Ungleichmäßige Lehrauftragsverteilung

  • Hallo zusammen,


    nachdem ich kürzlich die voraussichtliche Lehrauftragsverteilung für das kommende Schuljahr gesehen habe, bin ich genervt.

    Wieder einmal, wie in so vielen vorhergehenden Jahre unterrichte ich meine drei Fächer in sehr ungleichmäßiger Menge.


    Deutsch: Leistungskurs Klasse 12 (5h), Leistungskurs Klasse 11 (5h), Klasse 5 (5h)

    Gemeinschaftskunde: Grundkurs Klasse 11/12 (2h), Klasse 10 (3h), Klasse 9 (2h), Klasse 8 (1h)

    Geschichte: ---


    Es ist nun schon das 7. Schuljahr, in dem ich entweder gar kein Geschichte oder nur eine Klasse Geschichte unterrichten werde.


    Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit sozusagen verblassenden Fächern? Ich habe das Gefühl, je länger man nicht richtig eingesetzt wird, desto unwahrscheinlicher wird ein höherer Einsatz in den Folgejahren, da man ja immer mehr "raus" ist.


    Hatte das Thema schon mehrfach bei der SL angesprochen, es ist aber immer wieder ähnlich.


    Eine rechtliche Handhabe zum Einsatz hat man denke ich auch nicht, oder?

  • "Ähnliche Erfahrungen"... ja, hab ich.


    Ich habe seit Ende des Refs mein Zweitfach nicht mehr unterrichtet (außer mal nebenbei als Prüfungsvorbereitung). Allerdings bin ich heilfroh d'rum.


    Eine rechtliche Handhabe hast Du nicht, man wird da eingesetzt, wo man gebraucht wird. Ich meine, es gab da auch schon ein paar ausführlichere Threads dazu, vielleicht hat die jemand parat.

  • Ich habe meistens nur eine Klasse Mathematik (nur einmal mehr als zwei), ich unterrichte seit 20 Jahren fast nur Chemie (zwischen 12 und 20 Stunden) und NwT/BnT (2 - 4 Stunden).


    Ich denke, es geht vielen so.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Sowas liegt nicht daran, dass du "raus" bist, sondern daran, wie gut die Fächer der Kollegen zum Schulbedarf passen.


    Der Zusammenhang für deine fehlenden Geschichtsstunden kann dabei durchaus um 4 Ecken gehen.

    Info/Mathe Kollege wird in Info gebraucht, deshalb macht der Mathe/Erdkunde-Lehrer mehr Mathe, deshalb macht der Sport/Erdkundelehrer mehr Erdkunde, deshalb macht der Erdkunde/Geschichte Kollege mehr Geschichte und zum Schluss der Kette stehst du und kannst kein Geschichte mehr machen, sondern musst vorwiegend Deutsch unterrichten...


    Manchmal hast du mehrere solcher Abhängigkeitsketten im Kollegium. Ein guter Schulleiter versucht das zu steuern und einseitigen Unterrichtseinsatz zu vermeiden, aber manchmal geht es nicht anders. Je weniger fachfremde/fachungebundene Stunden ihr habt, umso schwieriger wird das.

  • Ich habe das Problem auch, verstehe es aber, da ich den Stundenplan mitschreibe und wir auch bei der Zuweisung der UV anwesend sind.

    Es kann aber auch mal ganz anders kommen. Ich hatte von Anfang an 1-2 Kurse in Päda und ca 5 in Englisch. Das hat sich dann nach 3 Jahren krass gewendet, als in Päda vermehrt Leute in Pension und Elternzeit gingen und auch in Sport und somit Päda/Sportlehrer Sport geben mussten und dann ich statt Englisch Päda hab und nur noch einen Englischkurs hatte.

    Danach hatte ich dann aber eigentlich wieder nur Päda.


    Meine Lösung: ich hab einen Zertifikatskurs in Mathe gemacht, damit ich nicht nur Englisch habe, was in der Korrektur ja auch arbeitsintensiv ist, wenn man nur SEK 2 hat.


    Also reden kann man, aber Anspruch hat man nicht.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Wie kodi schon gemeint hat: Es liegt nicht an dir, oder dem Unwillen deines Direktors, daß du das eine Fach nicht und die anderen verstärkt hast - es liegt einfach an den Erfordernissen der jeweiligen Schule. Mir persönlich geht es ebenso, daß ich keine, oder nur eine Klasse (mit einer bis maximal zwei Stunden pro Woche) in Geschichte habe. Das stört mich aber nicht, da ich in Latein und Griechisch ohnedies übervoll bin und Geschichte im Grunde eh eines extremen Vorbereitungs- und Korrekturaufwands bedarf - je weniger Geschichte ich habe, umso lieber ist es mir! Da mein Direktor aber der Ansicht ist, daß jeder irgendwann einmal das unterrichten sollte, wozu er ausgebildet ist, bekomme ich halt alle heiligen Zeiten eine Geschichtsklasse - aber ganz ehrlich: der Aufwand in Geschichte in Relation zu dem, was bei den Schülern "hängen" bleibt ist halt schon recht traurig...

  • Mir geht es mit Erdkunde so. In meinen anderen Fächern ist der Bedarf höher. Ich kann mich sozusagen sogar selbst einteilen, da ich an der Lehrfächerverteilung beteiligt bin. Ich kann alsombestätigen, dass es von Schulleitern und Stellvertretern kein böser Wille ist.


    Wenn es dein Herzenswunsch ist, dann rede mit demjenigen, der die Lehrfächerverteilung macht.

  • Ich habe in meinem ersten Schuljahr nach dem Referendariat nun auch keine Mathematik mehr unterrichtet. Vielleicht bekomme ich im nächsten Halbjahr 2 Stunden, wahrscheinlich aber nicht.


    Einige Kollegen haben seit Jahrzehnten eines ihrer Fächer nicht mehr unterrichtet. Es gibt außerhalb von der Ausbildung keinen Anspruch auf einen speziellen Einsatz.

  • aber ganz ehrlich: der Aufwand in Geschichte in Relation zu dem, was bei den Schülern "hängen" bleibt ist halt schon recht traurig...

    Steinzeit - Französische Revolution - Hitler - DDR meinst du? ^^

    • Offizieller Beitrag

    yestoerty: aber durch Mathe hast du nicht plötzlich mehr Englisch, sondern einfach die Korrekturlast neu verteilt?


    Ich habe die ersten 2 Jahre nach dem Ref eins meiner Fächer mit mehreren Lerngruppen unterrichtet, seitdem (es waren dann 5 aktive Jahre in der Schule) wurde ich nicht mehr in der Unterrichtsverteilung berücksichtigt. Es führt dazu, dass die neueren Kolleg*innen, inklusive SL nicht mal wissen, dass ich das Fach unterrichte (für die Überarbeitung des Hauscurriculums wissen aber schon einige, dass ich einen Teil übernehmen könnte). Und da verstehe ich, was du meinst, mit "raus sein". Auch wenn es nicht unbedingt an bösem Willen hängen muss (bin mir bei mir unsicher, aber andere Sache), es ist schwer, dann wieder einzusteigen.

    Meiner Meinung nach gehört es zu einer guten Führungskompetenz der Schulleitung auch sowas im Blick zu haben. Dass kein*e Kolleg*in in die Falle tappt, ein Fach nicht mehr zu "können", oder gar Bedenken / Berührungsängste zu haben, weil man seit Jahren nicht mehr in einigen Stufen oder gar gar nicht dabei war. Gegebenenfalls auch "gegen" den Willen von KuK, die total gerne eine Nische haben. Wenn sich die Personalverteilung ändert, muss jede*r innerhalb seiner/ihrer Kompetenzen (Fakultas) agil reagieren können.

  • Finde das bei uns am BK nochmal irgendwie anderes. Da haben viele KuK ihre Spezialbereiche entwickelt. Was ich verstehen kann und grundsätzlich auch ok finde. Es wird nur dann schwierig, wenn es da KuK gibt die grundsätzlich nur einen speziellen Bereich unterrichten und andere KuK hingegen von Schuljahr zu Schuljahr mehr Bereiche unterrichten sollen in die sie sich natürlich einarbeiten müssen. Da fehlt finde ich, zumindest an unserer Schule, irgendwie auch der Blick das ein bisschen auf mehrere Schultern zu verteilen.

  • yestoerty: aber durch Mathe hast du nicht plötzlich mehr Englisch, sondern einfach die Korrekturlast neu verteilt?

    Genau. Als ich Anfang 2019 aus der Elternzeit zurück kam, hatte ich 5 Englischkurse. Nächstes Jahr werden es 3 Englischkurse und 2 Mathekurse sein. Da schreiben zwar noch immer alle 4 Klausuren im Jahr, aber durch den Mathestapel bin ich schneller durch. Zudem muss man ja auch sagen, dass Mathe im 2. Durchgang einfacher vorzubereiten ist. Da passen ich mal zahlen an, oder ändere das Substantiv in der Aufgabenstellung.

    Für so eine FHR Englischklausur brauche ich:

    - einen Hörtext von 3 Minuten mit passendem Inhalt und Sprachniveau

    - einen englischen Text von 300 Worten mit passendem Inhalt und Sprachniveau

    - einen deutschen Text zum Mediieren (auch so 300 Worte)


    Also auch das erstellen der Klausur ist zeitlich ein anderer Rahmen.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • ...

    Hatte das Thema schon mehrfach bei der SL angesprochen, es ist aber immer wieder ähnlich.

    Rechtliche Handhabe nicht, wurde schon gesagt. Ich würde trotzdem ein Gespräch suchen und zwar nicht nur zwischen Tür und Angel, sondern extra dafür einen Termin machen. Ob es einen Grund hat, dass... und ob er/sie eine Möglichkeit sieht, wie...

  • Hab meinen vorläufigen Einsatz bekommen,

    10 Stunden Physik Kurs,

    6 Stunden Mathe Kurs,

    Rest (7h) kleine Klassen in Physik.


    Find ich großartig. Wenig Mathe und genauso soll es sein.

  • Ist noch nicht fix bei mir, aber aktuell


    ~8 Stunden ET

    ~13 Stunden CH


    Ich hoffe noch mehr in Richtung CH verschieben zu können .... Unterrichte aber vorwiegend technische Chemie, bzw. Steuerungs- und Regelungstechnik in der Chemie.

  • Ich habe so wenig meiner ursprünglichen Fächer, dass mein mein Fachleiter sich erkundigt hat, ob ich mich überhaupt fristgerecht in die Deputatsmatrix eingetragen habe. Habe ich, aber eben nicht in seinen Zuständigkeit, da ich dort nur eine Fortführung habe.


    Ich habe nächstes Jahr also nur eine Klasse Mathematik und keine in Physik. Mit dem Rest bin ich im Informatik-Bereich eingesetzt. Mal sehen.


    Ich muss nicht unbedingt viel Physik unterrichten, daher ist das schon in Ordnung. Aber wenn man es gar nicht unterrichtet und nur zu den Fachkonferenzen eingeladen wird, ist das auch doof. Ich mag es, anderen Kollegen in der Sammlung über den Weg zu laufen und ein paar Worte (fachlich und privat) zu wechseln.


    LG DFU

  • Ich muss nicht unbedingt viel Physik unterrichten, daher ist das schon in Ordnung.

    Bei mir ist das Problem, ich habe nach dem Referendariat außer vereinzelt in der Einführungsphase überhaupt kein Physik mehr unterrichtet.


    Aktuell bietet die Schule kein Physik mehr abiturführend an, aber sollte sie das wieder tun und ich dort eingesetzt, käme ein riesiger Berg an Arbeit auf mich zu.

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