Deutsch und Mathe: eine oder zwei Lehrkräfte?

  • Ich glaube, es wird in den unterschiedlichen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Mich würde interessieren, wie ihr es erlebt und was ihr bevorzugt / für sinnvoller haltet: wenn in der Grundschule Deutsch und Mathe als die beiden eigentlichen Hauptfächer in einer Hand sind, somit die Klassenlehrkraft mit so vielen Stunden wie möglich in der Klasse ist, oder wenn in Deutsch und Mathe jeweils zwei verschiedene Lehrkräfte in der Klasse unterrichten, diese dann im Team agieren, sich möglichst in den weiteren Fächern ergänzen.
    Was spricht für euch für das eine oder das andere System, welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht, gibt es dazu Vereinbarungen an der Schule / in eurem Bundesland?

  • Für Klassenlehrer*innen mit voller Stundenzahl würde ich es immer sinnvoll finden, beide "Hauptfächer" zu unterrichten. Da man in der Grundschule meist sowieso nicht im 45-Minuten-Takt arbeitet, ist man u.a. auch zeitlich flexibler. Auch kann man die Kinder insgesamt besser einschätzen und beurteilen, wenn man sie in den verschiedenen Fächern und Unterrichtssituationen sieht. Ebenso ist die Elternarbeit intensiver.

    Ich erinnere mich, dass nach der Einführung von Englisch in der Grundschule (NRW) einige Vollzeitkolleginnen Deutsch oder Mathe abgeben mussten, weil sie "dummerweise" die Englisch-Qualifikation gemacht hatten. Sie mussten in der eigenen Klasse weniger Stunden unterrichten, weil es zu Beginn kaum Lehrkräfte für Englisch gab. Das kam nicht gut an.

  • Hier sind Deutsch und Mathe, wenn es sich bei den Klassenleitungen um studierte Grundschullehrkräfte in Vollzeit handelt, in der Regel in einer Hand. Das finde ich auch sehr sinnvoll, weil man flexibler ist, wenn man merkt, dass an einem Tag das eine Thema doch mehr Übungszeit braucht, man Freiarbeit besser organisieren kann und die Beziehung zur Klassenleitung durch mehr Stunden natürlich gestärkt wird. Deshalb wird in NRW auch beides verpflichtend studiert, wie in den meisten Bundesländern.

  • In NDS soll ab Klasse 3 ein Hauptfach (D, Ma, Su) an eine andere Person gegeben werden.

    Für das Unterrichten möglichst vieler Fächer spricht,

    • dass man die Kinder besser kennt, einschließlich familiärer Hintergrund etc.
    • dass man in weniger Klassen eingesetzt ist und am Tag nicht so viel springt,
    • dass man die vielen speziellen Bedürfnisse genauer kennt und ausgleichen kann
    • dass man Inhalte verknüpfen kann
    • dass Kinder und Lehrkraft sich besser aufeinander einstellen können
    • dass man den Tag gerade für die Jüngeren besser stufen und strukturieren kann

    Dagegen spricht,

    • dass Fachlehrkräfte ggf. mehr für ihr Fach brennen, sofern man nicht ohnehin beide Fächer hatte (D,Ma)
    • dass Kinder mit der einen oder anderen Lehrkraft besser zurecht kommen
    • dass es eine zweite Bezugsperson gibt, auch gut, wenn mal jemand länger ausfällt, weil dann noch jemand in der Klasse Bescheid weiß
  • Weitere Vorteile, wenn man sich reinteilt: Austausch über die Kinder, gemeinsame Planung und Förderplanung, Gespräche (und ggf. Konflikte) mit Eltern gemeinsam zu lösen, dadurch geteilte Verantwortung, mehr Souveränität und Objektivität, wenn es um schwierige Entscheidungen geht.

    Nachteile dabei: wenn man sehr verschieden arbeitet (insbesondere das Bedürfnis nach Struktur auf einer Skala von bis), kann es anstrengend sein, alles abzusprechen und sich einig zu werden.

  • Kleine Anekdote zur zeitlichen Flexibilität: Ich habe mal ein Halbjahr lang in zwei vierten Klassen parallel Mathematik unterrichtet, weil die KL erkrankt war. Vor- und Nachbereitungen sowie die Klassenarbeiten waren also identisch.

    :ohh: Ich musste letztendlich aufpassen dass ich in der Parallelklasse nicht wesentlich schneller durch den Stoff ging, was aber öfter passierte. In meiner Klasse war ich "zu flexibel", da gab es in Mathe vor den Tests dann schon mal was aufzuholen...

  • Hey, ich bin nur Mama eines GS-Kindes in Hessen.

    D und M werden bei meiner Tochter seit Klasse 1 von unterschiedlichen LehrerInnen unterrichtet.

    Ich persönlich finde es gut, denn in der Sek I hat man ja auch x unterschiedliche Lehrkräfte, dann sitzt der Schock nicht so tief :) Bei meiner Tochter läuft (leider?) sehr viel über die Lehrerbeziehung und ich bin froh, dass wenigstens die paar Stunden Mathe nicht von der Klasenlehrerin unterrichtet werden. (Anmerkung: Die Klassenlehrerin ist absolut großartig)

  • D und M werden bei meiner Tochter seit Klasse 1 von unterschiedlichen LehrerInnen unterrichtet.

    Klar kann das auch klappen. Es wird aber nach meiner Erfahrung hauptsächlich dann gemacht, wenn die Kolleg*innen nicht in Vollzeit bzw. beide mit stark reduzierter Stundenzahl arbeiten.

    In NDS soll ab Klasse 3 ein Hauptfach (D, Ma, Su) an eine andere Person gegeben werden.

    Hier stört mich das "soll". @Palim: Ist das verbindlich gemeint?

  • Bei uns an der Schule wird im der Regel ab der 3. Klasse Mathe von einer anderen Lehrkraft unterrichtet. Hintergrund ist, dass dann 2 Lehrkräfte die Kinder gut kennen, vor allem dann auch für die Schulformempfehlung.

  • Hier stört mich das "soll". Palim: Ist das verbindlich gemeint?

    Ja, das ist schon länger so, aber wir konnten das wegen des Lehrkräftemangels nicht immer realisieren. Es ist unsinnig nach zig Wechseln noch einmal zu wechseln/tauschen, damit die Klassenlehrkraft in keinem Fall alle 3 Fächer erhält, obwohl genau das zu realisieren ist und nach einigen Umstellungen auch sinnvoll erscheint.

    Je mehr Inklusion wir umsetzen, desto unsinniger finde ich es zudem.

  • Spannend, dass mehrheitlich scheinbar doch eher beides in einer Hand liegt. Nun ist es in SH so, dass man nicht Deutsch und Mathe studieren muss, theoretisch würde sogar Sachunterricht und Musik als Kombi gehen. Gewöhnlich hat man aber zumindest Deutsch oder Mathe. Findet ihr es dann sinnvoller, in einer Klasse das zweite Fach fachfremd zu unterrichten oder wäre dann eine Kombi aus zwei LK besser? Und sollte es einheitlich sein an der Schule, oder ist es ok, wenn in der 1a beide Fächer in einer Hand sind (z.B.weil die KL Vollzeit arbeitet), in der 1b hat die KL nur ein Fach (z.B. weil sie Mathe nicht als Fach hat)? Wenn ich so darüber nachdenke: es gibt ja auch LiVs, die irgendwo Mathe oder Deutsch machen müssen, also so als durchgängiges Prinzip in allen Klassen ginge es ja gar nicht…

  • Spannend, dass mehrheitlich scheinbar doch eher beides in einer Hand liegt. Nun ist es in SH so, dass man nicht Deutsch und Mathe studieren muss, theoretisch würde sogar Sachunterricht und Musik als Kombi gehen. Gewöhnlich hat man aber zumindest Deutsch oder Mathe. Findet ihr es dann sinnvoller, in einer Klasse das zweite Fach fachfremd zu unterrichten oder wäre dann eine Kombi aus zwei LK besser? Und sollte es einheitlich sein an der Schule, oder ist es ok, wenn in der 1a beide Fächer in einer Hand sind (z.B.weil die KL Vollzeit arbeitet), in der 1b hat die KL nur ein Fach (z.B. weil sie Mathe nicht als Fach hat)? Wenn ich so darüber nachdenke: es gibt ja auch LiVs, die irgendwo Mathe oder Deutsch machen müssen, also so als durchgängiges Prinzip in allen Klassen ginge es ja gar nicht…

    Ich finde, dass Studienmodelle, bei denen nicht beides studiert wird, dringend abgeschafft gehören. Vielleicht umstritten bei den "Nordlichtern" (meine, dieses Modell, was du beschreibst, gibt es nur in SH und NDS), aber meine Meinung: Eine gute Grundschullehrkraft hat in Deutsch und Mathe fundiert ausgebildet zu sein.

  • Hallo,

    An der Grundschule meiner Kinder (SH) war es so, dass eine Klassenlehrkraft eine Klasse in vielen Fächern einschließlich Mathe oder Deutsch hatte. Das zweite Hauptfach wurde dann von der Klassenlehrkraft der Parallelklasse unterrichtet.

    D.h. jeweils eine Lehrkraft hat beide Klassen in Deutsch bzw. Mathe unterrichtet.

    Fand ich ganz gut.

  • Klar kann das auch klappen. Es wird aber nach meiner Erfahrung hauptsächlich dann gemacht, wenn die Kolleg*innen nicht in Vollzeit bzw. beide mit stark reduzierter Stundenzahl arbeiten.

    In unserem Fall sind beide VZ bzw es ist wird auch bei anderen Klassen so gehandhabt. Ist aber eben nur meine Einzelerfahrung an der hiesigen GS

  • Bei uns ist es so, dass wir schon ab der 1. Klasse Deutsch und Mathe von zwei verschiedenen Lehrkräften unterrichten lassen. Die Klassenlehrkraft hat als Kern Deutsch, Sachunterricht und weitere Fächer und unterrichtet Mathe dann in einer anderen Klasse. Der Austausch und die Zusammenarbeit der zwei Lehrkräften funktioniert bei uns sehr gut.

    Findet ihr es dann sinnvoller, in einer Klasse das zweite Fach fachfremd zu unterrichten oder wäre dann eine Kombi aus zwei LK besser?

    Definitiv die Kombi aus zwei Lehrkräften. Grundschullehrkräfte sollten eigentlich immer in beiden Hauptfächern ausgebildet werden, alles andere bringt nur Probleme mit sich.

  • Hier sollen die Hauptfächer (D, M, HSU) möglichst in der Hand der Klassenleitung liegen. Es gibt immer mehr geteilte Klassenleitungen, also wenn zwei Teilzeitler sich die Klassenleitung teilen. Dann wird aber auch D und M aufgeteilt, sodass die eine Person z.B. 5 Deutschstunden hat und die andere 2. Dass D oder M komplett bei einer anderen Person liegt, gibt es hier nicht. Grund ist, denke ich, damit die Klasse möglichst an allen Tagen D/M hat. Bei HSU ist es so, dass das ggfs. schon komplett abgegeben wird: Bei Teilzeitler-Klassenleitungen bekommen oft die Lehramtsanwärter im ersten Jahr HSU komplett eigenverantwortlich.

    Ich finde es gut, möglichst viele Stunden in der eigenen Klasse zu haben. Gründe wurden schon viele genannt. Das Argument, dass ja dann in Realschule und Gymnasium auch viele Fachlehrer in der Klasse sind, zieht für mich nur teilweise. Ich bin Vollzeit und habe heuer 19 Stunden in der eigenen Klasse. Meine Klasse hat sechs Lehrer(innen). Insofern sind die Kinder nicht einzig von mir abhängig und auch gefordert, sich auf andere Lehrer einzustellen.

  • Ich habe diese Aufteilung 2mal erlebt:

    Einmal in gemischten 1./2. Klassen im Brennpunkt. Das fand ich sehr schlecht. Zum einen waren die Lehrerwechsel in den kleinen Pausen schwierig, weil die Kinder übereinander herfielen und sich prügelten oder mal auf den Hof gingen, weil sie gerade Lust dazu hatten. Die Kollegin, bei der ich in Mathe drin war, hatte kaum Regeln und Strukturen, was die Klasse sehr kribbelig macht. In meiner Klasse unterrichtete sie Mathe und ich hatte massiv mit Elternbeschwerden zu tun, was Zusatzarbeit bedeutete.


    Einmal in Klasse 3/4 in einem besser situierten Stadtteil:

    Auch hier fand/finde ich das schwierig: Ich musste aus meiner Klasse raus für Musik. Die Kollegin kam oft erst am Ende der Pause, die Kinder waren alleine, prügelten sich. Die Kollegin war ganz anders als ich: Gegenüber den Kindern extrem streng und unnachgiebig, in der Organisation ziemlich lost. Das heißt, ich habe jedes Mal nachdem sie drin war (und sie hatte immer die ersten Stunden, wenn die Klasse noch konzentriert war) aufzuräumen oder Blätter oder Hefte auszuteilen. Ich habe dann recht schnell ein Fach angelegt, in das ich all ihre liegengebliebenen Sachen geräumt habe. Es gab auch hier Elternbeschwerden und das Highlight war, dass die Kollegin einen 3-stündigen Elternabend geleitet und den Eltern in ähnlichem Ton wie den Kindern erklärt hat, was alles nicht klappt. Danach waren die Eltern mir gegenüber nachsichtiger und freundlicher. Immerhin.

    Im Moment ist es in 2 Parallelklassen geteilt und auch da gibt es Probleme: In einer Klasse ist der Mathelehrer extrem streng und es gibt Elternbeschwerden und regelmäßig weinende Kinder. In der anderen Klasse läuft es besser, da verstehen sich die beiden Kolleginnen super, aber auch da gibt es Elternbeschwerden bei Klassenleiterin und Schulleitung, weil die Deutschlehrerin weniger betüddelt als die Klassenlehrerin.

    🍦 Eis macht Spaß! 🍦
    Schoko, Vanille – ganz egal,
    Hauptsache lecker jedes Mal! 😋

    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • ... Und sollte es einheitlich sein an der Schule, oder ist es ok, wenn in der 1a beide Fächer in einer Hand sind (z.B.weil die KL Vollzeit arbeitet), in der 1b hat die KL nur ein Fach (z.B. weil sie Mathe nicht als Fach hat)? ...

    Ich musste es noch nie organisieren, würde aber gefühlsmäßig sagen, dass das total okay ist du es von der Situation abhängig machen und mit den Kolleg*innen zusammen überlegen solltest. Also ja, die Kollegin in der 1a will, kann und darf dann beides unterrichten, der Kollege in der 1b in TZ macht dann das, was er studiert hat oder Deutsch, weil das mehr Stunden bindet...

    Die größte Ruhe gibt es wahrscheinlich immer dort, wo die geringste Kooperation nötig ist, daher ist es wahrscheinlich weniger sinnvoll, ein Prinzip festzulegen und durchzuziehen, nur damit es dem Prinzip folgt.

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