonders unlustiger "Morgenshow-Scherz" von nervigen Moderatoren :)
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    • Nicolas schrieb:

      Was mich bei derartigen Meldungen immer wundert: wie schaffen die Initiatoren dieser "Studien" es , solche mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, zumal im Ausland.
      Irgendwer untersucht irgendwas und verkauft die Ergebnisse allen Ernstes als Neuerkenntnisse, die dann in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Unabhängig davon, ob es völliger Quatsch ist.
      Allgemein vorneweg: in unserer Gesellschaft stehen Wissenschaftler zuweilen mehr in der Konkurrenz um finanzielle Mittel, als um die Wahrheit...

      Dass die Völkerball-Mobbing These medial so große Verbreitung erfährt finde ich nicht überraschend, bzw. liegt nicht nur am Sommerloch.
      Zuerst ist der Kontext die Schule - damit kann nun jeder Leser/Zuschauer etwas anfangen. (Das ist dieselbe Tour wie z.B. "Schule verbietet Hot Pants/Joggingshosen/...".)
      Den Medien bringt das Auflage/Klicks.

      Der größere Kontext, bzw. das Potential auf den die provokante These bzw. Schlagzeile abzielt, ist die gesellschaftliche Spaltung in Links und Rechts. Es gibt immer weniger middle ground. Salopp gesagt: "Lieber gegen dodgeball, als für Trump".
    • DePaelzerBu schrieb:

      Völkerball erfordert aktiv, jemanden "abzuwerfen".
      Und ja, das hat - zumindest bei uns - natürlich immer zuerst den "Klassenarsch" getroffen. Egal ob in der Grundschule, dem Gymnasium oder der Berufsschule.
      Da wäre es doch aber gut, dieses soziale Thema auch mal im Sportunterricht aufzugreifen, wenn man sowas als Sportlehrer bemerkt. Einfach nur solche Spiele wegzulassen, ist ja auch keine Lösung des Problems. Wenn der "Klassenarsch" stattdessen bzw. "nur" auf dem Heimweg, wo es keiner sieht, mit irgendwas beworfen wird, ist auch keinem geholfen.

      Offtopic: Ich habe mit meinen Schülern (damals Erstklässler) ab und zu "Wer hat Angst vorm weißen Hai?" gespielt. Irgendwann bekam ich einen neuen Schüler mit einer dunklen Hautfarbe. Dieser sagte ganz empört: "Hey, das muss doch heißen: 'Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?'!!!
    • "Mobbing" ist das gewiss nicht, wenn unsportliche Schüler immer direkt anvisiert werden beim Völkerball, es ist einfach taktisch kluges Spiel entsprechend der Regeln, hinter dem für gewöhnlich hoffentlich kein böser Wille (bei Mobbing unbedingt notwendig!) steht.

      Dennoch kann ich durchaus verstehen, dass gerade dieses Spiel als problematisch wahrgenommen werden kann. Ich fand es schon immer problematisch am Sportunterricht insgesamt, dass unsportliche (und damit oft: dickere) Schüler durch den Sportunterricht meiner Ansicht nach immer weiter demotiviert werden, wenn es um sportliche Betätigung geht: "Ich kann das ja eh nicht. Und das weiß auch jeder.", und immer weiter an Selbstbewusstsein verlieren: "Mich will doch eh keiner im Team haben. Weil ich halt fett bin." Gerade Botschaft 1, aber wenn es ums Ausweichen geht auch Botschaft 2 sind da mMn sehr präsent beim Völkerball. Ich stelle es mir horrormäßig vor, beim Völkerball immer als erster anvisiert und abgeworfen zu werden - a) immer wieder Scham, als einziger schon raus zu sein, b) verstärkt dadurch, dass einem natürlich niemand den Ball zuspielt, wenn man dann draußen ist - lohnt ja nicht. Als Schülerin fand ich es einfach total unangebracht, wenn sich unser unsportlichstes Klassenmitglied, einmal abgeworfen, einfach auf die Bank oder den Boden gesetzt hat - wenn man draußen ist, tut man doch alles dafür, den Ball zu kriegen und wieder rein zu kommen! Aber heute kann ich das irgendwie echt nachvollziehen. Nicht das einzelne Spiel ist das Problem, sondern die ständige Wiederholung der Botschaft.

      Ich habe übrigens gerne Völkerball gespielt, war da überraschend gut drin. Vermutlich aus demselben Grund wie Felis1! Nur die Bälle fangen konnte ich leider nicht, das war meine Schwäche bei dem Spiel, sodass ich dann ständig ausweichen und drauf hoffen musste, dass der Ball mal an der Wand abprallt und wieder ins Feld rollt. Aber ich war oft sehr lange oder gar als Letzte drin, da war ich echt stolz drauf. Irgendwie kocht sogar gerade wieder etwas Stolz hoch - irre!
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Ich bin auch so eine, die sich gut ducken und ausweichen kann, aber nicht wirklich gut fangen oder werfen. Aber so waren alle Typen bei dem Spiel immer gefragt, man brauchte eine gemischte Mannschaft.

      Und unbeliebte Schüler sind doch auch bei Brennball beispielsweise unbeliebt. Wobei ja gute, unbeliebte bei uns jedenfalls trotzdem gewählt wurden. Man will ja gewinnen.

      Also das Problem mit dem Spiel insbesondere verstehe ich nicht.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Das

      Felis1 schrieb:

      Völkerball war so ziemlich das einzige Spiel im Sportunterricht, bei der ich gut war. Ich blieb immer sehr lang im Spiel, denn vorm gefürchteten Ball wegrennen konnte ich super.
      War bei mir auch so. Und beobachte ich auch bei meinen Schülern, weshalb eigentlich auch die schwächeren ganz gerne Völkerball spielen.
      Be happy for the moment. This moment is your life.
      Leuchttürme laufen nicht herum, um Boote zu retten. Sie stehen einfach da und leuchten.
      Ein Esel ist ein Zebra ohne Streifen.
    • Viele Dinge im Sportunterricht sind fragwürdig. Super immer das Wählen der Mannschaften. Zuerst werden die besten und beliebtesten Schüler gewählt und die schlechten unbeliebten am Schluss. Daran denke ich immer noch mit Schrecken.

      Wer sich über diese Studie mokiert, sollte mal daran denken, wie Sportunterricht für die unsportlichen, unbeliebten Schüler ist. Eine riesige Horrorshow voller Demütigungen, an denen man garantiert nicht wächst.
    • Ich war immer schlecht in Sport, insbesondere in Ballspielen. Aber völkerball fand auch ich total toll! Gerade weil ich da als voll-looser in Sport auch mal was reißen konnte. Die Menschen sind heute einfach viel zu empfindlich, stelle ich täglich aufs neue fest :( Und ja - andere "abballern" macht auch einfach mal Spass! Auch Raufen gehört dazu. Eine Kindheit ohne kann ich mir gar nicht vorstellen, "früher" was das ganz normal, dass man auch mal "körperlich-expressiv" wurde. Hinterher hat man sich wieder vertragen und alles war gut. Ich finde es schade, dass man die Kinder heute jeglicher Form von Expression beraubt. Zumindest empfinde ich das so. Wenn ich mich umsehe dann sehe ich ständig folgendes szenario zwischen Eltern und Kindern: "So Alexander, du setzt dich jetzt mit Eric an den runden Tisch und erörterst dein Problem. Dann gibst du den redeball weiter und Eric ist dran. Ich moderiere euren Disput derweil. Bitte achte darauf, dass du die Gesprächsregeln anwendest". Ich will damit nicht zu "prügelt euch Kinder" aufrufen und auch nicht die Wichtigkeit von gesprächsregeln schmälern. Aber manchmal glaube ich, dass viele heute deshalb so dünnhäutig und empfindlich sind, weil sie kein Ventil für Gefühle haben, da jede Ausdrucksform von Emotion von kindesbeinen an als unerwünscht abtrainiert wird. Klein Alexander darf nämlich nicht einfach mal feste auf den Boden stampfen oder seinen Ärger mit klein Eric selbst lösen, sondern er hört dann "wir müssen mal miteinander reden". Wie gesagt, das soll nicht so klingeln, als würde ich wollen, dass alle ihre Probleme mit den Fäusten lösen sollen. Aber das Kennenlernen von Emotionen wie Wut, Ärger oder Trauer gehört zum erwachsenwerden dazu. Ich glaube, dass wir in Deutschland ein massives Problem mit Emotionen haben. Sowohl mit den eigenen, als auch mit der Deutung der Emotionen anderer.