Vom Wert der Werte. Oder: Gehört die besinnliche Zeit abgeschafft?

  • Und was ist, wenn sich die Personen nicht einig sind? Neben Trauer, Abschiednehmen und vielleicht wirtschaftlichen Fragen müssen die sich dann noch einigen, welche Bestattungsform wohl angemessen ist. Und das unter Einfluss der „Gesellschaft“ („Warum habt ihr euren Vater denn im Wald verscharrt?“).

    Es sind im Todesfall so viele Dinge zu klären, dann ist es erleichternd, wenn man sich um diese Fragen keine Gedanken machen muss. Den Ort auf dem Gelände, den Sarg, die Urne auszuwählen, wie die Trauerfeier ablaufen soll ... Es sind so viele Entscheidungen, da helfen Vorgaben von den Verstorbenen sehr.

    In meiner Familie gab es relativ viele Todesfälle von Menschen um die 50 und es gab nie auch nur den Ansatz einer Diskussion, wo diese beerdigt werden sollen, obwohl vorher nichts abgesprochen wurde.

    Bei uns läuft das "sehr entspannt".

  • Ich würde das nicht so moralisch bewerten.

    Wenn man sagt, unbedingt eingeäschert im Wald begraben werden zu wollen und die Hinterbliebenen wollen lieber ein Familiengrab anlegen, dann haben die noch Lebenden den Konflikt. Wenn man also sagt "mir ist es wirklich egal, tot ist tot", gibt man die Freiheit an diejenigen, die damit leben müssen im wahrsten Sinne.

  • Wenn man sagt, unbedingt eingeäschert im Wald begraben werden zu wollen und die Hinterbliebenen wollen lieber ein Familiengrab anlegen, dann haben die noch Lebenden den Konflikt.

    Wenn man das in einer Bestattungsverfügung festlegt, ist es verbindlich und die Hinterbliebenen können nicht abweichend entscheiden. Insofern kein Konflikt.

  • Ich würde das nicht so moralisch bewerten.

    Wenn man sagt, unbedingt eingeäschert im Wald begraben werden zu wollen und die Hinterbliebenen wollen lieber ein Familiengrab anlegen, dann haben die noch Lebenden den Konflikt. Wenn man also sagt "mir ist es wirklich egal, tot ist tot", gibt man die Freiheit an diejenigen, die damit leben müssen im wahrsten Sinne.

    Darüber kann man ja solange man noch unter den Lebenden weilt, miteinander sprechen.

  • Und was ist, wenn sich die Personen nicht einig sind? Neben Trauer, Abschiednehmen und vielleicht wirtschaftlichen Fragen müssen die sich dann noch einigen, welche Bestattungsform wohl angemessen ist. Und das unter Einfluss der „Gesellschaft“ („Warum habt ihr euren Vater denn im Wald verscharrt?“).

    Selbstverständlich kann man einen unvorhergesehenen Konflikt nicht verhindern, wir haben aber schon viel durch und ich kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es unter den Beteiligten keinen Streit geben wird.

    Ganz sicher werden sie sich von keinerlei Äußerungen der „Gesellschaft“ - wer auch immer das dann sein möge - in ihre Entscheidung reinreden lassen oder diese dadurch in Frage stellen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Darüber kann man ja solange man noch unter den Lebenden weilt, miteinander sprechen.

    Wäre wünschenswert. Wenn man aber seine Eltern begraben muss und kein gutes Verhältnis zu ihnen hatte (oder wie oben beschrieben, diese angesäuert auf die Frage reagieren)...

    Es gibt halt verschiedene Konstellationen, ich wollte sagen, dass ich es nicht für egoistisch halte, die Entscheidung bewusst anderen zu überlassen.

  • Es sind im Todesfall so viele Dinge zu klären, dann ist es erleichternd, wenn man sich um diese Fragen keine Gedanken machen muss.

    Das denke ich auch.

    Als meine Omi gestorben ist, wußten wir alle von ihr: "Wenn der Tag X kommt, liegt oben auf dem Regel im Abstellraum ein Karton, den macht ihr sofort auf."

    Als es dann soweit war, haben wir den Karton geöffnet und darin war:

    • Ein grünes Abendkleid, in dem sie beigesetzt werden wollte.
    • Ein Zettel für den Pastor, welche Lieder gespielt werden sollten etc.
    • Eine Kopie des Testaments, das Original war beim Amtsgericht hinterlegt
    • 10.000,- DM in bar, um die Bestattung zu bezahlen, das Testament wird ja erst viel später eröffnet.
    • Der Wunsch der alten Dame an uns, dass wir bei der Beisetzung den Sarg aus der Kirche zum Friedhof rüber tragen sollten. Sie wollte nicht auf dem "Bollerwagen" gefahren werden.

    Da war also wirklich alles geregelt.

    Und so sind wir dann zwei Tage vor der Beisetzung zum Bestatter und haben dort mit einem leeren Sarg geübt wie man so einen Sarg mit 8 Mann auf den Schultern trägt. Die Kleinen nach vorn, die Großen nach hinten, Körnerkissen auf die Schultern, ... und alle bitte im Gleichschritt, weil man so nah hintereinander geht, dass man sich sonst gegenseitig in die Hacken tritt. Aber wenn es der Wunsch der alten Dame war, macht man das. :rose:

  • Wenn man sagt, unbedingt eingeäschert im Wald begraben werden zu wollen und die Hinterbliebenen wollen lieber ein Familiengrab anlegen, dann haben die noch Lebenden den Konflikt.

    warum? Der Wille des/der Verstorbenen gilt dann. Mein Bruder wäre nie eingeäschert worden, wenn es nach unserer Mutter gegangen wäre. Er wollte das aber. Keine Diskussionen

  • Ich finde es eine Zumutung, wenn Leute nicht selbst festlegen, was passieren soll. Mir als Angehörige ist das z.B. völlig egal; für mich sind Überbleibsel tote Materie, zu der ich keinerlei emotionalen Bezug habe. Wenns nach mir geht, wird es also immer die billigste und unaufwändigste Variante. Sieht ein anderer Angehöriger das andes, hat man zur emotionalen Belastung des Verlusts zusätzlich ggf. noch Hickhack. Meine Mutter kann sich nichtmals entscheiden, ob Verbrennung oder nicht, was soll das bitte 🙄

    Also bitte klare Anweisungen hinterlassen 🙏

  • Ich finde es eine Zumutung, wenn Leute nicht selbst festlegen, was passieren soll. Mir als Angehörige ist das z.B. völlig egal; für mich sind Überbleibsel tote Materie, zu der ich keinerlei emotionalen Bezug habe.

    Warum ist es eine Zumutung für dich, wenn du ohnehin keinen Bezug zur toten Materie hast? Dann machst du halt einfach das Günstigste und fertig.

  • Warum ist es eine Zumutung für dich, wenn du ohnehin keinen Bezug zur toten Materie hast? Dann machst du halt einfach das Günstigste und fertig.

    Weil ich nicht alleine entscheide und es sicher Spaß macht sich zusammenzusetzen und zu diskutieren, was Muttern wohl am ehesten gewollt hätte, obwohl sie ja eigentlich alles doof fand. Das sind einfach komplett unnötige Belastungen, die man Angehörigen hinterlässt.

  • Ah ok, wenn ihr euch da nicht einig werden könnt ist das natürlich belastend, das kann ich nachvollziehen.

    So einen Fall gab's bei uns noch nie.


    PS Wobei ich das Argument "Was Mutter wohl am liebsten gehabt hätte" auch nicht anführen würde - bei uns entscheiden die Lebenden nach ihren Wünschen, sofern kein ausdrücklicher Wunsch des Verstorbenen vorliegt. Die Überlebenden müssen schließlich mit der Entscheidung weiterleben.

  • Wir werden uns schon einig werden, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass uns überhaupt (ggf). zugemutet wird, das in der akuten Situation noch zu regeln. Als hat man da nicht schon genug Stress auf diversen Ebenen...

  • Hm. Ich hab das nie als Stress empfunden, sondern immer als letzten Liebesdienst. Ich fand es bisher immer "schön", noch etwas tun zu können für den Verstorbenen. Kleider raussuchen, Grabstelle entscheiden (meistens gab es schon eine, nicht immer), Sarg und Urne raussuchen, Trauerfeier planen (wir halten die Trauerrede immer selbst, kein Pfarrer oder Redner), Musik aussuchen, diese der Gema melden, mit dem Friedhof einen Termin vereinbaren, zum Bestattungsinsitut gehen.... Ich hab das "gern" gemacht, so hatte ich in der jeweiligen Trauerphase etwas zu tun.

  • Wir werden uns schon einig werden, das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass uns überhaupt (ggf). zugemutet wird, das in der akuten Situation noch zu regeln. Als hat man da nicht schon genug Stress auf diversen Ebenen...

    Wenn ihr euch einige werdet und eben macht, was ihr für richtig haltet, gibt es da nicht mehr zu regeln als mit eindeutigen Wünschen der/des Verstorbenen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

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