Maßnahmen zur Unterrichtsversorgung NRW (Grundschule und Sek I Schulen)

  • Ich muss sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen, das neue Maßnahmenkatalog ist schon nicht ohne :O


    Einstellung und Ausbildung

    1. OBAS an Grundschulen für Seiteneinsteiger

    2. Gymnasiallehrer ohne Fach, das an der Grundschule vertreten wird, können an Grundschulen eingestellt werden. Sie sollen jedoch bevorzugt in der 3. / 4. Klasse eingesetzt werden.

    3. Berufsbegleitender Erwerb des Master of Education sowie berufsbegleitender Vorbereitungsdienst (OBAS) für die Berufsschulen.

    4. Mehr Studienplätze (!)

    5. Berufsbegleitender Vorbereitungsdienst an der Grundschule für Master of Education (GymGe) Absolventen.

    6. Mehr BdU, wenn man möchte...

    7. Ausländische Lehrer? Sprachniveau C1 statt C2.


    Wertschätzung der Lehrer

    1. Alle Lehrer auf A13 (aber nicht L2.2!)

    2. Neue Werbekampagne für Lehrämter

    3. Mehr Schulverwaltungsassistenten

    4. AO-SF verschlanken

    5. Reduzierung der Klassenarbeiten in JgSt. 10

    6. Alltagshelfer


    Dienstrechtliche Maßnahmen

    1. Abordnungen

    2. Neueinstellungen mit Abordnungsmöglichkeit

    3. Einschränkung Teilzeit (außer familienpolitische Gründe)

    4. Der Umkreis für die neue Schule nach einer Freistellung sowie Beurlaubung beträgt 50km statt 35km!

    5. Entfristung aller befristet eingestellten Lehrer (auf Antrag), solange sie über drei Jahre im Dienst und min. einen Bachelor nachweisen können.

  • ich fand sehr sympathisch wie Frau Feller den Forderungen der aktuellen Stunde im WDR nach einer Stunde Mehrarbeit für alle ( im internationalen Vergleich verdienen wir mehr und arbeiten weniger) entgegengestellt hat dass die Lehrkräfte schon belastet genug sind! Die weiteren Erklärungen waren etwas wirr, aber im Kern war das deutlich wertschätzender als es YG von der FDP seinerzeit äußerte...

  • Wow, besonders die Ausweitung des Umkreises von 35km auf 50km hat es in sich (Da gabs mal irgendwas mit Pi und r2...) Für z.B. Leute vom Land, die auf einmal "in Reichweite" der Brennpunktschule in Gelsenkirchen liegen, für die Anfahrt aber halb über Land, halb über eine verstopfte Autobahn müssen bestimmt kein Spaß.

    Würde ich dadurch auf einmal an eine Schule abgeordnet, an die ich nicht möchte bzw. müsste ich dafür täglich 1,5-2h Fahrzeit (inkl. der dadurch entstehenden Kosten) in Kauf nehmen, würde ich glaub ich recht schnell kreativ werden, die Einsatzzeit an dieser Schule zu minimieren. Dann wird halt keine Aspirin morgens eingeworfen, sondern sich lieber krankgemeldet. Sicher ist sicher. Auch steht bestimmt nicht mein privater PKW zur Verfügung, wenn ich nach dem Unterrichtseinsatz an der mich abordnenden Schule zur abgeordneten Schule muss für eine Lehrerkonferenz am Nachmittag. Dann wird die unzuverlässige Bahn genommen. Und selbstverständlich handelt es sich bei dieser Fahrt um eine Dienstfahrt, deren Dauer zur Arbeitszeit gehört. Kosten trägt natürlich der Dienstherr.


    Besonders lustig wird es, wenn man in Gebiete abgeordnet wird, in denen die hiesigen KuK hohe Ortszuschläge kassieren, man selbst sich aber bewusst fürs das Ländliche mit all seinen Vor- und Nachteilen entschieden hat und nun genau dorthin abgeordnet wird. :sterne:

    Naja, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird und ich hoffe doch sehr, dass jeder Fall im Einzelnen mit Augenmaß und einer Portion gesundem Menschenverstand geprüft wird. (ok beim Schreiben fällt mir auf, wie naiv das eigentlich ist)

  • * falsch verstandenes Zitat entfernt *

    • Öffnung der Grundschule für Leute mit falschem Lehramt
    • Öffnung der Grundschule für Leute ohne studierte Grundschulfächer :autsch:
    • Absenkung des Sprachniveaus auf C1
    • Entfristung ohne verbindliche Nachqualifikation

    Das klingt für mich alles nach massiver Niveauabsenkung und ist eher ein Fußtritt für die Schüler. Gerade das Grundschuldebakel wird die Bildungschancen der betroffenen Schüler unwiderruflich schädigen.


    Der Fußtritt für die Lehrer folgt dann umgehend mit den Abordnungsregelungen, der Einschränkung der Teilzeit und dem neuen Dienststellenradius.... mal ganz davon abgesehen, dass in einigen Schulformen dann die ganzen unqualifizierten Kollegen mit falscher Schulform, ohne Unterrichtsfach, etc (siehe oben) abgefangen werden müssen.

  • Die Maßnahmen sind zum Teil wirklich der Knaller. "Nach außen hin machen wir Werbung für diesen wunderbaren Beruf, aber klammheimlich verbrennen wir das Personal, das wir haben."


    50km nach Rückkehr z.B. aus Elternzeit? Das sind in meiner Gegend im Sauerland mit etwas Pech locker 1,5 Stunden Fahrtzeit, an den Winter und die A45 will ich gar nicht denken.


    Zweijährige Abordnungen gegen den Willen der Lehrkraft? Juhu, der Krankenstand wird einen neuen Höchststand erreichen.


    Stellenausschreibungen mit Pflichtabordnung, teilweise schulform+bergreifend? Hell no, wenn man neu einsteigt ist man so oder so meistens erstmal ein gutes Jahr am rotieren, da brauch ich nicht gleich zwei Systeme statt nur einem.


    Letztendlich liest sich vieles wie "Wir waren den Schein, verschieben die Probleme...äh...Lehrkräfte...von A nach B und die Hauptsache ist, der Unterricht ist, statistisch betrachtet, abgedeckt."


    Teilzeit nur noch nach eingehender Prüfung - Hallo? Geht's noch? Allmählich wird es lächerlich.


    Ich ko**** im Strahl...und frage mich ehrlich gesagt, wie sich die 35 --> 50km-Regelung auf Versetzungen auswirkt? Bisher war es zumeist so, dass die neue Schule wohnortnah war, insbesondere dann, wenn die Fahrerei der Grund für die Versetzung war.

    • Offizieller Beitrag

    die 35km waren schon ein NRW-Luxus, lasst uns naiv glauben, dass es im Sauerland anders sein wird als neben Unistädten.
    Ich habe zuviele Fälle von "Stelle 50-60km von großer STadt angenommen, weil ich eh bald schwanger sein werde" (GLück gehabt, DASS es klappt!) und dann sind alle Schulen in besagten Städten und Umkreis voll mit Versetzungen nach Elternzeit und können nie selbst ausschreiben.

  • die 35km waren schon ein NRW-Luxus, lasst uns naiv glauben, dass es im Sauerland anders sein wird als neben Unistädten.
    Ich habe zuviele Fälle von "Stelle 50-60km von großer STadt angenommen, weil ich eh bald schwanger sein werde" (GLück gehabt, DASS es klappt!) und dann sind alle Schulen in besagten Städten und Umkreis voll mit Versetzungen nach Elternzeit und können nie selbst ausschreiben.

    Ich steh gerade volle Lotte aufm Schlauch: Was soll anders sein als in Unistädten? Ins Sauerland will doch wegen der Fahrerei niemand hin, jetzt mit dem A45-Debakel erst recht nicht mehr, auch nicht "nur bis man schwanger ist". Oder versteh ich dich falsch?

  • Mir fehlt bei all den Plänen mal wieder die Zukunftsfähigkeit, die lange Perspektive.


    Einzig die Anpassung der Besoldung hat diesen Charakter, wiewohl man auch hier einschränkend konstatieren muss, dass an einer Fortführung von mindestens einer Dreiklassengesellschaft festgehalten wird.

    Die Ungerechtigkeit, die sich aus der Verbeamtung bzw. dem Angestelltenverhältnis ergibt, wird überhaupt nicht angegangen. Dafür habe auch ich keine Supidupi-Lösung, außer die Verbeamtung für alle.


    Die Ungerechtigkeit, die sich bei den Beamten aus der dann erfolgenden Zuordnung in höheren oder gehobenen Dienst (Strukturzulage oder nothing) ergibt, wird nicht thematisiert. Insbesondere an Gesamt- und Primusschulen mit IDENTISCHEN Anforderungen an das Lehrpersonal ist das problematisch und steht dem Plan der Wertschätzung diametral gegenüber.


    Die langwierige und stufenweise Anpassung (bis 2026 über Zulagen) trägt dem Umstand nicht Rechnung, dass die zugrundeliegenden Argumente für diese Anpassung nicht auch erst stufenweise in der Zukunft zutreffen. Das tun sie bereits jetzt, nein schon lange. "Wir schätzen Eure Arbeit erst in vier Jahren voll wert, und auch das nur nach Abzug der Strukturzulage."


    Darüber hinaus bleibt man sehr sparsam bzgl. der Pläne, wie mehr grundständige Lehrkräfte generiert oder geworben werden sollen. Und nein, Erschwernisse bei der Teilzeit oder Pläne zur Ausdehnung der Abordnung zählen sicher nicht dazu. Da ist nicht nur kein Wumms zu hören. Da herrscht das berühmte Schweigen im Walde. Auch wenn man den mit Werbeplakaten a la "I want you!" pflastert.


    Um etwas versöhnlich zu enden. Ja, es gibt Bemühungen, die nicht nur auf den Schultern des schwindenden Rests der Lehrkräfte ruhen. Man hat auch begriffen, dass Wertschätzung für den Beruf und die Lehrerschaft irgendwie abhanden gekommen ist. Man will dem entgegen steuern. Das finde ich gegenüber dem Gebauerschem Stil begrüßenswert.

    Von wegen Schuft, ein Zyniker ist ein enttäuschter Idealist!

    • Offizieller Beitrag

    weil "hier" in Nähe von Unistädten einige Menschen keine Lust haben 45Minuten zu pendeln. Sorry, wenn das ein Problem ist, ist nicht der Stadt dafür zuständig, einem eine Stelle zu zaubern.
    Es ist ein Unterschied, ob die Lebensumstände sich ändern (Umzug des Partners, was auch immer) oder ob man eine Stelle 50km weiter *annimmt* und dann erwartet, dass man eine neue nähere Stelle bekommt, weil es doch zu weit ist.

    Wenn irgendwo niemand hinwill:
    - LIstenverfahren wie in Bayern

    - nur befristete Stellen für Vertretungslehrkräfte mit Ortszuschlag, die sich vielleicht doch bereit erklären, entsprechend umzuziehen

    - dann bleibt der Mensch, der aus der Unistadt pendeln will, arbeitslos.

    Man kann nicht ALLES haben (Verbeamtung, Geld und Arbeitsplatzsicherheit, sein eigenes Lehramt und eigene Fächer UND die Stelle vor der Haustür)


    Da bin ich ziemlich radikal, stehe aber dazu. Ich finde, dass diese Regel einfach viel zu oft missbraucht wird und dass es für viele Standorte zu krassen Nachteilen führt.

  • Aso, ja wenn man quasi damit plant, eine Stelle anzunehmen, die an sich zu weit weg ist, um dann "schnell schwanger zu werden und dahin zu wechseln, wohin man eigentlich vorher schon wollte" ist das blöd. Es gitb aber noch ca. 100000 Fälle, wo sich nach XY Jahren einfach herauskristallisiert, dass die Fahrtzeit von 50 Minuten über Jahre hinweg kein Problem war, es aber vermehrt zum Problem wird: Sei aus aus familiären Gründen, sei es aus Gründen, die man vorher nicht einplanen konnte (mehr als Verdopplung der Fahrtzeit meines Mannes wegen der A45 von run 35 Minuten auf bis zu 1,5 Stunden über Jahre hinweg) usw.


    Oder einfach die Erkenntnis, dass nach 10 Jahren 50 km Pendeln ohne zu Maunzen man es nicht mehr so gut verkraftet und es nicht mehr will.

  • Ich könnte kotzen vor soviel Missachtung der Grundschulen und der Qualifikationen im Allgemeinen (Lehramtsabschluss, sprachliches Niveau, Fächer, Sonderpädagogische Qualifikation...)
    Es ist ein BWL-Plan. Mehr nicht

    Ich bin da bei Dir. Die Öffnung des Lehramts für Nachtwächter, Postboten und ehemalige Nachtschlosser halte ich, unabhängig vom Lehramt / der Fakultas für ein fatales Zeichen an alle grundständigen Lehrkräfte. Was hat man uns gegängelt mit einer Unzahl an Unterrichtsbesuchen und einem Brimborium um Studium, Scheinen, BDU, Staatsexamina, Reflexionsgesprächen und Prüfungen. Nur um jetzt Tür und Tor zu öffnen für nachgeradezu jedermann?


    Nein, meine Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Seiteneinsteiger selbst. Auch spreche ich denen nicht grundsätzlich die Eignung ab oder behaupte gar, dass jeder grundständige Lehrer diese automatisch hätte, nur weil er die Mühle durchgestanden hat.


    Mich ärgert primär die Inkonsistenz des Systems. Mal muss man's ganz genau nehmen und alles doppelt und dreifach beglaubigt nachweisen, Stempel hier, Prüfung dort. Und dann wird anderen mit einem Diplom von ner sibirischen Baumschule mit nem Schreiben des Revierförsters zugestanden, den gleichen Beruf auszuüben. Ich empfinde das als Entwertung.

    • Offizieller Beitrag

    Die Öffnung des Lehramts für Nachtwächter, Postboten und ehemalige Nachtschlosser halte ich, unabhängig vom Lehramt / der Fakultas für ein fatales Zeichen an alle grundständigen Lehrkräfte.

    Nachtwächter? Postboten? ehemalige Nachtschlosser? Haben wir unterschiedliche Maßnahmenkataloge gelesen?

    ich lese da nur:

    Zitat
    Angesprochen sind Personen mit Berufserfahrung, die über einen nicht-lehramtsbezogenen Masterabschluss einer Universität oder Fachhochschule verfügen, der Studienleistungen beinhaltet, die einen Bezug zu mindestens einem Unterrichtsfach der Grundschule haben.und


    Zitat
    An Grundschulen, Förderschulen und weiterführenden Schulen wirken Fachkräfte aus anderen pädagogischen Berufsgruppen im Rahmen von Multiprofessionellen Teams im Gemeinsamen Lernen bei der Erziehung, Unterrichtung und Beratung der Schülerinnen und Schüler zusammen. Der Bewerberkreis der vergleichbaren pädagogischen Abschlüsse


    kl. gr. frosch

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