Medienentwicklungsplan

  • Entweder, das Problem existiert, dann muss die logische Konsequenz sein, dass entsprechend viele SuS sitzen bleiben bzw. die Prüfung nicht bestehen. Oder es existiert nicht und Jugendliche sind vergesslich wie eh und je und lernen nur bis zur nächsten Klausur was sie hinterher sofort wieder vergessen. So wie die meisten von uns auch.

    In meinen AV-Klassen wird ein Drittel in Deutsch auf eine 5 kommen und ggf. in der Nachprüfung den Schulabschluss noch schaffen, ein weiteres Drittel wird auf eine 6 kommen und keinen Abschluss schaffen. Schade, aber da lässt sich in den letzten Monaten nichts mehr ändern. Wer 9 oder 10 Schuljahre als Analphabet verbracht hat, kann auch von mir nicht gerettet werden, wenn ich 30 Schüler in der Klasse sitzen habe.

  • Ich habe in der Ausbildungsvorbereitung zum Halbjahr 21x die Note 5 oder 6 vergeben. Wo nichts ist, da ist eben nicht.

    Spannend finde ich allerdings, dass in BFS1 und BFS2 teilweise Schüler sitzen, die definitiv auch nicht besser sind, aber irgendwie Abschlüsse bekommen haben und dort angekommen sind.

  • Einer : Dass junge Menschen mit Fluchthintergrund bisweilen über bestimmte Inhalte und Kompetenzen nicht verfügen, ist zwar korrekt, aber diese Personengruppe wird in der Regel im Rahmen von Vorbereitungsklassen beschult, um sie (auch) sprachlich überhaupt erst einmal auf den Stand zu bekommen, am Regelunterricht teilnehmen zu können. Sobald sie an meinem Unterricht teilnehmen, muss ich davon ausgehen, dass sie die fachlichen Vorkenntnisse mitbringen, meinem Unterricht folgen zu können, und dann unterrichte und bewerte ich nach offiziellen Vorgaben.

    Ich habe auch die Verantwortung, gegenüber den Kollegen (m/w/d), an die ich irgendwann die jungen Menschen übergebe, dass die Leistungen, die ich qua Noten und Zeugnis bescheinige, auch tatsächlich erbracht wurden. Da unterscheide ich nicht zwischen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund und ich denke, dass Industrie oder Kollegen (m/w/d) weiterführender Bildungsgänge dieselbe Erwartungshaltung an dich haben. Insofern würde ich mich da auch Quittengelees Ausführungen anschließen.

  • Wie gesagt, wenn die Schüler*innen plötzlich (8-10 Jahre sind plötzlich) die allergrundlegendsten Grundlagen nicht mehr beherrschen, dürften sie auch nicht in der Lage sein, einen Schulabschluss zu machen.

    [...]

    Entweder, das Problem existiert, dann muss die logische Konsequenz sein, dass entsprechend viele SuS sitzen bleiben bzw. die Prüfung nicht bestehen. Oder es existiert nicht und Jugendliche sind vergesslich wie eh und je und lernen nur bis zur nächsten Klausur was sie hinterher sofort wieder vergessen. So wie die meisten von uns auch.

    ... non sequitur-Fehler deinerseits. Deine vermeintl. zwingende Konsequenz ist eben keine tatsächliche Konsequenz, weil das nicht unbedingt die versetzungsrelevanten Wissensstände und Kompetenzrn sind resp. weil gleichsam die Rahmenbedingungen derart erodiert sind u./o. geändert wurden, dass bspw. die Sache mit dem "sitzen bleiben bzw. die Prüfung nicht bestehen" und "nicht in der Lage sein, einen Schulabschluss zu machen" (worum es btw auch nicht ging...) nicht zieht; s.o. - Schüler bekommen bspw. eine "ausreichend", wofür sie früher allenfalls ein "mangehalft" bekommen hätten, bekommen Prüfungen und Prüfungsformate, bei denrn sie kaum scheitern können (man kann sich schon denken, wie bspw. die 5. Abiprüfing demnächst in NRW läuft) und sind mit Kollegen konfrontiert, die (aus nachvollziehbaren Gründen) statt einem angebrachten "mangelhaft" ein "ausreichend" erteilen (Reduzierung der Gefahr des Widerspruchs; keine Arbeit in den Ferien zum Vorbereiten der Nachprüfung; kein Stress mit der SL etc.)... etc. etc. etc.

    Was soll also diese realitätsleugnende Empörung?

    Aber ja, "plötzlich" ist das nicht gekommen, das entwickelt sich seit ca. 2 1/2 Jahrzzehnten so.

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • Dass junge Menschen mit Fluchthintergrund bisweilen über bestimmte Inhalte und Kompetenzen verfügen, ist zwar korrekt, aber diese Personengruppe wird in der Regel im Rahmen von Vorbereitungsklassen beschult, um sie (auch) sprachlich überhaupt erst einmal auf den Stand zu bekommen, am Regelunterricht teilnehmen zu können. Sobald sie an meinem Unterricht teilnehmen, muss ich davon ausgehen, dass sie die fachlichen Vorkenntnisse mitbringen, meinem Unterricht folgen zu können, und dann unterrichte und bewerte ich nach offiziellen Vorgaben.

    Das hängt (in NRW) davon ab, ob sie noch in der Erstförderung sind, die i.d.R. zwei Jahre umfasst, manchmal aber auch drei oder vier (je nachdem ob noch alphabetisiert werden muss und wie schnell der individuelle Lernfortschritt ist). Je nach logistischen/personellen Voraussetzungen und Umsetzungskonzept der Schule kann es sein dass sie diese Zeit separiert in einer Vorbereitungsklasse verbringen oder eben auch von Beginn an - stundenweise - in den Regelklassen, wo sie je nach Können dann auch mehr oder weniger normal am Unterricht teilnehmen, allein schon um sich eine Chance zu erhalten nach der Erstförderung evtl. den Ersten Schulabschluss oder die ZP10 zu schaffen.

  • Entweder, das Problem existiert, dann muss die logische Konsequenz sein, dass entsprechend viele SuS sitzen bleiben bzw. die Prüfung nicht bestehen. Oder es existiert nicht und Jugendliche sind vergesslich wie eh und je und lernen nur bis zur nächsten Klausur was sie hinterher sofort wieder vergessen. So wie die meisten von uns auch.

    Das Problem existiert. Es zeigt sich nicht nur in der Schule sondern auch in Vergleichstest etc.. Die Schüler mögen heute auch andere (digitale) Kompetenzen mitbringen aber bei den klassischen Kompetenzen, die wir erwarten zeigt sich ein Defizit. Ein Aspekt davon ist sicherlich, dass Kinder zunehmend vor digitalen Medien als Babysitter gesetzt werden und bestimmte Erfahrungen wegfallen.

    Das werden wir alles grundsätzlich nicht ändern. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Alle sitzen bleiben lassen, wird das Problem auch nicht lösen. Ein Aspekt ist daher, dass (gefühlt) die Anforderungen jedes Jahr ein wenig zurückgehen. Wahrscheinlich gibt es dazu auch Untersuchungen. Auf der andere Seite wird es sicher auch Bereiche geben, wo die heutige Jugend besser ist. Ich war mit ein paar jungen Studenten unterwegs. Sie haben eine dicke Hausarbeit in 2-3 Stunden mit KI erstellt. Inklusive Kniffen, wie man verhindert, dass man erwischt wird. Losgelöstl vom inhaltliche und moralischen, war ich erstaunt wie kompetent sie eine KI einsetzen können. Das war schon spannend.

  • Das ist natürlich eine prima Kompetenz.

    Wenn wir uns von einem "Früher war alles besser" lösen, ist das in der Tat eine relevante Kompetenz. KI ist hier und sie wird ein fester Bestandteil unseres Lebens, ebenso wie Smartphones, Internet, Taschenrechner. Da hilft auch kein pearl-clutching.

    Das Problem, das ich wahrnehme, ist, dass Schüler aber mit der KI nicht umgehen können. Das ist einfach nur eine Verlängerung des Phänomens, dass Schüler das Internet nicht richtig zur Recherche für Präsentationen etc. nutzen konnten, nur potenziert.

    Wenn also jemand die Kompetenz hat, Prompts korrekt so zu formulieren, dass sie den gewünschten Output inhaltlich verlässlich und in der notwendigen Tiefe erbringen - und dabei noch andere Faktoren berücksichtigen ("nicht erwischt werden"), ist das eine Kompetenz, die sie im veränderten Berufsleben natürlich brauchen werden. Wir tun uns - und unseren Schülern - keinen Gefallen, wenn wir die Augen davor verschließen. Das heißt nicht, dass sie nicht auch noch lernen müssen, richtig zu recherchieren, zu bibliographieren und zu argumentieren - ebensowenig wie die Einführung des Taschenrechners das Kopfrechnen unnötig gemacht hat oder die Zulassung von Wörterbüchern das Vokabellernen überflüssig gemacht hat.

  • Alle sitzen bleiben lassen, wird das Problem auch nicht lösen.

    Es bleiben doch "alle" sitzen, weil sie in der Prüfungssituation nicht die Kompetenzen nachweisen können, die ihnen zuvor im Unterricht vermittelt wurden. Die entscheidende Frage ist dann: Warum können sie es nicht, obwohl die Inhalte und Methoden ihnen vorher vermittelt wurden? Die Gründe hierfür können sehr unterschiedlich sein, aber die Folgefrage (und darauf zielt ja auch Quittengelee immer wieder berechtigterweise ab) ist ja: Wie gehe ich als Lehrkraft damit um? Wenn ich dann eine Verlegenheits-Vier gebe, ist keinem geholfen - weder den Schülern (m/w/d) noch den Folgelehrkräften, die dann feststellen, dass die Schüler (m/w/d) gar nicht die fachlichen Voraussetzungen mitbringen, um den nächsten Stoff erarbeiten zu können. Mag sein, dass es aus welchen Gründen auch immer an irgendeiner Stelle innerhalb der Bildungskarriere diesen Stau-Moment gibt, und das ist ärgerlich für die jeweilige Lehrkraft, aber spätestens dann muss ein entscheidender Cut gemacht werden, sodass der Stau gelöst werden kann, statt dass im nächsten Schuljahr die nächste Lehrkraft vor demselben Problem steht, mit Ausnahme, dass der Stau noch größer geworden ist.

  • Das Problem, das ich wahrnehme, ist, dass Schüler aber mit der KI nicht umgehen können.

    Wenn ich eine seitenweise Abhandlung über Thema X mithilfe von KI verfasse, aber die Inhalte gar nicht kognitiv erfassen und auch zu Folgefragen, die sich auf den Inhalt beziehen, nicht ansatzweise korrekt antworten kann, ist es aus Bildungssicht nur ein schwacher Trost, dass ich auf einen Knopf drücken kann und die Abhandlung womöglich sogar ganz lesenswert wäre.

    Daher macht KI-Einsatz immer nur dann Sinn, wenn es zu (messbarem) Lernfortschritt führt - und damit meine ich nicht nur Methoden-, sondern auch inhaltliche Kompetenz.

  • Die letzten beiden Beiträge passen gut zusammen.

    Jetzt muss WillG nur noch sagen, dass Prüflinge auch in der Prüfung eine KI benutzen dürfen sollten. Dann ist der Drops gelutscht.

    ;)

    Edit: na toll. Jetzt hat Gymshark noch einen Beitrag dazwischengequetscht.:doc:

  • Wenn wir uns von einem "Früher war alles besser" lösen, ist das in der Tat eine relevante Kompetenz. KI ist hier und sie wird ein fester Bestandteil unseres Lebens, ebenso wie Smartphones, Internet, Taschenrechner. Da hilft auch kein pearl-clutching.

    Das Problem, das ich wahrnehme, ist, dass Schüler aber mit der KI nicht umgehen können. Das ist einfach nur eine Verlängerung des Phänomens, dass Schüler das Internet nicht richtig zur Recherche für Präsentationen etc. nutzen konnten, nur potenziert.

    Wenn also jemand die Kompetenz hat, Prompts korrekt so zu formulieren, dass sie den gewünschten Output inhaltlich verlässlich und in der notwendigen Tiefe erbringen - und dabei noch andere Faktoren berücksichtigen ("nicht erwischt werden"), ist das eine Kompetenz, die sie im veränderten Berufsleben natürlich brauchen werden. Wir tun uns - und unseren Schülern - keinen Gefallen, wenn wir die Augen davor verschließen. Das heißt nicht, dass sie nicht auch noch lernen müssen, richtig zu recherchieren, zu bibliographieren und zu argumentieren - ebensowenig wie die Einführung des Taschenrechners das Kopfrechnen unnötig gemacht hat oder die Zulassung von Wörterbüchern das Vokabellernen überflüssig gemacht hat.

    Das von dir gebrachte Beispiel ist allerdings leider ein Paradebeispiel, wie KI zu Verblödung beiträgt. Ziel einer Hausarbeit ist ja nicht nur, eine lesbare Hausarbeit abzugeben, sondern daran Kompetenzen zu entwickeln. Ich bezweifle, dass das bei den Studenten gelungen ist. Nun kann man natürlich argumentieren, dass das egal ist, weil sie diese Kompetenzen im KI-Zeitalter gar nicht mehr selbst benötigen, aber dann benötigt man in letzter Konsequenz vermutlich auch diese Studenten dieser Studienrichtung nicht mehr, denn ihre Kompetenzen sind ja offensichtlich durch KI ersetzbar. Und ob die KI brauchbare Ergebnisse liefert, können sie mangels eigener Fähigkeiten wahrscheinlich auch nicht mehr selbst beurteilen, also sind sie nichtmals als Kontrollinstanz zu gebrauchen. Wenn man das als Erfolg verkaufen möchte, bitte, ich finde es mindestens fragwürdig.

    Denkt man deine Argumentationslinie weiter, brauchen Schüler zukünftig außer Prompten eigentlich überhaupt nichts mehr selbst beherrschen und wir können sämtliche Lehrpläne direkt fast vollständig im Schredder entsorgen.

  • In Baden-Württemberg dürfen daher seit diesem Schuljahr keine Hausarbeiten allein mehr benotet werden. Notenentscheidend sind Kolloquien. Und wenn in dieser Schüler oder Studenten zeigen, dass sie das Thema beherrschen, warum nicht. Betrug gab es schon immer. Ich habe auch früher nur bewertet, was ich im Unterricht sah.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Ich würde nie auf die Idee kommen, Hausaufgaben zu benoten. Ich wüsste ja auch gar nicht, wem ich die Note nun geben muss: Vater? Mutter? Der Schwester? Dem ChatBot? Dem Nachbarn?

  • Ich würde nie auf die Idee kommen, Hausaufgaben zu benoten. Ich wüsste ja auch gar nicht, wem ich die Note nun geben muss: Vater? Mutter? Der Schwester? Dem ChatBot? Dem Nachbarn?

    Schade, ein Schlag ins Gesicht jedes ehrlich arbeitenden Schülers. Einfach mal alle in Sippenhaft nehmen.

  • Hausaufgaben dürfen ohnehin nicht bewertet werden.

    Im schulischen Bereich betrifft es aber ja auch Facharbeiten, Projektarbeiten, Referate, über mehrere Stunden anlegte Arbeitspläne... hab ich immer recht gerne gemacht, im letzten Halbjahr gingen solche Aktionen aber zu 100% schief, weil überwiegend nur noch KI Ergebnisse rausgerotzt wurden. Schade, dann eben nicht mehr.

  • Genau! Es ist wirklich schrecklich, wenn SuS nur in der Schule und nicht auch noch für das, was sie zu Hause machen, benotet werden.

    Naja, wenn in der Schule (gerade in der SEK-II) dann der zuhause vorzubereitende Text besprochen wird, ist das ganz und gar nicht schrecklich, wenn man vorbereitet (oh Gott, im bösen Zuhause! So ganz ohne direkten staatlichen Zugriff, du hast recht, richtig schlimm!) erscheint und in der Phase etwas für seine SoMi-Note tun kann.

  • Ich schrieb Hausarbeiten nicht Hausaufgaben. Letztere bewertet wohl niemand.

    Ich sehe kein Problem, die häusliche Leistungen über ein Kolloquium zu überprüfen, war schon zu meiner Studentenzeit üblich. Die Fragen sollten so gestellt sein, dass klar wird, wer sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt hat. Irgendwelche Facharbeiten, Projektarbeiten, Referate konnten auch früher von anderen erstellt werden. Und wer sich das Thema ausführlich von der KI erklären lässt, so dass er es mit eigenen Worten mir erklären kann, warum nicht.

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  • Und was hat das nun mit zu benotenden Hausaufgaben zu tun?

    Die Note für seine Vorbereitung holt er sich in der Schule. Über die SoMi-Note.

    Ein gut vorbereiteter Schüler bekommt also eine gute Note in der Schule. Wer hätte das gedacht.

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