• Hallo zusammen,


    Ich habe im Sommer mein Referendariat beendet und da meine Fächer nicht sehr gefragt sind, habe ich eine Stelle als Angestellte an einer Gesamtschule angenommen.

    Ich wurde mit e11 für die sek1 eingestellt und werde dann in 4 Jahren verbeamtet (sek2).

    Da wir ein kleines Kind haben, habe ich nur eine 70% Stelle.


    Meine Fragen:

    1. Ist es zulässig, dass ich in der EF unterrichten muss? Nicht falsch verstehen... Ich unterrichte gerne diese Klasse aber müsste ich nicht dann eigentlich auch e13 verdienen?

    2. Habe ich direkt eine Klassenleitung aufgedrückt bekommen. Die Entlastung dafür ist ein Witz (0,5)... Ich komme hier locker auf 5 Stunden zusätzlich pro Woche.

    3. Müssen alle Lehrer Zusatzaufgaben übernehmen. (Sogenannte Leuchttürme) dadurch habe ich pro Woche nochmals Mehrarbeit von 3-5 Stunden (ohne Entlastung).


    Aus Punkt 2-3 folgt, dass ich inzwischen jeden Tag bis tief in die Nacht arbeiten muss und kaum mehr Zeit für mein Kind oder für mich habe. Ich komme sogar kaum noch dazu den Unterricht vorzubereiten, weil es einfach zu viel wird. Der facto arbeite ich gerade eher 110% als 70%.


    Ich habe natürlich total Angst, dass die Schulleitung mich fertigt macht und im schlimmsten Fall mich innerhalb der Probezeit rausschmeißen wird, wenn ich etwas sage.


    Ach ja: für ein Projekt muss ich demnächst eine komplette Woche meine Klasse betreuen und habe da natürlich keinen Unterricht. Ich muss aber Materialien für die anderen Klassen zur Verfügung stellen und habe natürlich dadurch auch eine enorme Mehrarbeit. Zudem ist die Aufführung am Wochenende und da müssen wir dann auch die Schüler betreuen. Das ganze wird aber auch wieder nicht als Mehrarbeit gewertet... Ist das zulässig?


    Tut mir leid, dass ich hier so rumheule. :(


    VG

  • Die Entlastung dafür ist ein Witz (0,5)... Ich komme hier locker auf 5 Stunden zusätzlich pro Woche.

    Bei uns an der Schule gibt es für Klassenleitung keine Entlastung und für Profile auch nicht. Ich halte das auch für eine Frechheit, aber da musst du dich im Lehrerberuf noch auf ganz andere Frechheiten einstellen.


    Ich kann Dir nur sagen, dass es bei uns leider genauso aussieht. Du wirst hier im Forum auch immer nur hören, dass es sich um Dienstpflicht handelt.
    Am ehesten denke ich, wird man etwas bei dem Sek II Kurs was machen können, wenn Du nur für Sek I eingestellt bist. Das wäre zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn Du den abgeben könntest (man wird dir dafür eine Sek I Klasse aufbrummen), aber da sehe ich die reellsten Chancen etwas zu erreichen.
    Bei allen anderen Dingen kann ich leider nur sagen: Willkommen im Lehrerberuf, in dem es offiziell keine Mehrarbeit gibt. Du steckst genau wie ich in der Falle, dass nur die Unterrichtsstunden bezahlt werden und alles andere all inklusive ist. Man wird dir niemals Mehrarbeit auszahlen, weil du am Wochenende eine Aufführung machst, oder, weil du auf einer Klassenfahrt rund um die Uhr arbeitest.

    Würde der Lehrerberuf nach Stechuhr abgerechnet werden und ich würde für jedes Elterngespräch, für jede Unterrichtsvorbereitung, Korrektur, Planung (!) von Fahrten und Ausflügen usw. einstempeln, würde das Land Schleswig-Holstein pleite gehen.

    Der Lehrerberuf funkioniert nur deshalb, weil wir alle unbezahlte Mehrarbeit leisten. Du wirst merken, dass die meisten Forumsteilnehmer das auch noch bagatellisieren oder sogar gut heißen.

    Kann dir nur sagen, du bist mit deinem Frust nicht alleine, ich fühle mich auch massiv ausgebeutet und verarscht. Mein Tipp ist es (und da bist du leider ohne Verbeamtung noch in einer schwachen Position) zurückzuverarschen und auszunutzen, was geht.

  • Ich habe im Sommer mein Referendariat beendet


    dass ich inzwischen jeden Tag bis tief in die Nacht arbeiten muss

    Auch wenn das sehr heftig ist, die ersten 3-5 Jahre sind nach dem Ref noch einmal die anstrengendsten, gerade weil man noch kein Materialfundus hat und weil man eben die normalen Aufgaben einer Lehrkraft nun mit dazu bekommt, wo man im Ref noch verschont geblieben ist.

    So viel Arbeit muss aber nicht sein. Da würde ich hierzu greifen:

    Buch S. 121-123 bearbeiten. Fertig.


    Man muss sich davon frei machen, nach dem Ref weiter so Material und Stunden zu erstellen wie im Ref.

    Frontaler Einstieg - Arbeitsphase - Sicherung. Im besten Fall mit Buch arbeiten und man kann sich einiges freischaufeln.

    Ich verbessere Jahr für Jahr nun mein Material, da wo ich Zeit finde.



    Ist es zulässig, dass ich in der EF unterrichten muss?

    gehört die EF denn zur Sek II? Wenn mich nicht alles täuscht, ist es die 10. Klasse und wäre damit für mich Sek I.

    Falls es Sek II ist, dann dürftest du da mit einem Sek I Vertrag eigentlich nicht unterrichten. An der Stelle würde ich aber an eine Gewerkschaft verweisen und dort die Infos einholen.


    Habe ich direkt eine Klassenleitung aufgedrückt bekommen. Die Entlastung dafür ist ein Witz (0,5)... Ich komme hier locker auf 5 Stunden zusätzlich pro Woche.

    Klassenleitung ist nun wirklich nicht ungewöhnlich.

    Ich bekomme gar keine Entlastung dafür.
    Wie kommst du da auf 5 Stunden zusätzlich pro Woche? Welche Aufgaben fallen da an? Das kommt mir stark zu viel vor.


    Müssen alle Lehrer Zusatzaufgaben übernehmen. (Sogenannte Leuchttürme)

    Ich weiß nicht was Leuchttürme sind. Aber ja einige Zusatzaufgaben gehören zu den Dienstpflichten. Aber auch hier könnte sonst bei konkreten Fällen eine Gewerkschaft helfen.


    Ich muss aber Materialien für die anderen Klassen zur Verfügung stellen und habe natürlich dadurch auch eine enorme Mehrarbeit.

    Warum ist das Mehrarbeit, wenn du die im Unterricht hättest, müsste das Material auch vorhanden sein. Würde da aber auch wo es geht aufs Buch verweisen oder Übungs/Wiederholungsstunden.




    Schaff dir Freiraum da wo es geht. Es muss keine super Methode oder Material sein. Mach einfachen Unterricht. Und dann setz dich mit Kollegen zusammen, die deine Fächer haben, vielleicht unterstützen die dich. Ebenso bei der Klassenleitung.

  • Hey,


    zu deinen Punkten:


    1. Es ist zulässig (zumindestens in NRW), dass SEK I Lehrer in der EF unterrichten, aber nicht höher. Ist bei uns normal gewesen und auf Nachfrage beim PR bekamen die Kollegen genau diese Antwort.


    2. Anrechnungsstunden für Klassenleitungen sind absoluter Luxus. Kenne ich so nicht. Am BK, wo ich mittlerweile unterrichte, sind 2-3 Klassenleitungen ( im Team) normal. Ich hab derzeit zwei. Ohne Anrechnungsstunden, versteht sich, arbeite auch 75%.


    3. Auch die zusätzlichen Aufgaben sind normal, fast jeder im Kollegium ist irgendwie zusätzlich eingebunden. Sei froh, dass ihr nicht noch Lehrpläne schreiben müsst.


    Tipp: Frühzeitig die Aufgaben kennen, abschätzen und nach "eigenem Geschmack" und Aufwand auswählen hilft, den Frust etwas im Zaum zu halten.


    Projekte, die deine eigene Klasse betreffen, wird es immer mal wieder geben (wir hatten zum Beispiel Jahrgangsprojektwochen) und ja, man muss trotzdem den Unterricht der anderen Klassen vorbereiten...je nach Chef. Bei uns war es so und das ist besonders lustig, wenn du ein Fach in vielen Jahrgängen unterrichtest, also viele Stunden außerhalb deiner Klasse hast.


    Also kam bei mir schnell die Einsicht, dass mein persönlicher Aufwand für eine Projektwoche sowohl was Material als auch die Orga und das Thema generell betraf, stark zurückgefahren wurde.


    Eines weiß ich nun, erst Recht seit ich ein Kind habe und Zeit einfach kostbar geworden ist: Kümmer dich um dich selbst, und zwar vorrangig. Den meisten anderen geht es nicht anders und sie haben schlichtweg keine Zeit, um dich zu entlasten und unseren Arbeitgeber interessiert es null.

  • Ersteinmal danke für eure Antworten.


    Ich fasse zusammen: da ich in NRW arbeite, kann ich auch in der EF eingesetzt werden.

    Diese Zusatzbelastungen sind normal und das einzige was man da machen kann ist, den Aufwand so gering wie möglich zu halten. Mehrarbeit wird nicht entlohnt (auch nicht bei abgestellten Lehrern die ja eh schon die Arschkarte haben)

  • Diese Zusatzbelastungen sind normal und das einzige was man da machen kann ist, den Aufwand so gering wie möglich zu halten. Mehrarbeit wird nicht entlohnt

    "Normal" ist relativ. Es hängt vieles von der Schule ab. Deswegen verwies ich ja auf Kollegen.


    Aber ja, Stress in den ersten Jahren ist durchaus normal, da einem die Erfahrung / der Fundus fehlt. Wenn du nächstes Jahr das Projekt wieder machst, wird es leichter.


    Dein Unterrichtsdeputat sind ja x Stunden (BK zB 25,5), aber das entspricht ja noch nicht der 40 h Woche. Bzw. mit abgleichen der Ferien sind es glaube ich 41,6 h oder so. Wenn du durch andere Projekte keine Zeit für Unterrichtsvorbereitung hast musst du da eben ansetzen.


    Zum Schutz in diesen Wochen kann man sich, so gut es geht, in den Ferien vorbereiten.

  • 3. Müssen alle Lehrer Zusatzaufgaben übernehmen. (Sogenannte Leuchttürme) dadurch habe ich pro Woche nochmals Mehrarbeit von 3-5 Stunden (ohne Entlastung).


    Ich habe natürlich total Angst, dass die Schulleitung mich fertigt macht und im schlimmsten Fall mich innerhalb der Probezeit rausschmeißen wird, wenn ich etwas sage.


    Ach ja: für ein Projekt muss ich demnächst eine komplette Woche meine Klasse betreuen und habe da natürlich keinen Unterricht. Ich muss aber Materialien für die anderen Klassen zur Verfügung stellen und habe natürlich dadurch auch eine enorme Mehrarbeit. Zudem ist die Aufführung am Wochenende und da müssen wir dann auch die Schüler betreuen. Das ganze wird aber auch wieder nicht als Mehrarbeit gewertet... Ist das zulässig?

    Zur EF und der Klassenleitung haben andere schon was gesagt.

    Bei den anderen Punkten, solltest du dich mit eurerm Lehrerrat und ggfs dem Personalrat zusammensetzen. Diese Zusatzaufgaben müssen/sollten ja irgendwo definiert sein. und bestimmt bist du nicht die Einzige, die mit der Mehrbelastung ein Problem hat. Dann kann man in der Lehrerkonferenz die Entlastungstunden, die euch ja zustehen, entsprechend der Belastung anpassen. Auf jeden Fall bekommst du dadurch zumindest mit, wer bei euch wofür entlastet wird.


    Die Schulleitung hat doch kein Interesse daran dich fertig zu machen, die sind doch froh dich zu haben, sonst hätten sie jemanden anderen genommen. Die Schulleitung entscheidet auch nicht über einen Rausschmiss, sondern das wird weiter oben entschieden. Dafür musst du auch schon ein grobes Fehlverhalten an den Tag gelegt haben. Nach meiner Erfahrung ist es auch gut möglich sich dagegen rechtlich zu wehren, da Schulleitungen mit Formalia oft schluddrig sind.


    Wenn du die Klasse betreust, beschräken dich deine Materialien für die anderen Klassen auf einfachste Aufgaben. Du musst keinen Untericht perfekt vorgbereiten, den du nicht selber hatlne kannst. Lass sie viel lesen und schreiben und gut ist.

    Mehrarbeit am Wochenende? Da solltest du den Lehrerrat fragen, ob und wie das entlasted wird. Bei uns haben die Kollegen oft am nächsten Tag erst später Unterricht.

  • Aus Punkt 2-3 folgt, dass ich inzwischen jeden Tag bis tief in die Nacht arbeiten muss und kaum mehr Zeit für mein Kind oder für mich habe. Ich komme sogar kaum noch dazu den Unterricht vorzubereiten, weil es einfach zu viel wird. Der facto arbeite ich gerade eher 110% als 70%.

    1. Weiß ich nicht

    2. Klassenleitung gibt hier keine Abminderung, 0,5 scheinen mir besser als nichts. Abminderung verteilt (hier zumindest) die Schulleitung und so viel ist da immer nicht zu verteilen.

    3. Mit den Zusatzaufgaben ist so ne Sache, richtig genau kann man das offenbar nicht definieren. Auf alle Fälle würde ich darauf pochen, nur zu 70% damit belastet zu werden, weil Teilzeit. Das sind ja klassisch teilbare Aufgaben im Gegensatz zu Klassenleitung.

    Habt ihr ein Teilzeitkonzept? -> Personalrat

    4. Was meinst du mit Projektwoche? Du bist in deiner Klasse eingeteilt und sollst den Unterricht für andere vorbereiten? Da glaube ich nicht, dass das rechtens ist. Projektwoche heißt ja Unterricht in Projektform und muss genauso Vor-und nachbereitet werden.

    5. Wieso machst du Aufführungen am Wochenende?



    Ich habe natürlich total Angst, dass die Schulleitung mich fertigt macht und im schlimmsten Fall mich innerhalb der Probezeit rausschmeißen wird, wenn ich etwas sage.

    Nein, das ist nicht natürlich. Warum sollte sie dich fertigmachen und warum rausschmeißen? Das ist nicht die normale Umgangsform an Schulen.

    Tao-hsin sprach zu seinen Schülern "Nimm die Welt freudig und sanft auf, wie ein Kind sein Spielzeug."

  • Dir ist nicht klar, dass du die Sache mit deinem Post eher schlimmer machst als besser?

    Außer die Kollegen im Forum zu dissen, also diejenigen, die gerade zu helfen versuchen, teilst du dem TE und allen anderen mit, dass man alles mit sich machen lassen muss. Du schreist mal wieder "Frechheit", hast aber keinen Vorschlag, wie man sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen kann.


    Dein einziger Tip besteht darin, "auszunutzen was geht", womit du meinen dürftest, dass du auf stille Weise Arbeit umgehst und damit dem Arbeitgeber und den Vorgesetzten signalisierst, dass eben alles zu schaffen ist.

    Tao-hsin sprach zu seinen Schülern "Nimm die Welt freudig und sanft auf, wie ein Kind sein Spielzeug."

  • twinner:

    Zitat

    und im schlimmsten Fall mich innerhalb der Probezeit rausschmeißen wird, wenn ich etwas sage.

    Dir Probezeit im Angestelltenverhältnis auf einer Planstelle ist echt ein Problem...In den 6 Monaten bist Du fast schutzlos dem Schulleiter ausgeliefert....(und man riskiert sogar im Extremfalle eine Entlassung 'wegen 'Nicht-Eignung' quasi im Alleingang durch den Schulleiter, die bundesweit eine Stellensuche verunmöglicht/sehr erschwert - das wird dann analog angesehen zu der Nichtbewährung als 'Beamter auf Probe', nur dass man da 3 Jahre Zeit hat, sich doch noch zu bewähren, inklusive normalerweise Schulwechsel bei Problemen usw. und Beteiligung von Mitwirkungsgremien, Möglichkeit der verwaltungsrechtlichen Überprüfung - man also ganz anders abgesichert ist)

  • Es gibt bei dir keine Mehrarbeit? Also sorry, in Brandenburg gibt es die und sie wird auch ab 3h/Monat zusätzlich vergütet. Im Zweifel sogar aus Mehrarbeit angeordnet.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Es gibt bei dir keine Mehrarbeit? Also sorry, in Brandenburg gibt es die und sie wird auch ab 3h/Monat zusätzlich vergütet. Im Zweifel sogar aus Mehrarbeit angeordnet.

    Gilt aber nur für U-Stunden, du kannst ja kein Theaterprojekt am Wochenende abrechnen...


    Wobei ich mich schon frage, ob man bei allem "hier!" rufen muss. Selbst wenn die SL kündigen könnte, warum sollte sie das machen?


    Ach und nochmal zur Teilzeit: ich kenne zwei Kolleg*innen, die schon ewig TZ arbeiten und die sind immer so top vorbereitet, dass ich manchmal den Eindruck habe, dass sie mehr Zeit investieren als andere in Vollzeit. Und zwar nicht nur anteilig, sondern absolut.


    Man muss auch aufpassen, denke ich, dass man nicht die Relation verliert, was an Vorbereitung zwingend notwendig ist. Ich mache (schon immer Vollzeit) mal was Schönes, auf das ich selbst Lust habe und sonst ganz viel im Arbeitsheft, gänzlich ohne Vorbereitung. Ein Unterrichtsgespräch dazu, ein Merksatz ins Heft, eine Tabelle erstellt, ein Schaubild abgemalt... 45 min sind schnell um.


    Die eigenen Kinder wollen ja auch irgendwann Aufmerksamkeit und man selbst mal in die Sauna:flieh:

    Tao-hsin sprach zu seinen Schülern "Nimm die Welt freudig und sanft auf, wie ein Kind sein Spielzeug."

  • Naja, Projekte zieht man sich ja selbst ran und bei Wochenendarbeit muss es nen Ausgleich geben. Sonst bin ich halt am Wochenende krank denn auch wir haben ein Anrecht auf Freizeit.

    Was Unterricht + Vor- und Nachbereitung angeht mach ich zB eine eigene Arbeitszeitenrechnung: bin ich mit allem drum und dran über 40h in der Woche, pack ich den Stift bei Seite und gut ist. Muss man dann halt nur konsequent durchziehen.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Ich kenne keinen einzigen Falls, wo das passiert ist. Hier in NRW und in meiner Blase scheint das kein Problem zu sein.

    Klar, wenn der Schulleiter ein Mindestmaß an Fairness hat, wird er eigene Kündigung nahelegen...Das muss aber nicht unbedingt gegeben sein (oder er kennt die fatalen Auswirkungen einer Kündigung mangels Eignung für Tarifbeschäftigte in der Probezeit nicht bzw. die zu informierende und umsetzende Bezirksregierung weist ihn nicht darauf hin), von daher der Hinweis (und die Threaderstellerin zeichnet ja kein allzu faires Bild von ihrer Schulleitung - sie hat zumindest "total Angst" vor ihr)

  • Also ich glaube, dass Vieles von dem, was du als Frechheit betrachtest, im Berufsleben generell absolut üblich ist und das auch weit außerhalb des Lehrerberufs. In den meisten Unternehmen wird in unserer Gehaltsliga nicht nach Stechuhr abgerechnet, sondern man bewegt sich im AT-Bereich, wo jede Überstunde inkludiert ist und man für pünktlichen Feierabend eher schief angeschaut wird. Und selbst dort, wo das Gehalt weitaus niedriger ist, ist unbezahlte Mehrarbeit eher die Regel als die Ausnahme. Frag doch mal auf der nächsten Baustelle, wie da die Arbeitszeit minutengenau erfasst wird.


    Und wenn du dich so ausgebeutet und verarscht fühlst, warum suchst du dein Glück nicht dort, wo man dein Können wertschätzt?

    Zum verarschen gehören ja immer zwei. Vielleicht guckst du dich mal nach lukrativeren beruflichen Alternativen um, anstatt im Endeffekt den Steuerzahler/ die Allgemeinheit "zurück zu verarschen".


    Und um zur Eingangsfrage zurück zu kehren. Ich denke, in jedem anderen Beruf ist es in der Anfangszeit nach dem Berufseinstieg absolut normal, weit über die Mittellinie zu gehen, was Arbeitsumfang und Leistung betrifft. Jedenfalls dann, wenn man die Probezeit bestehen will. Teilzeit für akademische Berufseinsteiger dürfte außerhalb des öffentlichen Dienstes ohnehin kaum zu finden sein.

  • 2. Habe ich direkt eine Klassenleitung aufgedrückt bekommen. Die Entlastung dafür ist ein Witz (0,5)... Ich komme hier locker auf 5 Stunden zusätzlich pro Woche.

    Wow, ich hätte auch gerne Entlastung für meine Klassenleitung.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Hallo,


    also ehrlich gesagt, hört es sich für mich jetzt auch eher nach einem "normalen" Pensum an. Die ersten drei Berufsjahre nach dem Ref sind erstmal anstrengend. Ich denke, das geht fast Jedem so.


    Ich habe damals bereits nach drei Monaten die Reißleine gezogen und mich damit abgefunden, dass ich es einfach nicht mehr schaffen werde, jede Stunde so vorzubereiten, wie ich sie im Ref vorbereitet habe. Mittlerweile habe ich es für mich so eingerichtet, dass ich die allermeiste Unterrichtsvorbereitung in den Ferien mache und die allermeisten Korrekturen am Sonntag Vormittag. Da gehen natürlich einige Ferienwochen (idR 4-6) und sicherlich jeder zweite Sonntag Vormittag dafür drauf... Dafür habe ich dann aber an anderer Stelle viel Luft. Zum Beispiel kann ich mir eigentlich jeden Schultag eine lange Mittagspause (13 - 15.30 Uhr) erlauben, ohne dass ich nach 18 Uhr noch am Schreibtisch sitze. Mittwochs mache ich nach der Schule in vielen Fällen auch gar nichts mehr.


    Was ich dir empfehlen kann: Schreib mal deine Arbeitszeiten auf. Arbeite deine Aufgaben nach einer Prio-Liste ab. Falls es nicht möglich ist, die obersten, absolut notwendigen Prioritäten in den bezahlten 40,5 Zeitstunden abzuarbeiten, würde ich schauen, an welcher Stelle du optimieren kannst. In der Regel ist das erstmal die Unterrichtsvorbereitung. Aber auch bei Korrekturen, etc. gibt es einige Optimierungsmöglichkeiten, die die Korrekturzeiten verkürzen.


    Meiner Meinung nach muss es machbar sein, sich im Schnitt an die 40,5 Stunden pro Woche zu halten. Bzw. wenn du 70% arbeitest, wären es bei dir 28,35 Stunden. D.h. 28 Stunden und 21 Minuten. Ca. 13 Stunden sind ja reine Unterrichtszeit. Die restlichen gut 15 Stunden müssen dann reichen für alles Andere. Wieso benötigst du fünf Zeitstunden für die KL-Tätigkeit? Das erscheint mir doch sehr viel. Da kann man sicher etwas optimieren. Die halbe Stunde Erlass entspricht idR 36 Zeitstunden (also ca. 1 Zeitstunde pro Schulwoche). Mehr würde ich dafür dann auch nicht aufwenden!

  • In den meisten Unternehmen wird in unserer Gehaltsliga nicht nach Stechuhr abgerechnet, sondern man bewegt sich im AT-Bereich, wo jede Überstunde inkludiert ist und man für pünktlichen Feierabend eher schief angeschaut wird

    Kann ich so nicht unterschreiben. Ich sehe das bei vielen Freunden, die jetzt auf dem Gehaltslevel oder höher arbeiten. Die haben teilweise sogar 35-Stunden Verträge. Jede einzelne Überstunde wird dann wieder abgefeiert, oder man macht halt einfach keine Überstunden und hat einen halben Tag frei.

    Wo es in meinem Umfeld viele Überstunden gibt, sind in Beratungen. Aber dort wird trotzdem jede Überstunde aufgeschrieben (und die verdienen eben auch generell weitaus mehr).


    Und wenn du dich so ausgebeutet und verarscht fühlst, warum suchst du dein Glück nicht dort, wo man dein Können wertschätzt?

    Das ist so ein typisches Nicht-Argument. Besonders als Lehrer hat man deutlich weniger Möglichkeiten umzuschwingen ohne nochmal komplett von vorne anzufangen. (Wohlgemerkt nach 7 Jahren Ausbildung) Und den Job, den man gut macht und gerne macht, darf man ja wohl auch zu Recht kritisieren und verbessern wollen. Dafür müssen es doch aber mehr Leute anerkennen und nicht nur Apologeten sein. Es sei denn, man möchte keine besseren Bedingungen. Wäre natürlich auch eine legitime Meinung.

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