Macht Teilzeit überhaupt Sinn?

  • Hallo zusammen,


    wegen der extrem hohen Arbeitsbelastung an der Schule (arbeite an einer Gesamtschule seit 8 Jahren), spiele ich schon länger mit dem Gedanken, einen Teilzeitantrag zu stellen. Ganz ehrlich: mir ist mitlerweile meine Gesundheit wichtiger als mein Gehalt. und es wird auf keinen Fall besser! Eher schlimmer habe ich das Gefühl....die Schule entfernt sich von dem, was die Kinder brauchen.
    Naja, ich habe auch eine Familie zu versorgen und eine Partnerin, die wahrscheinlich auch nicht so begeistert ist, wenn ich auf einmal 30-40% weniger verdiene.


    Was sagt ihr denn zu dem Thema? und macht es überhaut Sinn, nur einen Teil zu arbeiten oder sind die die Aufgaben, die neben dem unterricht anfallen einfach zu viel, sodass man keinen Effekt hat?

  • Meiner Meinung nach ist es völlig unsinnig, an Schule wegen zu hoher Belastung in Teilzeit zu arbeiten. Dann eher so: Abgrenzen vom Job durch konsequentes Aufhören bei Erreichen der bezahlten Arbeitszeit, Vorbereitung Unterricht/Klassenarbeiten optimieren, Ablehnen/Abgeben von Zusatzaufgaben, nach Buch unterrichten, Wochenenden konsequent frei machen, Überlastungsanzeige stellen...


    Sicher kommen noch mehr Tipps hier zusammen. Der Dienstherr bürdet uns das alles auf, also passe ich meine Arbeit diesem an. Wäre doch in der freien Wirtschaft nicht anders. Da arbeitet man, bis das Soll am Tag erfüllt ist, auch wenn noch nicht alles fertig ist. Dann gibts die Klassenarbeit eben später zurück. Und der Unterricht besteht aus: Buch auf, Aufgabe 1-4.

    • Offizieller Beitrag

    Teilzeit ist immer ein Minusgeschäft wegen des Normaufwands und der Verführung, die "frei gewordene Zeit" für das Bewältigen des verbliebenen Pensums zu nutzen.


    Um eine spürbare Entlastung zu haben, schätze ich, dass man mindestens auf 2/3 runter muss. Wenn der Stundenplan dann Scheiße ist und man beispielsweise nur die Nicht-Korrekturgruppen abgenommen bekommt, hat man sich damit womöglich ein einzigartiges Eigentor geschossen.


    Kann man machen, nutzt aber effektiv eher dem Dienstherren und führt obendrein zu mehr Personalbedarf, der dann mittelbar je nach Marktlage kollegial kompensiert werden muss.

  • Was sagt ihr denn zu dem Thema? und macht es überhaut Sinn, nur einen Teil zu arbeiten oder sind die die Aufgaben, die neben dem unterricht anfallen einfach zu viel, sodass man keinen Effekt hat?

    Mit einer Gehaltsreduktion auf einen zu großen Aufgabenumfang zu reagieren (und am Ende dennoch nahezu Vollzeit zu arbeiten) kann nicht die Antwort auf die Situation sein. Meines Erachtens ist eine konsequente Einhaltung der vorgesehenen Wochenarbeitszeiten, strikte Trennung von Arbeits- und Freizeit und entsprechender Priorisierung von Aufgaben weitaus zielführender....gerne in Verbindung mit einer lückenlosen Arbeitszeiterfassung.

  • Ich arbeite gerne TZ um mehr Zeit für die Familie zu haben und achte dann aber auch darauf weniger zu arbeiten. Das muss man halt aber auch können/ durchhalten.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Das muss man halt aber auch können/ durchhalten.

    Ja, sehr konsequent. Das Kaputtmachen der Preise, während man den Beruf in Teilzeit als Hobby besonders ausführlich ausübt (Der Partner mit dem richtigen Job finanziert das ja meist) ist ein Hohn für die "echten" Vollzeitkräfte.

  • Ich hadere selbst seit Jahren mit dieser Situation, weil sich Teilzeit nicht immer wirklich lohnt. Ich arbeite Teilzeit wegen meiner Kinder, aber habe immer ein relativ hohes Deputat gehabt (70-80%). Jetzt, wo meine Kinder größer sind, werden meine Stundenplanwünsche nicht mehr vorrangig behandelt, kann also sein, dass ich einen schlechteren Stundenplan bekomme. Dann macht es für mich noch weniger Sinn, in Teilzeit zu arbeiten, denn die ganzen unteilbaren Aufgaben hat man ja trotzdem in vollem Umfang, egal ob man 6, 10, 12, 18 oder 24 Unterrichtsstunden hat. Letzteres frustriert mich am meisten, weil es meist nicht der Unterricht, die Planung und die Korrekturen an sich sind, die mich stressen (da könnte ich sicher noch eine Klasse mehr übernehmen), sondern die ganzen Aufgaben drum herum und gewissen Umstände, die der Dienstherr oder die Schulleitung so will, die aber mehr Zeit kosten, die man eigentlich effektiver nutzen könnte.


    Teilzeit als Lehrkraft ist nie eine echte Teilzeit, leider!

  • Ich würde was Teilzeit angeht auch erstmal nichts überstürzen, wie hier schon dargelegt wurde ist dies meist ein Minusgeschäft.


    Wie um alles in der Welt ist es eigentlich so weit gekommen und wie kann diese Tatsache rechtens sein? Wenn "A" die Unterrichtsverpflichtung und "B" außerunterrichtliche Verpflichtungen sind und die Gleichung A+B=100% gilt und ich reduziere auf 50%, dann muss entweder A/2+B/2=50% gelten oder aber wenn "B" aus welchen Gründen auch immer nicht auf die Hälfte gekürzt werden kann muss "A" überproportional gekürzt werden, anders geht es allein mathematisch schon nicht...


    Ich würde auch strikt dafür sorgen, nicht mehr als 41h/Woche bei 30 Urlaubstagen im Jahr zu leisten.

    Warten wir mal ab wann/ob das mit der Arbeitszeiterfassung kommt, da werden sich einige (und nicht nur der Dienstherr) wundern, wie viel/wenig zum Teil geleistet wird.

  • Der Ausgangsbeitrag ist übrigens wieder ein schönes Beispiel für die Erwartungshaltungen in Sachen Familienmodelle.


    Er "hat ja ein Partnerin, die dann böse wird". Wenn die Frau weniger arbeiten will, hat der Mann das einfach zu akzeptieren.

  • Der Ausgangsbeitrag ist übrigens wieder ein schönes Beispiel für die Erwartungshaltungen in Sachen Familienmodelle.


    Er "hat ja ein Partnerin, die dann böse wird". Wenn die Frau weniger arbeiten will, hat der Mann das einfach zu akzeptieren.

    Mein Mann kann auch gern reduzieren. Hätte ich nichts dagegen. Will er aber nicht. Seine Erziehung hat ihn zum "Versorger" gemacht und die Gesellschaft trägt ihr übriges dazu. Dass es anders schöner wäre: Da bin ich bei Dir. Ist aber hier nicht Thema.Hier gehts doch um Teilzeit wegen zu viel Arbeit. Der TE kann sich selbst überlegen, ob er das so akzeptiert oder darüber mit seiner Frau diskutiert.

    • Offizieller Beitrag

    Ja, sehr konsequent. Das Kaputtmachen der Preise, während man den Beruf in Teilzeit als Hobby besonders ausführlich ausübt (Der Partner mit dem richtigen Job finanziert das ja meist) ist ein Hohn für die "echten" Vollzeitkräfte.

    abgesehenm davon dass Yestoerty schon mal erzählt hat, sich die Teilzeit mit ihrem Mann zu teilen und selbst eine relativ hohe Teilzeit zu haben: solche Sprüche machen es jedem / jeder schwer, der/die eine solche Entscheidung treffen möchte.

    Arbeit ist nicht alles im Leben, und nur weil man "nur" 3 oder 4 Tage in der Woche arbeiten möchte (und dafür "in Kauf nimmt", furchtbar arm zu werden ;) ), heißt es nicht, dass die Arbeit ein Hobby ist.
    Sondern dass man sich seine Zeit woanders besser vorstellen könnte.

  • Ich arbeite gerne TZ um mehr Zeit für die Familie zu haben und achte dann aber auch darauf weniger zu arbeiten. Das muss man halt aber auch können/ durchhalten.

    Und ich habe um (derzeit) vier Stunden reduziert um mehr Zeit für mich selbst zu haben. Durch die Reduzierung hatte ich seitdem jedes Schuljahr einen unterrichtsfreien Tag. Den nutze ich für "Privatangelegenheiten" (Termine bei meiner Friseurin, bei Ärzt*innen, "Shopping", manchmal Treffen mit Freund*innen, die ebenfalls frei haben u. ä.). Außerdem arbeite ich an dem Tag auch, denn ich bereite ich z. B. Unterricht vor oder erledige Korrekturen, was ich sonst an anderen (Schul)Tagen nachmittags oder sogar am Wochenende machen müsste.

    Dadurch arbeite ich aber nicht mehr als sonst, sondern weniger, denn ich habe durch die zwei Doppelstunden, die ich weniger unterrichte ja auch weniger Unterricht vor- und nachzubereiten. Für meine Work-Life-Balance finde ich das auf jeden Fall positiv.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich habe dieses Schuljahr das erste Mal um 4,5 Stunden reduziert und habe es wirklich nicht bereut. Es ist ein klares Plus an Lebensqualität dazugekommen und die finanziellen Einbußen sind handhabbar. Natürlich muss ich schon ab und an mal drauf achten, dass ich dann nicht die nun freien Zeitfenster trotzdem für Schulsachen nutze, das kann man aber üben. Insgesamt habe ich aber weniger Korrekturen, manchmal wirklich kurze Schultage und mehr Zeit für andere lustige Sachen. Ich will das auch nicht für immer so lassen, aber aktuell passt das sehr gut in mein Leben und in die private Situation.

  • Und ich habe um (derzeit) vier Stunden reduziert um mehr Zeit für mich selbst zu haben.

    An eurer Schule ist eine Vier-Tage-Woche aufgrund fehlender Abendangebote nicht möglich bei Vollzeit, oder? Ich glaube das hattest du mal erwähnt.

  • abgesehenm davon dass Yestoerty schon mal erzählt hat, sich die Teilzeit mit ihrem Mann zu teilen und selbst eine relativ hohe Teilzeit zu haben: solche Sprüche machen es jedem / jeder schwer, der/die eine solche Entscheidung treffen möchte.

    Arbeit ist nicht alles im Leben, und nur weil man "nur" 3 oder 4 Tage in der Woche arbeiten möchte (und dafür "in Kauf nimmt", furchtbar arm zu werden ;) ), heißt es nicht, dass die Arbeit ein Hobby ist.
    Sondern dass man sich seine Zeit woanders besser vorstellen könnte.

    Volle Zustimmung.


    Es gibt aber Kolleginnen (kein Gendern, das sind nach meiner Erfahrung leider wirklich ausschließlich Frauen), die ihre Teilzeit dazu verwenden, richtig schön ausgiebige Projekte für die Schule zu starten.

    • Offizieller Beitrag

    ja, die gibt es.
    Aber ich bin 99%, dass Yestoerty nicht zu denen gehört und ich kann mich nicht an irgendwelche Beiträge von ihr erinnern, die das denken lassen könnten.


    (und selbst da: es gibt auch Vollzeit-Kolleg*innen, die viele Projekte machen. Es ist oft eine Typsache, mehr als Voll- oder Teilzeit. Denn: ernsthaft: es gibt genug Teilzeitkolleg*innen, die auch der Meinung sind, durch ihre Reduzierung Anspruch auf die korrekturfreien Kurse zu haben, keine einzige Zusatztätigkeit machen zu müssen und einen Stundenplan von der 2. zur 5. Stunde zu haben. und auch DAS ist eine Typsache und hat wenig mit Teilzeit zu tun, denn: es gibt auch Vollzeit, die ihren Dienst als sehr minimalistisch verstehen...

  • An eurer Schule ist eine Vier-Tage-Woche aufgrund fehlender Abendangebote nicht möglich bei Vollzeit, oder? Ich glaube das hattest du mal erwähnt.

    Ist bei uns völlig üblich. Auch wenn jemand nicht im Abendunterricht ist. Fast alle KuK, die es wollen, haben den freien Tag.

  • Volle Zustimmung.


    Es gibt aber Kolleginnen (kein Gendern, das sind nach meiner Erfahrung leider wirklich ausschließlich Frauen), die ihre Teilzeit dazu verwenden, richtig schön ausgiebige Projekte für die Schule zu starten.

    Das fällt für mich in die Kategorie Dummheit.

  • ja, die gibt es.
    Aber ich bin 99%, dass Yestoerty nicht zu denen gehört und ich kann mich nicht an irgendwelche Beiträge von ihr erinnern, die das denken lassen könnten.

    Oh, ich merke gerade, dass der Beitrag so verstanden werden konnte, dass er auf yestoerty bezogen wäre. So war es nicht gemeint.

    Ich habe sie zitiert, weil ich den Punkt, dass man sehr konsequent auf die Arbeitszeit achten müsste, betonen wollte.

  • Und ich habe um (derzeit) vier Stunden reduziert um mehr Zeit für mich selbst zu haben. Durch die Reduzierung hatte ich seitdem jedes Schuljahr einen unterrichtsfreien Tag. Den nutze ich für "Privatangelegenheiten" (Termine bei meiner Friseurin, bei Ärzt*innen, "Shopping", manchmal Treffen mit Freund*innen, die ebenfalls frei haben u. ä.). Außerdem arbeite ich an dem Tag auch, denn ich bereite ich z. B. Unterricht vor oder erledige Korrekturen, was ich sonst an anderen (Schul)Tagen nachmittags oder sogar am Wochenende machen müsste.

    Dadurch arbeite ich aber nicht mehr als sonst, sondern weniger, denn ich habe durch die zwei Doppelstunden, die ich weniger unterrichte ja auch weniger Unterricht vor- und nachzubereiten. Für meine Work-Life-Balance finde ich das auf jeden Fall positiv.

    Hier ist es so, dass ich "nur" 60 Prozent arbeite und somit sogar zwei Unterrichtsfreie Tage habe, die ich oft in der Schule meiner Kinder verbringe, aber das ist dann eben nicht die Arbeit, sondern das Hobby ;)


    Ich habe inzwischen auch nur noch 12 Unterrichtsstunden und kann einen Teil meiner Arbeit von zuhause machen, aber ja, ich kann bisher seitdem ich das mache meine 30 Tage Urlaub (weil ich auf 5 Tage-Woche verteile) nicht nehmen, klappt einfach nicht, weil sich die Arbeit (gerade die neben dem Unterricht nicht von alleine macht und nicht weniger gemacht werden kann). Aber in Vollzeit hätte ich eben sicher 5 Arbeitstage jede Woche vor Ort und das ist schon alleine soviel Wegzeit, was ich jede Woche spare, dass es sich für uns auf jeden Fall lohnt.


    Achso und warum nicht mein Mann reduziert?!? Weil der schon immer Gleitzeit ohne Kernarbeitszeit hat. Somit ist er auch bei Vollzeit total flexibel, was ich eben nur durch Teilzeit bin.


    Aber ich muss auch oft darauf hinweisen, dass ich eben nicht an jeder Konferenz teilnehmen muss oder für Studientage usw. an unterrichtsfreien Tagen dann einen Ausgleich kriegen muss. Da ich aber auch nicht die Einzige bin, die das nie leid wird darauf hinzuweisen, klappt das inzwischen immer besser.


    Aber aktuell ist bei uns die Belastung für niemanden, egal ob Vollzeit oder Teilzeit wirklich zu schaffen, da muss dringend eine andere Lösung her und das sehen auch die Eltern so und machen Druck beim Bezirk oder Senat.

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