Direkteinstieg Grundschule - Möglich oder unmöglich?

  • Den Quereinstieg sehe ich in der Grundschule vielleicht noch kritischer als in anderen Schulformen.

    Gerade für die Grundschule wird die Ausbildung immer wieder unterschätzt, weil vordergründig auf die vermeintlich einfachen Inhalte geschaut wird.


    Ohne Kenntnisse in den Fächern und der Pädagogik kann ich es mir nicht vorstellen, dass Personen gleichwertige Kolleg:innen werden. Das ist schon schwierig genug bei den Abordnungen oder Versetzungen aus anderen Schulformen, die man immer wieder in der Schule als Teil des Kollegiums hat und unterstützt. Das sind aber gestandene Lehrkräfte, die die Abläufe an sich kennen. Noch mehr Unterstützung braucht es bei Vertretungen, zum Teil sind auch das Personen, die nur Aufsicht führen sollen. Dann legt man Materialien bereit, mit denen die SuS selbstständig üben können. Unterricht ist aber mehr als das.


    Die zusätzlichen Anforderungen des Erstunterrichts, des Schulbeginns, der Vermittlung grundlegender Arbeitsweisen und -haltung kommen zum Fachlichen (Fächer wie Pädagogik) hinzu, die Hürden und Schwierigkeiten, die man mit den Kindern in den ersten zwei Jahren nimmt, und Fähigkeiten zwischen sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf Geistige Entwicklung bis Hochbegabung innerhalb des regulären Unterrichts, die man erkennen, im regulären Unterricht differenziert beschulen und nachfolgend verifizieren oder anerkennen lassen muss.


    Noch weniger kann ich mir vorstellen, dass jemand, der oder dem ein Studium zu anstrengend erscheint, das Ref bestehen oder den Beruf selbst mit genügend Struktur, Motivation und Einsatz ausüben kann.

  • Könnte daran liegen,

    dass in den Grundschulen wirklich seit mehr als 10 Jahren Lehrkräfte fehlen, was immer Klassenlehrkräfte und Lehrkräfte füt D und Ma sind,

    dass die Notmaßnahmen der letzen 10 Jahre nun auch nicht mehr ausreichen und

    dass die Bedingungen in den Grundschulen schlechter sind als am Gym, was meiner Meinung nach an vielem liegt, auch an der Abwertung, die seit Jahrzehnten immer wieder auf unterschiedliche Weise erfolgt, weil die Arbeit mit Kindern nicht gleichwertig angesehen und bezahlt wird, an fehlenden Entlastungen und Funktionsstellen,

    auch daran, dass die Lehrkräfte im kleinen System mit 5-10 Kolleg:innen mit oder ohne SL und Sekretärin alle, alles zu jeder Zeit selbst regeln müssen, nahezu jeder um so ziemlich alles weiß und immer wieder einspringt.

    Die meisten GS-Lehrkräfte fühlen sich auch für sehr viel hinsichtlich der SuS verantwortlich, weil die SuS selbst klein sind und für vieles selbst noch keine Verantwortung tragen können. Das ist an anderen Schulformen sicher auch so, hat aber eine andere Ausprägung. Und es grenzen sich andere sicher besser ab oder sie wählen aus dieser Überlegung heraus gleich eine andere Schulform, gerade weil es an den Grundschulen enger, näher und übergreifender ist.


    Und trotzdem werden massenweise Gymnasiallehrer in die Grundschulen ab…

    Wie ich schon schrieb: Es ist auf ein Jahr oder mehrere gesehen einfacher, mit Lehrkräften anderer Schulformen zu arbeiten, als mit Personen, die den Schulbetrieb gar nicht kennen und keinerlei Ausbildung in Pädagogik und Fächern haben.

    Gymnasiallehrkräfte sind auch für Klasse 5+6 ausgebildet, da ist Klasse 3 und vor allen 4 nicht so weit entfernt. Abordnungen zwischen GS und SekI hat es schon immer gegeben, die Gym sind nun mit dabei.


    abgeschoben durch Knebelverträge.

    Worauf bezieht sich das?

    Die Wunschschule im Wunschort zu bekommen, nach dem Einsatz über 1-3 Jahre an einer Grundschule?

    Ist das so bitter? Man hat sofort eine feste Stelle, die Alternative sind Vertretungsverträge von Halbjahr zu Halbjahr.

    Die Grundschule arbeitet einer Lehrkraft 3 Jahre zu und weiß, dass diese dann geht und die Schule wieder neu zuarbeiten muss, da dann die nächste Maßnahme erfolgt.

    Stell dir vor, du müsstest entweder häufig wechselnde Personen ohne Studium dauerhaft mit Material und Anleitungen versorgen, etwa für ein halbes Deputat in der Woche, im besseren Fall in den Fächern deines Deputats, oder du müsstest alle 3 Jahre eine Lehrkraft der GS oder HS in deinen Fachbereichen parallel laufen lassen und einarbeiten. Was wäre schlimmer?

  • Und trotzdem werden massenweise Gymnasiallehrer in die Grundschulen abgeschoben durch Knebelverträge.

    Den Einsatz von Lehrerinnen mit anderen Ausbildungsschwerpunkten an Grundschulen als „Abschiebung“ zu deklarieren, sagt mal wieder einiges. Aber nichts, das einen überrascht, wenn es von jemandem kommt, der Freude dabei empfindet, wenn jemand zusammengetreten wird.


    Wer mir uneingeschränkt zustimmen möchte, verwendet bitte das Haha oder dass Verwirrend-Emoji. Traurig geht eigentlich auch:

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    2 Mal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Wir hatten 2019 eine Kollegin mit einem Vertrag, der 1 Jahr die Abordnung in die GS vorsah … nach mehreren Jahren Mangel und schon vielen Versetzungen aus den SekI-Schulen.

    In dem Jahr hatten wir an der Schule mehr Stunden über Abordnung als von Stammlehrkräften und alles war jeden Tag Notfall, immer musste man noch andere Unterrichtsstunden mit bedenken und auch häufig planen und Material hinlegen.

    Alle Kolleg:innen, die wir vom Gym hatten, haben sich sehr engagiert und viel auch für unsere Schule ermöglicht.

    Trotzdem bin ich froh, dass wir derzeit besser versorgt sind - das kann sich schnell wieder ändern.

  • Meine Schwester hat mit ihrem exzellenten 1,3 Pädagogik Bachelor und 1,0 Pädagogik Master dann übrigens noch angefangen Deutsch auf Lehramt nachzustudieren und nach 1,5 Semestern geschmissen, weil ihr das alles zu aufwändig und kompliziert und lernaufwändig war - seitdem rätsel ich insgeheim ein bisschen, was Pädagogik für ein Luschenstudium sein muss, und sehe das alles ohne Fachstudium noch deutlich kritischer als vorher eh schon 🙈)

    Muss nicht am Luschenstudiengang liegen, sondern einfach an unterschiedlichen Interessen, Talenten, Fähigkeiten, zur Persönlichkeit passenden Rahmenbedingen, etc.

    Oder hältst du dich selbst um Welten genialer als deine Schwester?

  • (Meine Schwester hat mit ihrem exzellenten 1,3 Pädagogik Bachelor und 1,0 Pädagogik Master dann übrigens noch angefangen Deutsch auf Lehramt nachzustudieren und nach 1,5 Semestern geschmissen, weil ihr das alles zu aufwändig und kompliziert und lernaufwändig war - seitdem rätsel ich insgeheim ein bisschen, was Pädagogik für ein Luschenstudium sein muss, und sehe das alles ohne Fachstudium noch deutlich kritischer als vorher eh schon 🙈)

    Deine Fächerkombi besteht doch aus Sprachen, oder? Irgendwie ulkig, dass du einen anderen Studiengang als "Luschenstudium" abkanzelst. Mit genau derselben Hybris begegnen ja viele Akademiker, z. B. aus den Naturwissenschaften, den Absolvent*innen sprachwissenschaftlicher Studiengänge.

  • Muss nicht am Luschenstudiengang liegen, sondern einfach an unterschiedlichen Interessen, Talenten, Fähigkeiten, zur Persönlichkeit passenden Rahmenbedingen, etc.

    Oder hältst du dich selbst um Welten genialer als deine Schwester?

    Sicher nicht für genialer, aber vielleicht für jemanden, der sich zumindest hin und wieder mal hingesetzt und was gelernt hat, wenn es nötig war. Meine Schwester ist (vermutlich ohne jemals eine Minute am Schreibtisch verbracht zu haben) haarscharf durchs Abi gerutscht, hat im Pädagogikstudium nach eigenen Angaben nie lernen müssen und im Prinzip das komplette Studium weltmeistlich durchgefeiert, und ist dann bei Deutsch anscheinend erstmals an einen Punkt gekommen, wo das so nicht funktionierte.


    Aber ja, Interesse an Gedichtanalyse & Co hatte sie auch nicht sonderlich.



    @Thema Grundschulabschiebung

    Ich kenne niemanden, der in diese Hybridstellen gezwungen wurde und es anders empfindet.

  • Deine Fächerkombi besteht doch aus Sprachen, oder? Irgendwie ulkig, dass du einen anderen Studiengang als "Luschenstudium" abkanzelst. Mit genau derselben Hybris begegnen ja viele Akademiker, z. B. aus den Naturwissenschaften, den Absolvent*innen sprachwissenschaftlicher Studiengänge.

    Eine Sprache, eine (deutlich lernintensivere) Gesellschaftswissenschaft, ja. Und eben weil mein Studium superentspannt war, fällt mir schwer nachzuvollziehen, was an Deutsch nun so kompliziert gewesen sein soll^^ Ich breche mich auch keinen Zacken dabei aus der Krone anzuerkennen, dass Naturwissenschaftler deutlich anspruchsvollere und lernintensivere Studiengänge haben... warum auch 😊

  • Es ist insofern ein Knebelvertrag als dass man 2017 noch problemlos ganz normal ohne Abordnungszwang an Gymnasien eingestellt wurde.

    Das ist kein Knebelvertrag, sondern ein Geschenk an derzeit in ihrer Zielschulform nicht benötigte Gymnasialbewerber.

    Letztlich werden die auf Kosten der Grundschulen dort geparkt und versorgt, selbst wenn das für die Grundschule die B-Lösung statt der ansonsten drohenden C-Lösung ist.


    Mit tut da auch die zukünftige Gymnasiallehrergeneration leid, deren Stellen da jetzt verschleudert und bereits besetzt werden. Ich frag mich auch, ob da in irgendeiner Art und Weise auf die zukünftige Fächerpassung geguckt wird.

  • Äh, nee. Meine Ex-Kollegin hat 2 Jahre bei uns Vollzeit als Vertretungskraft am Gymnasium gearbeitet und wurde auch gebraucht. Feste Stelle gabs dann leider nur mit 50% Grundschule und wir mussten den Ausfall irgendwie abdecken. Die Vorstellung, dass die Gymnasien alle überbesetzt sind und lediglich Überhang abordnen,ist Quatsch und trifft allerhöchstens auf dem Papier zu. Gleiches galt für die mit Mangelfach neu eingestellte Kollegin mit Teilabordnung an die Realschule.

  • Fähigkeiten zwischen sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf Geistige Entwicklung bis Hochbegabung innerhalb des regulären Unterrichts, die man erkennen, im regulären Unterricht differenziert beschulen und nachfolgend verifizieren oder anerkennen lassen muss

    Es wäre mir neu, dass Grundschullehrkräfte sonderpädagogischen Förderbedarf oder Hochbegabungen diagnostizieren können oder dürfen.

    • Offizieller Beitrag

    Es wäre mir neu, dass Grundschullehrkräfte sonderpädagogischen Förderbedarf oder Hochbegabungen diagnostizieren können oder dürfen.

    Theoretisch nicht. Aber ... wer startet an einer Grundschule das AO-SF? Der Grundschullehrer, der den sonderpädagogischen Förderbedarf diagnostiziert erkennt.

    • Offizieller Beitrag

    Also ich sehe diese Vorgriffsstellen nicht als Geschenk. Sowas hätte ich nicht unterschrieben.

    mit Deutsch/Geschichte und mittelmäßigem Examen aber vielleicht schon ;)
    Oder wenn du unbedingt an einen bestimmten Ort / Schule möchtest.
    Es gibt immer Gründe, warum man bereit ist, eine bestimmte Kröte zu schlucken.

  • Ich weiß, ich wusste aber schon als ich studiert habe, dass ich mit meiner Kombination nicht in der Situation ellenlange Vertretung und dann totale Kompromiss-Schule landen werde. Und das war sogar vor diesen Stellen.

  • Sowas hätte ich nicht unterschrieben.

    Andere haben es unterschrieben. Sie haben sich entsprechend entschieden, sie wurden nicht gezwungen, nicht geknebelt und nicht abgeschoben. Sie haben einfach geschaut, wie sie beruflich vorankommen.


    Ob das seitens des Landes eine sinnvolle Personalentwichlungsstrategie ist, darf man gerne diskutieren. Aber bitte ohne Rumpamperei über das Grundschullehramt.

  • Ich weiß, ich wusste aber schon als ich studiert habe, dass ich mit meiner Kombination nicht in der Situation ellenlange Vertretung und dann totale Kompromiss-Schule landen werde. Und das war sogar vor diesen Stellen.

    Du hast und hattest also das Problem nicht, das die Betreffenden für sich mit dieser Maßnahme lösen möchten. Ich stand auch nie vor der Frage, wie es nach dem zweiten Staatsexamen weiterginge. Ich hatte bereits eine Stelle.


    Auf der anderen Seite kann aber ein kurzer Umweg über eine andere Schulform auch Erfahrungen liefern, die man sonst nicht machen kann. Vielleicht ist es für eine Gymnasiallehrerin durchaus hilfreich, wenn sie mal dabei war, wenn eine Grundschule die Empfehlungen für weiterführende Schulen ermittelt. Also, so als Beispiel.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

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