Hi,
ich bin über Google hierhergekommen, nachdem ich diesen schon älteren Beitrag zum gleichen Thema gefunden hatte - der ist aber irgendwann in eine völlig andere Grundsatzdiskussion abgedriftet, davon abgesehen auch schon bald zehn Jahre alt und daher wollte ich den nicht wieder "hoch holen".
Kurz zum Anliegen - ich bin (neben anderen Lehrkräften) kontaktiert worden, ob ich Interesse hätte, an einem neuen Lehrbuch zu einem der zahlreichen, in den letzten Jahren neu geordneten Ausbildungsberufen mitzuwirken. Es gibt für diesen Ausbildungsberuf kein Lehrbuch bzw. kein aktuelles. Ich habe diesen Beruf vor dem LA-Studium selbst gelernt, die passende berufliche Fachrichtung studiert und unterrichte ihn derzeit auch.
Zunächst war ich von der Idee angetan, da ich selbst Interesse daran habe, dass es endlich mal ein richtiges verwendbares Lehrbuch für den Unterricht gibt. Nach ein paar Telefonaten mit der zuständigen Redakteurin holt mich aber ein wenig die Ernüchterung ein. Da soll es also 10% Honorar pro verkauftem Exemplar geben, die sich natürlich alle mitwirkenden Autor:innen teilen werden. Bleiben bei vorauss. 8-10 Autor:innen also im besten Fall 1,25%. Es ist ein Ausbildungsberuf mit relativ wenigen neuen Auszubildenden pro Jahr - ca. 2500 bundesweit, Tendenz in den letzten 20 Jahren fallend. Selbst wenn man dazu noch Arbeitshefte auf die Beine stellt, die dann jährlich gekauft werden, wird da kein reißender Absatz zu erwarten sein. Rechnen wir es mal wirklich schön - wenn wir ein Lehrbuch haben, was für sagen wir mal 69€ brutto verkauft wird, und davon wird je Auszubildenden eins angeschafft (was nie passieren wird; wenn eine Schule das kauft, dann wohl als Klassensatz) - da landen wir bei geschätzt 50 Cent Honorar pro Autor pro abgesetztem Exemplar, was in diesem rosaroten best-case-Szenario 1250€ wären - die natürlich dann noch versteuert werden müssen. Die werden ja aber nicht jedes Jahr neu gekauft. Selbst wenn man die eventuellen Arbeitshefte dazu rechnet, die bei vergleichbaren Verlagen ca. 19€ pro Stück kosten und im Idealfall jedes Jahr für alle Auszubildenden neu angeschafft werden, dann müsste schon jede einzelne Schule im Land auf dieses neue Werk setzen und jährlich für alle Auszubildenden aller Ausbildungsjahre neue Hefte anschaffen, damit da was nenneswertes bei rumkommt - was auch absolut unrealistisch ist.
Dazu kommt, dass mir so ein bisschen die Rolle des Herausgebers zuteil werden soll, der also über alles organisatorisch ein wenig den Blick hat und die Rotte zusammenhält. Das will ich eigentlich nicht - dafür ist m.E. nach der Verlag da. Ich bin Vollzeit-Lehrkraft mit Prüfungsverantwortung im Ausbildungsberuf sowie auch im Gymnasium und habe eigentlich genug zu tun. Wenn ich da am Ende 300-400€ im Jahr an Honorar erhalte, weiß ich nicht so recht, ob es das wert ist. Die krieg ich auch an Zinsen auf dem Tagesgeldkonto ![]()
Zudem geht es für mein Gefühl schleppend voran. Die Anfrage kam vor drei Monaten rein, es gab immer noch keinen Beratungstermin, eine Themenzuteilung o.ä. und ich befürchte, das zieht sich bei der Geschwindigkeit zwei-drei Jahre, bis überhaupt mal was steht und bis dahin hab ich schon richtig ordentlich Zeit und Mühe reingesteckt.
Hat jemand aktuelle Erfahrungen mit dem Thema und einen Tipp für mich? Vielen Dank ![]()