Arbeitszeiterfassung und Präsenzpflicht

  • Ministerin Feller hat jetzt davon gesprochen, dass bei einer Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte eine Präsenzpflicht kommen könnte, sogar in den Ferien.

    https://www.news4teachers.de/2026/01/wenn-e…end-der-ferien/

    Ist natürlich absurd, gerade für den Beruf, bei dem Home Office seit Jahrzehnten ein etabliertes Konzept ist, in Zeiten von Flexibilisierung gerade dieses abschaffen zu wollen. Aber wenn man bedenkt, dass es hunderte andere Berufe gibt, die einem mehr Flexibilität bieten (wenn auch vielleicht monetär nicht ganz so nett), muss man davor wohl keine Angst haben. Ich mache den Beruf echt gerne, aber nicht zu allen Bedingungen. Es ist ja auch nicht so, als würden wir nicht mehr und mehr Lehrer verlieren...

  • Dann wird schnell auffallen, dass es außerhalb der Ferienzeiten mit der Arbeitsbelastung nicht passt.

    Und wie und wo soll ich in den Ferien in der Schule in Präsenz arbeiten? Einen geeigneten Arbeitsplatz für Schreibtischarbeit habe ich dort nicht.

  • das gehört doch zu der Rekrutierungskampagne.. "Kommt in die Schulen junge Absolvent*innen! Wir wissen doch, wie teuer Immobilien sind und Fläche und Heizkosten für Arbeitszimmer sind doch unmöglich teuer! Aber bei uns ist garantiert: kein sinnloses Home-Office, immer frisches Leitungswasser* und ca. 30 cm Platz im Lehrerzimmer**"

    *nicht überall vorrätig

    ** bitte sprechen Sie sich mit Kolleg*innen ab, der Platz reicht für Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr, eine Aufteilung der Präsenz-Zeiten ist aus Kostengründen erwünscht.

  • Bitte alle dann einen Arbeitsplatz in der Schule beantragen! Und so lange der nicht da ist, darauf verweisen, dass Präsenzpflicht nicht einhaltbar ist.

    Niedliche Idee.

  • Die Kommentare bei N4T fassen die Problematik resp. Unmöglichkeit der Realisierung dieser "den Giftzahn ausgepackt"-Drohung beinahe unisono zusammen: Baulich, organisatorisch, infrastrukturell, finanziell etc. nicht machbar und einen geregelten Schulbetrieb unterminierend - es würde nicht mehr gearbeitet, sondern effektiv weniger.

    Und wenn Lehrer zu wenig arbeiten würden, hätten wir die Arbeitszeiterfassung ja längst. Auch NRW zittert davor, wrd ja dann noch deutlicher, dass Schulen heillos unterbesetzt sind, Klassen-/Kursteiler und die Menge an Lerngruppen pro Lehrer eigtl. nicht funktionieren kann, geschweoge denn die komplett überbordemde Verdichtung von unterrichtsfernen Aifgaben, Prestigeprojekten u.ä.

    ... und Feller kennt sich nicht nur nicht bei den realen Bedingungen von Schule aus, sondern auch nicht bei dem, was ihr eigenes Ministerium resp. die damalige Landesregierung noch 2022 selbst festgestellt hat: http://www.schulministerium.nrw/node/26514

    Da wird nichts kommen.

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    "The fact that an opinion has been widely held is no evidence whatever that it is not utterly absurd; indeed in view of the silliness of the majority of mankind, a widespread belief is more likely to be foolish than sensible" (Bertrand Russell).

    "Pourquoi suit-on la pluralité? Est-ce qu'elle a plus de raison? Non, mais plus de force" (Blaise Pascal).

    Einmal editiert, zuletzt von PaPo (21. Januar 2026 08:38)

  • Ministerin Feller hat jetzt davon gesprochen, dass bei einer Arbeitszeiterfassung für Lehrkräfte eine Präsenzpflicht kommen könnte, sogar in den Ferien.

    https://www.news4teachers.de/2026/01/wenn-e…end-der-ferien/

    Ist natürlich absurd, gerade für den Beruf, bei dem Home Office seit Jahrzehnten ein etabliertes Konzept ist, in Zeiten von Flexibilisierung gerade dieses abschaffen zu wollen. Aber wenn man bedenkt, dass es hunderte andere Berufe gibt, die einem mehr Flexibilität bieten (wenn auch vielleicht monetär nicht ganz so nett), muss man davor wohl keine Angst haben. Ich mache den Beruf echt gerne, aber nicht zu allen Bedingungen. Es ist ja auch nicht so, als würden wir nicht mehr und mehr Lehrer verlieren...

    Hier ist die einfache Antwort auf dieses Vorhaben:

    https://www.gesetze-im-internet.de/arbst_ttv_2004/BJNR217910004.html

  • Zunächst einmal gäbe es keine Überstunden, denn die kann nur jemand anweisen, der auch über entsprechende Gelder verfügt. Und soweit, ungedeckte Überstunden anzuweisen, wird wohl kein Schulleiter gehen.

    Bei flexiblen eigenverantwortlichen Arbeitszeiten, kann man Stunden verschieben, wie man lustig ist. Kann in Unterrichtswochen mehr arbeiten und es in Ferienwochen abfeiern. Offizielle Überstunden waren das ohne Anweisung aber noch nie.

    Wenn ich von 7 bis 16.30 Uhr dagegen meine Arbeitszeit abgedeckt habe, werde ich den Bleistift, die Kreide, den Rotstift oder was auch immer pünktlich weglegen und am nächsten Tag weiterarbeiten.

    Wie sind dann eigentlich die Präsenzzeiten bei Lehrer in der Abendschule angemacht? Der bei solchen, die in der Abendschule und im Vormittagsunterricht eingesetzt werden?

    Ich glaube nicht, dass da wirklich was kommt.


    Ergänzung: Es wäre auch eine zu große Verbesserung für Teilzeitkräfte. Stellt euch vor, sie könnten sich bei 50% Teilzeit auf Präsenzzeiten von 7.30 Uhr - 11.30/12.00 Uhr berufen. Teammeetings (sprich Lehrerkonferenzen) würden dann natürlich während der Präsenzzeiten stattfinden, oder?

    LG DFU

    Einmal editiert, zuletzt von DFU (21. Januar 2026 08:27)

  • Was ja schon alleine deshalb gar nicht klappen kann, dass bei uns z.B. die Gesamtkonferenzen erst um 16.30 Uhr beginnen.

    Da müsste dann wohl ein Umdenken an deiner Schule stattfinden. Es ist in anderen Berufen auch üblich Teammeetings während der Arbeitszeiten stattfinden zu lassen. Und wenn diese vollständig in Präsenz sein sollen, dann eben während der Präsenzzeiten. Und da braucht man dann auch nicht mit „Das geht nicht.“ anfangen. Wenn die Rahmenbedingungen es so vorgeben, muss es gehen.

    Ich glaube, dass sich durch ein Präsenzmodell die Belastung von Lehrkräften deutlich verringert, weil eben Beruf und Freizeit stärker getrennt werden. Nachteile eines solchen Modells sehe ich vor allem bei den Kollegen, die die Flexibilität genutzt haben, in dem sie am Abend gearbeitet und am Nachmittag Kinder betreut oder Eltern gepflegt haben oder einfach bei Tageslicht ihren Hobbys nachgegangen sind. Oder sich durch Mehrarbeit in Schulwochen Urlaubstage oder Kinderbetreuungstage herausgearbeitet haben.

  • Die Kommentare bei N4T fassen die Problematik resp. Unmöglichkeit der Realisierung dieser "den Giftzahn ausgepackt"-Drohung beinahe unisono zusammen: Baulich, organisatorisch, infrastrukturell, finanziell etc. nicht machbar und einen geregelten Schulbetrieb unterminierend - es würde nicht mehr gearbeitet, sondern effektiv weniger.

    [...]

    Da wird nichts kommen.

    Genau das. Da wir im Homeoffice auf ungesunde(!) Art und Weise die Arbeit extrem effizient erledigen, würde in der Präsenz in der Schule die Effizienz leiden. Zum Einen, weil dort die Arbeitsverdichtung von über-verdichtet auf normal verringert würde und zum Anderen, da im Büro all die Dinge wie das kurze Schwätzchen auf dem Gang, im Büro und all die Reibungsverluste, die in Behörden und Unternehmen (im Verwaltungsbereich) entstehen, dann die effektiv genutzte Arbeitszeit verringern.

    Zu dem ersten Aspekt: Ich vergleiche da mal damit, wie ich früher in der Industrie und auch mal in einer Behörde gearbeitet hatte: Jetzt muss ich jede Mail, jede neue Information, Verordnung etc. pp. innerhalb kürzester Zeit aufnehmen, weil ich Zeit für meine anderen Tätigkeiten brauche. In Präsenz würde ich all dies - auch im Hinblick auf meine eigene Gesunderhaltung - nicht(!) trödelnd, aber eben in angemessener Geschwindigkeit und sorgfältig erledigen. Die Korrektur einer einfachen kleinen HÜ, die ich jetzt unter Raubbau an meiner Gesundheit in möglichst kurzer Zeit erledige, würde bei Präsenzpflicht mind. 50% mehr Zeit brauchen, weil ich nicht hetzen muss, sondern endlich angemessen Zeit habe. KAs, Kontrolle von Lerntagebüchern etc. würden genauso mehr Zeit kosten. Ohne Trödeln, nur eben dann normales Tempo. Vorbereitung und Nachbereitung von Unterricht erfolgt zur Zeit auch immer in sehr verdichteten Phasen. Bei geistiger Arbeit mit hoher Konzentration braucht es auch geistige Regenerationsphasen! In diesen Phasen mache ich zur Zeit die Spülmaschine, gehe einkaufen etc., bevor ich dann wieder verdichtet weiter arbeite. Im Büro war die geistige Regeneration in der Arbeitszeit (mit dann reduziertem Arbeitstempo) immer drin und wäre es auch bei mir bei Präsenzpflicht in der Schule.

    Die Situation: "Eure MINT-Prüfungen setzen wir ans Ende der Prüfungsphase, weil ihr ja die Korrektur schnell über's lange Wochenende erledigen könnt und der Zweitprüfer das am Montag braucht." würde auch nicht mehr funktionieren, da ich dann ganz sicher nicht am Samstag und Sonntag im Homeoffice weiter korrigiere und da gibt es viele andere konkrete Beispiele im Schulalltag - nicht nur in Prüfungsphasen.

    Dazu kommt: Um die Schulen zu einem angemessenen Arbeitsplatz zu machen, müssten die Schulträger (in RLP: die verarmten Kommunen) investieren. Diese hätten daran aber kein Interesse, im Gegenteil. Das Land als Dienstherr hätte ein Interesse an Arbeitsplätzen in der Schule, wäre aber erfahrungsgemäß nicht bereit, diese zu finanzieren.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
    A gentle Irishman mighty odd.

  • Da müsste dann wohl ein Umdenken an deiner Schule stattfinden. Es ist in anderen Berufen auch üblich Teammeetings während der Arbeitszeiten stattfinden zu lassen.

    Das kann nicht gehen und wird auch anderswo in Berlin nicht gehen, denn die Erzieher haben ja alle Kinder mit Hortvertrag bis 16 Uhr, die Eltern kann man auch nicht früher einbestellen (deshalb findet die Schulkonferenz und die Gesamtelternvertretung ja noch später statt). Also nein, das Umdenken hat nichts mit meiner Schule, sondern den Gegenbenheiten und Vorschriften zu tun, die anders nicht einzuhalten sind.
    Teammeating ist natürlich auch in der Arbeitszeit (wenn auch eine Stunde on top) und Stufen- und Fachkonferenzen liegen auch ab 14 Uhr, aber sobald die Erzieher dazu gehören (und die Schulhelfer) geht eben nichts vor 16 Uhr.

  • Ich glaube, dass sich durch ein Präsenzmodell die Belastung von Lehrkräften deutlich verringert, weil eben Beruf und Freizeit stärker getrennt werden. Nachteile eines solchen Modells sehe ich vor allem bei den Kollegen, die die Flexibilität genutzt haben, in dem sie am Abend gearbeitet und am Nachmittag Kinder betreut oder Eltern gepflegt haben oder einfach bei Tageslicht ihren Hobbys nachgegangen sind. Oder sich durch Mehrarbeit in Schulwochen Urlaubstage oder Kinderbetreuungstage herausgearbeitet haben.

    Das wäre der Hauptnachteil und würde den Beruf, der ja in seinen Unterrichtspräsenzphasen körperlich und geistig extrem anstrengend und fordernd ist, sehr unattraktiv machen. Da würde dann auch der aktuelle Slogan bei uns in RLP: „Klick RHEIN und LAND bei uns, PFALZ du Bock hast!“ nicht mehr helfen, um den ohnehin schon knappen Nachwuchs zu gewinnen.

    Diese Flexibilität war für mich auch ein ganz wesentlicher Punkt, die Industrie gegen die Schule zu tauschen. Von der Sache her sind beides tolle Jobs (gewesen).

    Edit: (Und noch am Rande) Ich merke auch, dass ich mehr Zeit brauche, um wieder fit zu werden, um weiter zu arbeiten. Das war vor 20 Jahren anders. Jetzt stemple ich virtuell aus, fahre nach Hause und habe dann irgendwann die 6 Stunden Unterricht verdaut und kann weiter arbeiten. In Präsenz wäre das dann aber eine Arbeitsphase mit sehr geringer Effizienz wie früher in der Firma, wenn ich nach einem Tag Kundenbetreuung dann im Büro Verwaltungskram nachgearbeitet habe.

    Tim Finnegan liv’d in Walkin Street
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  • Das kann nicht gehen und wird auch anderswo in Berlin nicht gehen, denn die Erzieher haben ja alle Kinder mit Hortvertrag bis 16 Uhr, die Eltern kann man auch nicht früher einbestellen (deshalb findet die Schulkonferenz und die Gesamtelternvertretung ja noch später statt). Also nein, das Umdenken hat nichts mit meiner Schule, sondern den Gegenbenheiten und Vorschriften zu tun, die anders nicht einzuhalten sind.
    Teammeating ist natürlich auch in der Arbeitszeit (wenn auch eine Stunde on top) und Stufen- und Fachkonferenzen liegen auch ab 14 Uhr, aber sobald die Erzieher dazu gehören (und die Schulhelfer) geht eben nichts vor 16 Uhr.

    Wie gesagt, würde es dann anders gehen müssen. Aber wir brauchen das nicht ausdiskutieren, da die Wahrscheinlichkeit für eine Präsenzpflicht so gering ist, dass sich da eher nichts ändern wird. Zumal Frau Feller für dich und mich eh nicht zuständig ist.

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