Arbeitszeiterfassung wird in Deutschland zur Pflicht

  • Hoffentlich nicht für Lehrkräfte. Das könnte nur über eine Anwesenheit in der Schule erfasst werden.

    Sorry, aber das ist Quatsch. Gerade nach den Entwicklungen in den letzten drei Pandemie Jahren, sollte eigentlich klar sein, dass in vielen Berufen Arbeitszeit auch außerhalb des Büros des Arbeitgebers stattfinden kann. Auch eine selbst kontrollierte Arbeitszeit ist grundsätzlich erst mal ein probates Mittel um Arbeitszeit zu erfassen.

  • Ich habe gerade überlegt, WIE erfasst man denn zuverlässig die Arbeitszeit?

    Nur weil ich jetzt in der Schule anwesend bin, kann ich arbeiten oder mit Kolleginnen quatschen, Kaffee trinken, ... Zu Hause kann ich am Laptop arbeiten - aber nur weil er an ist, heißt es ja auch nciht unbedingt, dass ich wirklich arbeite - aber auch mit "Papier" arbeiten... Ich kann es mir nicht vorstellen, wie es gehen soll! Also für mich schon, aber wie kann man die Arbeitszeit wirklich NACHWEISEN? (Das Problem sehe ich übrigens nicht nur bei Lehrern - auch andere können im Büro schnell arbeiten, trödeln, Kaffee trinken, ...)

  • Zettel mit Tabelle für jeden Monat.

    Oder Tabellenkalkulation.

    Oder App.

    Gibt genügend Unternehmen, die das so machen.


    Ich bin überrascht, dass die meisten Lehrkräfte angeben, sie würden mehr Arbeiten als gefordert, aber ebensoviele nicht bereit zu sein scheinen, diese zwei Minuten Arbeitszeit (!) pro Tag zu investieren.


    Seit Jahren dokumentiere ich für mich die Arbeitszeit. Soll sich unsere Dienstherrin halt ein System überlegen, das ihr gefällt.

  • Wer soll das kontrollieren? Das sind doch Angaben, die ich mir so bastle, wie ich diese haben will.

    Im Unternehmen gibt's konkrete Aufgaben und eine klare Zeiterfassung. Unterrichtsvorbereitung kann Türklinkenpädagogik oder tagelang ausgetüftelt sein.

  • Nur weil ich jetzt in der Schule anwesend bin, kann ich arbeiten oder mit Kolleginnen quatschen, Kaffee trinken

    Das ist ja in Firmen und Betrieben nicht wirklich anders. Mein Mann erzählt auch öfters, was xyz heute [Privates] erzählt hat. Ich glaube nicht, dass er sich jedes Mal "aussticht" für solche Gespräche... Kaffee (und Wasser, Tee...) trinken kann man auch, während man seine Mails checkt bzw. mehr oder weniger pädagogische Gespräche führt (wo fängt das an, wo hört das auf?). 🤷🏼‍♀️

  • Meine Güte. Es gibt zig Berufe bei denen Menschen unkontrolliert vor sich hinarbeiten (auch im Büro). Und es gibt überall Unterschiede in der Qualität der Ausführung. Aber nur bei Lehrern kann man das nicht erfassen?

    Ich mache das für mich selber jetzt auch schon eine Weile (mit einer recht simplen App) und finde es erschreckend und würde mir sehr wünschen, dass ich diese Stunden ganz hochoffiziell angeben kann. Ich arbeite die nämlich tatsächlich aber bislang sind sie schlicht unsichtbar. Und solange das so ist, wird man uns immer noch mehr Aufgaben überhelfen und sich dann wundern, dass die Qualität sinkt, immer mehr Leute in Teilzeit gehen oder den Job ganz hinschmeißen....

    Und die Sorge, wie der Arbeitgber das erfasst ist sein Problem und nicht meins.

  • Ich denke derzeit nicht, dass das auch für Lehrkräfte ein Thema wird. Die Arbeitszeit von uns wird ohnehin per definitionem nicht über eine Zeitstundenanzahl, sondern über Deputatsstunden abgerechnet. Und diese werden von den Schulen bereits minutiös erfasst.


    Ich bin aber auf die Entscheidungsgründe des BAG gespannt, aus denen erst näheres hervorgehen dürfte. Neben all den aufgeregten Pressetexten - die scheinbar aus derselben Feder stammen und nahezu wortgleich sind - gibt es auch Quellen, die sich bereits etwas differenzierter damit beschäftigt haben. Das BAG hat nämlich scheinbar das Initiativrecht des klagenden Betriebsrats bei der Einführung einer elektronischen Zeiterfassung abgelehnt und auf bereits bestehende gesetzliche Regelungen verwiesen, die aber noch recht unkonkret sind. Andere Quellen machen daraus aktuell die Schlagzeilen "Pflicht zur Arbeitszeiterfassung und mögliches Ende des Home Office". Das scheint mir etwas übereilt.

  • Mich freut dieses Urteil sehr. Ich habe seit drei Jahren eine einfache Tabelle, die ich spätestens alle drei Tage aktualisiere (Daher weiß ich auch, dass ich noch ein paar Stunden (um die 70) zu viel gearbeitet habe. Die werde ich in diesem SJ abfeiern, indem ich sehr korrekturfreundliche Klausuren stelle und eine Mentorenschaft abgelehnt habe). In ganz vielen Berufen gibt es Phasen starker Arbeitsbelastung am Tag, aber auch immer wieder Nebenschauplätze, was aber auch mit zur Arbeitszeit zählt. Keiner würde auf die Idee kommen, der Einzelhändlerin den Weg von der Kasse ins Lager von der Arbeitszeit abzuziehen, unsere Wechsel der Klassenräume jedoch werden oft als Pause bezeichnet. Im LZ rede ich natürlich auch mal über private Themen, aber die meiste Zeit geht es dann doch um Schule/Schüler. Das ist an der Rezeption eines Hotels sicher ähnlich. Ich bin eher zurückhaltend beim Notieren meiner AZ und werte im 1/4 Std Takt. Einzig Probleme habe ich beim Notieren der AZ beim Beantworten/Lesen von Nachrichten. Manchmal ist das ja nur eine Minutensache, es summiert sich aber hoch. Und aus hier und da mal 5 Minuten werden schnell 1-2 Std pro Woche, die nicht zu unterschlagen gehören

  • Ehrlich gesagt verstehe ich das Problem auch nicht. Angestellte und Beamte haben eine wöchentliche Arbeitszeit, dass ist die Ausgangsbasis, reduzierte Stundenzahl wird auch hier umgerechnet. Möchte man mehr als 30 Tage Urlaub in den Ferien machen, muss man diese Zeit auf die wöchentliche Arbeitszeit aufschlagen bzw. vorarbeiten.

    Eintragen kann man das auf Vertrauensbasis in eine Tabelle oder App. Schulleitungen oder andere Vorgesetzte bekommen im Alltag einen Einblick über die Arbeit der KuK und Mitarbeiter und können es ggf. abgleichen.


    Läuft bei uns schon lange genauso.

  • Das Phänomen kenne ich und beantworte daher keine Mails mehr zwischendurch, sondern habe mir feste Zeiten dafür definiert, die ich entsprechend auch erfasse. Der Wechsel von Klassenräumen und ähnliche Wege zählen in meiner Erfassung analog zur nds. Arbeitszeitstudie als Teil der Unterrichtsvorbereitung. Gespräche im Lehrerzimmer sind nicht selten pädagogische Kommunikation und nur dann als Pausen anrechenbar, wenn es wirklich arbeitsferne Gespräche sind, die in eine arbeitsfreie Pause von mind. 15 Minuten eingebettet sind.

  • Konkretes Beispiel aus der Behörde:

    Vor Ort stemple ich ein und bei Beendigung der Arbeit wieder aus.

    Zu Hause melde ich mich über das Tool der Behörde an, wenn ich im Homeoffice arbeite, und wieder ab, wenn ich aufhöre. Keiner kontrolliert, was ich währenddessen mache. Die Vertrauensarbeitszeit bleibt bestehen. Pausen werden automatisch von der Arbeitszeit abgezogen (ab 6 Stunden Arbeitszeit sind das 30 Minuten, ab 9 Stunden 45 Minuten). Diese Pausen mache bzw. nehme ich dann auch. (Und sei es nur, um private Dinge zwischendurch zu erledigen wie Kinder einsammeln.)


    Das könnte eins zu eins auch bei uns Lehrkräften funktionieren. Das sind vier "Klicks" pro Tag. Zweimal in der Schule und - sofern auch zu Hause gearbeitet wird - zweimal zu Hause.

  • Konkretes Beispiel aus der Behörde:

    Vor Ort stemple ich ein und bei Beendigung der Arbeit wieder aus.

    Zu Hause melde ich mich über das Tool der Behörde an, wenn ich im Homeoffice arbeite, und wieder ab, wenn ich aufhöre. Keiner kontrolliert, was ich währenddessen mache. Die Vertrauensarbeitszeit bleibt bestehen. Pausen werden automatisch von der Arbeitszeit abgezogen (ab 6 Stunden Arbeitszeit sind das 30 Minuten, ab 9 Stunden 45 Minuten). Diese Pausen mache bzw. nehme ich dann auch. (Und sei es nur, um private Dinge zwischendurch zu erledigen wie Kinder einsammeln.)


    Das könnte eins zu eins auch bei uns Lehrkräften funktionieren. Das sind vier "Klicks" pro Tag. Zweimal in der Schule und - sofern auch zu Hause gearbeitet wird - zweimal zu Hause.

    Oder ein Horrorszenario:

    Tägliche Anwesenheitspflicht von 8-16 Uhr in der Schule. 30 Tage Urlaub. Wer in den Ferien keine Anwesenheit in der Schule möchte, muss das mit Überstunden herausarbeiten. Konferenzen bis abends wären dann wohl normal.


    Würde den Lehrermangel bestimmt sofort beseitigen *hust*

  • Oder ein Horrorszenario:

    Tägliche Anwesenheitspflicht von 8-16 Uhr in der Schule. 30 Tage Urlaub. Wer in den Ferien keine Anwesenheit in der Schule möchte, muss das mit Überstunden herausarbeiten. Konferenzen bis abends wären dann wohl normal.


    Würde den Lehrermangel bestimmt sofort beseitigen *hust*

    Mit einem entsprechenden Arbeitsplatz ist das kein Problem, sondern eher gut. Ich hatte bis dato noch nie ein Problem auf genügend Stunden zu kommen um die Ferien abzudecken, im Gegenteil. Konferenzen können nach Unterrichtende stattfinden wie bis dato auch.

    Ich weiß aus eigener Erfahrung das es an Schule funktioniert, auch wenn ich nicht bis 16 Uhr da sein muss. Bin es dennoch fast immer.

  • Ich hatte bis dato noch nie ein Problem auf genügend Stunden zu kommen um die Ferien abzudecken, im Gegenteil.

    Bei einer Anwesenheit 8:00-16:30 Uhr (inkl. vorgeschriebene gesetzliche Pause) fallen noch keine Überstunden an. Du müsstest also ca. 6,8h pro Woche rausarbeiten (bei 40 Schulwochen). Also entweder bleibste jeden Tag bis 18 Uhr in der Schule oder hast nen vollen Samstag (sonntags darfste nicht arbeiten). Das fänd ich schon happig.


    Ich schätze aber auch, dass sowas an vernünftigen Arbeitsplätzen in der Schule scheitern würde.

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