Geflüchtete Schüler aus der Ukraine

  • Ich denke, dass das Schulsystem viel strenger ist, als hier. Das Problem wird wohl eher sein, dass die SuS den Unterricht hier von vorne herein nicht ernst nehmen, weil es eben nicht die normal übliche Unterrichtssituation (im eigenen Land) ist. Zudem vermute ich auch, dass das Verhalten der deutschen Schüler im Unterricht wesentlich undisziplinierter ist als im eigenen Land üblich, die bekannte Strenge fehlt und den SuS daher der richtige Bezug zum eigenen Verhalten fehlt.

  • Wir haben - wie ich mir schon gedacht hatte - noch keine ukrainischen SuS an unserer Schule, da diese wohl zunächst an den allgemein bildenden Schulen untergekommen sind. Ein Schüler war vor einigen Wochen mal da und hat mit einer unserer Schulsozialarbeiterinnen gesprochen (er wollte evtl. in die Berufsfachschule); den hat sie aber ans Gymnasium verwiesen, weil er ihr völlig "überqualifiziert" erschien (war auch in der Ukraine schon kurz vor dem Abi- laut seines mitgebrachten Zeugnisses mit besten Noten -, sprach sehr gut Englisch und auch gut Deutsch und hat in seiner Heimat schon einen Literaturpreis gewonnen).

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Also uns wurde heute gesagt, dass egal wie es weitergeht, unsere ukrainischen Kinder auf jeden Fall zum Schuljahrsende ein Zeugnis brauchen.

    Es läuft sehr schleppend. Die Kinder glauben, bald (etwa zu den Sommerferien) wieder zuhause zu sein und scheinen wenig Sinn im Deutschlernen zu sehen… Sie machen permanent Selfies von sich und den Arbeitsblättern, wenn man sich umdreht 🤔

  • Es läuft sehr schleppend. Die Kinder glauben, bald (etwa zu den Sommerferien) wieder zuhause zu sein und scheinen wenig Sinn im Deutschlernen zu sehen… Sie machen permanent Selfies von sich und den Arbeitsblättern, wenn man sich umdreht 🤔

    Das sehe ich selber auch als Problem. Mir ist nicht klar, was das Ziel der Beschulung aktuell sein soll.


    Sollen diese Kinder / Jugendlichen auf ein Leben in Deutschland vorbereitet und bestmöglich integriert werden, was dann auch das Erlernen der deutschen Sprache bedeutet?

    Oder soll sie gut betreut werden, möglicherweise (bei älteren Schülern) über den Online-Unterricht aus der Ukraine möglichst ohne "Bruch" weiterlernen, mit der Aussicht, bald wieder zurück in die Ukraine zu ziehen?


    Das ist für mich ein sehr großer Unterschied!

    Und ich habe jetzt mitbekommen, dass viele Familien darauf zählen, bald zurück in die Heimat zu können. Da verstehe ich die geringe Motivation, die Sprache hier zu erlernen und sich zu integrieren. Anders wäre es, wenn es um einen längerfristigen Aufenthalt in Deutschland geht.

  • Also bei mir sähen die Zeugnisse bisher katastrophal aus, weniger von der Leistung her, sondern vom Verhalten und Arbeiten - darüber muss ich ja auch berichten. Und das fände ich doch etwas "gemein", denn was weiß ich denn, was da für Traumata o.ä. dahinterstecken, bzw. wie das sonst in der Schule war.


    Die Frau, die mit den Kindern ehrenamtlich deutsch lernt, hat schon von den Älteren welche rausgeworfen und meinen hat sie es auch schon angedroht.

    Man kann nur was aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher etwas reingetan hat.

  • Ps Ich habe noch nix zur Lehrerausbildung gefunden.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Ich unterrichte bisher drei ukrainische Kinder (in zwei Klassen) und sie sind völlig unterschiedlich. Mit den beiden Drittklässlern geht es halbwegs, beide sind bereit zu kommunzieren und mit Englisch, Händen und Füßen geht es auch. Ein Kind macht Mathe mit links, beim anderen fehlen sämtliche Grundlagen (kann z.B. nur schriflich addieren, selbst Aufgaben wie 20+10). Arbeitshaltung ist auch ein bisschen komisch (sehr ähnlich wie hier schon beschrieben) aber im Großen und Ganzen machen sie dann doch irgendwie mit. Eine der Mütter hat tasächlich nach Hausaufgaben gefragt (insofern scheint es das durchaus zu geben) und ist ganz dankbar, dass das Kind jetzt mit in die Fördergruppe darf. Sie hat z.B. auch berichtet, dass sie in der Ukraine sehr viel Unterrichtsasufall durch Corona hatten. Auch das sollte man nicht vergessen.

    Mein Erstklässler ist schwierig, zeigt kaum Interesse Deutsch zu lernen, ist häufig müde und arbeitet nur wenn man neben ihm sitzt und ihn 1:1 anleitet (und auch dann manchmal nur schleppend), er malt viel und läuft gern mal aus der Klasse. Manchmal weil er denkt, er könne jetzt in der Hort (da ist er sehr gerne), manchmal aus Quatsch (dann setzt er sich in seinen Spint). Immerhin scheinen sich alle drei Kinder wohl zu fühlen und kommen gerne. Darüber bin ich jetzt erstmal froh und auch, wenn ich sehe, dass sie sich mit den anderen Kindern verstehen. Ich bin aber auch etwas ratlos. Sowohl was die Interpretation ders Verhaltens angeht als auch, was ich mit den Kindern genau machen soll. Ich habe auch einfach gerade so gar keine Ressourchen übrig, um Wunder was für die Kinder zu planen oder vorzubereiten.

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

  • Zudem vermute ich auch, dass das Verhalten der deutschen Schüler im Unterricht wesentlich undisziplinierter ist als im eigenen Land üblich, die bekannte Strenge fehlt und den SuS daher der richtige Bezug zum eigenen Verhalten fehlt.

    Bei uns sind die Schüler bisher die meiste Zeit in den Willkommensklassen und kaum in ihren Ankerklassen, sie können also das Verhalten der deutschen Schüler noch gar nicht beurteilen ;)

  • Wir haben jetzt zwei Familien in der Nachbarschaft die gerne ihr Kinder in die deutsche Schule geben würden oder in irgend einer anderen Art beschulen lassen wollen würden.

    Die Schulen vor Ort haben keine Kapazitäten/kriegen keine KollegIn die ukrainisch kann. Der Versuch über die alte Schule in der ukrainischen Schule weiterhin am videounterricht teilzunehmen (der noch immer stattfindet) wurde dort von den Lehrern und Direktor abgelehnt weil die Familie ja jetzt in Deutschland ist und da zusehen soll

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Wir können natürlich auch alle kein ukrainisch und müssen trotzdem beschulen. Zumal ich eine Klasse mit vielen Inklusionskindern habe, denen ich kaum noch gerecht werden kann. Es ist momentan sehr stressig. Meine 3 verhalten sich so wie der Erstklässler von icke.


    Bei der einen Schülerin (Lehrerskind) bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob sie überhaupt schon in der Schule war. Sie kann nicht mal 3 + 4 rechnen und hält sich an gar nichts. Meist bemalt sie ihre Fingernägel, verlässt das Klassenzimmer, wann sie will usw.


    Ich bin nicht geschult im Umgang mit Traumata, wenn das der Grund ist. Soll ich das jetzt noch lernen?

    Man kann nur was aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher etwas reingetan hat.

  • Wir können natürlich auch alle kein ukrainisch und müssen trotzdem beschulen. Zumal ich eine Klasse mit vielen Inklusionskindern habe, denen ich kaum noch gerecht werden kann. Es ist momentan sehr stressig. Meine 3 verhalten sich so wie der Erstklässler von icke.


    Bei der einen Schülerin (Lehrerskind) bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob sie überhaupt schon in der Schule war. Sie kann nicht mal 3 + 4 rechnen und hält sich an gar nichts. Meist bemalt sie ihre Fingernägel, verlässt das Klassenzimmer, wann sie will usw.


    Ich bin nicht geschult im Umgang mit Traumata, wenn das der Grund ist. Soll ich das jetzt noch lernen?

    Wie gesagt: die Schulen vor Ort haben alle keine Kapazitäten in den Klassen mehr weil komplett voll mit Schülern.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
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  • Meine Erstklässler waren vllt. wegen Corona gar nicht oder kaum in der Schule, das weiß ich nicht so genau, sieht aber so aus.

    Man kann nur was aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher etwas reingetan hat.

  • Wir können natürlich auch alle kein ukrainisch und müssen trotzdem beschulen. Zumal ich eine Klasse mit vielen Inklusionskindern habe, denen ich kaum noch gerecht werden kann. Es ist momentan sehr stressig. Meine 3 verhalten sich so wie der Erstklässler von icke.


    Bei der einen Schülerin (Lehrerskind) bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob sie überhaupt schon in der Schule war. Sie kann nicht mal 3 + 4 rechnen und hält sich an gar nichts. Meist bemalt sie ihre Fingernägel, verlässt das Klassenzimmer, wann sie will usw.


    Ich bin nicht geschult im Umgang mit Traumata, wenn das der Grund ist. Soll ich das jetzt noch lernen?

    Hier in der Stadt werden auf dem Papier Vorbereitungsklassen eingerichtet, finden dann in Realität aber noch nicht statt, weil das ukrainisch sprechende Personal fehlt. Die Klassen müssen von ukrainisch sprechenden Lehrern geführt werden, die in den letzten zwei Jahren unterrichtet haben. Davon gibt es nicht genug.

    Und so lange die Kinder noch nicht schulpflichtig sind, wird die VKL einfach nicht statt, wenn es keinen Raum oder keine Lehrer gibt. In Regelklassen sind hier in der Stadt (auch BW) bisher noch keine ukrainischen Kinder. Weder im Grundschulbereich noch in der Sekundarstufe. Es wird versucht Kinder, die schon länger in der VKL sind, wechseln zu lassen, damit dort wieder Platz wird. Allerdings sind das nur wenige Schüler.


    Wenn nach BW geflüchtete Kinder nach 6 Monaten dann schulpflichtig sind, müssen sie aber in Klassen untergebracht werden. Egal wie.

  • Mal was anderes... ich weiß nicht wie euch das geht, aber mir geht wirklich das Herz auf, wenn ich unsere ukrainischen Schüler (zumindest für den Moment) glücklich und unbeschwert auf dem Schulhof spielen sehe. :)

  • Also uns wurde heute gesagt, dass egal wie es weitergeht, unsere ukrainischen Kinder auf jeden Fall zum Schuljahrsende ein Zeugnis brauchen.

    Warum zur Hölle, wer denkt sich sowas aus? Niemand, weder die Familien noch die Lehrkräfte noch die Behörden wissen, wo diese Kinder in 2 Wochen sein werden. Sie können kein Deutsch und ihr allergeringstes Problem ist doch wohl gerade ein deutsches Zeugnis. Manchmal kann man nur den Kopf schütteln über Entscheidungen, die Ämter treffen. Also Menschen in Ämtern, weil irgendwer muss das ja jeweils für eine gute Idee halten, was er oder sie nach unten durchreicht, ungeachtet der Lage in der sich andere aller Wahrscheinlichkeit nach befinden.

  • Hier in der Stadt werden auf dem Papier Vorbereitungsklassen eingerichtet, finden dann in Realität aber noch nicht statt, weil das ukrainisch sprechende Personal fehlt. Die Klassen müssen von ukrainisch sprechenden Lehrern geführt werden, die in den letzten zwei Jahren unterrichtet haben. Davon gibt es nicht genug.

    Die Mutter einer ukrainischen Schülerin ist Lehrerin. Wir haben uns alle gefreut und sie ist bereit, uns zu unterstützen. Jetzt habe ich gehört, dass das nicht klappt, weil sie kein deutsch kann...Mehr weiß ich aber nicht. Vllt. macht es ja auch keinen Sinn, ukrainische Kinder in Deutschland auf ukrainisch zu unterrichten. Ansonsten verstehe ich das nicht. Aber es wäre doch besser, als in einem Unterricht zu sitzen, wo man die Sprache nicht versteht. Dass sie deutsch lernen sollen, ist klar.

    Man kann nur was aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher etwas reingetan hat.

  • Niemand, weder die Familien noch die Lehrkräfte noch die Behörden wissen, wo diese Kinder in 2 Wochen sein werden.

    Ich finde es nicht schlecht, wenn man ihnen etwas ausstellt im Sinne von "Zeugnis ablegen" - es wäre schön bzw nur machbar, wenn ohne Noten. Einfach ein kleines Wortgutachten. "Hat sich interessiert, zeigte Lerneifer, fand rasch Freunde, konnte sich in den Schulalltag integrieren", sowas halt. Dann haben sie für ihre Zeit hier was in Händen. Ich find das gut. Ohne Noten selbstredend. Ein wertschätzendes Zeugnis ihrer Zeit hier.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Ich finde es nicht schlecht, wenn man ihnen etwas ausstellt im Sinne von "Zeugnis ablegen" - es wäre schön bzw nur machbar, wenn ohne Noten.

    In NDS gibt es dafür eine Vorlage, in der für die sprachlichen Bereiche dann jeweils Bemerkungen vorformuliert sind.

    Kinder, die Notenzeugnisse erhalten, bekommen in Fächern, in denen es schon möglich ist, Noten, in anderen Fächern dann entsprechende Bemerkungen.

    Das ist schon sehr lange so, die Flüchtlingskinder müssen 2 Jahre lang nicht benotet werden.

  • Die Mutter einer ukrainischen Schülerin ist Lehrerin. Wir haben uns alle gefreut und sie ist bereit, uns zu unterstützen. Jetzt habe ich gehört, dass das nicht klappt, weil sie kein deutsch kann...Mehr weiß ich aber nicht. Vllt. macht es ja auch keinen Sinn, ukrainische Kinder in Deutschland auf ukrainisch zu unterrichten. Ansonsten verstehe ich das nicht. Aber es wäre doch besser, als in einem Unterricht zu sitzen, wo man die Sprache nicht versteht. Dass sie deutsch lernen sollen, ist klar.

    Da es in den VKLs darum geht deutsch zu lernen, macht da schon ein Lehrer Sinn, der beide Sprachen spricht. Hier gibt es so jemanden, der allerdings in den letzten zwei Jahren nicht unterrichtet hat, und daher trotzdem keine VKL unterrichten darf. Der letzte Einsatz als Lehrer liegt schon ca 5 Jahre zurück und damit ist ein Kriterium nicht erfüllt. Das finde ich noch viel ärgerlicher.

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