Die mit der Keule kommen... Muss das sein?

  • Ich habe Respekt vor jedem, der Kinder mit geistiger Behinderung unterrichtet. Ich persönlich könnte das nicht. Ich könnte auch nicht plötzlich Erdkunde unterrichten, an der Grundschule würde ich wohl übergangsweise einspringen können und klar kommen, es wäre aber sicher nicht meine Stärke.


    KuK gegen ihren Willen vom Gymnasium an die Förderschule zu versetzen (oder von der Grundschule an die Berufsschule um mal ein anderes Beispiel zu nennen) ist in meinen Augen schlicht und ergreifend dumm. Ein Teil mag damit klar kommen oder sich arrangieren, wird dort aber sicher nicht seine beste Arbeit leisten. Für einen anderen Teil wäre der Weg in die vorzeitige Dienstunfähigkeit vermutlich vorgezeichnet und dann hat man unterm Strich mehr verloren als gewonnen.

  • Diskriminierend? Oder ist das in dieser Richtung okay?

    Ne, das ist "okay". Aber wenn ich die Zumutung benenne, die das spontane Unterrichten an der Förderschule GE nunmal ist, bin ich menschenfeindlich und werde zensiert. Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit in diesem Forum.

  • Ich habe Lehramt Grundschule studiert, ich möchte mit kleineren Kindern arbeiten und daher keine Realschüler oder Gymnasiasten unterrichten. Diskriminierend? Oder ist das in dieser Richtung okay?


    Oh, ich kann dir da gerne eine Anschuldigung draus stricken:


    Du denkst bestimmst wir hielten uns für was Besseres und weil du mit so Eingebildeten nichts zu tun haben willst, diskriminierst du uns.


    Jetzt kommt aber gleich einer daher und erklärt mir, dass es uns ja nicht zum Nachteil gereicht uns für was Besseres zu halten und deswegen nennt man das dann nicht Diskriminierung ... wetten? :P


    Ich kann mich ganz, ganz dunkel dran erinnern dass vor sicher 30 Jahren oder so eine Bekannte meiner Mutter mir mal eine ähnliche Diskussion aufdrücken wollte. Die ging plötzlich auf mich los, warum ich denn mit ihrer Tochter nichts mehr zu tun haben wolle, die ging nämlich an eine Hauptschule. Es war der auch schon nicht beizubringen, dass mich echt keiner dazu zwingen kann mit Menschen befreundet zu sein, mit denen ich absolut keine Gesprächsthemen finde. Es war einfach so und ja, kann sein, dass mit ein Grund war, dass wir an unterschiedliche Schulen gingen. Der Hauptgrund wird wohl gewesen sein, dass die ganz andere Interessen hatte als ich. So wie 90 % meines Jahrgangs am Gymnasium auch, mit denen ich genauso wenig befreundet war. DAS schien aber kein Problem zu sein, zumindest keins über da man sich hätte echauffieren können.

  • Wer denn, lieber O.?

    Och, ächt? Hast du hier nicht gelesen „Das kann ich nicht, dafür bin ich nicht ausgebildet.“


    Wenn dich interessiert, wer es gesagt hat, musst du im Thread zurückblättern.


    Dann findest du diese mit ihren vollständigen Namen.


    Mir reicht die Erkenntnis, dass es gesagt wurde.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Eine Frage an die Unverbesserlichen:

    [Wer sich angesprochen fühlt, kann ja antworten.]

    Kein normaler Mensch kann sich mit 19 vorstellen, kleine Kinder zu erziehen, gerade für Männer ist das vollkommen unnatürlich. Sowas muss man nicht können, sowas KANN man lernen.

    *kopfkratz* - Ist dieser Beitrag etwa doppelt menschenfeindlich? Kinder erziehen, BÄH! Unnatürliche Männer, BÄH!


    Aber immerhin, man ("Mann") kann es ja lernen...

  • Ich habe Lehramt Grundschule studiert, ich möchte mit kleineren Kindern arbeiten und daher keine Realschüler oder Gymnasiasten unterrichten. Diskriminierend? Oder ist das in dieser Richtung okay?

    Das ist keine Frage von Richtungen. In einem System, in dem man sich für ein bestimmtes Lehramt entscheiden muss, sucht man sich eines heraus, von dem man meint oder hofft, dass es zu einer passt.


    Andere Schülerinnen nicht unterrichten zu wollen, kann man aber komisch finden. Wenn man Menschen aufgrund einer Behinderung davon ausschließt, zu den Unterrichteten zu gehören, ist das diskriminierend. Das kann man auch mit syntaktischen Spielchen nicht überdecken.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Ich finde, hier werden zwei völlig unterschiedliche Bereiche miteinander vermischt.


    Der eine Bereich ist das Leben mit z. B. Menschen mit geistiger Behinderung: in der Familie, Nachbarschaft, Freundeskreis, Verein, Kirchengemeinde … und die Begegnung im Alltag im Urlaub, ÖPNV, Restaurant, Supermarkt … . Menschen mit einer Beeinträchtigung wegen ihrer Beeinträchtigung auszuschließen wäre nicht nur eine illegale Diskrimierung, sondern auch in hohem Maße unmenschlich.


    Etwas anderes ist es aber, den Unterricht einer bestimmten Gruppe zum Mittelpunkt seiner beruflichen Tätigkeit zu machen. Das ist schon etwas anderes als bei seiner normalen Tätigkeit z. B. als Kellnerin einem Menschen mit einer Beeinträchtigung eine Mahlzeit zu servieren oder auch - um im Bereich Schule zu bleiben - im Kontext seiner Schulform und studierten Fächer SuS mit Förderbedarf zu unterrichten.


    Man wird nicht einfach generische:r Lehrer:in für Klasse 1-13 + Erwachsenenbildung, für alle Schultypen und alle Fächer, sondern wird spezialisiert ausgebildet. Es ist in Zeiten ohne Lehrermangel auch ausgesprochen schwer wenn nicht sogar unmöglich, außerhalb der studierten Fächer/Schulstufen/Schultypen zu arbeiten. Man kann sich zwar nachqualifizieren, aber nicht jede:r ist für jede Tätigkeit geeignet.


    Ich bin Lehrerin für Sonderpädagogik mit dem Schwerpunkt ESE und liebe meinen Beruf und meine SuS sehr, kann es aber gut verstehen, dass KuK eine ausschließliche Tätigkeit an einer Förderschule mit diesem Schwerpunkt für sich ausschließen. Das ist keine Diskriminierung dieser SuS-Gruppe, sondern in der Regel eine realistische Einschätzung ihrer selbst und dem Anforderungen dieses Schultyps.

  • Ne, das ist "okay". Aber wenn ich die Zumutung benenne, die das spontane Unterrichten an der Förderschule GE nunmal ist, bin ich menschenfeindlich und werde zensiert. Ein Hoch auf die Meinungsfreiheit in diesem Forum.

    Wenn es so einfach wäre, würde sich der Thread ja nicht im Kreise drehen. Das Problem war die von dir gewählte Formulierung, ist das echt immer noch nicht klar geworden?


    Wieso schreibst du nicht einfach "Ich möchte an keiner Förderschule für Geistigbehinderte arbeiten", ggf. um die Ergänzung, warum du meinst, es nicht mal ein Schuljahr dort auszuhalten oder von mir aus auch, warum die Abordnung eine Zumutung wäre. Das hast du nämlich nicht getan.


    Du hast Menschen mit einem Merkmal, hier 'Behinderung', zu etwas degradiert, das man dir nicht zumuten könne.


    Jeden Menschen mit einem anderen angeborenen Merkmal dürfte hier auch niemand als Zumutung für andere bezeichnen und ich unterlasse es, Analogien zu konstruieren, die zurecht gelöscht würden.

  • Menschen sind keine Brote, aber darum geht es bei dem Vergleich auch nicht.

    Nee, es ging um den Versuch, die Ablehnung von Arbeit mit Alten, Kranken und Behinderten damit gleichzusetzen, dass man kein Brot backen möchte.


    Das ist nunmal etwas anderes. Nicht backen zu wollen ist eben nicht diskriminierend.

    Die Bäckereifachverkäuferin verkauft Backwaren an Menschen.

    Die Lehrerin vermittelt Wissen an Menschen.

    Und? In welchen von beiden Fällen ist es OK bei den Menschen diejenigen mit Behinderung auszunehmen?

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Ich verstehe wirklich nicht, warum sich einige hier so derart daran stören, dass jemand nicht Kinder mit geistiger Behinderung unterrichten will. Ich finde das noch nicht einmal diskriminierend.

    Finde ich schon. Vielleicht werden wir uns da nicht einig.

  • Du, O. Meier, plädierst ja zu Recht immer dafür, dass man seine Arbeitszeit nicht überschreitet und falls man etwas zusätzliches machen muss, eben anderes liegen bleiben müsse.

    Wenn also Kolleginnen ohne entsprechende Ausbildung andere Aufgaben übernehmen sollen, müssten erst einmal ausreichende Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten bekommen und dafür natürlich ausreichend freigestellt werden.

    Das ist so. Ich schrieb auch schon, dass ich erst ausbilden und dann abordnen für den besseren Weg halte. Allerdings ist das bei denen, die ohnehin nichts mehr lernen wollen, auch noch egal.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Und? In welchen von beiden Fällen ist es OK bei den Menschen diejenigen mit Behinderung auszunehmen?

    Ich wollte darauf hinaus, dass der springende Punkt nicht die Kunden sind, sondern die Tätigkeit selbst, also das Backen bzw. das Verkaufen. Verändere ich die Tätigkeit, verändert sich auch die Kundschaft, aber das heißt nicht, dass die Kunden das Hauptproblem sind.

    Da ist die Gastronomie vielleicht ein besseres Beispiel. Man kann als Servicekraft in einem Sternerestaurant arbeiten oder in einem Imbiss/Fast Food Lokal. Beides hat seine Vor- und seine Nachteile. Wäre es falsch, wenn jemand in einem Sternerestaurant arbeitet und sagt, dass er nicht in einem Imbiss arbeiten möchte? Es macht ja schon einen Unterschied, ob man eine Weinempfehlung ausspricht oder Currywurst mit Pommes serviert. Und darum geht es hier: Keiner sagt etwas gegen Currywurst mit Pommes, aber deswegen darf man sich selbst eher für die Weinempfehlung entscheiden, oder?

  • Finde ich schon. Vielleicht werden wir uns da nicht einig.

    Du unterrichtest aber auch nicht an einer Förderschule GE. Warum nicht? Weil du offenbar entschieden hast, dass du lieber am Berufskolleg arbeiten möchtest. Diskriminierend ist das nicht. Es war einfach deine Vorliebe.


    Ich unterrichte übrigens, wie wahrscheinlich alle Grundschullehrkräfte, seit Jahren immer wieder Kinder mit Förderbedarf in verschiedene Richtungen, die im Rahmen der Inklusion bei uns sind. Wahrscheinlich mehr als du, vermute ich. Ich habe damit kein Problem - und trotzdem will ich nicht an einer Förderschule arbeiten. Ich bin lieber an der Grundschule, ich bin dafür ausgebildet, ich werde dafür auch (schlechter) bezahlt. Dass das diskriminierend sein soll, nee... Es ist einfach meine Vorliebe.

    Andere sind lieber an der Förderschule.

    Andere lieber am Berufskolleg.

    Andere lieber am Gymnasium.

  • Ich wollte darauf hinaus, dass der springende Punkt nicht die Kunden sind, sondern die Tätigkeit selbst, also das Backen bzw. das Verkaufen. Verändere ich die Tätigkeit, verändert sich auch die Kundschaft, aber das heißt nicht, dass die Kunden das Hauptproblem sind.

    Für einige scheinen genau die Kundinnen der Dreh- und Angelpunkt zu sein. Sonst beharrten sie ja nicht darauf, nur genau diese eine Gruppe von Kundinnen zu unterrichten.


    Da ist die Gastronomie vielleicht ein besseres Beispiel.

    Nö. Auch hier versuchst du die Frage nach den Menschen mit Behinderung zu umschiffen. Also Sterne-Restaurant oder Imbiss, wo ist es legitim, keine Menschen mit Behinderung bedienen zu wollen?

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Egal, wen man bedient, man geht seiner Tätigkeit Servieren nach, die durch die Person des Kunden nicht verändert wird.

    Ein besseres Beispiel wäre, innerhalb des Restaurants aus der Küche in die Buchhaltung versetzt zu werden, das ist dann eine signifikant veränderte Berufsbeschreibung. Natürlich kann man sich dafür weiterbilden und einarbeiten, aber es ist legitim, das nicht zu wollen, sondern zu kündigen und sich eine Stelle in einer anderen Restaurantküche zu suchen.

    Es könnte alles so einfach sein - ist es aber nicht.

  • Du unterrichtest aber auch nicht an einer Förderschule GE. Warum nicht? Weil du offenbar entschieden hast, dass du lieber am Berufskolleg arbeiten möchtest. Diskriminierend ist das nicht. Es war einfach deine Vorliebe.

    Nope, reiner Pragmatismus. Am BK gab es Stellen, die für den Quereinstieg geöffnet waren, und ich suchte einen (unbefristeten) Job.


    Ich bin lieber an der Grundschule, ich bin dafür ausgebildet, ich werde dafür auch (schlechter) bezahlt. Dass das diskriminierend sein soll, nee... Es ist einfach meine Vorliebe.

    Mag sein. Ist das, was außerhalb deiner Vorlieben liegt, eine „Zumutung“ oder eine „Strafexpedition“? Oder kann man auch jenseits der Vorlieben einen Job machen, wenn es passend zu den Vorlieben keinen gibt?

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

  • Kathie: Du kannst auch gegen eine Betonwand reden... Leider.

    Ich empfehle Kühe. Die sind sehr neugierig und hören einem sogar zu. Manchmal versuchen sie dann aber den Rucksack aufzufressen.

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