Unterrichtsbeginn 9 Uhr? (NRW)

  • Wenn es nach unserer neuen Schulministerin geht, können Schulen bald festlegen dürfen, den Unterricht erst um 9 Uhr starten zu lassen.

    Die Schulkonferenz muss sich jedoch dafür entscheiden. Ich bin mal gespannt, ob diese Diskussion bei uns aufkommt und wenn ja, für was wir uns entscheiden. Ich weiß schon, wie ich abstimme, falls es auf einer Lehrerkonferenz abgestimmt wird.

    https://www1.wdr.de/nachrichte…t-beginn-spaeter-100.html

  • Kann man alles machen - nur endet die Schule dann eben auch erst um 14 oder 15 Uhr, d.h. die Kinder sind entsprechend später zu Hause.

    Für meine Frau und mich wäre das ein Problem, wenn wir selbst um 8 Uhr mit dem Unterricht beginnen würden, unsere Kinder aber erst um 9 Uhr.


    Ein solcher Beschluss dürfte ziemliche Unruhe in die Schulen bringen - zumal ich davon überzeugt bin, dass die Mitglieder der Schulkonferenz - insbesondere die Eltern und SchülerInnen - letztlich ihre persönlichen Präferenzen bei ihrem Votum einfließen lassen und nicht die der Schulgemeinde. Bei den Mitwirkungsgremien gibt es ja kein imperatives Mandat.

  • Darf ich aus BW auch meine Meinung abgeben?


    Ich finde den Vorschlag einen Alptraum!!!


    Bei uns ist in der Grundschule Ganztagsbetrieb angesagt, das heißt 8 Zeitstunden, Mittagschule bis 16 Uhr!!

    Bei - wie nächster Woche - Temperaturen bis 39 Grad gibt es kein Hitzefrei, wir sind ja verlässlich...


    Das würde dann bedeuten, dass wir bis 17 Uhr in der Schule wären - mit Grundschülern!! Da geht nichts mehr, gar nichts!


    Dass sie länger schlafen, wenn der Schulbeginn später ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn man "ausschlafen" kann, geht man später ist Bett!

  • Ihr glücklichen, dass Ihr selber entscheiden dürft. In BY wird das wahrscheinlich nicht kommen.

    Ich habe zwei Jahre in Frankreich unterrichtet. Da war Schulbeginn um 09:30 Uhr. Für die Kinder war es prima. Alle ausgeschlafen anwesend. Hätte ich hier auch gern.

  • Dass sie länger schlafen, wenn der Schulbeginn später ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn man "ausschlafen" kann, geht man später ist Bett!

    Es ist inzwischen gut untersucht, dass der Biorythmus bei Heranwachsenden gegenüber dem von Kindern zeitlich verschoben ist, da z.B. Melatonin erst später ausgeschüttet wird. Die bisherigen Schulzeiten sind darauf aber überhaupt nicht abgestimmt, was durchaus problematisch ist. Ein einfaches "Dann geht halt früher ins Bett" hilft hier aus o.g. Grund nicht.

  • ... und was ist dann mit den Hobbys der SuS, wenn diese bis 17 Uhr oder länger in der Schule sind? Unsere SuS sind in Sportvereinen, haben privaten Musikunterricht oder ähnliches.

    Dann ggf. noch Hausaufgaben ...

  • Ich finde den Vorschlag fantastisch und wäre sofort Feuer und Flamme. Sich im Winter um vor 6h aus dem Bett zu quälen, verursacht mir ohne Übertreibung körperlich Schmerzen und mir ist jeden einzelnen Morgen die erste halbe Stunde des Tages speiübel vor Müdigkeit. Ich hasse nichts mehr an unserem Job als den frühen Arbeitsbeginn und blicke sehnsüchtig zurück auf vergangene Jobs mit Gleitzeit. Das frühe Aufstehen ist einfach nur widernatürlich und dass ein späterer Schulbeginn gesünder und lernförderlicher ist, ist auch unstrittig. Mir wäre auch völlig egal, wie lange dann der Nachmittag geht.


    Ich bin allerdings davon überzeugt, dass unsere Schule wie auch die meisten anderen solche Optionen mit "geht nicht" abkanzeln wird. Weil wir in Deutschland sind und hier "nicht geht", was anderswo völlig normal ist. Seufz.

  • ... und was ist dann mit den Hobbys der SuS, wenn diese bis 17 Uhr oder länger in der Schule sind? Unsere SuS sind in Sportvereinen, haben privaten Musikunterricht oder ähnliches.

    Dann ggf. noch Hausaufgaben ...

    Die Trainingszeiten in Vereinen liegen nicht selten ohnehin erst am frühen Abend, privater Musikunterricht lässt sich auch zeitlich an die Bedürfnisse anpassen. Selbst in der Sekundarstufe II sind unsere Schüler bei weitem nicht jeden Nachmittag in der Schule, sodass auch bei einer Verschiebung Zeiträume bleiben.


    Bei ganztägigem Unterricht sind Hausaufgaben in NDS im Übrigen zeitlich stark zu limitieren. Auch hier erfolgt lediglich eine zeitliche Verschiebung in die ohnehin noch länger dauernde Wachzeit der Jugendlichen. Dafür können sie sich bereits frühs etwas besser auf den Unterricht konzentrieren.

  • Kernzeit 9-14 Uhr in Präsenz

    Der Rest eigenverantwortliches Lernen bzw. Lernplattformen (Nur Fernunterricht war schwierig, aber als Element sollte das ja nicht wegbrechen)


    Dann müssen die Vereine auch nicht leiden. Wie läuft das in Frankreich? Vereinstraining bis 23 Uhr? (Frage ist ernst gemeint, mein 15jähriger hat derzeit bis 21 Uhr)

  • Ich wäre schon froh, wenn wir statt um 7:30 Uhr um 8Uhr starten würden. Aber einige wollen es nicht. Dabei würde es vieles erleichtern. Viele Eltern könnten auch bereits in der ersten Stunde unterrichten etc.


    In anderen Ländern läuft es glaube ich mit dem Vereinssport anders. Weniger Vereinskultur, mehr in die Schulen integriert.

  • Die Hallenzeiten der Vereine sind zwangsläufig an die Schulzeiten angepasst, da die Turnhallen während der Schulzeit durch den Unterricht geblockt sind. Eine Zeitverschiebung von Schule führt halt zwangsläufig zur Zeitverschiebung der Hallenbelegung von Vereinen, was ja aber unkritisch ist, da der Wachrythmus von Jugendlichen und Erwachsenen entsprechende Zeiten auch zulässt.


    Auch die erwachsenen Vereinsmitglieder können doch selten arbeitsbedingt vor 17/18 Uhr zu einem Training erscheinen, insofern ändert sich da nichts groß. Für die Jugendlichen passen die späten Trainingszeiten ebenfalls zum Biorythmus.

  • Später anfangen würde ich auch gerne. Auch bei den Erwachsenen sind die "Lerchen" eine Minderheit, die Mehrheit muss zu früh aufstehen.


    Es geht aber wegen des Schülertransports tatsächlich oft nicht, solange nicht das gesamte Leben eine Stunde später startet. Und wo doch, geht es nicht für alle. Daher würdest du, Maylin, genauso früh aufstehen und vor dem Unterricht unbezahlt Aufsicht machen, die dann einfach als Dienstpflicht bezeichnet würde, und da kein Unterricht erteilt wird, nicht als Mehrarbeit bezahlt würde.


    Natürlich müssten solche Aufsichten eigentlich nicht die Lehrer machen. Ist aber halt sonst keiner da, den man dafür nicht bezahlen müsste. Ob der Unterricht später enden würde, weiß ich nicht. Vielleicht handelt es sich um eine Alternative zur "Viertagewoche" zum Senken der Kosten.

  • Was spricht dagegen, das gesamte Leben eine Stunde später starten zu lassen? Und wieso funktioniert der Transport eine Stunde zeitversetzt nicht? Geht in anderen Ländern doch auch (vermutlich ohne dass da stundenlang vorher Aufsicht zu führen ist). Man muss die Schule ja nur einfach eine Stunde zeitversetzt aufschließen.

  • Wir hatten ja dieses Jahr das Glück, dass der Kleine bis auf einen Tag immer erst 8.55 Uhr anfing. (die Großen mussten alleine aufstehen usw.) Ein Traum, da ich auch erst 10 Uhr mit dem Unterricht begonnen habe, war das toll und hat mir deutlich mehr Schlaf verschafft als sonst. (denn vor 22 Uhr ist er auch bei Schulbeginn 8 Uhr nicht im Bett und bis ich dann was machen kann ist es eh meist nach Mitternacht).


    Aber in Berlin wird das nicht kommen (weil 7.30 Uhr bis13.30 Uhr kostenlose Betreuung in der Grundschule ist und man somit länger die Kinder betreuen müsste) und Brandenburg auch nicht, da auch da 7.30 Uhr bis x Unterrichtszeit ist und somit die Hortbetreuung oder Schulbetreuung kostenlos bis Schulbeginn.

  • Ich würde mir das sehr wünschen für uns und könnte mir durchaus vorstellen, dass das Erfolg haben könnte. Seit Beginn der Pandemie haben wir an der Schule zur Entlastung des ÖPNV einen zeitlich gestaffelten Unterrichtsbeginn. Jüngere SuS starten in der 1.Stunde, die älteren SuS entsprechend später. Das führt natürlich dazu, dass der Vormittag bei den Großen bis halb zwei geht, wenn bei den Kleinen ggf. schon wieder der Nachmittagsunterricht startet, der "ganze Nachmittag" ist aber mitnichten deshalb belegt und sowohl meinem Biorhythmus (im Winter ertrage ich die erste Stunde physisch kaum, ähnlich wie Maylin85 ), als auch der vieler SuS dankt es durch bessere geistige Leistungsfähigkeit anstelle von Köpfen, die beständig gen Tisch wandern. Den "Pferdefuß", den ich sehe ist der Zusatzaufwand für die Stundenplaner durch die versetze Planung und die zusätzlich anfallenden Aufsichten durch versetzte große Pausen, sowie zusätzliche Früh- oder Busaufsichten, die anfallen. Das muss man als Kollegium stemmen wollen bei so einem Entschluss, den ich persönlich aber- genau wie die Mehrheit der SuS sicherlich - begrüßen würde.


    Wie war/ist das denn bei euch jetzt in der Pandemie : Habt ihr einen gestaffelten Beginn, zur Entzerrung des Nahverkehrs? Das könnte ja ein Hinweis sein, wie entsprechende Debatten dazu bei euch geführt würden, um einschätzen zu können, ob das einführbar wäre und wäre gleichzeitig ein guter Hinweis darauf, dass die Betreuungsfrage gelöst werden kann sowohl seitens der Eltern, als auch schulisch.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

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  • Meines Erachtens spricht da gar nichts dagegen, außer fehlender Mut. Ich bin vor kurzem über ein anderes interessantes Konzept gestoßen, was etwas zur Idee von German passt: Eine Art Gleitzeitregelung in der Schule, zumindest in den höheren Klassen. Der Ansatz sieht tatsächlich Kernunterrichtszeiten erst ab ca. 9 Uhr vor und vorher und danach freiere, aber betreute Selbstlernzeiten (im Sinne von Wochenplanarbeit o.ä.). Dafür wird die Stundentafel leicht abgeändert, sodass sich die Gesamtstundenzahl nicht ändert, ein Teil des Unterrichts aber auf alternative Unterrichtsformen ausgelagert wird. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden dann selbst, ob sie gleich frühs kommen oder nachmittags länger bleiben. Vorgegeben ist eine entsprechende Pflichtstundenzahl.

  • Jüngere SuS starten in der 1.Stunde, die älteren SuS entsprechend später. Das führt natürlich dazu, dass der Vormittag bei den Großen bis halb zwei geht, wenn bei den Kleinen ggf. schon wieder der Nachmittagsunterricht startet

    Das ist ja spannend: Was habt ihr denn für Unterrichtszeiten? Bei uns endet der Vormittagsunterricht mit Beginn um 8:00 Uhr um 13:30 Uhr. Habt ihr kürzere Pausen als wir (45 Min. Unterricht, dann immer abwechselnd 5 Min. und 20 Min. Pause)?


    Zum Thema: Mieser Vorschlag. Ich stelle kein "Outputproblem" in der 1. Stunde fest (weder Sek1 noch Sek2), sehr wohl aber ein heftiges Defizit am Nachmittag. Bloß nicht noch mehr Nachmittagsunterricht - der gehört mMn jetzt schon gestrichen, weil Aufwand und (Lern-)Ertrag in keinem Verhältnis zueinander stehen.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Aus Frankreich kenne ich es so, dass es zusätzlich zum Beginn um 09:00 Uhr noch eine Mittagspause von zwei Stunden gibt (Schulform Berufskolleg).


    "Feierabend" ist dann gegen 18:00 Uhr. Dort kein Problem, da das ganze Leben im Vergleich zu uns versetzt ist.


    Durch die lange Mittagspause war der Output in den Nachmittagsstunden in Ordnung, wobei hier meist Praxis, Sport, Gestalten u.ä. angesetzt war.


    Zumindest das "späte" Beginnen ist für das Lernen besser. Die lange Mittagspause ist eben typisch französisch - könnte ich mich aber auch dran gewöhnen.

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