Umgang mit Verschwörungstheorien in der Schule

  • Ach manchmal reicht auch Gegenwind.

    Eine Schülerin meinte letztens Corona wäre ja nicht schlimm, sie würde sich nicht impfen lassen. Da rastete eine andere Schülerin aus, sie könne ja gerne mal zugucken, wie ihre Mutter nach Corona 15 Minuten von der Küche ins Wohnzimmer braucht und dabei nach Luft ringt.


    Damit war das zum Glück auch beendet.

  • Manchmal passt es, dass man es genau passend macht. Und manchmal / oft hat man nicht die Zeit, es perfekt so zu machen, wie sich dies Fachdidaktiker*innen an der Uni vorstellen.

    Danke für diesen Beitrag.


    Was ist denn Ihrer Meinung nach der "genau passende" Weg? Kann es gelingen, einen Mittelweg zwischen dem einerseits fachdidaktischen und dem andererseits kompetenzorientierten Vorgehen zu finden?

  • Das kann aber nur klappen, wenn es sich noch nicht um verhärtete Vorurteile der SuS handelt, diese Fakten also noch zugänglich sind, bzw. auch noch das Vertrauen haben, dass man als Lehrkraft diese unabhängig von der eigenen Meinung herauszustellen vermag. Wer selbst nur noch alternativen Fakten Glauben schenkt ist einer solchen Debatte nicht mehr zugänglich.

    Danke.


    Wie würden Sie denn damit umgehen, wenn die SuS eben schon verhärtete Vorstellungen haben, die sich nicht mehr so leicht umlenken lassen?

  • Eine Schülerin meinte letztens Corona wäre ja nicht schlimm, sie würde sich nicht impfen lassen. Da rastete eine andere Schülerin aus, sie könne ja gerne mal zugucken, wie ihre Mutter nach Corona 15 Minuten von der Küche ins Wohnzimmer braucht und dabei nach Luft ringt.


    Damit war das zum Glück auch beendet.

    Wie hätten Sie denn bei einer solchen Situation reagiert, wenn die Situation in einem Streit ausgeartet wäre? Wäre dann eine Klärung dieses Streitthemas in Form einer Aufklärung über Impfungen, etc. die beste Möglichkeit, damit umzugehen?

  • Danke für diesen Beitrag.


    Was ist denn Ihrer Meinung nach der "genau passende" Weg? Kann es gelingen, einen Mittelweg zwischen dem einerseits fachdidaktischen und dem andererseits kompetenzorientierten Vorgehen zu finden?

    Ich sehe da keinen Ausschluss, also auch Fachdidaktiker*innen setzen auf Kompetenzen, es ist ja auch nicht per se schlecht oder gut.

    Aber: In "meinem" Unterricht soll ich den Lehrplan "abarbeiten", Inhalte und Kompetenzen vermitteln, (fach)didaktische Prinzipien anwenden und dabei immer neue Themen berücksichtigen (also nicht nur als Thema / Einheit im Unterricht, sondern eben immer wieder nicht aus den Augen verlieren):

    - die Inklusion (Menschen mit Behinderung thematisieren)

    - rassismuskritisch sein

    - gegen Extremismus kämpfen

    - Verschwörungstheorien bekämpfen

    - Umweltschutz

    - Nachhaltigkeit

    - Programmieren

    - Sexualerziehung

    - Erste Hilfe

    - Umgang mit Medien (traditionellen)

    - digitale Medien

    - Präsentationskompetenzen ...

    usw


    Wenn man dann noch den Eltern und den Menschen auf der Straße zuhört, gehören auch Fahrrad fahren, die Steuererklärung, Schwimmen, Zeitung lesen können, 10Finger-Tippen, einen Job suchen und finden können, usw...

    JEDER Punkt ist wichtig.

    gar keine Frage.

    Aber nebenbei soll ich auch die französische Grammatik beibringen, die Landeskunde frankophoner Länder, Stilmittel und grammatikalische Strukturen, einen gewissen literarischen "Kanon", das politische System, die Menschenrechte, die wirtschaftspolitischen Theorien, binomische Formeln, chemische Reaktionen, Experimente aufbauen, Sicherheit im Labor, ...


    Vieles lässt sich kombinieren: eine Internetrecherche thematisiert den Umgang mit Quellen, vermittelt Inhalte und schult im Anschluss die Präsentationskompetenz. Aber es ist nunmal nicht ALLES möglich.


    Also wenn ich nur 10 Stunden die Woche unterrichten würde UND die SuS ein paar Verfügungsstunden in der Woche für "Aktuelle Projekte nach Wahl" hätte, könnte ich vielleicht zu aktuellen Themen coole didaktisch aufbereitete Themen entwickeln. Aber mit meinen 25,5 Stunden und nur 2-3 Stunden pro Woche in vielen Fächern, geht das nicht.

  • Also wenn ich nur 10 Stunden die Woche unterrichten würde UND die SuS ein paar Verfügungsstunden in der Woche für "Aktuelle Projekte nach Wahl"

    Boah, das wäre sooo cool. Es gibt so tolle Projekte, die man mit Schülern machen könnte, wenn man die Zeit hätte.


    In meinem Fall ( Berufsschule) wären das:

    - Falschgeld (ein Workshop, den die Polizei anbieten. Wird bei Verkäufern oft gemacht, wäre aber für alle Kaufleute interessant)

    - Palmöl (da hatten wir mal Forscher mit nem Projekt da, das war super)

    - Finanzen/Vorsorge in der 12. Klasse. Super wichtig, kommt oft zu kurz

    - Steuererklärung. Da gäbe es was vom Bund der Steuerzahler, leider so ausführlich, dass die Zeit fehlt

    - tagesaktuelle Politik kommt allgemein zu kurz

    - Moral/Ethik -> Hauptsache die Schüler gaben 3 Jahre Religion in Bayern :autsch:

    Sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch. (DpB):aufgepasst:

  • Danke.


    Wie würden Sie denn damit umgehen, wenn die SuS eben schon verhärtete Vorstellungen haben, die sich nicht mehr so leicht umlenken lassen?

    Kommt auf die konkrete Situation an, den konkreten Schüler, etc. Ich weiß, in welchem Rahmen mein Handeln sich bewegt, alles weitere kann nur die Praxis zeigen, aus der sich ergibt, was tatsächlich erforderlich bzw. möglich ist.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ja, spannende Diskussion. „Was machst du wenn $SCHUELERIN (im Unterricht) $DUMMES_ZEUG sagt?“ Echt, das soll’s sein?


    Wie wäre es mit einem Blick auf eine übergeordnetet Sichtweise, z. B. auf die Frage, wie man damit umgeht, dass der Staat Löcher in das staatliche Bildunsgsystem reißt, in denen er esoterischen Spinnkram erlaubt? Z. B.:


    https://www.swr.de/swraktuell/…nd-coronaleugner-100.html

    „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Ist mir schon sehr lange nicht mehr passiert, dass Schüler Verschwörungstheorien geäußert haben. Während meines Refs ist es mir mal passiert, dass ein Schüler ein Referat über den 11. September halten wollte. Ich dachte mir damals nichts dabei und habe mir vorher kein Abstract vorlegen lassen: Und siehe da: Er versuchte zu beweisen, dass es keine Flugzeuge gab, sondern dass eine Bombe gezündet wurde.

    Nun ja. Ich habe es dann zum Anlass genommen, das Phänomen "Verschwörungstheorie" in den Blick zu nehmen und habe mehrere KursteilnehmerInnen versch. damals populäre Verschwörungstheorien recherchieren lassen. Die Stunde, in der die Erkenntnisse zusammengetragen wurden, war durchaus heilsam, weil die SuS im Vergleich ähnliche Strukturen und Ansätze erkennen konnten. Danach habe ich ihnen noch die Bielefeldverschwörung vorgestellt. Da hatten sie richtig Spaß. :victory:

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Könnt ihr sowas nicht im Rahmen von Projektwochen oder dergleichen anbieten?

  • Könnt ihr sowas nicht im Rahmen von Projektwochen oder dergleichen anbieten?

    Sowas gibt es in der Berufsschule kaum. Wir haben einen vollen Stoffkatalog, der abgearbeitet werden muss. Wenn mal in einem Fach Zeit übrig bleibt machen wir Prüfungsvorbereitung.

    Sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch. (DpB):aufgepasst:

  • Sowas gibt es in der Berufsschule kaum. Wir haben einen vollen Stoffkatalog, der abgearbeitet werden muss. Wenn mal in einem Fach Zeit übrig bleibt machen wir Prüfungsvorbereitung.

    Projektwochen machen wir auch allenfalls mit den SuS der Vollzeit-Bildungsgänge. Allerdings reicht auch bei denen die Zeit selten dazu. In den 18 Jahren, die ich nun an meiner BBS bin, hatten wir - wenn ich mich richtig erinnere - nur zweimal komplette Projektwochen; ansonsten höchstens mal Projekttage.

Werbung