Was tun gegen Stress?

  • Ich bin zur Zeit sehr genervt von Fehlverhalten und Langsamkeit, den Hauptproblemen meiner Schüler*innen. Das hat weniger schulische Ursachen, beeinträchtigt aber dort meinen Arbeitsalltag. Hat jemand eine Idee, wie ich aus dieser Tiefphase rauskomme? Also ich meine ganz praktisch, dass mir nicht der Geduldsfaden reißt, wenn die Schüler es nicht gebacken kriegen, das Datum oben rechts ins Heft zu schreiben oder zu Stundenbeginn die Klappe zu halten. Ich hab gern Spaß mit den Kids und bin eigentlich nicht super streng, aber falte sie dann regelrecht zusammen, wenn sie zur 5. Stunde WIEDER 10 min. brauchen, bis das blaue Buch auf dem Tisch liegt. Bin bei Kleineren eingesetzt als sonst... Und es nervt mich schlicht kolossal, was natürlich überhaupt nichts ändert außer der schlechten StimmungX/

  • Hmm, ich dachte, als Sonderpädagogin hätte man Geduld quasi mitstudiert... Mir geht's genauso, aber als "normaler" Grundschullehrer darf mich das nerven, oder? Seit Samstag sage ich mir wieder das Folgende, das hilft:


    Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein
    Und durch meine Blüte fließt die Sonne in mich rein
    Ich bin ein Gänseblümchen und mir wird ganz warm
    Ich könnt die ganze Welt und dann mich selbst umarmen.
    Ich bin ein Gänseblümchen ohne Aggression
    Wut, Ärger - was bringt das schon?

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  • Vielleicht tröstet es dich, dass man auch über "erwachsene" Lerner sehr frustriert sein kann, wenn man vielen Stunden der Übung immer noch Grundlagen so gar nicht hängen bleiben...

  • Hallo Samu


    ich kenn das Problem :). Und dieses Schuljahr bin ich selbst erstaunt über meine Gelassenheit.

    was mir mittlerweile hilft:

    - genug Zeit einplanen

    - Sanduhr aufstellen "Wer schafft es in dieser Zeit" dazu als Frage an die Kinder

    - oder Stoppuhr laufen lassen, das hatte bei meinen dann den Effekt, dass sie beim nächsten schneller sein wollten

    - ich hab meinen schon ein Spiel/Lied versprochen, wenn noch Zeit am Ende ist. Wenn sie zu langsam waren, war dafür keine Zeit. So war ihnen auf einmal bewusst, dass sie das selbst steuern können

    - durchatmen :) immer wieder durchatmen

  • Ich weiß ja nicht, wie „klein“ deine „Kleineren“ sind, aber nach der 1. Klasse sind Kinder nicht mehr „klein“.

    „Meine“ sind nun in Klasse 3 und finden auch schlecht zurück in die Routine.


    Ich kann es verstehen nach plötzlichen Schulschließungen, langem Zuhausehocken, wechselnden Tagen mit Pausen und Sommerferien,:klatsch::schlaf::sofa:

    andererseits darf man ihnen ruhig sagen, was man von ihnen erwartet :doc:.

    Auch kann man ihnen spiegeln, wie sie sich verhalten.:schreck:


    Mal nimmt man es mit Humor, mal ist man ernst,

    mancher nutzt Token (njam, :essen:, du weißt schon),

    anderer Zeitdarstellungen, in denen man etwas gewinnt oder verliert.


    Manchmal braucht es einfach eine deutliche Ansage und 2 extrem konsequente :hammer:Stunden oder Tage :weissnicht:, damit es sich wieder einpendelt und auch der Spaß wieder mehr Zeit und Berechtigung hat.:laola:

    Die kann man ja ankündigen, wenn sie sich die „verdienen“, haben sie es direkt eingefordert.


    Noch eine Möglichkeit wäre, dass du den Kindern deinen eigenen Genervt-Faktor anzeigst:daumenrunter: :tot: :uebel:, bevor es so weit ist :motz:, dass du explodierst.:sauer: :schimpf: :schreien: :explodier:


    Das wird schon wieder :troest:

  • Mir hat heute eine Schülerin aus meiner Klasse vorgeschlagen, wir Lehrkräfte sollten uns eine Glocke kaufen um für Ruhe in der Klasse zu sorgen... Bei meinen 29 SuS (heute waren tatsächlich zum ersten Mal in diesem Schuljahr alle anwesend!) dauert es eeewig, bis es mal ruhig ist. Da verliere ich so langsam auch die Geduld!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Mir geht es selbst am Gymnasium so... Ich habe eine 5. Klasse und natürlich sind die neu, alles ist ungewohnt und aufregend, aber wenn sie meinen Unterricht unterbrechen (mehrfach) um zu fragen: Frau LEEEEHRERINNNN? Wann haben wir heute aus?" - "Welches Fach haben wir als nächstes?" (Selbstverständlich haben sie alle einen Stundenplan und es hängt auch einer an der Wand...) und ihre 7 Sachen nicht dabei haben, mir das Materialgeld für die Kunstlehrerin abgeben wollen statt endlich mal das Kopiergeld ("Hä? Was für 'n Kopiergeld? Was ist das überhaupt?" - "Das stand doch im Elternbrief" - "Den hat meine Mama nur überflogen" - 😒) mitzubringen....


    Also ich kämpfe auch seit gut 2 Wochen mit dem Orga-Kram und es nimmt kein Ende... und stelle immer wieder fest, dass es auch in höheren Klassen so läuft... Ein wenig Unterricht habe ich immerhin schon geschafft...


    Ich werde dann auch manchmal ungehalten, muss ich ehrlich zugeben. Ich glaub das ist normal, aber ja, es nervt...

  • Oh ja, der Orga-/Verwaltungskram geht mir auch sowas von auf den Wecker! Corona-bedingt ist es dieses Jahr noch als sonst. Aber immerhin hat heute - nach3,5 Schulwochen! - der letzte Schüler aus meiner Klasse das Kopiergeld gezahlt!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

    • Offizieller Beitrag

    Ich bin zur Zeit sehr genervt ...

    Jepp. Geht mir gerade genauso. Ich bin die Meckertante. Die Folge davon: Heute haben alle Kinder der Klasse schräg gegenüber auf dem Flur einen MNS aufgehabt. (Am Freitag in der 1. Pause die Hälfte, in der zweiten 2/3.) Die Musikklasse mit dem besonderen Potenzial war heute wieder ganz normal. Also nachdem ich zweimal gemeckert habe.

    Ich finde ja, das hat auch Vorteile.

    Aber ja, ich fühle mich gestresst und das ist doof.


    Meine Kolleginnen in den 3. Klassen haben das Smileyrennen. Ich mag sowas nicht bzw. verliere den Überblick.


    Tja, ansonsten: Atmen. Viel atmen. Für die Grundschule, weiß nicht, ob das auf der FS realistisch ist: Sich auf die Kinder fokussieren, die etwas gut und richtig machen und die über alle Maße loben.

    Kinder, die es fast nie richtig machen, so setzen, dass man nicht mehr ins Heft guckt. Dann steht das Datum halt in der Mitte, irgendwann ist es einfach mal genug oft angesagt worden.

    Was ich sonst noch mache: Das Tempo reduzieren und kleinschrittiger arbeiten: Alle Kinder öffnen das Heft. Alle Kinder suchen "rechts" und zeigen mit dem Finger darauf. Herumgehen, korrigieren, bestätigen. Zähle nun 6 Kästchen von "rechts" aus und setze einen Punkt mit dem Bleistift. Alle Kinder nehmen den Füller in die Hand. Schreibe nun das Datum, beginne dabei am Punkt. Ja, ich habe 2 Schüler, bei denen es dann immer noch in der Mitte steht. Bei denen schaue ich nicht mehr ins Heft.


    In der Pause was Lustiges lesen. Loriot-Zitate oder sowas. Kaffee trinken. Oder Tee oder was auch immer.

  • Das ist aber kein alleiniges Phänomen der Kleinen. Meine Großen (Anfang 20 bis Mitte 40) haben sich auch immer viel zu erzählen ;).


    Da besteht das Problem, dass man hier auch Mal Personen disziplinieren muss, die älter sind als man selbst. Egal wie lange jemand gearbeitet hat. In der Schule wird wieder jeder zum Kind. :D


    (Vielleicht bin ich deswegen auch Lehrer geworden, das darf meine Frau aber nicht wissen🤭)

  • Oh, ich danke euch! Sowohl fürs "kenne ich auch" als auch für die konkreten Ideen.


    Ich denke dann,

    ... kleinschrittiger arbeiten: Alle Kinder öffnen das Heft. Alle Kinder suchen "rechts" und zeigen mit dem Finger darauf. Herumgehen, korrigieren, bestätigen. Zähle nun 6 Kästchen von "rechts" aus und setze einen Punkt mit dem Bleistift. Alle Kinder nehmen den Füller in die Hand. Schreibe nun das Datum, beginne dabei am Punkt.

    das kann's doch jetzt nicht sein? Und morgen immer noch?!... Aber es ist eben genau das, was sie gerade brauchen. Muss vielleicht die Stundenvorbereitung wieder machen wie im Ref und die Atempausen, Bleistiftpunkte und Teewitze einplanen.

  • Stelle Gruppen zusammen und gib den Gruppen Punkte/Steine/wasauchimmer, wenn alle Mitglieder zu Beginn der Stunde die Bücher auf dem Tisch liegen hat, alle unaufgefordert das richtige Datum an die richtige Stelle schreiben, alle mit dem Ruhezeichen sofort ruhig sind usw.

    Stelle der Siegergruppe am Ende des Tages eine kleine Belohnung in Aussicht.

    (Nennt sich „Klasse-Kinder-Spiel“.)

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Mir hat heute eine Schülerin aus meiner Klasse vorgeschlagen, wir Lehrkräfte sollten uns eine Glocke kaufen um für Ruhe in der Klasse zu sorgen... Bei meinen 29 SuS (heute waren tatsächlich zum ersten Mal in diesem Schuljahr alle anwesend!) dauert es eeewig, bis es mal ruhig ist. Da verliere ich so langsam auch die Geduld!

    Du hast noch keine Glocke? :staun:

  • Oh, ich danke euch! Sowohl fürs "kenne ich auch" als auch für die konkreten Ideen.

    Kenne ich auch, freue mich derzeit schon auf die Sportstunden mit den Großen (sind bei mir 4er), damit ich mal....nicht immer alles 1000mal erklären muss.


    Ich arbeite auch viel mit Belohnungssystemen, runterzählen (wobei ich eigentlich gar nicht weiß, was ich mache, wenn ich bei null ankomme und es ist immer noch Chaos)... das Letztere funktioniert also.

  • Ich bin zur Zeit sehr genervt von Fehlverhalten und Langsamkeit, den Hauptproblemen meiner Schüler*innen.

    Ich habe leider keinen guten Tipp für dich, aber immerhin kann ich dich sehr gut verstehen!

    Ich glaube, es ist sowas wie emotionale Erschöpfung.


    Dieses ewige so tun als sei alles in Ordnung, die ständige Angst, es könne mich auch treffen, gleichzeitig soll ich professionelle Ruhe ausstrahlen, ich soll auf x verschiedene Szenarien eingestellt sein, dabei klappen ja noch nicht einmal die grundlegendsten Dinge (die du oben angesprochen hast) im Präsenzunterricht, wie soll dann ein möglicher Hybridunterricht funktionieren... das alles baut ein Spannungsfeld auf, in dem ich mich nicht mehr wohl fühle.


    Wenn es also nicht gezielt etwas in deinem Privatleben gibt, das dich unglücklich macht, dann ist es sicher die schulische Situation als solche - und mit der hadern wohl alle Lehrer im Moment (zumindest die, die nicht gerade mit Musik und Sport mega entspannt durch den Tag hampeln... :_o_P)

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