Lehrer in der heutigen Zeit - würdet ihr es wieder studieren?

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    • Tayfun Pempelfort schrieb:

      Im Lehreralltag wird es nicht langweilig
      Das finde ich einen ganz wichtigen Punkt! Selbst nach einem 9 Unterrichtsstundentag denke ich:wo ist die Zeit geblieben? Aber zugegeben, manche Konferenzen dauern eine gefühlte Ewigkeit...
      Aus vorherigen Tätigkeiten weiß ich für mich, dass Abwechslung eine wichtige Rolle für mich einnimmt. Ich fand die Zeiten ohne Kundschaft am schlimmsten, ich hatte lieber Stress und zu viel zu tun als nichts zu tun.

      Ich würde aber auf keinen Fall mehr Deutsch studieren. 80 Std Wochenarbeitszeit sind übertrieben, aber ich habe in einem anderen Thread schon geschrieben: Dieses Jahr habe ich mit 12 Klassen über 1000 Klausuren zu korrigieren plus Abschlussprüfungen schriftlich und mündlich.
    • LehramtSek1 schrieb:

      Aber ist es wirklich als Lehrer bzw. Sinn des Berufs, sich von Ferien zu Ferien durch zu hangeln?
      Also, dass es so stressig ist, dass man nur für die Ferien lebt? Und unter der Woche fertig ist bzw. kein Sozialleben mehr hat?
      Genau das sind meine "worst case" Befürchtungen :/
      Denkst du, dass alle Lehrer*innen in Deutschland so leben? Oder was erhoffst du dir von der schwarz-weiß-Malerei? Natürlich KANN es Zeiten geben, wo das so ist. Z.B. als Berufsanfänger, z.B. vor den Zeugnissen, z.B. für Menschen, die es nicht schaffen, eine Passung von Anforderungen und Erwartungen hinzubekommen. Wie soll dir jemand sagen, ob du zu Burnout neigst und wie die fiktive Klientel einer fiktiven Schule so drauf ist? Das kann keiner. Du musst aber zumindest damit rechnen, dass es schwierige Phasen geben wird.

      Und zur anderen Frage: sich abzugrenzen ist wichtig, egal sollten einem die Kinder nicht sein. Es ist ein Beruf, in dem man mit Menschen zu tun hat. Menschen haben Gefühle, Bedürfnisse, Selbstfindungsphasen... wem das nicht liegt, der wird mit Geräten vermutlich glücklicher. Da gibt's nur "geht oder "geht nicht" für das man eine rein rationale Lösung suchen kann.
    • „Wird nicht langweilig“ stimmt nur so halb, finde ich.
      Herausfordernd und abwechslungsreich ist alles, was sich auf der sozialen und zwischenmenschlichen Ebene abspielt. Rein fachlich gesehen langweilt mich der Job ehrlich gesagt aber durchaus, denn die Unterrichtsinhalte sind nunmal ziemlich trivial und es wird auch nicht spannender, wenn man einen Jahrgang zum 4. oder 5. Mal (öfters hats mich noch nicht getroffen ) macht. Zudem entfällt ein nicht unwesentlicher Teil der Arbeitszeit auf stumpfsinnige Fließbandarbeit wie Korrekturen. Allerdings hat man diese wiederkehrenden Routinearbeiten vermutlich in fast jedem Job, also ist das auch nicht direkt ein Alleinstellungsmerkmal des Lehrerjobs
    • Maylin85 schrieb:

      Rein fachlich gesehen langweilt mich der Job ehrlich gesagt aber durchaus, denn die Unterrichtsinhalte sind nunmal ziemlich trivial [...] ein nicht unwesentlicher Teil der Arbeitszeit auf stumpfsinnige Fließbandarbeit wie Korrekturen.
      Sehe ich auch so. Es ist sehr, sehr wichtig, sich ein Leben außerhalb der Schule aufzubauen. Deswegen muss man auch arbeitsökonomisch vernünftig strukturiert sein - wer kein Hobby, keine Freunde, kein Leben außerhalb der Schule hat, dem wird es auf Dauer nicht gut gehen.
    • Ich würde es wieder studieren, auch direkt auf Lehramt, aber nicht in der Kombi. Die beiden Fächer, die ich habe, sind fachlich beide sehr breit gefächert und damit auch anspruchsvoll. Chemie ist keine Leidenschaft, Elektrotechnik muss ich halt unterrichten ;)

      Ich kann zum Beispiel nicht mit Kindern, bzw habe keine Lust darauf, deswegen BK und auch gerne Abendschule. Die Vielfalt im Bereich Schule ist groß und gerade das gefällt mir.
    • Die Schüler sind nicht schlimm, allerdings haben wir ein massives Konzentrations- und Lautstärkeproblem an den Oberschulen.

      Gründe: Ganztag, erlaubte Handynutzung in den Pausen, Verlust der Autorität durch Ich-Gesellschaft

      Die Schulen haben eine hohe Fluktuation, das heisst, dass die Arbeitsbedingungen nicht attraktiv sind.

      Lehrer selbst ist ein sehr, sehr guter Beruf, leider hat sich in den letzten Jahren eine Schieflage ergeben, die noch eine Weile anhalten wird.
      Ich kann nur für Brandenburg und Berlin Sek 1 sprechen.
    • Als ich nach abgeschlossenem Biostudium noch das Lehramtsstudium draufsetzte und in der ersten Lehrer-Veranstaltung saß, war ich richtig glücklich und hatte das Gefühl, nun auf der Zielgeraden zu sein, auch wenn es noch einige Semester dauerte. Heute würde ich mich wieder dafür entscheiden. Die Arbeit macht Spaß und auch die Routinearbeiten wie Korrekturen. Zwischendurch solche Routinearbeiten finde ich entlastender, als wenn ich ständig nur abwechslungsreise und kognitiv anstrengende Arbeiten hätte wie die Planungen von Stunden oder Projekten. Ich bin nun seit 17 Jahren an meiner Schule und habe das Gefühl, dass ich dort meine Heimat gefunden habe, gute Freunde im Kollegium habe und dass ich eigentlich jeden Morgen gerne in die Schule gehe. Am letzten Ferientag kommt zwar regelmäßig die Oje-Stimmung, aber sobald ich am nächsten Tag eine Stunde unterrichtet habe, bin ich wieder ganz schnell drinnen im Alltag.

      Sarek
    • Die Zeit vergeht wirklich sehr schnell. Also ich langweile mich NIE in diesem Job.
      Ich finde es auch sehr gut, früh zu Hause zu sein. Von neun bis 18:00 im Büro sitzen (mit Stunde Pause) finde ich schrecklich. Gut, man hat vermutlich nicht die Lautstärke und den Stress, aber es wäre mir einfach zu lang.

      Negativ am Job: Ich wurde beleidigt (fett), belogen, bestohlen und belästigt. Das gehört dazu. Muss man mit klarkommen. Passiert jedem Lehrer.

      Ich wurde zum Glück noch nie gewalttätig angegangen. Ich kenne Lehrer, die wurden getreten, weil man das Handy vom Tisch nehmen wollte und dabei das Spiel wegdrückte.
      Ich kann nur für Brandenburg und Berlin Sek 1 sprechen.
    • FrauFuchs schrieb:

      Negativ am Job: Ich wurde beleidigt (fett), belogen, bestohlen und belästigt. Das gehört dazu. Muss man mit klarkommen. Passiert jedem Lehrer.
      nein.
      I can't help about the shape I'm in
      I can't sing, I ain't pretty and my legs are thin.
      Don't ask me what I think of you,
      I might not give the answer that you want me to.
    • FrauFuchs schrieb:


      Negativ am Job: Ich wurde beleidigt (fett), belogen, bestohlen und belästigt. Das gehört dazu. Muss man mit klarkommen. Passiert jedem Lehrer.
      Nein, das ist mir noch nicht einmal an einer Brennpunktschule passiert. Es schadet aber sicher nicht, im Hinterkopf zu haben, dass das passieren könnte und sich zu überlegen, wie man im Fall der Fälle damit umgehen möchte.
    • Also würdet ihr mir raten nur Lehrer zu werden, wenn man komplett hinter Kindern steht und enorm belastungsfähig ist?

      Mich würde auch interessieren, wie ihr zu Gemeinschaftsschule steht? An sich ist das ja nochmals ein erheblicher Aufwandszuschlag? (wenn man auf drei Niveaustufen Unterricht vorbereiten muss).

      Gibts auch gute Bücher, aus welchen man Unterrichtsmaterial auch mal entnehmen kann? Gerade in Mathematik müsste es sich doch anbieten?
    • LehramtSek1 schrieb:

      Also würdet ihr mir raten nur Lehrer zu werden, wenn man komplett hinter Kindern steht und enorm belastungsfähig ist?

      Mich würde auch interessieren, wie ihr zu Gemeinschaftsschule steht? An sich ist das ja nochmals ein erheblicher Aufwandszuschlag? (wenn man auf drei Niveaustufen Unterricht vorbereiten muss).

      Gibts auch gute Bücher, aus welchen man Unterrichtsmaterial auch mal entnehmen kann? Gerade in Mathematik müsste es sich doch anbieten?
      Belastbar auf jeden Fall. Ob die Gemeinschaftsschule wirklich kommt, steht in den Sternen. Ich hoffe nicht. Die Eltern wollen es auch nicht, daher wird es höchstens ein Experiment, für das eigentlich momentan keine Zeit ist. Drei Niveaustufen pro Stunde sind nicht realistisch. Erst recht nicht in eigener Vorbereitung. Selbstverständlich nimmst du die Schulbücher.
      Ich kann nur für Brandenburg und Berlin Sek 1 sprechen.
    • LehramtSek1 schrieb:

      Also würdet ihr mir raten nur Lehrer zu werden, wenn man komplett hinter Kindern steht und enorm belastungsfähig ist?

      Mich würde auch interessieren, wie ihr zu Gemeinschaftsschule steht? An sich ist das ja nochmals ein erheblicher Aufwandszuschlag? (wenn man auf drei Niveaustufen Unterricht vorbereiten muss).

      Gibts auch gute Bücher, aus welchen man Unterrichtsmaterial auch mal entnehmen kann? Gerade in Mathematik müsste es sich doch anbieten?
      Komplett hinter den Kindern stehen: ja.
      Das heißt nicht, dass man mit einzelnen nicht so gut klar kommt oder sogar überhaupt nicht mag, aber das musst du dann ausblenden und professionell bleiben und alle gleich behandeln.

      Enorm relativ belastbar - würde ich sagen. Es gibt sicherlich Tätigkeiten, wo man noch belastbarer sein muss, aber eine gute Stressresistenz solltest du haben (was auch wieder nicht heißt, dass man nie gestresst sein darf).

      Unterrichtsmaterialien gibt es meiner Ansicht nach sehr viel (allerdings habe ich nicht Mathe), je nach Verlag und Lehrbuch gibt es viel Zusatzmaterial, was du dir zT kaufen kannst oder was die Schule so anschafft. Im www wird man zusätzlich fündig. Da würde ich mir weniger Sorgen machen. Punkte 1+2 sind am wichtigsten.
    • hanuta schrieb:

      FrauFuchs schrieb:

      Negativ am Job: Ich wurde beleidigt (fett), belogen, bestohlen und belästigt. Das gehört dazu. Muss man mit klarkommen. Passiert jedem Lehrer.
      Wie kommst du auf die Idee, dass das jedem Lehrer passiert? Mir ist das bisher nicht passiert.Ich kenne auch keinen Kollegen, der deine Behauptung bestätigen kann.
      Man muss das jetzt auch nicht überbewerten. Aber kannst du dir sicher sein, es jedesmal gemerkt zu haben, ob du nicht beleidigt oder belogen wurdest?
      Ich kann nur für Brandenburg und Berlin Sek 1 sprechen.
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